Bei der ansonsten ziemlich langweiligen Ratssitzung am letzten Montag (alle spannenden Anträge, wie z.B. die Resolution für Mumia Abu-Jamal, wurden verschoben) sorgte ein Beitrag bei der »Einwohnerfragestunde« für Furore: Es ging um die Oldenburger Schauspielerin Imke Barnstedt und ihr Privattheater »Berliner Zimmer« in der Roggemannstraße. Die Frage war, warum Imke Barnstedts Veranstaltungen auf der städtischen Homepage und der Internetseite der Oldenburg Tourismus und Marketing GmbH (OTM) angekündigt werden, obwohl ihr seit langer Zeit neonazistische Aktivitäten, im speziellen die Leugnung des Holocaust, nachgesagt werden. Oberbürgermeister Fritz Gerd Schwandner erkärte dazu, dass die OTM bereits im April 2009 Imke Barnstedt zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. O-Ton Schwandner: »Frau Barnstedt hat sich schriftlich und eindeutig der OTM gegenüber geäußert. Sie wies die Vorwürfe zur Holocaustverleugnung von sich und legte dar, dass die Programme des Berliner Zimmers nicht als Plattform jedweder politischer oder ideologischer Propaganda dienten«. Daraufhin hätten sich die OTM und die Stadtverwaltung mit den Vorwürfen »eingehend beschäftigt« und seien zu folgender gutachterlicher Bewertung gekommen: »Da keine eindeutigen Beweise vorliegen, die Frau Barnstedt eindeutig mit rechtem Gedankengut in Verbindung bringen (…)«, werden ihre Veranstaltungen weiterhin von der Stadt beworben.

30. Juli 2003, Wartburg; mittig: Imke Barnstedt
Screenshot aus: »Der Aufstand für die Wahrheit begann auf der Wartburg«
Durchaus eine merkwürdige Schlussfolgerung: Nicht nur, weil selbst Teilnehmer der OTM-Gesellschafterversammlung, wie z.B. Grünen-Ratsherr Sebastian Beer eine ganz andere Position vertreten (O-Ton Beer: »Man muss doch hier sehen, dass es eindeutiges Filmmaterial gibt, indem Frau Barnstedt mit Horst Mahler vor der Wartburg den Holocaust leugnet. Und in ihrem Schreiben, dass ich auch einsehen konnte, spricht sie nicht davon, dass sie den Holocaust eben nicht leugnen würde, sondern sagt, man müsste doch mal die Frage stellen und das untersuchen, wieviele seien denn wirklich gestorben. Und das kennt man in den Kreisen, ist einer der gängisten Schritte um den Holocaust dann doch zu leugnen.«), sondern auch, weil schon ein klein bissschen googlen die eindeutigen Beweise schafft. So z.B. Artikel aus der »taz«, der »Jungle World«, dem Oldenburger Kulturmagazin »stadtpark«, von »NPD-blog.info« und aus einer Publikation der evangelischen Landeskirche Sachsen. Selbst »Wikipedia« weiß schon zu berichten, dass Barnstedt »rechtsextremen Kreisen zugeordnet« wird. Auch die Nazibroschüre »Der Aufstand für die Wahrheit begann auf der Wartburg« aus dem Hause Horst Mahlers , in welcher die besagten Fotos von Imke Barnstedt enthalten sind, ist ohne Probleme im Internet als pdf.-Datei zu finden.

30. Juli 2003, Wartburg; links: Horst Mahler, rechts: Imke Barnstedt
Screenshot aus: »Der Aufstand für die Wahrheit begann auf der Wartburg«
Bei solch schlampiger (oder bewusst unterlassener?) Recherche hilft es auch nichts, wenn Schwandner betont, dass »diese Stadt durch energisches Handeln unterstreichen wird, dass hier keine Bühne für Neonazis zu finden ist«. Mensch muss halt auch bereit sein, sie als solche zu erkennen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Mal gucken was bei der nächste Ratssitzung passiert – dort soll dieses Thema erneut beraten werden.
☞ »Schwandner: Kein Beweis für Neonazi-Vorwurf« NWZ, 24.02.2010
☞ »Altnazi im Übermorgen« taz, 15.06.2009
☞ »Rechte Kulturschaffende in Oldenburg?« stadtpark, November 2008
☞ »Imke Barnstedt: Auftritt von rechts« Jungle World, 13.04.2005
☞ »Bauernhilfe als Collegium Humanum?« NPD-blog.info, 03.03.2008
☞ »Nächstenliebe verlangt Klarheit« Ev. Landeskirche Sachsen, S. 44
☞ »Imke Barnstedt« Wikipedia