erwacht, organisiert, revolutioniert

»Differenzierte Berichte über das Geschehen in Rojava sind nach wie vor rar gesät, daran hat auch die inzwischen recht ansehnliche Menge internationaler Delegationsreisen bisher wenig geändert. Selbst die langsam wachsnde Zahl von Internationals, die sich nach Rojava begeben, um sich direkt am Freiheitskampf im Norden Syriens zu beteiligen und den Aufbau selbstverwalteter Strukturen zu unterstützen, hat bisher nicht zu einer spürbaren Verbesserung der Informationslage hier geführt. So bleiben viele Fragen weiterhin unbeantwortet, was eine Einschätzung der tatsächlichen Lage, Akteur*innen und Kräfteverhältnisse und damit auch die Entfaltung einer kritischen Solidarität aus libertärer Perspektive erschwert. Wir hatten im September die Gelegenheit, per E-Mail ein Interview mit einem deutschen Anarchisten führen, der vor einem knappen Jahr nach Rojava gegangen ist und sich dort seitdem vor allem am Aufbau ziviler Projekte beteiligt hat.« (mehr…)

Du lebst jetzt seit einigen Monaten in Rojava und bist dort an unterschiedlichen Orten aktiv. Was machst du dort und was sind deine allgemeinen Eindrücke?

Ich war einige Zeit in der YPG und arbeite nun als Teil der Demokratischen Bewegung (TEV-DEM) in der Koordination der grenzenlosen Freiwilligen mit. Immer mehr Menschen aus aller Welt kommen nach Rojava, manche mit viel Erfahrung und großen Plänen, andere ohne jegliche Vorkenntnisse, aber viel Tatendrang, um hier eine neue, freie Gesellschaft aufzubauen. Der Staat ist physisch weitestgehend zerstört und die Fragen der Bildung, Gesundheitsversorgung, Wirtschaft, Kunst…alle Felder, in denen sich menschliche Gesellschaft organisiert, erwarten einer visionären Antwort. Der Drang nach neuen Ideen und die Entfesselung eines gewaltigen Schaffensgeistes sind überall spürbar. Die sichtbarsten Veränderungen sind die direkten Folgen des Falls der Staatsmacht: Überall wird gebaut und Bäume werden gepflanzt, das war vorher verboten. Und die Frauenbefreiung ist unglaublich vorangeschritten in nur vier Jahren der äußeren Revolution.

Wir erleben in der linken Debatte über Rojava oft eine recht verallgemeinernde Idealisierung aufder einen und aufder anderen Seite Desinteresse bis hin zu einer Ablehnung, die sich wenig mit dem realen Geschehen auseinander zu setzen scheint. Wie ist dein Erleben der aktuellen Situation? Würdest du sagen, dass in Rojava revolutionäre Verhältnisse herrschen und wenn ja, wo spiegelt sich das wider?

In Rojava herrschen zweifelsohne revolutionäre Verhältnisse, in einem einzigartigen Maße. Eine Gesellschaft ist erwacht, organisiert sich selbst in allen Bereichen und revolutioniert ihr Bewusstsein in einem Maße, dass sie zu einem antifaschistischen und antikapitalistischen Bollwerk macht, welches schon bald kein Herrscher mehr wird niederreißen können. Vielen Menschen ohne Kontakt nach Rojava fehlt immer noch der Zugang zu greifbaren Informationen über die Vorgänge dort. Das verunsichtert, zumal die Antipropaganda insbesondere vonseiten des türkischen und des KRG-Staates stark ist und auch linke bis anarchistische Menschen skeptisch macht. Jede*r macht Rojava zu dem, was ihr*ihm am Besten in den Kram passt. Daher wird es uns von verschiedener Seite als anarchistische Revolution, stalinistische Rebellion oder autoritärer Kurdenstaat verkauft. Linke und selbst selbsternannte Anarchist*innen setzen Revolution auch manchmal leider mit Avantgardismus gleich. Da die PKK nicht die politische Kontrolle übernommen hat (wie ihr oft vorgeworfen wird), sondern sich auf die Bildung und Aufklärung der Bevölkerung konzentriert, gibt es keine zentralisierte Macht und das führt zu oft widersprüchlichen Entwicklungen. Diese sind aber nicht zwangsläufig konterrevolutionär, sondern in sich gerade Kern eines freiheitlichen Neuaufbaus. Louis Althusser erklärt in „Ideologie und ideologische Staatsapparate“, wie gegen den Staat gerichtete Bewegungen oft seine Stärkung zur Folge haben. Genauso können augenscheinlich konterrevolutionäre Entwicklungen die freie Gesellschaft stärken, wohingegen es schädlich wäre, sie gewaltsam zu unterdrücken. Viele Menschen, sowohl hier als auch in Europa, haben einfach zu totalitäre Revolutionsvorstellungen.

Wo siehst du Schwierigkeiten, Gefahren oder Widersprüche?

Davon gibt es eine ganze Menge. Der Hauptwiderspruch auf politischer Eben besteht zwischen den basisdemokratischen Rätestrukturen und dem parlamentarischen System, die parallel zueinander existieren. Letzteres wurde geschaffen, um die politischen Parteien zu integrieren, die das Rätesystem ablehnen – direkte Demokratie ist eine klare Absage an Parteimacht und wurde daher von mehreren der in Rojava etablierten Parteien abgelehnt. Die Entscheidungsfähigkeit liegt weitestgehend nach wie vor bei den Räten, das Parlament und seine Ministerien sind gegenüber der dezentralen Organisierung nicht weisungsbefugt. Dennoch nehmen sie legislative Aufgaben wahr und sind Organe eines Staates, genauso wie etwa die neu geschaffene Nationalarmee.Wir kennen solche Beispiele aus vielen historischen Revolutionen und müssen diese analysieren, um nicht dieselben Fehler zu wiederholen und die komplexen Dynamiken unserer Situation zu verstehen. Das Embargo zum Beispiel ist mitverantwortlich für die Stärkung konterrevolutionärer Kräfte, gleichzeitig hat es aber auch durch Importknappheit den Aufbau einer lokalen kooperativen Wirtschaft begünstigt. Mit Dogmen kommen wir in der Praxis nicht weiter.

Und welche Aspekte begeistern dich?

Ich liebe die dezentrale Organisierung. Es gibt einfach kein Zentralkomitee, das von oben herab den Aufstand dirigiert, vielmehr sind es tausende autonom denkende Individuen und Gruppen, die alle in dieselbe Richtung streben und dabei gemeinsam eine neue Welt schaffen. Dadurch entstehen Vielfalt und Widersprüche, und gerade darin liegt der Reichtum der Revolution. Apo hat die Gesellschaft einmal mit einem Feld verglichen: Eine Monokultur ist schwach und anfällig, Pestizide, Zäune und Maschinen sind notwendig, um sie zu erhalten. In einer Multikultur hingegen besteht ein starkes Ökosystem, welches sich selbst stützt, schützt und am Leben erhält. Genauso kann eine homogenisierte Gesellschaft (wortwörtlich eine Monokultur) nur durch den Staat existieren, wählend eine freie, vielfältige Gesellschaft den Staat überflüssig macht.

Manchmal haben wir hier das Gefühl, dass innerhalb der Linken wenig Vorstellungen darüber existieren, wie widersprüchlich revolutionäre Veränderungen in Gesellschaften in der Realität ablaufen. Wird Rojava deiner Meinung nach teilweise an Maßstäben gemessen, die sich zu sehr auf abstrakte Theorien beziehen und keinen Raum für Prozesse lassen? Wie ist es, in einer Gesellschaft zu leben, in der grundlegende Umwälzungen stattfinden?

Das Problem der europäischen Linken ist, dass sie jegliches Verhältnis zu ernsthafter revolutionärer Praxis verloren hat. Selbsterklärte Militante vergessen hier in beängstigem Maße, dass Revolution ein Prozess ist und kein Zustand. In Europa ist mensch links bzw. revolutionär, in dem mensch sich selbst dazu erklärt – dass Revolutionär*in sein ein Entwicklungsprozess ist, der niemals aufhört, wird dabei außer Acht gelassen. Deshalb kann oft auch keine konstruktive Außernandersetzung mit eigenen individuellen und kollektiven Schwächen und Unzulänglichkeiten stattfinden – fehlende Organisation, Sexismus, Profilierungssucht sind da nur Beispiele. Einst starke Massenorganisationen haben jeden Kontakt zur Bevölkerung verloren und bedienen nur noch den Bedarf eines widerlichen Überlegenheitsgefühls, welches sie allenfalls zu Klassenfeinden, mitnichten aber zu Revolutionär*innen macht. In der Tat hat das Proletariat weitestgehend das Bewusstsein verloren, um kollektiv über die Ursachen der Krise zu reflektieren – aber viel schlimmer ist es, die Problematik verstanden zu haben und dennoch aufgrund der Unfähigkeit zur Selbstkritik tatenlos zu bleiben.

In Rojava wird ja versucht, das 2003 von Öcalan entwickelte Konzept des demokratischen Konförderalismus bzw. der demokratischen Autonomie umzusetzen. Eine der Grundlagen dieses Modells ist die Selbstorganisierung der Bevölkerung in Räten. Hast du die Arbeit der Räte mitbekommen? Wie sind die Räte zusammen gesetzt? Beteiligt sich die Bevölkerung als Ganzes oder nur einzelne Gruppierungen?

Die Räte sind an den meisten Orten auf vier Ebenen organisiert. Die kleinste ist die Kommune eines Dorfes oder Straßenzuges. Ich kenne eine Kommune in Qamishlo näher, in der ich an Treffen und gemeinsamen Aufräumarbeiten teilgenommen habe. An den kommunalen Aktivitäten haben sich viele beteiligt, bei den Treffen hat es variiert, manchmal waren nur wenige Familien da, allerdings immer sowohl Kurd*innen als auch Araber*innen. Es gab aber auch einige Leute, die sich gar nicht beteiligthaben, weil sie die Selbstorganisierung für sinnlos hielten. Einige nationalisische Kurd*innen und Araber*innen sowie regimetreue Christ*innen boykottieren die Räte durch ihr Fernbleiben. Ein KDP-Anhänger ist anfangs bei jedem Treffen gewesen und hat gegen die
Revolution gewettert, doch nachdem die Leute ihm nicht mehr zugehört haben, ist er nicht mehr gekommen. In der erwähnten Kommune gibt es mehrere Kommissionen, zum Beispiel den autonomen Frauenrat, dessen Vorsitzende eine junge Mutter ist, das Selbstverteidigungskomitee (HPC), und die Streitschlichter*innen. Jede Kommune kann so viele Kommissionen bilden, wie sie, will, aber viele Sachen werden auch auf die Stadtteil-/Gemeindeebene verlagert.

Parallel zu den Rätestrukturen von unten gibt es in Rojava ja auch noch repräsentative Regierungsstrukturen. Wie verhalten sich diese beiden widersprüchlichen Modelle zueinander und lässt sich eine Tendenz ausmachen, ob sich eher die Strukturen von oben oder die von unten durchsetzen?

Wie gesagt, die Ministerien können Gesetze entwerfen und das Parlament kann sie beschließen. Es ist aber nicht so, dass zum Beispiel die lokalen Ökologieräte jetzt dem Umweltministerium unterstehen. Die Ministerien haben eine Verwaltungsaufgabe und sind auf die Räte angewiesen, bei denen die Mittel für die praktische Umsetzung liegen. Das erwähnte Umweltministerium, dessen Vorsitz die grüne Partei innehat, wollte zum beispielsweise die Fisch- und Wildbestände um die Seen im Norden Rojavas schützen und sprach dafür mit den Leuten aus den umliegenden Dörfern, die dort fischen, jagen und Land bestellen. Jetzt gibt es im Frühjahr ein dreimonatiges Fischereimoratorium und ein Naturschutzgebiet, in dem Holzfällen und Jagen verboten sind. Die Dorfbewohner*innen haben dem nicht nur zugestimmt, sondern sind diejenigen, die über die Einhaltung dieser Regeln wachen. Die Menschen Rojavas stehen mit großer Mehrheit hinter der Räteorganisierung. Doch die wenige Unterstützung, die von außen kommt, kommt vor allem vonwestlichen Regierungen, die natürlich ein bourgeoises Staatssystem bevorzugen. Wenn die Rätebewegung nicht stärker von den sich diesen Regierungen entgegenstellenden revolutionären Kräften unterstützt wird, werden die Reaktionäre die Oberhand gewinnen.

Das Modell des demokratischen Konförderalismus ist ja u.a. stark von Bookchins Libertärem Kommunalismus inspiriert. Viele hier hat es überrascht, dass eine sich früher als stalinistisch bezeichnende
Organisation wie die PKK nun libertäre Gesellschaftskonzepte entwickelt und vertritt. Wir treffen unter vielen Linken in Deutschland immer noch auf viel Skepsis und Ablehnung gegenüber der kurdischen Freiheitsbewegung. Was sind deine Erfahrungen und Einschätzungen hinsichtlich des libertären Charakters der Revolution und den Veränderungen der PKK?

Die Vergangenheit der PKK und ihr autoritäres Erbe offen und kritisch zu diskutieren ist unerlässlich. Aber sie heute noch als stalinistisch oder zentralistisch zu bezeichnen zeugt von völliger Unwissenheit. Die PKK ist eine militante Massenorganisation, die sich 2005 mit einem dezentralen, libertären Paradigma neu gegründet hat. Dass damals über drei Viertel der Führungsrige die Partei verlassen haben, gibt Aufschluss darüber, wie radikal der Wandel war. Innerhalb der PKK gibt es heute eine riesige Bandbreite von politischen Positionen, von nationalistischen Marxist*innen über Linkskommuninst*innen bis zu Anarcha-Feminist*innen. Daher gibt es durchaus auch Stimmen, die das Klischee des totalitären Parteistaats bedienen – richtungsweisend für die Bewegung und die Partei ist aber der libertäre Charakter, der in den Maximen Basisdemokratie, Ökologie und Geschlechterbefreiung Ausdruck findet. Auch der Kult um Öcalan trägt zur Skepsis bei. Er wird im Mittleren Osten einfach ganz anders verstanden als in Europa, wo Hitler und Stalin tiefe Narben in der kollektiven Erinnerung hinterlassen haben.

Was meinst du kann die linke Bewegung in Deutschland von der kurdischen Freiheitsbewegung und den gesellschaftlichen Prozessen in Rojava lernen?

Vor allem kann sie wieder Hoffnung schöpfen. In Deutschland ist der Glaube an eine tatsächliche Revolution ja selbst unter Radikalen weitestgehend erloschen. Rojava beweist, dass unsere Zeit reif ist für den Aufstand gegen die Hegemonie der Herrschaft selbst, und dass er erfolgreich sein wird. Es beweist, dass Millionen Menschen ohne Underdrückung und Sklaverei friedlich zusammenleben können, dass sie nicht auf Staat, Macht und Gewalt angewiesen sind. Es beweist, dass Rätedemokratie im großen Stil möglich ist. Zudem können wir aus der Praxis von Kritik und Selbstkritik und aus der kommunalen Praxis lernen. In der europäischen Linken existiert unterschwellig eine große eurozentristische Arroganz, die insgeheim dem bourgeoisen Märchen von der moralischen Überlegenheit weißer/westlicherWerte und Kultur zustimmt. Wie sehr unser Charakter in westlichen Gesellschaften jedoch von kapitalistischen Normen wie Egozentrismus, Profitstreben und Sozialdarwinismus geprägt ist, wird dabei oft ignoriert. Wir müssen erkennen, dass die Ursachen für unser Scheitern vielmehr in uns selber liegen als in der physischen Staatsmacht. Es ist der Staat in unseren Köpfen, den wir herausfordern müssen, bevor wir zu den Waffen greifen und die Paläste anzünden.

In den 90ern gab es beim Aufstand der EZLN ja eine starke internationale Solidaritätsbewegung, die sich auch direkt vor Ort einbrachte. Wie verhält es sich damit in Rojava?

Noch sehr verhalten. Ich weiß zu wenig über die damalige Situation in Chiapas, um einen direkten Vergleich zu wagen. Gemessen an dem, was hier stattfindet, ist es beschämend, wie wenig Solidarität es gibt. International kommt die meiste Unterstützung aus dem marxistischleninistischen Lager, vor allem aus der Türkei sind viele Kommunist*innen, Sozialist*innen und Anarchist*innen gekommen, um zu helfen. Doch die libertären und anarchistischen Organisationen sind vielerorts indifferent bis offen ablehnend der Revolution gegenüber. Sie begehen damit einen Verrat an ihren eigenen Idealen. In Spanien waren es Stalins Anhänger*innen, die der Bewegung in den Rücken fielen. Heute stehen die, die das Erbe der damals Verratenen mit sich tragen, in der Verantwortung, Rojava nicht allein zu lassen. Vor allem im letzten Jahr mehr und mehr Freiwillige aus aller Welt, meist einzeln oder in kleinen Gruppen, nach Rojava gekommen, um zu helfen, zu kämpfen und zu lernen. Viele von ihnen sind ihren libertären Idealen gefolgt, jetzt arbeiten sie in Krankenhäusern und Kunstprojekten, helfen als Übersetzer*innen, drehen Filme oder kämpfen in der YPG.

Was würdest du derzeit von einer internationalen Solidaritätsbewegung erwarten, was für eine Rolle kann die Solidaritätsbewegung hier einnehmen und was wird am dringendsten benötigt?

Wir brauchen drei Dinge. Zuallererst muss Rojava bekannter werden. Über alle Medien, durch Kunst und Aktionen muss weltweit eine breite Öffentlichkeit erfahren, was in Rojava tatsächlich vor sich geht. Was dort jenseits des Krieges gegen Da3sh stattfindet muss allen Menschen deutlich werden. Zum Zweiten materielle Hilfe. Geldspenden sind wichtig, auch Material wie Medikamente, Maschinen und Fahrzeuge wird gebraucht, kann aber aufgrund des Embargos oft nicht über die Grenze gebracht werden. Dennoch ist jede Spende wichtig. Zahllose Gruppen suchen nach internationaler Unterstützung, um Kooperativen
aufzubauen, ökologische Technologien zu etablieren, die Jugendarbeit zu stärken oder gesundheitliche Bildung zu organisieren. Dies sind nur ein paar von vielen Bereichen, in denen Hilfe gebraucht wird. Als grenzenlose Koordination stellen wir Kontakt du den Organisationen in Rojava her, sodass Genoss*innen und Soligruppen konkrete Projekte unterstützen können und sich mit Menschen in Rojava unmittelbar austauschen. Drittens brauchen wir Freiwillige, die herkommen, um die Revolution mit umzusetzen. Wir brauchen Ingenieurinnen und Ärzte, Techniker und Spezialistinnen, Erfinderinnen und Künstler. Vor Allem aber brauchen wir begeisterte Leute, die an die Revolution glauben.
Auch ohne Vorkenntnisse gibt es hier genug zu tun und was mensch noch nicht kann, kann mensch hier lernen. Das Äquivalent zu den Brigaden in Nicaragua sind hier die Lions Of Rojava. Auf ihrer Webseite kann man sich als Freiwilliger melden und weitere Informationen erhalten: www.thelionsofrojava.com . Es gibt noch einen vierten Schritt, doch der sprengt den Rahmen klassischer Soliarbeit. Es ist der Aufbau kommunaler Strukturen überall auf derWelt, mit Rojava als Vorbild, angepasst an die jeweiligen regionalen Bedürfnisse. Staat und Herrschaft können nur weltweit überwunden werden. Ihr Fortbestehen ist mit der demokratischen Moderne nicht vereinbar. Bildung und Wirtschaft, Gesundheit und Glaube, Kultur und Sicherheit – die Antworten auf all diese Bedürfnisse müssen den Herrschenden entrissen und auf lokaler Ebene neu erfunden werden.

Gibt es irgendetwas, das du gerne noch mitteilen möchtest?

Die Verteidigung der Revolution vonseiten von Staaten zu erwarten ist in etwa so absurd, wie einen katholischen Priester zum Gleichstellungsbeauftragten zu machen. Wenn Rojava nur von Staaten verteidigt wird, wird die Revolution untergehen. Nur wenn es nichtstaatliche Kräfte sind, die Rojava und die Rätebewegung unterstützen, kann der Staat überwunden werden. Nur wenn die Solidarität freiheitlich und antiautoritär ist, können wir die Hegemonie der Herrschaft zerschlagen. Die Revolution von Rojava und Mesopotamien ruft jeden freiheitsliebenden Menschen der Welt in die Pflicht. Wer auch immer glaubt, dass unser Leben jenseits von Arbeiten, Konsumieren und Sterben noch einen höheren Sinn hat, ist herzlich eingeladen. Die Utopie der Freiheit lag zu lange zerschlagen vor unseren Füßen. Bauen wir sie neu auf!

Quelle: Gǎi Dào Nr. 59 – November 2015


0 Antworten auf “erwacht, organisiert, revolutioniert”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


+ sieben = zehn