Archiv für Juli 2014

religiöse minderheiten im störfeuer der isis

»Nach dem Sturz des Regimes von Saddam Husseins im Jahr 2003 setzten viele Menschen ihre Hoffnungen in eine langfristige Demokratisierung des krisengeschüttelten Landes. Doch seit Anfang des Jahres wurden mehrere Städte im Irak durch die islamistische Organisation ISIS besetzt und dabei verschiedene schiitische, christliche und sufistische Moscheen und Heiligtümer zerstört. Das Ziel der seit 2003 existierenden Terrororganisation besteht in der Errichtung eines islamischen Reiches, das Jordanien, Israel, Syrien und den Irak umfassen soll. Jüngst hat die Organisation in einer im Internet veröffentlichten und mehrsprachigen Audiobotschaft ein „Kalifat“ ausgerufen – einer vor fast hundert Jahren verschwundene islamische Regierungsform. Das Land versinkt zusehends ins Chaos, mehr als eine Million Iraker_innen sind inzwischen auf der Flucht in den Nordirak. Bislang zeichnet sich keine politische Lösung ab.
Über die aktuelle Situation im Irak und über mögliche Zukunftsperspektiven wird Hayrî Demir berichten. Demir wurde 1991 als zweites Kind êzîdîscher Kurden in Deutschland geboren und studiert Rechtswissenschaften an der Universität Hannover und ist freiberuflicher Journalist. Er berichtet für verschiedene Medien über die Situation im Irak, u.a. für das Nachrichtenportal ezidipress.com, dessen Chefredakteur er ist.
Der Vortrag findet am Donnerstag, den 07. August um 17:30 bei IBIS-Interkulturelle Arbeitsstelle e.V. (Klävemannstraße 16) statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen.
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dispozinsen runter

Die Gruppe DIE LINKE/Piratenpartei im Oldenburger Stadtrat fordert, »die überhöhten Dispozinsen und Überziehungszinsen bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) auf ein vertretbares Maß abzusenken. Die NWZ hatte am 18.7.14 berichtet, dass die LzO den Kundinnen und Kunden 11,2 % Dispozinsen und 16,2 % Überziehungszinsen abnimmt. Die Gruppe greift damit eine Kritik auf, die in diesen Tagen von den Verbraucherzentralen geäußert wurde. Da sich die Banken inzwischen zu praktisch zu 0 % das Geld von der EZB holen können, ist es geradezu unverschämt, derartig hohe Zinsen zu verlangen.« [Quelle]

in drei teufels namen

testosteronthese

»Warum setzen einige Männer ihre Wut in Gewalt um und Frauen nicht? Sind es die Hormone? – Soziologe Michael Kimmel: Das ist so eine Art Popbiologie. Wenn Testosteron unweigerlich zu Gewalt führt, warum schlagen dann nicht Tausende Männer ihre Chefs, von denen sie schikaniert werden? Weil sie keine unbewusste, innere Erlaubnis dafür haben, es ist tabu. Frauen zu schlagen dagegen ist kein Tabu, das ist ein kulturelles Muster. Diese Männer fühlen sich unbewusst ermächtigt dazu. Das ist ihre Verantwortung. Ich glaube, dass die Testosteronthese schlicht Männerbashing ist: Wir sind eigentlich wilde Tiere – also muss man uns kontrollieren, einsperren. Ich glaube, dass wir um einiges besser sind, wir sind fähig zur Selbstkontrolle.« [Quelle]

oldenburger filmtag gegen den krieg

Am 22. August um 20 Uhr zeigt Filmriß beim »Filmtag gegen den Krieg« im Cine K in der Kulturetage den 2005 erschienenen Film »Esmas Geheimnis – Grbavica«, welcher das Augenmerk auf die Traumatisierung der vergewaltigten Frauen legt. Vergewaltigung ist ein systematisch eingesetztes Vorgehen im Krieg, um den Widerstand der Bevölkerung zu brechen.

Hier nun noch der Flyer: »Kriege mit Beteiligung der Bundeswehr sollen Normalität werden, wenn es nach den Vorstellungen von Bundespräsident Gauck, Ministerin von der Leyen oder dem Oldenburger Ex-Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Kossendey geht. Doch die Bevölkerung ist mehrheitlich gegen die Beteiligung an Auslandseinsätzen. Sie haben nichts mit dem Schutz der Menschen in Deutschland, aber viel mit wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen zu tun. In Afghanistan hat die Eigendynamik des Militärischen dazu geführt, dass die Bundeswehr mit gesuchten Verbrechern, Milizen und Warlords kooperiert und ihnen vor dem Abzug die lokale Macht in die Hände legt. So geschieht es beispielsweise mit dem Milizenchef Nawid und dem Warlord Mir Allam bei Kunduz. Dabei agieren die Militärs gegen jede Absichtserklärung von Politikern in Deutschland. In den 12 Jahre andauernden Kampfeinsätzen sind nicht etwa demokratische Kräfte gestärkt, sondern ethnische Konflikte geschürt und autoritäre Gewaltverhältnisse zementiert worden. Tadschiken führen an der Seite der BW Aktionen in mehrheitlich paschtunisch bewohnten Gegenden durch und verschärfen die ethnischen Spannungen, so wie dies die USA im Irak mit Schiiten und Sunniten tun. (mehr…)

biji kobanê

Nachdem es bereits am 30. Mai auf dem Ol­den­bur­ger Pfer­de­markt eine Kundgebung gegen den Ter­ror der Al-​Qai­da-​ähnlichen Grup­pie­rung ISIL (Is­la­mi­scher Staat im Irak und der Le­van­te)/ISIS in den kur­di­schen Ge­bie­ten West­sy­ri­ens – auch Ro­ja­va ge­nannt – gab [Info], versammelten sich am Sams­tag, dem 12.​07.​2014 erneut über 100 Leute, um diesmal auf dem Julius-Mosen-Platz ihre So­li­da­ri­tät mit den Menschen in Ro­ja­va und den in den letz­ten Jah­ren dort ent­stan­de­nen Selbst­ver­wal­tungs­struk­tu­ren zum Ausdruck zu bringen.

Im Fokus der Demonstrant*innen, welche zum Großteil aus der kurdischen Community kamen, lag diesmal auf der seit mehreren Wochen durch die Islamisten des ISIL von drei Seiten umzingelten kurdischen Region Kobanê. Bislang können die Verteidigungskräfte der YPG (Volksverteidigungseinheiten) und der YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) die Angriffe der ISIL erfolgreich abwehren. Bei den Gefechten mit den Kämpfern der ISIL soll die Zahl der Toten in die Hunderte gehen. Die Islamisten setzen bei ihren Angriffen auch Panzer und schwere Waffen ein, die sie vom irakischen Militär erbeutet und nach Syrien transportiert haben sollen [Info].

»was ist denn das für ein chaos hier?«

Am Sams­tag, dem 12.​07.​2014 wurde Oldenburgs Shopping-Paradies, die sogenannten Schlosshöfe, von rund zwei Dutzend linker Aktivist*innen heimgesucht, welche mit allerlei Kreativität ein wenig Irritation in den Konsum-Alltag brachten. Hier nun das dort verteilte Flugblatt:

»Was ist denn das für ein Chaos hier?! Ups . . . hoffe ich hab sie nicht beim Shoppen gestört. Naja obwohl mir das auch ehrlich gesagt nicht wirklich Leid tun würde. Aber als Flyer sind meine Ausdrucksmöglichkeiten ja sowieso eingeschränkt. Machen sie sich aber keine Sorgen. Ich bin nicht da um Ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. Ganz im Gegenteil , ich möchte, dass Sie gute Laune kriegen, weil sie merken, dass Sie Ihre “ es-lässt-sichja-sowieso-alles-nicht-ändern“ -Mentalität über Bord werfen können. Aber für den Fall , dass sie hier alles gar nicht so schlimm finden, plauder ich mal ein bisschen aus der Weltgeschichte:
Gerade bastelt eine Gruppe Geflüchteter aus Syrien, Eritrea und Somalia in einem Wald in Marokko eine Leiter um damit den ersten der drei Grenzzäune zu ueberwinden, die sie von der spanischen Exklave Melilla trennen. Alle haben schon Verletzungen von den vorigen Versuchen spanisches Hoheitsgebiet zu erreichen, aber da die Zukunftsperspektive dort, wo sie aufgewachsen sind noch schlechter ist, haben sie auch nichts zu verl ieren.
Im selben Augenbl ick bläst das Braunkohlekraftwerk Weisweiler im Rheinland tonnenweise CO2 in die Luft und niemand will eigentlich genau wissen, was das im Endeffekt so für Folgen hat, während in Japan das Wasser um Fukushima herum strahlt wie nie zuvor, unter anderem durch Uran, dass in Gronau, Westfalen angereichert wurde.
Oder schauen wir doch mal auf das Leben eines chinesischen Fabrikarbeiters, der sich davon, dass er den ganzen Tag Smartphones zusammenbaut, gerade so sein Bett im Wohnheim leisten kann, in dem er sich ein Zimmer mit fünf anderen teilt und der als verzweifeltes Druckmittel für bessere Arbeitsbedingungen mit anderen auf das Dach seiner Firma steigt und damit droht herunterzuspringen.
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die 24. stadtrats­sit­zung

Am morgigen Montag ab 18 Uhr findet die nunmehr 24. Sit­zung seit dem Einzug der NPD in den Oldenburger Stadtrat­ statt. Und natürlich soll es auch diesmal wieder Proteste gegen den braunen Ratsherrn Eigenfeld geben. Da diesmal auch die vom Stadtrat geplante »Koordinierungsstelle gegen Rechts« auf der Tagesordnung steht, ist antifaschistische Präsenz noch einmal mehr geboten.

ein haufen antisemit*innen

Eine Dokumentation der Linksjugend [’solid] Oldenburg über antisemitische Äußerungen auf der Oldenburger »Friedenswahnmache« vom 14.07.2014: »Ein weiteres Mal sehen wir uns genötigt, auf den antisemitischen und menschenfeindlichen Charakter der „Friedensmahnwache“ Oldenburg aufmerksam zu machen. Es ist zutiefst schockierend, dass Antisemitismus in Form von Israelhass bei den Redner*innen und Besucher*innen der „Mahnwache“ Grundkonsens zu sein scheint. So waren die jüngsten Entwicklungen im Nah-Ost-Konflikt den Redner*innen der Mahnwache offenbar gelegener Vorwand, um ihrem Antisemitismus freien Lauf zu lassen, während das Publikum diese im Folgenden dokumentierten Äußerungen ausnahmslos mit Applaus bedachte. So sprach der erste Redner von einem Genozid an den Palästinenser*innen und setzte das Geschehen dort mit dem Holocaust gleich. Das hat nichts mehr mit einer sachlichen, legitimen Kritik an der Politik der israelischen Regierung zu tun. Eine solche Dämonisierung [1], die mit dieser Gleichsetzung Israels mit Nazideutschland vollzogen wird, ist Antisemitismus unter dem Deckmantel der Israelkritik.« (mehr…)

naziaufmarsch? läuft nicht.

Am kommenden Mon­tag, 28.​Juli 2014, gibt es um 20.​30 Uhr im Al­ham­bra eine Info- und Mobilisierungsveranstaltung gegen den alljährlichen Naziaufmarsch in Bad Nenndorf, welcher diesmal am 2. August – also am nächsten Samstag – stattfinden soll.

»Das Nenndorfer Wincklerbad soll den Neonazis auch 2014 wieder als Symbol ihres geschichtsverdrehenden Opfermythos dienen. Dort hatten die Alliierten ein Internierungslager eingerichtet. Bereits seit 2006 inszenieren Neonazis in Bad Nenndorf einen sogenannten „Trauermarsch“. Indem die Neonazis historische Zusammenhänge und Tatsachen leugnen oder aus dem Kontext reißen und deutsche Täter_innen zu Opfern erklären, relativieren sie den Nationalsozialismus. In ihren Redebeiträgen verbreiten sie nationalistische und völkische Hetze. Diese findet nicht nur verbal statt, sondern stellt eine reelle Gefahr für viele Menschen dar, die nicht in das menschenfeindliche Weltbild der Neonazis und ihrer Unterstützer_innen passen. Nach den erfolgreichen Blockadeaktionen werden wir dem Naziaufmarsch dieses Jahr ein Ende setzen.« (mehr…)

israel – in zeiten des krieges

»Mit 18 kam Anita Haviv-Horiner als Kind von Holocaust-Überlebenden nach Israel. Liberal, offen, europäisch – so hatte sie sich Israel vorgestellt. Doch Fakt ist: Die Gesellschaft rückt immer weiter nach rechts. Wo sind die linken, moderaten Israelis?«

es ist egal

»Wenn er alt sei und im Schaukelstuhl sitze, dann möchte er sich an diesen WM-Titel erinnern – erzählte Bundestrainer Jogi Löw im Fernsehen nach dem gewonnenen Finale. Zwischen den deutschen Medien und Löw liegen Welten. Die predigen die nationale Erweckung und er redet vom Schaukelstuhl. »Tja, ja, so ein Titel ist natürlich immer eine schöne Sache«, hatte Löw auf Nachfrage nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Frankreich erklärt. Mehr nicht. Da konnten seine Spieler am Sonntag abend noch so sehr »Wahnsinn, Wahnsinn« schreien. Es war sehr anstrengend gewesen gegen Argentinien. Aber nicht nur: Christoph Kramer grüßte danach seine Oma zum Geburtstag. Da war er wieder, der Schaukelstuhl. Und Bastian Schweinsteiger grüßte Uli Hoeneß im Gefängnis. Er siezt ihn, denn Hoeneß war sein Chef. Da war er wieder, der FC Bayern. Fußball als Unterhaltungsindustrie, in der mit Unsummen hantiert wird.

Die WM 2014 war die teuerste aller Zeiten. Sie hat den Ausrichter Brasilien acht Milliarden Euro gekostet. Auf Wunsch der FIFA, einem Weltkonzern, der nur ein einziges Produkt vertreibt und das heißt Fußball-WM. Wer genug Geld zahlt, darf sogar in der Wüste eine WM veranstalten. Auch wenn Sklaven die Stadien bauen müssen. Der FIFA ist das egal. Brasilien hat jetzt nagelneue Stadien, in die kaum jemand gehen wird, weil die Vereine in der zweiten oder dritten Liga spielen. Dafür wurden erst Stadtviertel eingerissen, und dann wurden Proteste unterdrückt. In den Fernsehbildern, die die FIFA während der WM lieferte, war davon nichts mitzubekommen. Aber man konnte eine brasilianische Nationalmannschaft sehen, die diese Widersprüche nicht kitten konnte. Sie hatte keinen Plan, nur Gebete. Schließlich erlitt sie im Halbfinale gegen die Deutschen einen kollektiven Nervenzusammenbruch.
Ihre 1:7-Niederlage war surreal und historisch. Die DFB-Spieler waren perplex. Sie umarmten und trösteten die Brasilianer. Kein Triumphgeheul, das war ein neuer Stil. Neu war auch, daß die Frauen und Kinder der deutschen Spieler nach dem Finale auf dem Rasen herumwuselten wie bei einem Wochenendausflug. Es wurde nicht mehr martialisch rumgebrüllt, es wurden Handyfotos geschossen. Rumgebrüllt hatte nur der ARD-Reporter Tom Bartels. Auf der Suche nach der Emotion, nach dem deutschen »Wir«, von dem auch fast alle anderen Medien träumen. Vom Verschwinden in der aggressiven Masse. Von einem »Wir« kann aber nur der DFB sprechen, dessen erste Mannschaft tatsächlich ein gutes Turnier gespielt hat. Viele Menschen wissen das. Während der WM gab es viel weniger Fahnen auf Autos und Balkons als erwartet. Was soll man sich dafür kaufen, daß eine WM gewonnen wurde – wenn man zufällig kein Nationalspieler ist? Etwa eine Deutschlandfahne?
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zur situation in nordkurdistan

Am Donnerstag, dem 17. Juli gibt es um 18 Uhr im Alhambra einen Vortrag zu den Kommunalwahlen und zur aktuellen politischen Situation in Nordkurdistan. »Im März war eine Gruppe von kurdischen und deutschen Studierenden aus unterschiedlichen linken Spektren für zwei Wochen in Kurdistan, um die Kommunalwahlen in der Türkei und in Nordkurdistan zu beobachten und einen Einblick in die Strukturen und Kämpfe vor Ort sowie der praktischen Organisation einer demokratischen Selbstverwaltung zu bekommen.«

gegen den terror der isis

»Am diesem Samstag, den 12.07.2014, findet in Oldenburg von 14.00 bis 17.00 Uhr auf dem Julius Mosen Platz eine Kundgebung für das syrische Kurdistan, besonders wegen der Angriffe, die in der letzten Zeit in der Stadt Kobane von der islamistischen Terrororganisation ISIS/ISIL gemacht wurden.«

bauernopfer

»Die Hamas spielt ein schmutziges Spiel! Der Gazastreifen ist ihr Spielbrett, und wir sind ihre Spielfiguren. Es ist ihnen egal, wenn sie viele von uns verlieren. Hauptsache, sie gewinnen die Partie!«

Khaled* palästinensischer Journalist aus dem Gazastreifen