Archiv für den 7. Mai 2014

gedenken an die moorsoldaten

überstunden, stress, schulden

Laut dem DGB-Index »Gute Arbeit – Report 2013« sind die Arbeiter*innen in Deutschland – wenig überraschend – die Leidtragenden des »neuen deutschen Wirtschaftswunders« (wenn auch natürlich in einem weitaus geringeren Maß als ihre Kolleg*innen in Sudeuropa oder im Trikont). »61 Prozent der Beschäftigten in Deutschland müssen mehr Arbeit in der gleichen Zeit leisten als im Vorjahr. 56 Prozent der Beschäftigten arbeiten sehr häufig oder oft gehetzt, und nur 45 Prozent gehen davon aus, unter diesen Bedingungen bis zum gesetzlichen Rentenalter durchhalten zu können. Gleichzeitig hat sich die Einkommenssituation nicht wesentlich verbessert: Für 43 Prozent der Beschäftigten reicht das Einkommen nicht oder gerade so aus. 17 Prozent arbeiten sogar sehr häufig oder oft außerhalb der normalen Arbeitszeit unbezahlt für den Betrieb«, konstatierte der DGB. Die miesen Löhne auf der einen und die enormen Gewinne auf der anderen Seite schlagen sich auch in der Verteilung der Privatvermögen in Deutschland wieder. Ver.di geht davon aus, dass sich ein Drittel des Reichtums in der Hand von nur einem Prozent der Bevölkerung befindet [Quelle]. Laut des »Sozialatlas des Paritärischen Gesamtverbands« besitzt das reichste Zehntel der Bevölkerung ein durchschnittliches Vermögen von über 1,15 Millionen Euro . Die ärmsten 20 Prozent haben hingegen 4 600 Euro Schulden. In keinem anderen Land innerhalb der Eurozone klaffen diese Werte stärker auseinander. Das Durchschnittsvermögen in Deutschland soll übrigens 195 200 Euro netto pro Person betragen. Also mal schnell auf`s Konto gucken, ob sich da was getan hat. Aber wahrscheinlich gehörst du zu den 73 Prozent aller deutschen Haushalte, deren Nettovermögen dann doch erheblich unter diesem Durchschnitt liegt. Wie z.B. auch das der 10% der Bevölkerung, die mit mehr als 30 000 Euro überschuldet sind [Quelle].

ukrainian antisemitism

Englischsprachige Dokumentation »Nazis/Skinheads: Hate and the Holocaust in Ukraine« von Daniel Reynolds Riveiro aus dem Jahr 2008 über den Antisemitismus in der Ukraine gestern und heute (also noch 5 Jahre vor dem Maidan), die Rolle im Holocaust und die moderne Nazibewegung.

rewe-nazi geoutet

Während sich der Oldenburger Nazibengel und REWE-Kassierer Phillip Krull am 3. Mai mit einigen seiner Kamerad*innen bei menschenleeren NPD-Wahlkampfständen am Stadtrand die Beine in den Bauch stand, nutzten scheinbar Antifaschist*innen jenen Samstag, um innner­halb und au­ßer­halb der Schloss­hö­fe über tausend Flugblätter vom Bünd­nis »REWE Na­zi­frei Ol­den­burg« zu verteilen.


Phillip Krull (2. von links) und Konsorten am 3. Mai [Sreenshot einer NPD-Seite]

In diesen heißt es unter der Überschrift »Neonazi Phillip Krull arbeitet in den Oldenburger Schlosshöfen an der REWE-Kasse!« unter anderem: »Phillip Krull aus Ofen (Bad Zwischenahn, Landkreis Ammerland) zeigte sich erstmals am 16.08.2013 bei einer NPD-Kundgebung in Oldenburg und darauf folgend am selben Tag in Bremen der Öffentlichkeit. Er beteiligte sich an Wahlkampfständen, Kundgebungen, Flugblattaktionen und beim Landesparteitag der NPD. Seit dem 16.03.2014 ist Krull Beisitzer des Vorstands der NPD-Oldenburg. (…) Über sein Parteiengagement für die NPD hinaus pflegt Phillip Krull Kontakte in die rechtsoffene bis rechte Oldenburger Fußballhooliganszene.
Ein ähnlicher Fall aus Berlin zeigt, dass ein Neonazi, der dort bei REWE arbeitete, auf Druck der Öffentlichkeit und durch das Engagement aktiver Bürgerinnen und Bürger gekündigt wurde. Wir sehen REWE auch hier in den Oldenburger Schlosshöfen in der Verantwortung die Gesellschaft dahin gehend mitzugestalten, dass fremdenfeindliche und diskriminierende Einstellungen nicht toleriert werden. Entweder REWE distanziert sich in Form von Kündigung des Arbeitsverhältnis von Phillip Krull oder unterstützt ihn weiterhin mit der Duldung seiner menschenverachtenden neonazistischen Einstellungen. Wir sehen keine Möglichkeit eines neutralen Umgangs mit der Situation. Zudem ist REWE Markt GmbH offizieller Sponsor der internationalen Wochen gegen Rassismus (Initiative des interkulturellen Rats in Deutschland e.V.). Wir finden, dass sich das widerspricht! (…) Rewe, die Schlosshöfe und das ECE-Management jetzt unter Druck setzen – Phillip Krull kündigen!
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berlin, hamburg, pah – meuchefitz!

»Es ist gar nicht lange her, da stellte sich einigen Menschen aus dem Wendland die Frage: Was tun am 1. Mai? In die Stadt? Bäh…Nee! Arbeiten? Geht gar nicht! Demo? Ja na klar, das muss schon irgendwie sein. Also ran ans Werk… was die in den Großstädten können, das können wir schon lange. So kam es zur ersten Revolutionären 1. Mai Demonstration in Meuchefitz. Mit allem was dazu gehört und wovon viele in den Städten nur träumen können. Pünktlich (!!!) um 17 Uhr setzten sich die behelmten ersten Reihen mit dem durch dicke Taue stabilisierten Fronttranspi in Bewegung.

Hinter ihnen folgte der Lautprechertrekka und weitere 200 Menschen, denen es wichtig war, auch in der Idylle ein Zeichen zu setzen. Am bestreikten Streikposten vor dem bestreikten Meuchefitzer Gasthof vorbei ging es zügigen Schrittes in Richtung Schwiepke [Foto]. Im Nachbarort hatte doch am Vormittag des Arbeiterkampftages eine Filiale der Deutschen Bank aufgemacht. Die galt es jetzt zu besichtigen. Gut vorbereitete Teilnehmer_innen der Demo konnten nur zusehen wie im entschlossenem Aktionismus der ersten Reihen die Bank sofort zu Bruch ging [Foto]. Doch auch Trümmer kann mensch anzünden und so kamen auch die vorbereiteten Teilnehmer_innen auf ihre Kosten nachdem der Redebeitrag zur Systemkrise des Kapitalismus beendet war. (mehr…)

die schwulenheiler

verarmung durch mieten und energiekosten

»Eine Auswertung unserer Sozialberatung [der ALSO] zeigt: Mehr als dreißig Prozent der Hartz-IV-Haushalte bekommen vom Jobcenter nicht ausreichend Geld für ihre Miet- und Heizungskosten. Und der Betrag im Regelsatz für Strom reicht schon seit Jahren nicht mehr. Wenn die Miet- und Heizungskosten über den Mietobergrenzen liegen, erhalten die Betroffenen eine „Kostensenkungsaufforderung“: Sie müssen sich eine günstigere Unterkunft suchen oder die darüber liegenden Kosten aus ihrem Regelsatz bestreiten. Diese Zahlen belegen, dass die Mietobergrenzen nicht mehr der Realität auf dem aktuellen Wohnungs- und Energiemarkt in Oldenburg entsprechen. Fast zwei Mio Euro fette Beute – von mageren Opfern! Fast zwei Mio. Euro spart die Stadt Oldenburg im Jahr 2013 auf Kosten der Armen, weil das Jobcenter im Durchschnitt monatlich rund 17 Euro der tatsächlichen Unterkunfts- und Heizungskosten für die rund 9.500 Bedarfsgemeinschaften nicht anerkennt. Wohnungswechsel – aber wohin? Mehr als 5.000 Wohnungssuchende verzeichnet allein die GSG auf ihrer Interessentenliste im Jahr 2013. Die Betroffenen haben so gut wie keine Chance, durch einen Wohnungswechsel ihre Unterkunftskosten zu senken. Energiesparen – durch frieren? Wider alle Vorurteile: Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2008 belegt, dass einkommensarme Haushalte weniger als die durchschnittliche Menge Energie verbrauchen, obwohl die Menschen sich länger in ihren Wohnungen aufhalten, ihre Wohnungen schlechter isoliert sind und sie oft „Energiefresser“ als Haushaltsgeräte betreiben müssen. Und alle Anstrengungen zum Energiesparen werden durch die drastisch gestiegenen Energiekosten zunichte gemacht. Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 haben sich die Gaspreise um 31,1 Prozent, die Heizölpreise um 55,8 Prozent und die Strompreise um 48,9 Prozent erhöht. Der Regelsatz ist seitdem von 345 auf 391 Euro gestiegen – das sind 13,4 Prozent. (mehr…)

»take back the night« in bremen

»Am vergangenen Mittwoch (30.04.14) demonstrierten in Bremen etwa 350 FrauenLesbenInterTrans* gegen den sexistischen Normalzustand. Die lautstarke und entschlossene Demo zog vom Viertel über den Rembertiring in Richtung Innenstadt. Am Wall entlang ging es dann bis zur Polizeistation an der Domsheide und von dort aus durchs Steintor-Viertel, über die Sielwallkreuzung bis zur St.Jürgen-Straße und am Osterdeich entlang. In mehreren Redebeiträgen wurden unterschiedliche Aspekte der herrschenden Geschlechterverhältnisse thematisiert und kritisiert, ebenso wie die vielfältigen Verschränkungen mit weiteren Unterdrückungsstrukturen. Es kam zu zahlreichen meist verbalen Angriffen auf die Demo, die jedoch entschlossen zurückgewiesen wurden. Gerade die für eine Demo ungewöhnlich hohe Anzahl an beleidigenden Anfeindungen von Passant*innen zeigt, dass es eben keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich FrauenLesbenInterTrans* ungestört im öffentlichen Raum bewegen können. Neben den teilweise sehr aggressiven Reaktionen auf die Demo kam es aber auch zu zahlreichen Solidarisierungen mit den Zielen der Demo.« [Quelle]