caretwende statt pflegemaschine

»Was haben eine um 20 % gesteigerte Fallzahl im Krankenhaus, eine um 40 % gesenkte Verweildauer und die um 10 % verringerte Zahl der Pflegekräfte; die bei der Tochterfirma angestellte Stationshilfe, die unter Tarif bezahlt wird; – die TherapeutInnen einer Klinik, die als LeiharbeiterInnen 1000,- Euro weniger brutto im Monat verdienen; die Mutter und gleichzeitige Halbtagsbeschäftige bzw. Pflegeperson für Familienangehörige im Dauerstress und mit Aussicht auf Grundsicherung als zukünftiger Rente; die Betreuung von Flüchtlingen hauptsächlich durch ehrenamtliche Arbeit und die Suche nach FacharbeiterInnen, die politische Unterstützung der Exportindustrie und die Ausrichtung der Gesellschaft auf Mathematik, Informationstechnologie, Naturwissenschaft und Technik gemeinsam? Gabriele Winker diskutiert in dem Buch „Care Revolution“ (2015) genau diese Frage. Sie dokumentiert den Stress der Care Leistenden, das daraus erwachsende schlechte Gewissen gegen-über den Betroffenen, die hohe Zahl der Burn-out Fälle im Care-Sektor und die ökonomische Dominanz der Kapitalverwertung mit immer höheren Ansprüchen an Arbeitskräfte, an Arbeitstempo und an Konkurrenzfähigkeit. Und sie entwickelt Lösungen: das Erkennen der gesellschaftlichen Ursachen für die individuelle und berufliche Überforderung, die wachsende Vernetzung der Care-ArbeiterInnen, der wesentliche Impuls, der aus dem Care-Prinzip, nämlich der Orientierung an der Situation von Menschen, die Hilfe brauchen, entstehen könnte, die Utopie einer solidarischen Gesellschaft, die in kleinen und großen Einheiten, von unten nach oben, demokratisches Entscheiden und Handeln ermöglicht.
Ihr Vorschlag ist eine Care Revolution, die nicht den Zwang zur Kapitalverwertung, sondern die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Wir finden, dass das Buch von Gabriele Winker wesentliche Impulse für politisches Denken und soziales Handeln liefert. Deswegen laden wir ein, mit ihr zu diskutieren.
« [Quelle]

Veranstaltung mit Gabriele Winker am 26.02.16, 20.00 Uhr im PFL


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