kafranbel – not my revolution

Während sich die meisten Leute aus der deutschen Linken angesichts der komplexen Gemengelage lieber erst gar kein Bild vom täglichen Grauen in Syrien machen wollen, gibt es einige andere, die klar Partei beziehen – ohne aber wirklich hinschauen zu wollen. Gutes Beispiel dafür ist das Abfeiern der »Syrischen Revolution aus Kafranbel«. In einer »Hommage an Kafranbel« schreibt z.B. die Kampagne »Adopt a Revolution«: »Kaum ein anderer Ort in Syrien steht für so sehr für Humor, Kreativität, Ironie und Gewaltfreiheit, wie Kafranbel, ein kleines Städtchen im Norden Syriens. Gerade in den Momenten, in denen es besonders schlimm und unerträglich für die Menschen in Syrien ist, schauen sie nach Kafranbel, warten auf den Freitag und auf die Banner und Plakate, die inmitten des Leidens einen Grund zu Lachen geben«.
Neben der Tatsache, dass sich in Kafranbel seit anfang 2012 das Hauptquartier der Miliz Liwa’ Fursan al-Haqq, der Brigade der Ritter der Gerechtigkeit, befindet, welche Seite an Seite mit der Al Nusra-Front, dem syrischen Ableger von Al Qaida, die Stadt Idlib eroberte, bleibt einem auch wegen manch Anderem das Lachen im Halse stecken. So ist die gepriesene »Kafranbel-Revoltution« ziemlich offensichtlich eine »Revolution«, in der Frauen keinen Platz haben. Dies scheint aber noch nie ein Problem für die Freund*innen der»syrischen Revolution« gewesen zu sein. Die Bilder aus dem nordwesten Syriens werden im Internet fleißig abgefeiert, feministische Kritik an der Verdrängung der Frauen aus der Öffentlichkeit(-sarbeit) in Kafranbel sucht man vergebens. Noch aufschlussreicher als das Fehlen an Kritik am Gezeigten ist aber das unterschlagen der Realität, also das, was eben nicht gezeigt wird. Da viele von denen, die sich der »Kafranbel-Revolution« verbunden fühlen, sich ebenfalls als Unterstützer*innen der von der PYD, beziehungsweise deren bewaffneten Flügeln YPG/YPJ, getragenen Revolution in Rojava sehen, wird bei manchen der »Banner und Plakate, die inmitten des Leidens einen Grund zu Lachen geben«, so getan, als gebe es sie nicht. Die sehen nämlich beispielsweise so aus:

Sowas wollen die Freund*innen der »syrischen Revolution« dann mal lieber nicht zur Kenntnis nehmen.

Ach ja, und so drückt die »Kafranbel-Revolution« übrigens ihre in der Hommage beschriebene »Gewaltfreiheit« aus:

Und wen sie wohl hier mit »den Teufeln« meinen mögen:

Kafranbel? Not my revolution!


4 Antworten auf “kafranbel – not my revolution”


  1. 1 Pu 24. Oktober 2015 um 11:23 Uhr

    Bei den verwirrenden Zuständen in Syrien kann leicht der Eindruck entstehen, daß Kafranbel auf dem Gebiet der syrischen Kurden Rojava liegt wo sich weitgehend bemüht wird Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann und den Religionen zu erreichen wenn hier auch noch alte Kämpfer überzeugt werden müssen. Kafranbel dagegen liegt südlich von Aleppo auf dem Gebiet der Freien Syrischen Aufständischen, das von Putins Luftwaffe heftig angegriffen wird Die IS dagegen wird nicht angegriffen.

    Admin @ PU: http://regentied.blogsport.de/2015/10/16/blanker-zynismus/

  2. 2 ehemaliger 24. Oktober 2015 um 21:10 Uhr

    merci für die infos

  3. 3 muster 28. Oktober 2015 um 12:46 Uhr

    kann jemand das arabische auf dem plakat mit den reagenzgläsern übersetzen?

    Admin@muster: Soll wohl sowas wie „Zersplitterung und Zerstörung der syrischen Bevölkerung durch Assad, ISIS und die PYD“ heißen.
    https://twitter.com/kafrev/status/614835861927120896/photo/1

  4. 4 rot 02. November 2015 um 21:21 Uhr

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