Archiv für März 2016

sie sind die letzten…

»Die Gespräche mit Menschen, die am eigenen Leib erfahren mussten, was Faschismus und Verfolgung bedeuten, haben viele von uns geprägt und uns oft in unserem politischen Handeln bestärkt. Diese Gespräche scheinen unverzichtbar für die Vermittlung von Geschichte, unverzichtbar für die politische Praxis, unverzichtbar für jede_n Einzelne_n von uns. Doch es sind die letzten lebenden Zeitzeug_innen, die heute noch mit uns sprechen können und in den nächsten Jahren wird es auch sie nicht mehr geben. Es ist Zeit sich Gedanken zu machen, wie eine aktive Erinnerung an Faschismus, Verfolgung und Widerstand in Zukunft auch ohne die Zeitzeug_innen funktionieren kann.
Wir laden euch zu einer Lesung, Filmausschnitten und Diskussion ein und können dazu drei Referent_innen begrüßen, die auf unterschiedliche Weise Erinnerungsarbeit leisten:
Silvia und Joscha Gingold Peter und Ettie Gingold waren jüdische KommunistInnen, die im deutschen Faschismus verfolgt wurden und in der Résistance gekämpft haben. Ihre Tochter Silvia und ihr Enkel Joscha haben nach dem Tod von Peter und Ettie angefangen auf Veranstaltungen aus Peters Autobiografie zu lesen und die Erinnerung an das Leben und Wirken der beiden wachzuhalten. Silvia und Joscha sind damit ein Beispiel dafür, wie Erinnerungspolitik nach dem Tod von Zeitzeug_innen weitergeführt werden kann.
Matthias Durchfeld Seit über 20 Jahren arbeitet Matthias bei Istoreco, dem Institut für die Geschichte der Resistenza in der Region Reggio Emilia in Italien. Er organisiert u.a. Bildungsreisen und Zeitzeug_innen-Gespräche für Schulklassen und internationale Reisegruppen zur deutschen Besatzung Italiens (1943-45) und zu der Partisan_innen-Bewegung, die sich nach der Besatzung entwickelte. Zentraler Bestandteil der Arbeit von Istoreco ist die Einbindung von Zeitzeug_innen in die Erinnerungspolitik.
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Freitag, 8. April 2016, 19 Uhr im Alhambra

afd-stammtisch in osternburg verhindert

»Am Donnerstag, 24. März, versuchte der lokale Ableger der Afd „Stadt Oldenburg/Ammerland“ seinen regelmäßigen Stammtisch in einem Lokal an der Stedinger Straße in Oldenburg-Osternburg durchzuführen. Thema des Abends: „Eine Alternative für das ganze Volk – wie wird die Afd zur bestimmenden politischen Kraft in Deutschland?“ Ort und Zeit gab die Partei erst zwei Tage zuvor bekannt.Trotz knapper Mobilierungszeit ließen sich dennoch mehr als 20 Antifaschist_innen mobiliseren, welche sich am Abend vor der Lokalität einfanden. Da im Vorhinein die Inhaberin des Lokals über die dort stattfindende Veranstaltung informiert wurde und sie nichts von einem AfD-Stammtisch gewusst haben will, sagte sie die Veranstaltung spontan ab. Dennoch fanden sich neben dem AfD-Sprecher Gerhard Vierfuß eine Hand voll weiterer AfD-Anhänger_innen ein. Letztlich sagte die Betreiberin der Lokalität die Veranstaltung ab.


AfD-Sprecher Gerhard Vierfuß

Auf Facebook versucht die AfD ihren gefloppten Abend als Erfolg zu verkaufen, weil nach eigenen Angaben spontan ein Ausweichort gefunden wurde. Dennoch lassen sich durch Facebookeinträge Organisierungsschwierigkeiten und Unstimmigkeiten innerhalb der Partei erkennen. Zwar spricht die AfD davon, dass die Inhaberin des Lokals im Vorhinein von Antifaschist_innen bedroht wurde. Jedoch wird über einen Eintrag auf der Facebookseite der AfD deutlich, dass diese nichts von einer Parteiveranstaltung gewusst habe und sie daraufhin den bestehenden Vertrag mit der Partei kündigte. Scheinbar versuchte die Partei, die Räumlichkeiten anzumieten ohne Angabe dass es sich um eine Parteiveranstaltung handelt und so die Inhaberin zu überrumpeln. Dieses Vorgehen versuchte die AfD dann dahingehend zu verheimlichen, indem sie den Facebookbeitrag löschte und davon sprach, dass die Inhaberin von der Antifa eingeschüchtert wurde. Auch wenn diese Aktion als Flop für die örtliche AfD zu werten ist, bleibt es weiter an uns ihnen keinen Raum zu überlassen und ihnen konsequent entgegenzutreten. Wir werden auch weiterhin keine Ruhe geben und eure rassistische und menschenverachtende Ideologie entschlossen bekämpfen.« [Quelle]

kalt duschen – von amts wegen!

»Mit Badewanne und Gummi-Ente im Jobcenter. Nur kalt duschen? Auch nicht wenn die Warmwasser-Bereitung elektrisch erfolgt! Stadt und Jobcenter sollen die Übernahme der tatsächlichen Stromkosten fürs Warmwasser sicherstellen, mit dieser Forderung zogen Erwerbslose am 10.3. ins Oldenburger Jobcenter und unterstützten damit den bundesweiten Aktionstag der Kampagne AufRecht bestehen.

Am Donnerstag, 10. März, baute eine Gruppe Erwerbsloser in Bademänteln und ausgestattet mit Gummi-Enten im Foyer der Agentur für Arbeit in Oldenburg eine Badewanne auf, füllte sie mit Wasser und erwärmte das Badewasser mit Tauchsiedern und elektrischen Wasserkochern. „Warmwasser: Übernahme der vollen Stromkosten!“ war auf einem Transparent zu lesen, Flugblätter wurden verteilt und die anwesenden Erwerbslosen über kurze Ansprachen über den Sinn der Aktion aufgeklärt. Hintergrund des Protests ist das Problem vieler Grundsicherungsbezieher, dass sie ihr Wasser mit Strom aufwärmen müssen, die Pauschalen, die das Jobcenter dafür gewährt, aber viel zu gering sind. Dies führt in vielen Fällen zu erheblichen Stromschulden von mehreren Hundert Euro bei den Betroffenen. Die Erwerbslosen fordern, solange es keine bundesweite Regelung für dieses Problem gibt, die volle Übernahme der Stromkosten durch das Jobcenter oder die Stadt Oldenburg. Schon nach kurzer Zeit erschien allerdings Herr Döring vom „Inneren Service“ der Agentur für Arbeit, verweigerte jede Diskussion, ließ sofort die Polizei rufen und drohte mit Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs, wenn die Erwerbslosen nicht sofort das Haus verlassen würden. Nach Aufforderung der Polizei verließen die friedlichen DemonstrantInnen schließlich unter Protest das Gebäude und setzten ihre Aktion vor dem Eingang der Agentur fort.« [Quelle]

newroz-delegation 2016

http://newroz.blogsport.eu/

nur die toten kehren heim

Am Sonntag, 20. März, um 16 Uhr zeigt Werkstattfilm in Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Solidaritätskomitee Kurdistan im Kinoladen an der Wallstraße 24 der Film »Nur die Toten kehren heim«. Die Regisseurin Tina Leisch wird anwesend sein.

»Über eine Million KurdInnen leben in Europa im Exil, viele als politische Flüchtlinge, die nicht in die Türkei zurückkehren können, weil sie dort sofort eingesperrt würden. Aber auch in vielen EU-Staaten werden kurdische FreiheitskämpferInnen als TerroristInnen verfolgt. Der Film portraitiert einige der Exilierten, fährt an die Orte in Kurdistan, an die sie selber nicht zurück können und begegnet dort dem Widerstand der kurdischen Zivilgesellschaft gegen die autoritäre, minderheitenfeindliche Politik des türkischen Staates. Wir begegnen z.B. der Bürgermeisterin von Nusaybin, die mit 80% der Stimmen gewählt wurde und doch ständig von Polizei und Regierung unter Druck gesetzt wird. Wir lernen eine der Journalistinnen kennen, die die systematische Folter an kurdischen Kindern und Jugendlichen im Gefängnis von Pozanti aufgedeckt hat. Wir begleiten die Särge der drei in Paris im Jänner 2013 ermordeten kurdischen Aktivisten auf ihrem letzten Weg. Dabei begegnen wir einer Befreiungsbewegung, die von demokratischen, multiethnischen und feministischen Idealen genauso inspiriert ist, wie vom Kampf für die kurdische Sprache und Kultur.«

newroz pîroz be

refugees welcome demo

»Wir rufen auf, am 12. März um 14 Uhr in Oldenburg für Solidarität mit Geflüchteten zu demonstrieren und gemeinsam gegen Rassismus, religiösen Fundamentalismus und patriarchale Strukturen zusammenzustehen! Beginnen soll die Demo am Hafen beim Kran.

Aktuell finden sich viele Menschen auf der Welt in der Situation wieder vor lebensbedrohlichen Umständen zu fliehen. Aufgrund von Krieg, Terror, Hunger, wirtschaftlicher Not, Verfolgung weiteren Gründen. Natürlich suchen diese Leute auch in Europa und Deutschland Schutz. Sie hoffen auf ein sicheres Leben und nehmen schwerste und auch lebensgefährliche Wege in Kauf um bis hierher zu gelangen. Allerdings finden sie nicht unbedingt das, was sie sich erhofft hatten. In Deutschland feiert man sich zwar momentan für seine sogenannte „Willkommenskultur“, die Realität sieht aber für viele Geflüchtete ganz anders aus: Von öffentlicher Seite werden Menschen, die Anträge auf Asyl stellen, immer wieder Steine in den Weg gelegt und das Ziel scheint zu bleiben, sie so schnell wie möglich wieder abzuschieben. Im alltäglichen Leben sieht es für Geflüchtete nicht unbedingt besser aus. Die deutsche Zivilbevölkerung zeigt sich zunehmend rassistisch. Angefangen bei der AFD, über PEGIDA bis hin zu den rassistischen Bürgerwehren, die sich in letzter Zeit, vor allem im Norden, gebildet haben. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Man muss nicht zu Veranstaltungen wie PEGIDA gehen um Rassist zu sein. Viele Menschen in diesem Land haben eine tendenziell rassistische Grundhaltung. Das zeigt sich an vielen Beispielen. Eines davon ist, wie mit den Ereignissen in Köln umgegangen wurde. Sexistisches und übergriffiges Verhalten wurde zum Problem von Migrant_innen gemacht ohne dabei die patriarchalen Strukturen als Problem anzuerkennen, die auch in Deutschland wirksam sind. Auch wird die Haltung vieler Menschen hier deutlich, wenn man sich einmal anschaut, wie viele Angriffe es in diesem und im letzten Jahr auf (potentielle) Geflüchtetenunterkünfte gab und wie groß die Zustimmung in der Bevölkerung zu solchen Taten war. Es erscheint logisch, dass man bei solchen Sachen aktiv werden muss. Und solch eine Demo ist ein erster Schritt. Kommt zahlreich, je mehr desto besser, und sagt euren Freund_innen Bescheid. Solidarität zeigen! Gemeinsam gegen Repression und rassistische Hetze!« [Quelle]

junge wohnungslose in oldenburg

ig metall geht auf die strasse

»Zum Auftakt der nächsten Tarifrunde erwartet die IG Metall Küste mindestens 1000 Demonstranten am Verhandlungsort in Oldenburg. Aus allen fünf norddeutschen Bundesländern wollen Teilnehmer zu der Kundgebung am Donnerstag (10. März) anreisen, teilte die Gewerkschaft am Montag mit. Verhandelt wird für rund 140.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordwestniedersachsen und Schleswig-Holstein. Zuvor hatte die IG Metall in der Tarifrunde 5 Prozent mehr Geld gefordert. „Mit ihrem Gerede von angeblichen Höhenflügen der IG Metall und einer damit verbundenen Deindustrialisierung Norddeutschlands bringen die Arbeitgeber die Beschäftigten gegen sich auf“, warnte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. „Das werden wir Nordmetall in den Verhandlungen und bei der Kundgebung deutlich machen.“ Die bundesweit erste Tarifverhandlung für den Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie findet am 9. März in Hannover-Laatzen statt. Die Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Geld, die Forderung gilt für die 85.000 Beschäftigten im Tarifgebiet Niedersachsen und für die rund 120.000 Mitarbeiter im Haustarif bei Volkswagen.« [NWZ]