Archiv der Kategorie 'pantelsche fassaden'

stadt der superlative

Ein weiterer Durchbruch im Streben Oldenburgs Richtung »Übermorgenstadt« und Kulturmetropole. Oldenburg erreichte nach Würzburg und Fürth den dritten Platz im bundesweiten Videothekenranking des »Zeit-Magazins«. Ganze 6,86 Videotheken pro 100.000 EinwohnerInnen zählt die »Zeit« und bietet gleichzeitig eine schlüssige Interpretation: »Wer böse sein will, interpretiert diese Karte (…) als eine Landkarte der Langeweile. Ganz vorne liegen Städte, die popkulturell eher unauffällig sind.«

☞ »Wo gibt es die meisten Videotheken?« Zeit-Magazin, Januar 2010

gentrifi-dingsbumms

Gegen die Umstrukturierungspläne der Stadtverwaltung für das Bahnhofsviertel und den »Alten Stadthafen« regt sich weiterhin Protest aus den verschiedensten Ecken. So hat sich nun das KünstlerInnen-Projekt »Herzblut für das Bahnhofsviertel« gegründet, welches sich in den Sanierungsprozess im Bahnhofsviertel einmischen will. »Wir müssen dafür werben, dass im Bahnhofsviertel billige Wohnungen und Ateliers geschaffen werden«, so z.B. der beteiligte Kulturetagen-Chef Bernt Wach. Am Sonntag, dem 17. Januar, startet das Projekt nun erstmal mit der Foto-Ausstellung »Wir im Quartier« und der Ausstellung »Kisten(t)räume« im ehemaligen Blauschimmel-Atelier an der Rückseite der Kulturetage. Bis zum geplanten Abriss dieses Gebäudes soll es unter dem Namen »quARTier« als ständigen Treffpunkt für interessierte EinzelkünstlerInnen und Gruppen dienen.
Auch im Bezug auf den »Alten Stadthafen« gibt es Neuigkeiten. Seit Kurzem gibt es unter der URL http://www.alter-stadthafen-oldenburg.de eine neue Internet-Seite, welche potentielle InvestorInnen über das geplante »anspruchsvolle und moderne Quartier für hochwertiges urbanes Wohnen, Dienstleistung und Freizeit« informieren will. Ein Besuch der Seite lohnt sich.

In Hamburg sind die Auseinandersetzungen um Umstrukturierung, Yuppisierung und Vertreibung schon um Einiges weiter. Davon zollt z.B. das hochglanzbroschürte Marketing-Plagiat »HAMBURG: unter Geiern« oder auch der sehr nette N3-Bericht »Aufstand im Kiez – Der Kampf ums Schanzenviertel«, den es nun hier in drei Teile zerhackt zu gucken gibt:

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bürgerhaushalt?

Seit dem 7. Januar können OldenburgerInnen auf der Internetseite der Stadt Vorschläge machen, wofür die Stadt 2011 Geld ausgeben sollte. Dies ist der Start einer dreijährige Testphase für den sogenannten »Bürgerhaushalt«, der in keinster Weise bindend für die RatspolitikerInnen oder Stadtverwaltung ist – eigentlich also eine klassische Verarsche mit basisdemokratischer Fassade. Nichts desto trotz lohnt sich ein Blick auf die eingehenden und teilweise äußerst vernünftigen Vorschläge: So fordert z.B. »Tim«, dass »der öffentliche Personennahverkehr in Oldenburg, also unsere Busse der VWG für alle kostenlos sein sollen. Die Stadt bezuschusst die VWG mit etwa 1,5 Mio. Euro p/a, was ein sehr großer Posten der Einnahmen der VWG sein dürfte. (…) Ich bin der Meinung, dass wir das Geld in die Hand nehmen sollten, und ähnlich wie einige andere europäische Städte, den öffentlichen Nahverkehr komplett über Steuergelder finanzieren sollten«. Andere schlägen in eine ähnliche Kerbe und fordern beispielweise freie SchülerInnen-Bustickets für die Sek II und Auszubildende mit einem Monatslohn unter 450€ oder Busfahrten für 1 € Tagesgebühr. Ebenso finden sich Forderungen nach freiem Eintritt für Kinder und Jugendliche in das Stadt- und das Horst-Janssen-Museum oder auch einem Platz für Obdachlose und Drogenabhängige, da auch diese »Personen (…) das Recht (haben) sich zu treffen und nicht immer und immer wieder von Öffentlichen Plätzen verscheucht zu werden und mit Platzverboten und Geldstrafen bombadiert zu werden«. Ach, wenn die Verwaltung doch nur so weise wäre…

… verlassen das sinkende schiff.

Während unser Oberbürgermeister Fritz Gerd Schwandner aka »Der Blender« trotz Rekorddefiziten wie eh und je Oldenburgs krisensicheren Aufstieg an die Weltspitze der Metropolen proklamiert, schleichen sich seine engsten Weggefährten Einer nach dem Anderen von Bord. Nachdem bereits im Mai 2009 der Yuppiesierungsbeauftragte und Stadtbaurat Frank-Egon Pantel seinen Rückzug für den Sommer 2010 angekündigt hatte, hat nun auch Stadtsprecher Marco Sagurna zum 31. März 2010 das Handtuch geworfen. Sie wissen warum…

leben wagen – wagenleben

Im Zuge der geplanten Yuppiesierungsmaßnahmen für das Areal des alten Stadthafens, wo nach den Träumen des scheidenden Stadtbaurats Frank-Egon Pantel eine »Wasserstadt« für das zahlungsfähige Klientel entstehen soll, soll auch die dort beheimatete Wagenburg ihre derzeitige Bleibe verlieren. Vor über zehn Jahren wurde die Wagenburg am Stau durch hartnäckige Kämpfe gegen Statverwaltung und Bullerei erstritten und hat sich seit dem zu einem der schönsten (Wohn-)Orte der Stadt entwickelt. Seit Februar 2008 laufen (bisher wenig ergiebige) Diskussionen zwischen der Stadtverwaltung und den BewohnerInnen der Wagenburg über ein eventuelles zentrales Ersatzgelände. Auf der nächsten Bauausschusssitzung soll nun auf Antrag der um den Erhalt besorgten SPD-Fraktion des Stadtrats über die Zukunft der Wagenburg geredet werden. Im Gespräch sollen die Areale »Altes Klärwerk« und »Weser-Ems-Halle/Maastrichter Straße« sein.

mein feind der baum

Am 20. Oktober gab es einen Ortstemin der Stadtverwaltung am Schlossplatz. Der scheidende Stadtbaurat Frank-Egon Pantel versuchte den rund 50 anwesenden OldenburgerInnen darzulegen, warum es absolut notwendig sei, im Zuge der Umgestaltung des Schlossplatzes [Info] vier alte Bäume, darunter zwei über hundert Jahre alte Eiben, abzuholzen. Es gehe schließlich darum, die Geschäfte der Straße Am Schlossplatz optisch an den eigentlichen Platz anzubinden. Dass es sowieso kaum noch grün in der City gibt und die optische Öffnung vorallem den Blick auf parkende Autos freimacht, interessiert die Verwaltung dabei nicht. Genausowenig wie die Proteste der anwesenden Leute, von denen einer seinem Unmut über die geplante Fällung mit dem Anwerfen einer Motorsäge kundtat. Stattdessen stellte der Stadtbaurat mal wieder auf stur und konterte mit einem wirklich unschlagbarem Argument: »Auch eine 170 Jahre alte Eibe war einmal jung«. Na dann…

von plätzen und bären

Wirtschaftsförderung nach Oldenburger Art? »Kein Kommentar.«
Ein netter Film-Bericht von »buten un binnen«:
http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=016361

graf fritz gerd

Hier die (Selbst-?) Darstellung unseres geliebten OB Fritz Gerd Schwandner auf der Kinder-Internetseite der Stadt. »Auch wenn die Zeichnung vermuten lässt, dass der Oberbürgermeister auf einem Thron sitzt und sich ein schönes Leben macht – das ist nicht wirklich so.«
Naja…

P.S.: Besondere Beachtung verdient übrigens die Süßspeise auf dem Teller unseres Grafen. Erinnert irgendwie an das [hier].

belastendes parkhaus

Für das eigentlich schon beschlossene Parkhaus auf dem früheren Telekom-Gelände mitten im Wohngebiet Amalienstraße/Festungsgraben [Info] scheint nun doch noch das Ende gekommen. Nachdem der ECE-, ähh Schlosshöfe-Investor nach kurzem Interesse bereits abgewinkt hat und Ersatz beim Eigentümer, einer Oldenburger Firma, nicht vorstellig geworden ist, hat nun auch das Verwaltungsgericht auf Klage einer Anwohnerin auf ein vorläufiges Bauverbot für das Projekt entschieden, da nach seiner vorläufigen Einschätzung gegen »das Gebot der nachbarlichen Rücksichtnahme« verstossen werde. Durch ein Parkhaus bekäme die Belastung der Anwohnerin eine neue Qualität, die sie voraussichtlich nicht hinnehmen müsse. Belastung durch ein Parkhaus? – Das muss die Stadtverwaltung erstmal prüfen.

nature strike`s back

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vermarktung durch blindgänger

Es kommt wohl weiter Bewegung in die Frage der Nutzung der geschlossen »Donnerschwee Kaserne« und des ehemaligen Fliegerhorstes der Bundeswehr an der Alexanderstraße/Metjendorfer Landstraße. Die beiden riesigen Liegenschaften sind in Besitz der »Bundesanstalt für Immobilienaufgaben« (BIMA) und sind seit Jahren (größtenteils) ungenutzt. Seit kurzem liegt nun ein von der Stadt und der BIMA in Auftrag gegebenes Gutachten zur Verwertbarkeit der ehemaligen Bundeswehr-Areale vor, welches im September im städtischen Bauausschuss erörtert werden soll. Nach Aussage von Hans-Jürgen Brunkhorst von der BIMA solle sich daraus ergeben, dass eine Vermarktung des Fliegerhorstes aufgrund vieler ‚Blindgänger‘ aus dem Zweiten Weltkrieg im Kernbereich des Geländes, welche vor einer Neubebauung eine flächendeckende Räumung erfordern würden, gefährdet wäre. Es könne sein, »dass das Gelände unverkäuflich wird«. Die ehemalige Donnerschwee Kaserne lasse sich dagegen kurzfristig vermarkten – mit »Wohnungsbau, hochwertigen Stadtvillen und Dienstleistung«. Und das ist wohl nun auch der Plan der BIMA – keine gute Nachricht also für die Leute in Donnerschwee. (mehr…)

oldenburger problembären

provinzposse – the beginning

Als OldenburgerIn fragt man sich ja desöfteren, warum in unserer Stadt immerwieder Dinge geschehen, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben und deutlich machen, dass »lebendige Urbanität« und die »Stadt Oldenburg« einfach zwei Paar Schuhe sind. Eine Erklärung dafür ist wohl in der Geschichte der Stadt zu finden – einer Geschichte, die auf Aale baute. Die erste urkundliche Erwähnung der Huntestadt stammt aus dem Jahr 1108, damals noch unter dem Namen »Aldenburg«, welcher wohl ziemlich sicher aus »Aal-Burg«, also Burg der Aale, abgeleitet wurde. Denn der damalige Graf Egilmar I. von Oldenburg wurde auf seinen Wunsch hin vom Kloster Iburg mit seiner Familie in die Gebetsbrüderschaft aufgenommen. Als Gegenleistung sollten künftig alljährlich durch Graf Egilmar zu Marien-Geburtstag neunzig Bund Aale an den Iburger Abt ausgehändigt werden. Das erklärt doch einiges…

die zukunft ist grau

Der seit Jahren andauernde Anti-Graffiti-Kreuzzug des Oldenburger »Präventionsrat« dient sich nun auch als »Qualifikationsbaustein« für SchülerInnen der Berufseinstiegsklasse Farbtechnik am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung an. So berichtet die NWZ vom 19.5. unter dem Titel »Künftige Azubis löschen Graffiti« über die »Außenanstrich-Prüfung« zweier Schüler: Sie »übermalen gekonnt das riesige Graffito unter der Autobahnbrücke an der Alexanderstraße. Auch an der Autobahnbrücke am Hackenweg sind Schüler mit Farbe und Pinsel unterwegs und bereinigen beschmierte Flächen – unter den Augen ihrer Lehrerinnen Ulla Harders und Margit Ostern, von Ausbildern, Malermeistern und dem Team des Graffitomobils der Stadt. Auch Ralph Wilken, der Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes [und Hauptprotagonist des »Bettelverbots«], ist gekommen«. Immer schön grau bleiben.


[rechts hinten: Bürger- und Ordnungsamtsleiter Ralph Wilken]

neuland

Am morgigen Donnerstag, dem 07. Mai gibt`s um 18:00 Uhr im »Cine K« den Dokumentarfilm »Neuland« von Daniel Kunle und Holger Lauinger über (sehr verkürzt ausgedrückt) das Herausfallen ganzer Landesteile Ostdeutschlands aus den ökonomischen Verwertungszyklen.

Die beiden Regisseure »werden auch in Oldenburg mit ihrem liebevoll-forschenden Blick den Wandel des städtischen Raumes untersuchen: Sie planen eine Dokumentation des Bahnhofsviertels vor der bevorstehenden Umgestaltung mit seinen Bewohnern und Kulturschaffenden. Im Publikumsgespräch werden sie ihr Projekt vorstellen«.