Archiv für Oktober 2014

global rally for kobanê

»Nachdem die Terrmormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und im Irak Gebiete erobert hat, sind seit mehreren Monaten die Stadt Kobanê und die Region Şengal stark umkämpftes Gebiet. Bei den Angriffen in Şengal wurden Tausende, überwiegend yesidische Kurd_innen vom IS ermordet und hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Aktuell drohen weitere Massaker.



In Kobanê leisten die lokalen Selbstverteidigungskräfte YPG und YPJ gemeinsam mit der PKK und verbliebenen Bewohner_innen der Stadt seit Wochen verzweifelt Widerstand. Sollte der IS die Stadt Kobanê einnehmen, droht die ganze Region Rojava zu fallen und damit das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher kultureller und religiöser Gruppen vom Terror des IS zerstört zu werden. In Rojava hat sich in den letzten Jahren ein basisdemokratisches Selbstverwaltungsmodell entwickelt, dessen Grundlagen eine gemeinschaftliche Wirtschaftsweise, Ökologie und Gleichberechtigung sind. In Rojava wird versucht, ein alternatives menschlicheres und gerechteres Zusammenleben zu gestalten, das nun in höchster Gefahr ist.
« (mehr…)

aus unserer mitte

»Mit dem Erinnerungsgang in Oldenburg (10. Nov., 15.00 Uhr, Innenhof der Landesbibliothek am Pferdemarkt) wird jedes Jahr der jüdischen Opfer gedacht, die durch die Nationalsozialisten verfolgt und auch ermordet wurden. Anlass ist der Jahrestag der Pogromnacht vom 9./10. November 1938, in deren Folge jüdische Männer durch Oldenburg getrieben und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert wurden. Die millionenfache Verfolgung und Vernichtung von jüdischen Bürgern auch aus unserer Stadt begann damit, sie zu einer Sondergruppe zu stempeln. Unser Anliegen in diesem Jahr ist es, daran zu erinnern, dass es die Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen und Schulkameraden unserer Urgroßeltern waren, die abgestempelt, ausgesondert und ausgegrenzt wurden. Sie wurden aus der Mitte dieser Stadt herausgedrängt und sie fehlen in der Mitte dieser Stadt bis heute – unumkehrbar. Jeder einzelne von ihnen hat eine Lücke hinterlassen, die mit jeder verstreichenden Generation weniger leicht zu erkennen und zu spüren ist. Dennoch wird sie Jahr um Jahr größer. Jeder der Jungen von damals wäre inzwischen Urgroßvater unserer Klassenkameraden und Freunde im Fußballverein. Sie wären Urgroßväter unserer Lehrer und Nachbarn. Sie fehlen uns, ohne dass wir die Chance gehabt hätten, sie kennen zu lernen. Dieser Lücke, die ihre Vertreibung aus der Mitte unserer Stadt, Nachbarschaft, Schule und Klasse zurückgelassen hat, der wollen wir uns in diesen Tagen nähern. Wir wollen forschen, Geschichte und Geschichten entdecken, auf Spurensuche gehen, Annäherungen wagen und letztlich immer wieder aushalten, dass diese Lücke eine Lücke ist, die sich nicht wieder schließen wird. Ihr nachzuspüren aber kann wegweisend sein für unsere Zukunft als Schulgemeinschaft und Gesellschaft. Während die Nürnberger Rassegesetze längst außer Kraft sind, ist Ausgrenzung bis heute ein Thema, auch in unserer Mitte.«

Veranstaltungsprogramm zum Erinnerungsgang 2014

am zwölften tag

Die ALSO organisiert zusammen mit gewerkschaftlichen Gruppen am 8. Dezember um 19 Uhr eine Autorenlesung mit Wolfgang Schorlau zu seinem Fleischmafia-Krimi »Am zwölften Tag. Ein neuer Fall für Dengler: die schmutzigen Geschäfte der Massentierhaltungskonzerne« in den Räumlichleiten von IBIS in der Klävemannstraße.

Und darum geht es in dem Krimi: »Georg Denglers Sohn Jakob ist verschwunden. Bereits seit drei Tagen! Denglers geschiedene Frau macht ihm die Hölle heiß: Finde unseren Sohn! Aber nicht nur Jakob ist unauffindbar. Auch Laura Trapp, die in Jakobs Parallelklasse geht, ist verschwunden. Ebenso Julian und Tim, zwei seiner Freunde. Georg Dengler, der Stuttgarter Privatermittler, macht sich auf die Suche nach seinem Sohn und dessen Freunden. Er findet bei Jakob zu Hause Aufkleber, wie sie Unbekannte in den letzten Wochen auch in den Tiefkühltruhen von Supermärkten angebracht haben. »Dieses Fleisch stammt aus Massentierhaltung. Sie vergiften damit sich und ihre Familie«, steht darauf. Auf Jakobs Computer findet er Fotos und Filme aus Hühner- und Putenmastanlagen. Widerliche Fotos, eklige Filme, die das Elend der Tiere dokumentieren. Ist sein Sohn ein radikaler Tierschützer geworden? Bereitet er mit seinen Mitstreitern eine große Aktion vor? Oder sind sie den Betreibern der Tierfarmen in die Quere gekommen und jetzt in Gefahr? Wieso weiß er nichts darüber? Wieso kennt er seinen Sohn so wenig? So lernt Georg Dengler auf der Suche nach Jakob seinen Sohn erst wirklich kennen – und kommt den mörderischen Methoden von Massentierhaltung und Lebensmittelindustrie auf die Spur.
Parallel zur Vater-Sohn-Geschichte treten Adrian und Kimi auf, zwei rumänische Schlachthofarbeiter, seit Monaten um ihren Lohn betrogen, vom rumänischen Unternehmer, von den als Menschenhändler und Subunternehmer tätigen Berliner Rockern wie auch dem selbstgewissen Schlachthofbetreiber Carsten Osterhannes. Ein Happy-End hat der Autor nicht für alle vorgesehen.
«

princesses

bijî berxwedana

Am 25. Oktober demonstrierten unter dem Motto »Oldenburg zeigt Gesicht. Gemeinsam gegen den Terror und die Gewalt der ISIS-Terroristen. Shingal und Kobane sind nicht alleine!« etwa 2000 Leute in der Oldenburger Innenstadt [Video]. An der von Jezidischen Forum organisierten Demo nahmen auch viele Betroffene oder Angehörige und Freund*innen von Betroffenen des IS-Terrors teil, die nach ihrer Flucht in und um Oldenburg leben.

»Basel Hassen (22) etwa hatte zwölf Tage in den Bergen Shingals (jesidische Region im Nordirak) ohne Essen und Trinken verbracht, bis er vor vier Wochen als Flüchtling nach Wardenburg kam. Mit rund 100 anderen Jesiden war er in Shingal von bewaffneten Terroristen zu einem Erschießungskommando geführt worden, als plötzlich ein Mitglied der islamischen Terrororganisation in die Menschenmenge schoss. Er konnte mit fünf anderen Jesiden flüchten«, berichtete die NWZ. Neben Solidaritätsbekundungen für die Menschen in Shingal und Rojava und die dort gegen ISIS kämpfenden Selbstverteidigungseinheiten kam auch immer wieder die Forderung nach einer Aufhebung des PKK-Verbots auf.

vom maidan in den bürgerkrieg

Am Freitag, dem 07. November um 19.30 Uhr organisiert die DKP Oldenburg im Büro der Linkspartei, Kaiserstr. 19 in Oldenburg eine Veranstaltung unter dem Titel »Vom Maidan in den Bürgerkrieg – Die Ukraine am Abgrund« eine Veranstaltung mit der Journalistin Susann Witt-Stahl. In der Ankündigung heißt es: »In der Ukraine Featured imageherrscht seit dem 5. September ein brüchiger Waffenstillstand, nachdem seit April ein blutiger Krieg zwischen der Regierung und den Aufständischen im Donbass geführt wurde. Hunderttausende Menschen sind seit dem aus der Ostukraine geflohen. Gegner des „Maidan“ sind ihres Lebens nicht mehr sicher, Antifaschisten und Linke werden verfolgt. Droht der Ukraine der Faschismus? Wie konnte dieses Land so schnell in den Abgrund stürzen? Die Journalistin Susann Witt-Stahl hat seit den Tagen des „Maidan“ mehrmals die Ukraine besucht, um sich selbst ein Bild von der dramatischen Lage zu machen; zuletzt Anfang September. Sie war sowohl auf dem Maidan in Kiew als auch bei der Unabhängigkeitsbewegung im Donbass. In ihrem Vortrag wird die Journalistin von ihren Gesprächen mit den Menschen berichten und die sich gegenüber stehenden politischen Kräfte analysieren: Welche Rolle spielen die Faschisten? Welche antifaschistischen Kräfte gibt es und wie ist ihre Lage? Welche Interessen verfolgen EU und USA? Was wollen die politischen Kräfte in den nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk und welchen Einfluss hat Rußland auf sie?«

friesisch-herb gegen nazis

Am kommenden Samstag, dem 25. Oktober will der NPD-Landesverband auf dem Alten Markt in Jever eine Kundgebung abhalten. Die Polizei rechnet mit rund 20 Nazis. »Unter dem Motto „Bunt statt braun“ rufen Jevers CDU, Grüne, SPD und SWG zur Demonstration am Sonnabend, 25. Oktober, auf. Mit möglichst farbenfroher Kleidung und bunten Luftballons sollen die Bürgerinnen und Bürger der Marienstadt deutlich machen: Die NPD ist in Jever nicht erwünscht. Die friedliche Demonstration, zu der alle Menschen über die Parteigrenzen hinweg eingeladen sind, beginnt um 10 Uhr am Sagenbrunnen auf dem Alten Markt«, berichtet die NWZ über die bürgerliche Gegendemonstration.

UPDATE:
Und so war das:

☞ »Fotos: NPD-Kundgebung in Jever« Recherche Nord, 25.​11.​2014
☞ »Jever bekennt Farbe« NWZ, 27.​10.​2014
☞ »Polizei mit Einsatz zufrieden« WZ, 27.​10.​2014

für shingal und kobanê

Bisher aufrufende Gruppen, Parteien und Organisationen: Zentralrat der Jesiden in Deutschland und das Jesidische Forum, Islamischer Kulturverein/Maryam Moschee, Jüdische Gemeinde, Christlich Essenische Kirche, AWO, Präventionsrat, die kurdischen Gemeinden in Oldenburg, Cloppenburg, Aurich, Vechta und Lohne, Deutsch-Ägyptische Gesellschaft, Nicaragua-Verein, Freundeskreis für Sinti und Roma, Ibis, GEW, Förderverein Fluchtmuseum, Deutsch-Israelische Gesellschaft, Gruppe Sachor für geschichtsbewusste Pädagogik nach Auschwitz, FC Medya, CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP und Partei der Demokratischen Einheit. [Quelle]

rassismussensible zusammenarbeit
in queer-feministischen kontexten

»In dem FrauenLesbenInterTrans*-Workshop „Rassismussensible Zusammenarbeit in queer-feministischen Kontexten“ am 1.11. von 11-17 Uhr wird es um die Frage gehen, wie wir mit Machtstrukturen in queer-feministischen Kontexten umgehen können. Wie können antirassistische/ rassismuskritische Bündnisse gebildet werden? Wie kann eine Veranstaltung in der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung diskriminierungssensibel für Bündnispartner_innen und Teilnehmer_innen gestaltet werden? Anlass für den Workshop ist die Diskussion rund um die Vorbereitung von den „Take Back the Night“ – Demonstrationen. Der Workshop eröffnet Möglichkeiten zu (Selbst-) Reflektion und Austausch, welche auch über den Rahmen der Demo hinaus gehen soll. Phasenweise werden wir in zwei getrennten Kleingruppen arbeiten: 1) Empowerment für Menschen mit Rassismuserfahrungen, 2) Sensibilisierung für weiße. Es wird sowohl Inputs als auch interaktive Methoden geben. Der Vortrag [allgender] am 31.10. um 18 Uhr wird sich mit derselben Thematik beschäftigen. Beide Veranstaltungen finden in der Arbeitslosen Selbsthilfe Oldenburg (ALSO) statt.«

protest gegen is-offensive in shingal

Am letzten Montag, dem 20. Oktober versammelten sich ab 18 Uhr etwa 200 Leute spontan auf dem Bahnhofsvorplatz in Oldenburg, um gegen die am Morgen gestartetet neuerliche Großoffensive der Terrorbanden des Islamischen Staates (IS) in der Region Shingal zu demonstrieren. Erneut mussten in Shingal etwa 7.000 Zivilist*innen in das Gebirge fliehen – beschützt nur von wenigen Kämpfer*innen der jezidischen Widerstandseinheiten. Außer der Pilgerstätte Sherfedîn und weiten Teile des Gebirges steht die Region weiterhin fest unter dem Griff des IS-Terrors. Aktuelle Infos über die Situation findet ihr hier.

oldenburg grüßt kobanê

halt stand, freies kobanê

»Am Montag, den 06.10.2014, versammelten sich ab 23 Uhr spontan bis zu 300 Menschen am Hauptbahnhof in Oldenburg. Grund war die verheerende Lage für die Menschen in Kobanê. Mit lautstarkem Sprechchören wurde sich auf die kommende Demonstration eingestimmt und aktuelle Informationen zur Lage in Kobanê ausgetauscht. Nach massiven Angriffen des Islamischen Staates (IS) droht die Stadt Kobanê unter Kontrolle der Islamisten zu fallen.

Am Dienstag, den 07.10.2014, fand eine entschlossene, laute Demonstration von bis zu 1000 Teilnehmer*innen statt. Um 16 Uhr wurde sich auf dem Bahnhofplatz versammelt und organisiert. Nachdem die Auflagen verlesen wurden, setzte sich der Protestzug in Richtung Lappan in Bewegung. Mit zahlreichen Transparenten, Schildern und Flaggen wurde auf die Solidarität mit dem kurdischen »Volksverteidigungseinheiten« (YPG) in Syrien aufmerksam gemacht. Dies wurde auch mit lauten und energischen Sprechchören deutlich gemacht. Gerufen wurde u.a. »Freiheit für Kobanê«, »Stoppt den IS-Terror«. Vom Lappan ging es über den Pferdemarkt und den Julius-Mosen-Platz zum Rathausmarkt. Dort endete die Demonstration ca. um 19 Uhr mit einer Kundgebung.


Video von NWZplay

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Dabei fiel aber auf, das die Oldenburger Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) kurz nach Beginn der Demonstration abgezogen wurde. Angeblich sollte diese Einheit nach Celle fahren [Info]. Obwohl die Polizei willkürlich versuchte anscheinend verbotene Symbole zu fotografieren und vereinzelt Teilnehmer*innen aufforderte Symbole zu entfernen, blieb eine Eskalation aus.
Trotz der kurzfristigen Mobilisierung, ist es sehr erfreulich das sich so viele Menschen zusammengefunden haben. Auch wenn es im Vergleich zu anderen kurdisch geprägten Demonstration eine etwas größere Beteiligung seitens der lokalen autonomen Szene gab, war diese dennoch äußerst gering.
« [Quelle]

2,30 euro pro fahrt

»Busfahren wird wieder teurer: Zum 1.  Januar 2015 erhöht sich der Preis für das Einzelticket um zehn Cent auf 2,30 Euro – trotz gestiegener Fahrgastzahlen. Dabei hatte die VWG erst im Sommer das Einzelticket um 20 Cent verbilligt. Grund dafür war damals die Abschaffung des Kurzstrecken-Tickets.« [Quelle]

concerning violence

»Concerning Violence. Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence« *Filmvorführung mit anschließendem Vortrag und Diskussion in Oldenburg am 8. November um 20 Uhr im Cine K mit anschließendem Vortrag und Diskussion mit der Sozial- und Kulturwissenschaftlerin Nadine Golly, Leuphana Universität Lüneburg zu (Post-)Kolonialität und Widerstand.

der schrecken des flatterbandes

»Das Amtsgericht in Brake spricht eine Aktivistin vom Vorwurf der Nötigung frei. Sie hatte vor einem Palmöl-Zulieferer demonstriert, ein Metallbauer fühlte sich blockiert
Gerechtigkeit ist zu groß. Für Gerechtigkeit kann das Amtsgericht in Brake nicht sorgen in der Sache der Menschenrechts- und Umweltschutz-AktivistInnen gegen die Wilmar International Ltd.: Der Konzern gilt als einer der größten Palmöl-Produzent weltweit. Er ist Zulieferer von Nestlé, Unilever, Cargill, und den Rohstoff erntet man in Indonesien, Sumatra, Uganda und in Nigeria. Überall betreibt Wilmar, oft über Firmentöchter, gigantische Plantagen, dort wo noch vor Kurzem Regenwald wuchs. Wilmar nennt sich selbst ein Unternehmen mit „an expanding global Footprint“. Aber Amtsrichterin Patrizia Pauli kann für Recht sorgen. Und das tut die Vorsitzende mit großer Bestimmtheit im Fall der Aktivistin Sara L. Die hatte am 17. September 2012, vor mehr als zwei Jahren, vor der Braker Fettraffinerie demonstriert, der Wilmar Edible Oil GmbH. Seither verfolgt die Staatsanwaltschaft Oldenburg sie und acht weitere Beschuldigte. Nötigung, lautet der Vorwurf. Die begeht, wer einen Menschen mit Gewalt oder Drohung zu etwas zwingt. Rechtswidrig ist das, falls die ausgeübte Gewalt „als verwerflich anzusehen“ war, so das Strafgesetzbuch. Strafbefehle waren erlassen aber nicht akzeptiert worden: zu Recht.
« (mehr…)