Archiv für Mai 2015

die gdl streikt für uns alle

»„Wir streiken / Maschinen Stopp / Streik bis zum Sieg / Wir werden kämpfen / und uns gehört die Fabrik!“ Diese Zeilen gab die Musikband Ton Steine Scherben den protestierenden Menschen 1970 mit auf den Weg. Dagegen sind die jüngsten Streiks bei der Bahn ein Ponyhof. Denn an der Eigentumsfrage rüttelt heute keine Gewerkschaft mehr. Die Streikenden kämpfen zwar völlig zu Recht, aber zunächst nur für ihre Existenzberechtigung als Lohnarbeiter. Die GDL fordert ja nicht, die Deutsche Bahn zu einem genossenschaftlichen oder kollektiven Betrieb in Mitarbeiterhand zu transformieren. Die GDL fordert lediglich fünf Prozent mehr Lohn und eine einstündige Reduzierung der Arbeitszeit auf 38 Stunden pro Woche. (…) Streiks sind der minimal notwendige Protest gegen die maximalen Zumutungen der Lohnarbeit. Die Gewerkschaften sind lediglich der kleine Rest der früheren Proteste gegen Lohnausbeutung jeder Art. Ohne Gewerkschaften hätten wir heute vielleicht keine 40-Stunden-, sondern eine 72-Stunden-Woche wie im Jahr 1871. Der damals noch etwas kämpferischere DGB startete 1956 eine Kampagne für die 5-Tages-Woche unter dem Motto „Samstags gehört Vati mir“ – ganz patriarchalisch, versteht sich, aber als Ergebnis kam in den 1960ern die 40-Stunden-Woche raus, wie wir sie bis heute kennen. Alle Lohnarbeiter sollten sich solidarisch erklären mit ihren streikenden Kolleginnen und Kollegen bei der GDL. Sie streiken für uns alle! Denn auf lange Sicht geht es um die Arbeitsrechte aller Lohnsklaven. Werden die Gewerkschaften in ihrer Macht beschnitten, dann schneiden sich die Lohnarbeiter selbst ins Fleisch – sprich, als Lohnarbeiter sollten wir nicht gegen die GDL und andere Gewerkschaften wettern und damit dem Stockholm-Syndrom anheimfallen.« (ganzer Text…)

deutsche polizist*innen…

ausstellung zum ns-krankenmord aktualisiert

»Vor elf Jahren wurde die Gedenkstätte Wehnen auf dem Gelände der Karl Jaspers Klinik Oldenburg in der ehemaligen Pathologie eingeweiht. Aufgrund neuer Forschungserkenntnisse ist die Ausstellung jetzt vom Gedenkkreis Wehnen aktualisiert worden. „Sie erinnert an das Leid unzähliger Patienten, von denen während der NS-Zeit mehr als 1500 an den Folgen gezielter Unterernährung verstorben sind“, berichtet Elke Harms-Kranich vom Vorstand des Gedenkkreises. Neue historische Erkenntnisse, wie die Ausweitung der Krankenmorde auf Heime und Kliniken, mussten eingearbeitet werden. Außerdem ist die Ausstellung thematisch gegliedert.

So erfährt der Besucher im Hauptraum anhand einer topografischen Karte, aus welchen Einrichtungen Menschen nach Wehnen gebracht wurden. Es wird über die Hungermorde und auch namentlich über die Täter informiert, es werden Patientenschicksale beschrieben und über die Zwangssterilisationen aufgeklärt, die im ehemaligen Peter-Friedrich-Ludwig-Krankenhaus, dem heutigen Kulturzentrum der Stadt Oldenburg, durchgeführt wurden. Außerdem widmet sich die Ausstellung dem Themenkomplex Euthanasie und Kirche.« (mehr…)

wanderarbeiter*innen sind nicht rechtlos

»Der (noch nicht abgeschlossene) Hürdenlauf begann in der Meldebehörde der Stadt: Im September 2014 ziehen zwei EU-Bürger nach Oldenburg. Sie haben jahrelang an verschiedenen Orten Europas als Wanderarbeiter_in gearbeitet. Die Frau meldet sich beim Bürgeramt der Stadt Oldenburg an und arbeitet danach befristet sozialversicherungspfichtig. Dem Mann verweigert das Bürgeramt mehrfach mit fadenscheinigen Gründen die Anmeldung. In der Folge verliert er dadurch seine Arbeit. Erst durch Unterstützung der ALSO kann er sich in Oldenburg anmelden und findet kurzfristig auch wieder eine Vollzeitstelle. Die schwangere Frau muss am 29.12.14 Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch-II beantragen. Die Antragsstellung wird ihr vom Jobcenter Oldenburg verweigert. Im März 2014 wird mit Unterstützung der ALSO erneut ein Antrag beim Jobcenter Oldenburg eingereicht, der kurzfristig abgelehnt wird. Umgehend wird ein Eilantrag beim Sozialgericht eingereicht, das Sozialgericht spricht den beiden Betroffenen Leistungen zu. Zwischenzeitlich bekommen die beiden jungen Menschen ihr Kind. Da sie nur eine befristete Unterkunft haben, sind sie nun faktisch obdachlos.« (mehr…)

liebeserklärung

»Oldenburger lieben ihre Stadt aus vielen Gründen. Das schmucke Stadtbild, viel Grün, nette Kneipen und reichlich Kultur sind nur einige. Schwule und Lesben schätzen an Oldenburg aber noch ganz andere Seiten. Dazu zählt vor allem die Möglichkeit, ganz normal und ohne Angst zu leben, was auch lange nach der weitgehenden rechtlichen Gleichstellung noch lange nicht überall in Deutschland selbstverständlich ist. Und im Rest der Welt schon gar nicht. Wie eng die Bande zwischen der Huntestadt und ihren Homosexuellen ist, zeigt sich jedes Jahr beim Christopher Street Day, der in diesem Jahr am 20. Juni zum 21. Mal ein buntes Zeichen setzt gegen Diffamierung und Diskriminierung. Aber auch jenseits der Demo ist Oldenburg für Homosexuelle anziehend. Schwule schwärmen gar, die Stadt sei ein „Eldorado.“ Wir haben uns umgehört, was Oldenburg für LGBT (Lesben, Schwule Bisexuelle, Transgender), wie die Szene sich selbst nennt, so reizvoll macht.« (mehr…)

bauarbeiter brechen ihr schweigen

»Lange hüllten sie sich in Schweigen. Drei rumänische Bauarbeiter haben nun erstmals detailliert berichtet, wie sie auf der Großbaustelle BBS 3 betrogen wurden. Das Angebot kam über das Internet. Lukrativ bezahlte Arbeit auf einer Baustelle bot der Unternehmer aus München den Rumänen an. Rund 1300 Euro netto sollten sie pro Monat verdienen, dazu freie Unterkunft und kostenloser Transport zur Baustelle. Die Arbeitszeit war festgelegt auf sechs Tage mit je zehn Stunden; nur am Sonnabend war früher Feierabend. Für jemanden, der in seinem Heimatland rund 300 Euro für die gleiche Arbeit erhält, war das ein extrem verführerisches Angebot. In Oldenburg hätten die angeworbenen Arbeiter alles so vorgefunden, wie erwartet, berichtet Daniela Reim. Zunächst. „Am 6. August 2014 kamen die Arbeiter hier an“, berichtet die rumänischstämmige Mitarbeiterin der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte. Diese Einrichtung unterstützt im Auftrag der Landesregierung ausländische Arbeiter, denen vor allem im Schlacht- und Baugewerbe nicht selten übel mitgespielt wird. „Am 7. August 2014 war der erste Arbeitstag. Der Mittelsmann verlangte eine Kopie des Ausweises und eine Unterschrift auf einem Blankobogen“, erzählt Reim. „Die Rumänen wurden nicht aufgeklärt, warum sie das machen sollten. Es hieß, das sei eine Voraussetzung, um legal arbeiten zu können.“ Reim fand heraus, dass der Münchner Unternehmer die Rumänen ohne deren Wissen beim Gewerbeaufsichtsamt München als Gewerbetreibende angemeldet hatte. „Die Anmeldung trägt keine Unterschrift“, wundert sich Reim. „Die Rumänen mussten nicht beim Amt vorstellig werden, wie das bei einer Gewerbeanmeldung üblich ist.“ Das Dokument sei auf den ersten Arbeitstag ausgestellt worden – 7. August. Reim versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, hat aber noch nicht alle Informationen zusammen. „Mein Verdacht ist, dass dieses Dokument irgendwo auf einem Rechner liegt und lediglich der Name ausgetauscht wird, um jemanden als Gewerbetreibenden auszuweisen.“ Für den Auftraggeber sei eine Gewerbeanmeldung bares Geld wert: Er müsse weder dafür sorgen, dass der Arbeiter Mindestlohn erhält, noch werden Beiträge zur Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung oder andere Sozialleistungen fällig.« (mehr…)

500 erzieher*innen auf der straße

»Seit Freitag streiken Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen bundesweit für mehr Anerkennung und mehr Geld. Am Montag nahmen nach Angaben der Polizei rund 550 Streikende aus der Region an einer Demonstration in Oldenburg teil. Nach dem Auftakt auf dem Pferdemarkt ging es durch die Innenstadt zu einer Kundgebung vor dem Rathaus.

„Wir pfeifen aus dem letzten Loch“, sagte die Erzieherin Elfriede Geisendorff-Mikulka aus dem Landkreis Friesland, die die Ansprache auf dem Rathausplatz hielt. „Trotzdem wäre ich jetzt lieber in meiner Kita, um meine Arbeit zu tun. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, dass unser Auftrag und unsere Arbeit gesellschaftlich neu bewertet werden.“ Und weiter: „Der Staat erwartet hochwertige Arbeit trotz mieser Rahmenbedingungen. Wo bleiben Respekt und Anerkennung dafür?“ Die Discount-Pädagogik-Mentalität müsse endlich aufhören.
Die Gewerkschaft rechnet mit einem zweiwöchigen Streik. „Wir gehen davon aus, dass wir lange streiken müssen, bis wir ein Angebot von den Arbeitgebern bekommen“, so Gewerkschaftssekretär Christian Busch von ver.di. Die nächste Demonstration ist am kommenden Mittwoch in Bremen geplant. Zurzeit werden alle städtischen Kindertagesstätten in Oldenburg bestreikt.
« (mehr…)

wohnen darf kein luxus sein


Liebe Grüße nach Lichtenberg.

teilhabe statt ausgrenzung

»Teilhabe statt Ausgrenzung, miteinander reden statt übereinander: Mehrere hundert Menschen zogen am Sonnabendvormittag vom Hauptbahnhof via Pferdemarkt Richtung Innenstadt, um mit dem Protestzug der Forderung nach Gleichstellung von Menschen mit Behinderung Nachdruck zu verleihen. Jedes Jahr um den 5. Mai herum wird europaweit bei diesem Protesttag für Toleranz und Akzeptanz anstelle von Vorurteilen geworben.« (mehr…)

kita`s on strike

Mehr als 150 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst aus Oldenburg und den umliegenden Gemeinden nahmen am 8. Mai an der Auftaktveranstaltung zum unbefristeten Streik teil – bundesweit waren es fast 20000. Neben Erzieher*innen legten auch Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen die Arbeit nieder. Für kommenden Montag, also den 11. Mai, ruft ver.di die Beschäftigten und alle Eltern, Klient*innen und Nutzer*innen von sozialen Angeboten zu einer Demonstration auf, um sich solidarisch mit den Streikenden zu zeigen, sich für eine Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes einzusetzen und für ein gutes Angebot der Arbeitgeber*innen einzutreten. Die Demo soll im 9 Uhr auf dem Pferdemarkt beginnen.

streit um den alten hafen

»In Oldenburg sorgt derzeit der alte Hafen für Gesprächsstoff. Früher war das Wohnviertel günstiges Wohnquartier. Nun lockt das Wohnen am Wasser immer mehr betuchte Mieter.«

militär und euthanasie

Am 27. Mai gibt es um 19.30 Uhr im Stadtmuseum Oldenburg unter dem Titel »Militär und Euthanasie. Die ‚Wiederherstellung der Kampfmoral‘ und der Krankenmord an deutschen Soldaten« einen Vortrag von Dr. Ingo Harms. »In beiden Weltkriegen wurden deutsche Soldaten, die die psychischen Belastungen des Krieges nicht aushielten, grausam misshandelt. Die Psychiatrie stellte sich bedingungslos in den „Dienst des Vaterlandes“. Für die Patienten konnte dies den Tod bedeuten. Sigmund Freud sprach von ‚Maschinengewehren hinter der Front‘. Wie weit die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen darin verstrickt war, wird am Schicksal von Marinesoldaten aus Wilhelmshaven gezeigt.«

krauts kaputt



спасибо! спасибо! спасибо!

Die Sowjetunion trug die Hauptlast im Krieg und hatte den Hauptanteil am Sieg der Staaten der Antihitlerkoalition über den Block der faschistischen Länder. An der deutsch-sowjetischen Front waren in den Jahren von 1941 bis 1945 zwischen 52 und 70 Prozent der Wehrmacht konzentriert. Die Rote Armee hatte den grundlegenden Umschwung im Krieg zu einer Zeit erzwungen, als es in Westeuropa noch keine zweite Front gab. Bis zum Sieg über Deutschland verloren 26.600 000 Sowjetbürger*innen ihr Leben. Darunter 11.400 000 Soldat*innen, von denen 8.400 000 im Kampf starben und 3. 000 000 in deutscher Kriegsgefangenschaft umgebracht wurden. Etwa 15.200 000 sowjetische Zivilist*innen fielen dem antisemitischen, antislawischen und antiziganistischen Rassenwahn und dem Antikommunismus der Deutschen zum Opfer. Der faschistische Krieg zerstörte 1.700 Städte, über 70.000 Dörfer, rund 32.000 Industriebetriebe sowie 127.000 Schulen, Universitäten und öffentliche Bibliotheken in der Sowjetunion.

zeit der zeugen

Am Sonntag, 17. Mai um 11.15 Uhr wird im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13, Leo-Trepp-Str. 13 (ehemals Wilhelmstraße) der Film »Zeit der Zeugen« gezeigt. Nach dem Film gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit den eingeladenen Gästen Silvia Gingold (Tochter von Ettie Gingold ) und Regisseur Mathias Meyer.

»Der Film erinnert an das Lebenswerk von Ettie und Peter Gingold, die beide als junge Erwachsene während der Okkupation des faschistischen Deutschland in der französischen Widerstandsbewegung Résistance kämpften. Sie leisteten entschiedenen Widerstand unter Einsatz ihres Lebens, waren 1944 an der Befreiung von Paris beteiligt und blieben ihr Leben lang als Kommunisten und Antifaschisten in der BRD aktiv im Einsatz für eine freie und demokratische Gesellschaft. Insbesondere engagierten sie sich gegen jede Tendenz von neuem Faschismus, Antisemitismus und Rassismus. Als Zeitzeugen traten sie vor Schulklassen, Jugendgruppen und auf Demonstrationen und Kundgebungen auf.« [Quelle]

thanks! merci!

Kanadische Soldaten am 3. Mai 1945 im Oldenburger Stadtzentrum, nachdem sie die Stadt vom Nationalsozialismus befreit und damit auch das Leiden hunderter Zwangsarbeiter*innen beendet hatten.