berlin, hamburg, pah – meuchefitz!

»Es ist gar nicht lange her, da stellte sich einigen Menschen aus dem Wendland die Frage: Was tun am 1. Mai? In die Stadt? Bäh…Nee! Arbeiten? Geht gar nicht! Demo? Ja na klar, das muss schon irgendwie sein. Also ran ans Werk… was die in den Großstädten können, das können wir schon lange. So kam es zur ersten Revolutionären 1. Mai Demonstration in Meuchefitz. Mit allem was dazu gehört und wovon viele in den Städten nur träumen können. Pünktlich (!!!) um 17 Uhr setzten sich die behelmten ersten Reihen mit dem durch dicke Taue stabilisierten Fronttranspi in Bewegung.

Hinter ihnen folgte der Lautprechertrekka und weitere 200 Menschen, denen es wichtig war, auch in der Idylle ein Zeichen zu setzen. Am bestreikten Streikposten vor dem bestreikten Meuchefitzer Gasthof vorbei ging es zügigen Schrittes in Richtung Schwiepke [Foto]. Im Nachbarort hatte doch am Vormittag des Arbeiterkampftages eine Filiale der Deutschen Bank aufgemacht. Die galt es jetzt zu besichtigen. Gut vorbereitete Teilnehmer_innen der Demo konnten nur zusehen wie im entschlossenem Aktionismus der ersten Reihen die Bank sofort zu Bruch ging [Foto]. Doch auch Trümmer kann mensch anzünden und so kamen auch die vorbereiteten Teilnehmer_innen auf ihre Kosten nachdem der Redebeitrag zur Systemkrise des Kapitalismus beendet war.

Weiter ging die Demo durch den Schwiepker Dorfkern und stoppte ein weiteres Mal zur zweiten Zwischenkundgebung vor der örtlichen Landmaschinenwerkstatt. Thema: Landwirtschaft. Begonnen mit dem selbstkritischen Eingeständnis von Landwirtschaft eigentlich gar nicht soviel Ahnung zu haben folgte eine schonungslose Abrechnung mit der industrialisierten Landwirtschaft. Durch Feld, Wald und Wiese und noch kurz unterbrochen von einer Grußbotschaft der „Splittergruppe Böses Obst“ ging es zurück zum Meuchefitzer Dorfplatz. Die Abschlusskundgebung vor der am Vormittag eröffneten Edeka Filiale stand noch aus [Foto]. Doch die Demo kam kaum zum Stillstand da wurde der Supermarkt schon geplündert und die Beute unter den Leuten verteilt. Die Situation nicht mehr unter Kontrolle, lösten die Veranstalter_innen die Demo auf. Um dem Zugriff der staatlichen Repressionsorgane (die dann doch nicht erschienen) zu entgehen, tauchte die breite Masse der Demoteilnehmer_innen im Straßenfest auf dem Dorfplatz unter.
Was noch zu sagen wäre: 1. Ein bisschen Statistik: Meuchefitz hat ca. 50 Einwohner_innen. Von denen die Hälfte an der Demo teilgenommen hat. Mit der anderen Hälfte wurden auf dem Dorffest noch lebhafte und konstruktive Diskussionen zur Systemkrise geführt. Außerdem war die Demo 5mal so groß wie die Einwohnerzahl von Meuchefitz. Das soll uns erstmal eine Großstadt nachmachen 2. Eine Richtigstellung muss es noch geben: Der Bulleneinsatz, von dem in einem schon veröffentlichten subjektiven Bericht die Rede ist, war keine Bulleneinsatz, sondern ein Färseneinsatz. (für die Städter_innen unter euch: Färsen sind Kühe, die noch keine Kühe sind) 3. Gegen den Kapitalismus demonstrieren und dann beim Dorffest das Bier für 2 Euro verkaufen? Das geht doch nicht! Stimmt. Der Gewinn geht zu einem kleinen Teil in lokale Infrastruktur (Dorfkasse) und zu einem großen Teil an den „Refugee Protest March“, sowie an die „IgiT“ (Initiative gegen industrielle Tierhaltung) 4. War das alles nur ein Witz? Nein. Uns ist der 1. Mai wichtig! Doch was macht mensch bei einer Demonstration, bei der es kein Publikum und wenig Außenwirkung gibt? Wir haben beschlossen die szeneeigenen Rituale kritisch, konstruktiv und auf jeden Fall solidarisch auf die Schippe zu nehmen.
« [Quelle]


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