Archiv für September 2014

wo alte nazis friedlich ruhen dürfen

»Die Ahnenstätte Conneforde ist offenbar eine beliebte Adresse für Rechtsextreme. Gleich zwei sogenannte Ahnenstätten gibt es in der Region. Was steckt hinter diesen idyllischen Waldfriedhöfen?
Sie ruht jetzt unter Eichen. Durch die Äste blinzelt freundlich die Spätsommersonne, dahinter leuchtet grün der See. Vögel zwitschern. Auf ihrem Grabstein steht ihr Leitspruch, ein Satz von Schiller in Frakturschrift: „Was man nicht aufgibt, hat man nicht verloren“. Gertrud Herr, geboren 1910, begraben 2003, hat ihren Irrglauben nie verloren. Bis ins hohe Alter leugnete die frühere Führerin im „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) den Holocaust.

Ein anderer Findling, ein anderer brauner Name: Hans Hertel liegt hier begraben, SS-Mann und späterer Landtagsabgeordneter der rechtsextremen Deutschen Reichspartei. Wilhelm Tietjen, NSdAP-Mitglied und Namensgeber der rechtsradikalen Wilhelm-Tietjen-Stiftung, hat hier einen Stein. Ebenso Dr. Alfred Thoß, Verfasser völkischer Bücher und NS-Propagandaschriften. Und auch Erich Glagau, inzwischen 100, hat sich hier eine Grabstelle reserviert: ein in Hessen lebender Autor, der laut American Jewish Comitee „in etlichen Büchern gegen Juden gehetzt hat“ und die Judenvernichtung ein „Märchen“ nennt.
Die idyllische „Ahnenstätte Conneforde“ in der Gemeinde Wiefelstede (Ammerland), auf der auch zahlreiche unbescholtene Bürger aus der Region ihren Frieden fanden, ist offenbar eine beliebte letzte Adresse für alte und neue Nazis aus ganz Deutschland.
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♫ der tag wird kommen

muslime stehen auf gegen hass und unrecht

»Leider haben wir in den letzten Monaten Angriffe auf fünf Moscheen und eine Synagoge erlebt. Allein seit 2012 gab es bundesweit mehr als 80 Übergriffe auf Moscheen. Hierzu gehört auch unsere DITIB Oldenburg Haci Bayram-Moschee. Gotteshäuser sind Orte des Friedens und gehören besonders beschützt und verdienen einen besonderen Respekt. Wir dürfen nicht zulassen, dass extremistische Gruppen unser friedliches Zusammenleben stören. Wir rufen alle dazu auf, die Stimme gegen Rassismus zu erheben, gemeinsam einzustehen für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und dem Extremismus jeglicher Couleur eine Absage zu erteilen. Deshalb werden auch wir im Anschluss an das Freitagsgebet am 19. September um ca. 14:10 Uhr mit einer Mahnwache und Friedenskundgebung ein deutliches Zeichen setzen. Es sind Vertreter aus Religion, Politik und Gesellschaft sowie alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, um gegen Hass und Gewalt gemeinsam aufzustehen und eine klare Absage zu erteilen.« [Quelle]

☞ »Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht« KRM, 08.​09.​2014
☞ »Muslime setzen ein Zeichen« NWZ, 18.​09.​2014

gegen jede form von rassismus

»Der Vorstand des Jesidischen Forums verurteilt den Anschlag auf die Haci-Bayram-Moschee. „Als Jesidische Gemeinde in Oldenburg sind wir am friedlichen und vielfältigen Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt interessiert und können es nicht hinnehmen, dass dieses durch solche Anschläge gestört wird“, heißt es in einer Stellungnahme. Es sei wichtig, dass der Brandanschlag aufgeklärt werde. „Mindestens genauso wichtig aber ist es, deutliche Zeichen gegen jede Form von Rassismus zu setzen“, schreibt der Vorstand des Forums weiter.Der Stellungnahme der Jesiden hat sich die in Oldenburg bislang kaum bekannte Christlich Essenische Kirche angeschlossen. Zu Wort gemeldet haben sich am Montag auch die „Islamischen Gemeinden in Delmenhorst“. In der Mitteilung heißt es: „Angriffe oder Aggressionen gegen Menschen und deren Heiligtümer, egal welcher Herkunft, Religion oder politischer Identität bedürfen einer öffentlichen Verurteilung.“ Die Zivilgesellschaft müsse ein Zeichen setzen.« [Quelle]

Und hier nun noch ein Bericht von Sat.1 Regional über den Brandanschlag auf die Haci Bayram Moschee:

time to say ‚good bye‘

»Mit einem feierlichen Appell auf dem Schlossplatz verabschiedet sich die Luftlandebrigade 31 („Oldenburgische“) am Donnerstag, 18. September, aus Oldenburg. Nach einem Empfang im Schloss für geladene Gäste, zu dem unter anderem der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Bruno Kasdorf erwartet wird, beginnt um 19.30 Uhr der öffentliche Auflösungsappell. Neben Brigadegeneral Gert Gawellek spricht OB Gerd Schwandner.


Militaristische Tradiditionspflege der besonders ekeligen Art
(Foto: Großer Zapfenstreich am 20. Oktober 2006 in Oldenburg)

Vor 30 Jahren hat die Stadt die Patenschaft für die Truppe übernommen. Dieser runde Geburtstag soll in diesem Jahr – wenige Wochen vor der Umstrukturierung und Verlegung von Teilen der Brigade nach Seedorf – gefeiert werden. In ihrer jetzigen Form wird die Luftlandebrigade zum 1. Oktober aufgelöst.« [Quelle]

ein platzfest kommt selten allein

»Vom 12 bis 14.9 ma­chen wir unser Platz­fest auf dem Ol­den­bur­ger Wa­gen­platz. Bis­he­ri­ges Pro­gramm: Frei­tag gibts Essen an­schl. spie­len 2 wavig düs­te­re Post­punk Bands aus Frank­reich: Dead Ra­mo­nes und ma­lai­se. An­schie­ßend Party. Am Sams­tag gibt es Kaf­fee Klatsch am Nach­mit­tag (vegan/glu­ten­frei­es back­kol­lek­tiv). Dazu gibt es einen Hauch von Cir­cus­va­rie­te ab 16 Uhr. Ab 18 Uhr wird das Flex­ren­nen star­ten. An­mel­dun­gen und Mo­bi­le bitte recht­zei­tig an den Start brin­gen. Nach dem Essen wer­den am Sams­tag­abend zwei Acts aus Bre­men zu sehen sein. Tras­he­dy und van beek. Im An­schluss na­tür­lich auch wie­der Party und so. Am Sonn­tag ist Ka­ter­früh­stück. Wir freu­en uns. Ach so. Wich­ti­ge Adres­sen­än­de­rung; der Ol­den­bur­ger Wa­gen­platz ist nun an der Alex­an­der­str 467 in 26127 OL zu fin­den auf dem Flie­ger­horst…«

»yilmaz? die wohnung ist schon belegt!…«

»Migrant_innen berichten davon, dass sie nur schwer eine neue Wohnung finden und dass ihr Name häufig die Ursache für die Ablehnung ist. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ist ein verbreitetes, aber quasi unsichtbares Phänomen. Dass diese Benachteiligung existiert, belegt Sozialwissenschaftlerin Emsal Kilic in ihrem Vortrag am 18. September 2014 um 20 Uhr im Café IBIS, Klävemannstr.16. Emsal Kilic, geb. 1964 in Elbistan in der Türkei, reiste 1975 als Tochter einer Gastarbeiterfamilie nach Deutschland und lebt seitdem in Berlin. Während ihres Studiums der Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität bekam sie ein Stipendium von der Hans-Böckler-Stiftung und ging für ein Semester nach Toronto. Ihre Diplomarbeit „Diskriminierung von Migranten bei der Wohnungssuche – Eine Untersuchung in Berlin“ erregte deutschlandweit Aufsehen. Die Veranstaltung am 18.9.2014 findet anlässlich des bundesweiten Aktionstages gegen Rassismus statt. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat das Jahr 2014 zum Themenjahr gegen Rassismus unter dem Motto „Gleiche Chancen. Immer.“ erklärt. Auch diese Veranstaltung ist durch den Einsatz eines Ringschleifenverstärkers barrierefrei für Hörgeschädigte.« [Quelle]

brandanschlag auf haci-bayram-moschee

Am Samstag, dem 30. August gegen 5 Uhr morgens wurden zwei Molotowcocktails auf die Haci-Bayram-Moschee an der Emsstraße im Stadtteil Osternburg geworfen. Das Feuer, welches geringe Schäden an einer Fensterscheibe und dem Mauerwerk verursachte, erlosch von selbst. Konkrete Hinweise auf mögliche Täter*innen liegen laut Polizei bisher nicht vor. Ein rassistischer, islamophober Hintergrund ist nicht unwahrscheinlich.

Seit sechs Jahren wird das ehemalige Firmengebäude im Osternburger Gewerbegebiet vom Dachverband Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), welchem vor Ort etwa 250 Leute angehören, als Moschee genutzt. Am 24. Januar 2014 wurde an der Haci-Bayram-Moschee das 14 Meter hohe Minarett, das erste in Oldenburg, eingeweiht [Foto].

☞ »Zwei Brandsätze gegen Moschee geworfen« NWZ, 03.09.2014
☞ »Brandanschlag auf Moschee in Oldenburg « noz, 03.09.2014
☞ »Attacke gegen Moschee in Oldenburg « irib, 03.09.2014
☞ »Brandanschlag auf Moschee in Oldenburg« DelmeNews, 03.09.2014
☞ »Linke./Piraten verurteilen Anschlag« Linkspartei, 04.09.2014
☞ »Polizei fehlt Spur zu Täter und Motiv« NWZ, 04.09.2014
☞ »Anschlag in der Toleranzstadt« taz, 06.09.2014
☞ »Die alltägliche Anfeindung« taz, 06.09.2014