Archiv der Kategorie 'völkerkunde'

»there is no justification«

schule ohne rassismus

»Bereits zum Ende des letzten Jahres haben wir [die IGS Helene-Lange-Schule] die Anerkennung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ von der Bundeskoordination erhalten, nachdem wir die nötigen Unterschriften eingereicht hatten. Jetzt geht es darum, dass wir uns an der Schule intensiv mit der Thematik „Rassismus“ auseinandersetzen und z.B. Veranstaltungen planen, Aktionen machen, über uns selbst und über unseren Rassismus reden, andere aufklären.

Und aktuell müssen wir die Anerkennungsveranstaltung zur Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ vorbereiten, die am 26. Mai 2014 stattfinden soll. Einen Paten für unser Projekt haben wir auch bereits gefunden. Und zwar haben wir die Gruppe Strom und Wasser featuring The Refugees ausgewählt.« [Quelle]

support für migrantische kolleg*innen

»Ausbeutung und Sklavenarbeit in der Agrar- und Lebensmittelindustrie – und wer mit KollegInnen aus Polen, Russland, Ungarn, Rumänien, Ghana, Irak, Pakistan, Ecuador … spricht, stellt anhand Ihrer Berichte schnell eines fest: dafür, wie sie behandelt, bezahlt (bzw. nicht bezahlt) werden, spielt es überhaupt keine Rolle, ob das beschäftigende Unternehmen/Subunternehmen deutsch, ungarisch, polnisch etc. ist. Für all diese Unternehmen ist Billigstarbeit das Schmiermittel erster Wahl. Wo die Bezahlung auf dem Papier noch in Ordnung scheint – oder zumindest einem Mindestlohn folgt – sieht es bei genauem Hinsehen ganz anders aus: Statt der acht bis zehn Stunden, die auf dem Papier stehen, werden zum gleichen Geld 14 bis 20 Stunden Arbeit verlangt oder es wird der Lohn durch unzulässige Abzüge kleingerechnet oder der Lohn wird bar, jedoch nur auf dem Papier in der zustehenden Höhe ausgezahlt oder oder oder … Bei den Methoden, die ArbeiterInnen um ihr Geld zu bringen, scheint es kaum Grenzen zu geben.

Wer sich auskennt, kann aus den Lohnabrechnungen und den Berichten der ArbeiterInnen viele Unzulässigkeiten herauslesen. Fragen dazu beantwortet in Oldenburg nun auch Daniela Reim. Sie arbeitet bei der beim gewerkschaftlichen Bildungsträger “Arbeit & Leben” angesiedelten “Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Niedersachsen”. Sie vermittelt weiter, berät, hilft bei der Durchsetzung vorenthaltener Ansprüche. Ruft oder schreibt sie an. Besprecht mit ihr zum Beispiel Eure Arbeitsverträge und Lohnabrechnungen. Ihr Angebot und ihre Hilfe sind kostenlos, vertraulich und für alle offen, die Rat suchen. Derzeit kann die Beratungsstelle in Oldenburg neben deutsch auch in rumänisch und englisch angesprochen werden. Erste Infoflyer, auch mit weiteren Kontaktdaten, liegen in bulgarisch, deutsch und rumänisch vor. Einen kurzen Infoflyer zur Arbeit im Schlachthof haben die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), der DGB und die Beratungsstelle „Faire Mobilität in Hamburg“ erstellt. In Oldenburg könnt Ihr Euch auch gern an die ALSO (Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg) wenden. Wir helfen wo wir können und/oder vermitteln weiter. […] Ein europaweites Verteidigungsnetz für die bäuerliche Landwirtschaft und migrantische LandarbeiterInnen mit vielfältigen Infos über die Lage migrantischer ArbeiterInnen in Landwirtschaft und Ernährungsindustrie baut derzeit die französische Bauerngewerkschaft La Confédération Paysanne zusammen mit ihren KooperationspartnerInnen auf (zu finden unter www.agricultures-migrations.org). Eine Vertreterin dieser Gewerkschaft erreicht Ihr von derzeit bis ca. Mai diesen Jahres auch über die ALSO gleich in Oldenburg.« [Quelle]

der beliebte general

Am 12. Januar verstarb Gottfried Ewert, seines Zeichens Generalmajor a.D., im Alter von 92 Jahren in Bremen. Ewert, gebürtiger Ostpreuße und Träger des großen Bundesverdienstkreuzes, war u.a. von 1974 bis 1977 kommandierender General der 11. Panzergrenadierdivision, deren Stab in der Oldenburger Clausewitz-Kaserne stationiert war. »Als Kommandeur (war er) sehr beliebt bei seinen Soldaten, für deren Belange er sich stets einsetzte«, behauptet zumindest der NWZ-Autor Thomas Husmann in einem Nachruf. Auch ehrenamtlich habe er sich stark engagiert, weiß Husmann zu berichten: »Unter anderem war er Vorsitzender der deutsch-südafrikanischen Gesellschaft«. Deutsch-südafrikanische Gesellschaft? Ein Verein zum interkulturellen Austausch mit den Bewohner*innen des Südkaps? Oder gar eine Bürgerinitiative gegen das bis 1994 in Südafrika herrschende Apartheidsregime? Nicht ganz. Die erste Deutsch-Südafrikanische Gesellschaft (DSAG) existierte bereits während des 3. Reiches und war eng verbunden mit der NSDAP-Auslandsorganisation. Im Jahr 1965 wurde sie wiedergegründet, gab sich honorig und mit vielen Grafen im Vorstand geradezu adelig, während sie im Hintergrund vielen Faschist*innen als Tarnung diente. »Der SPD-Politiker Günther Verheugen bezeichnete die DSAG in seinem Buch „Apartheid“ als „organisatorisches Rückgrat der (Weiß-)Südafrikalobby“. Der Verein diene als Bindeglied zwischen weißen Wirtschaftsunternehmen, reaktionären Kreisen und bestimmten südafrikanischen Politikern. Die DSAG sei lange Zeit ein Forum für Apartheidsanhänger und Nationalisten gewesen. In ihrem Jahresbericht 1990 offenbarte die DSAG sogar offen ihren Rassismus, als sie eine Monarchie für Südafrika forderte, weil „der Schwarze“ zu Demokratie nicht tauge«, konstatierten Oliver Schröm und Andrea Röpke in ihrem Buch »Stille Hilfe für braune Kameraden: das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis«. Darüber hinaus unterhielt die DSAG über Jahrzehnte hinweg bis 1993 eine enge Zusammenarbeit mit dem faschistischem »Hilfskomitees Südliches Afrika (HSA)« und dem Nazi-Magazin »Nation & Europa«.
Also wahrlich lobenswert, das ehrenamtliche Engagement des Gottfried Ewerts. Diese eigenwillige Deutung des NWZ-Redakteurs Husmann wird wohl nur noch getoppt durch die Traueranzeige des Lions-Club Oldenburg: »Sein Anliegen, sich aufrichtig und furchtlos für die Demokratie einzusetzen, war vorbildlich und bleibt uns – wie auch seine Liebe zur Natur – unvergessen«.

rassismus in uniform

lebenslaufoptimierendes gutmenschentum

der fall oury jalloh: neue beweise.


☞ Mehr Info`s fin­det ihr hier.

africa for norway

»Help the freezing Norwegians! RAID-AID«, check: Africa for Norway

schünemann will gutscheinsystem behalten

Wenig überraschend lehnte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) – bekannt als Hardliner in Sachen Flüchtlingspolitik – die Umstellung der Ausgabe von Wertgutscheinen für AsylbewerberInnen auf Barauszahlungen weiterhin ab. Nachdem der Oldenburger Stadtrat im Februar fast einstimmig die Abschaffung des rassistischen Gutscheinsystems beschlossen hatte, beharrte Schünemann mit bekannter rassistischer Argumentation in einem Brief an OB Schwandner auf sein Weisungsrecht und damit auf das Sachleistungsprinzip. Im Sozialausschuss der Stadt soll nun nach Möglichkeiten gesucht werden, um die Minister-Anweisung zu umgehen. Im Gespäch sind bisher ein Umtausch durch die städtische, aber privatrechtlich organisierte Bädergesellschaft oder durch Wohlfahrtsverbände.

☞ »Innenminister beharrt auf Gutscheinen für Flüchtlinge« NWZ 21.​04.​2012
☞ »Grüne auf Kurs gegen Minister« NWZ 25.​04.​2012

bargeld statt gutscheine

Nachdem sich bei der letzten Ratssitzung eine Vertreterin des »Gutscheinbündnis« im Rahmen der Bür­ge­rIn­nen­fra­ge­stun­de eindrucksvoll für eine Ab­schaf­fung des ras­sis­ti­schen Gut­schein­sys­tems aussprach, scheint allmählich Bewegung in die Sache zu kommen. Schon in der Ratssitzung waren sich mehrere Fraktionen und auch die Verwaltung darin einig, sich mit dem Land Niedersachsen in eine juristische Auseinandersetzung zur Abschaffung des Gut­schein­sys­tems zu begeben. Denn vor über zehn Jahr bestimmte das niedersächsische Innenministerium, dass von den Kommunen Gutscheine statt Bargeld ausgegeben werden müssen. SPD, Grüne und die Linkspartei wollen nun entsprechende Anträge zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses am 24. Januar stellen, damit die Stadt künftig den vollen Betrag, der den Flüchtlingen nach dem Gesetz zusteht (70 % des ehemaligen Sozialhilfesatzes), in bar auszahlt. »Gerade für die derzeit in der Gaußstraße untergebrachten Flüchtlinge stellt dies eine sehr wirksame Unterstützung dar, weil der nächstgelegene Supermarkt in Ofen die Annahme der Oldenburger Wertmarken ablehnt«, so SPD und Grüne in ihrer Beschlussvorlage.

☞ »Flüchtlinge sollen Geld bekommen« NWZ 24.​12.​2011
☞ »Diskussion um Wertmarken für Asylbewerber« NWZ 22.​12.​2011
☞ »Tausche Bargeld gegen Gutschein« NWZ 20.​12.​2011

Solange das Gutscheinsystem in Oldenburg jedoch noch angewendet wird, gibt es auch weiterhin den Gutscheinumtausch, um so konkrete Solidarität mit den Flüchtlingen zu üben und ein Zeichen gegen den staatlichen Rassismus zu setzten. Wenn ihr bei einem anschließenden Einkauf Probleme bekommt, sagt doch bitte dem Gutscheinbündnis bescheid:

»am besten schieben wir sie ab«

Dass rassistisches Denken nicht nur in der NPD, sondern auch in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung und den bürgerlichen Parteien weit verbreitet ist, ist ja nun wahrlich keine neue Erkenntnis. Und so überrascht der rassistische Zwischenruf einer CDU-Abgeordneten in der gestrigen Sitzung des niedersächsischen Landtages auch nur wenig: Als Filiz Polat, Abgeordnete der Grünen und Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Niedersachsen während einer aktuellen Stunde zur Flüchtlingspolitik von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) von einer »menschenrechtswidrigen und inhumanen« Abschiebe-Praxis sprach, rief ihr die Schwarmstädter Christdemokratin Gudrun Pieper »Am besten hätte man Sie abschieben sollen!« entgegen.


Dynamisches Duo:
»Alltagsrassistin Pieper« und »Abschiebeminister« Schünemann [Foto: Screenshot]

Pieper kassierte dafür einen Ordnungsruf des Landtagspräsidenten und der Ältestenrat des Landtages erklärte heute, dass »rassistische Äußerungen keinen Raum und Nährboden« im Landtag finden dürften, nachdem die Grünen-Fraktion eine Positionierung zum »Alltagsrassismus in unseren eigenen Reihen« gefordert hatte. Der Vorsitzende der Linke-Fraktion, der Oldenburger AnwaltHans-Henning Adler, forderte unterdessen Pieper angesichts ihrer Äußerung zum Mandatsverzicht auf. »Sie spiegelt eine beängstigende Geisteshaltung wider, denn aus ihr spricht Rassismus, der aus der Mitte der CDU-Fraktion kommt«, so Adler.

☞ »Eklat im Landtag« Die Welt 07.​12.​2011
☞ »Empörung über Abschiebe-Zwischenruf« Ad-Hoc-News 07.​12.​2011
☞ »„Alltagsrassismus“ im Landtag in Hannover?« NDR 08.​12.​2011

todesstrafe gegen mumia vom tisch

Die Staatsanwaltschaft in Philadelphia hat die Todesstrafe gegen den ehemaligen Black Panther-Aktivisten und Journalisten Mumia Abu-Jamal fallen gelassen. Er wurde im Sommer 1982 in einem fragwürdigen Verfahren mit handverlesener Jury, unter Druck gesetzten ZeugInnen und bei zweifelhafter Beweislage wegen eines angeblichen Polizistenmordes im Jahr 1981 zum Tode verurteilt. Nun soll Mumia, welcher sich bereits seit 30 Jahren in Haft befindet und stets seine Unschuld beteuerte, bis zu seinem Tode im Gefängnis bleiben.

Der heute 58-Jährige wurde zur Symbolfigur im Kampf gegen die Todesstrafe und die rassistische Justiz in den USA; weltweit gingen millionen Menschen der »Free Mumia«-Bewegung für seine Freilassung auf die Straße. Die Internationale Solidaritätsbewegung will nach diesem Teilsieg nun erst Recht den Kampf um seine Freiheit fortsetzen.

antifa meets antira

Wie bereits berichtet, soll bei der nächs­ten Sit­zung des Stadt­ra­tes am 19. De­zember, wel­che dann wie­der am ge­wohn­ten Ort (PFL) statt­fin­den wird, der er­neu­te Pro­tes­te gegen den Einzug der NPD mit der For­de­rung nach der Ab­schaf­fung des ras­sis­ti­schen Gut­schein­sys­tems für Flücht­lin­ge verbunden werden.

Bei dem antifaschistischen Protest im Rahmen der konstituierenden Sitzung am 1. November hielten VertreterInnen des Anti-Gutscheinbündnis einen diesbezüglichen Redebeitrag, welcher nun an dieser Stelle dokumentiert wird: »Kein Platz für Faschos – nirgendwo! Mit dieser Parole stehen wir heute hier. Aber diese konstituierende Sitzung des Stadtrats ist auch der Ort, um die anderen Parteien mit ihrer scheinheiligen antifaschistischen und antirassistischen Politik zu konfrontieren. Im Vorfeld der Kommunalwahl hatten alle Fraktionen des alten Stadtrats mit einer Anzeige in der NWZ gegen die Wahl von Nazis mobilisiert und sich dabei als weltoffen und integrationsbereit hingestellt. „Wir heißen Asylbewerber willkommen“ – so hieß es in der Anzeige. Wie das aussieht, müssen ab dem 1. November (also heute) bis zu 160 Menschen erleben, die von der Stadt auf dem ehemaligen Militärgelände am Fliegerhorst untergebracht werden: D.h. Isolation am Stadtrand; Gemeinschaftsküchen; keine Privatsphäre, da Mehrbettzimmer; unmittelbare Nachbarschaft zu Menschen, die seit Monaten gegen das neue Lager demonstrieren – wie rassistisch oder antirassistisch deren Beweggründe sind, wird sich im Konkreten noch herausstellen. D.h. also eine neue Lagerunterbringung, dieses Mal betrieben von der Stadt und begründet mit dem aktuellen Wohnungsmangel. Dass dieser Wohnungsmangel die Konsequenz einer Städtebaupolitik ist, die sich jahrelang mit Schicki-Micki-Projekten wie der Wasserstadt Oldenburg beschäftigte, statt für günstigen Wohnraum zu sorgen, verschweigt die Stadt dabei. Seit heute müssen nun Flüchtlinge dort draußen in Ofen leben und eigentlich sollten wir genauso wie jetzt hier, dort sein, um die Menschen wirklich willkommen zu heißen. Und wir sollten eine solidarische Politik für Flüchtlinge starten, die in Oldenburg z.Zt. nicht wirklich zu finden ist! Ein kleiner, wenn auch nicht ausreichender Teil dieser Politik kann sein, gegen das rassistische Wertgutschein-System zu kämpfen. Flüchtlinge werden wie Menschen dritter Klasse behandelt. Sie bekommen nur 70% der finanziellen Leistungen zum Lebensunterhalt, von denen Menschen von Hartz IV leben müssen. Bis auf ca. 40,-€ „Taschengeld“ wird dieses nur in Form von sog. Wertmarken ausgezahlt. In Oldenburg hatte sich der Stadtrat Anfang der 90er Jahre gegen dieses System positioniert. Dann aber wurde ohne irgendeinen Widerstand die Weisung des Landes hingenommen, doch Gutscheine auszugeben. (mehr…)

die angst vor den schwarzen männern


[via »Ol­den­bur­ger Lo­kal­teil«]

o1-bericht zum »sarrazin-besuch«