Archiv für Januar 2014

wieder setzen

☞ »Aktueller Stand zum 13. Februar 2014«

gott verlassen

In Niedersachsens Großstädten ist ein erfreulicher Trend zum Kirchenaustritt zu verzeichnen. Allein in Oldenburg kehrten im vergangenen Jahr 1.221 Menschen von den beiden großen Kirchen ab – 38 Prozent mehr als im Jahr zuvor mit 883 Austritten. »Der Austritt ist derzeit vielleicht die einzige Möglichkeit, Protest sichtbar zu machen«, konstatierte selbst Martin Tenge, der katholische Propst von Hannover [Quelle]. Gründe gibt es bekanntlich mehr als genug.

war starts here…

Um neues Menschenmaterial für die aktuellen und künftigen Kriege Deutschlands ranzuregeln, werden seit Jahren Messen, Schulen, Arbeitsämter und öffentliche Plätze von der Bundeswehr zwecks Personalwerbung und Imagepflege heimgesucht. Im ersten Quartal 2014 sind in Oldenburg die uniformierten »Kar­rie­re­be­ra­ter/Karrierberaterinnen« am 18.​ und 21.​ Januar im Berufsinformationszentrum (BIZ) im Jobcenter und am 28. Januar bei einem schulinternen Vortrag für den 12. Jahrgang in der BBS Wechloy anzutreffen.

stadtansichten #1

oldenburger spielregeln?

Anlässlich der Wiedereröffnung des »Haus Frie­dens­bruch« veröffentlichte die NWZ folgenden denkwürdigen Kommentar: »Straftat oder harmlose Demonstration? Es ist nicht gesetzeskonform, ungebeten in ein Haus einzudringen, die Frage stellt sich daher eigentlich nicht. Andererseits: Durch ihr besonnenes und lockeres Auftreten haben Hausbesitzer [A.d.R.: da meinte er wohl Hausbesetzer] und Polizei eine Eskalation verhindert. Wo andernorts (wie in Hamburg) Steine fliegen und Menschen verletzt werden, herrscht in Oldenburg relative Ruhe. Geradezu so, als gäbe es Spielregeln, die von beiden Seiten eingehalten werden. Das ist gut so.«.
Mittlerweile ist auch ein vielbeachteter Fernsehbeitrag über das doch etwas spezielle Verhältnis zwischen Autonomen und der Polizei in der Huntestadt erschienen, welchen wir euch nicht vorenthalten wollen:

»haus frie­dens­bruch« wiedereröffnet

Am Abend des 11. Januar wurde die feierliche Wiedereröffnung des al­ter­na­ti­ven Wohn- und Kul­tur­pro­jekts »Haus Frie­dens­bruch« am Theaterwall 24a zelebriert.

»Mög­lich wurde dies durch den (auch für uns) un­er­war­tet groß­zü­gi­gen Akt Lam­bert Lock­manns, der nicht nur sämt­li­che Kos­ten für die statt­ge­fun­de­nen Sa­nie­rungs­ar­bei­ten trägt, son­dern uns das Haus auch kos­ten­frei zur Ver­fü­gung stellt. Wir be­grü­ßen die­sen Schritt Lam­bert Lock­manns weg von einer Wohn­po­li­tik der ge­ho­be­nen Klas­se hin zu einem ver­ant­wor­tungs­vol­len und nach­hal­ti­gen kul­tu­rel­len En­ga­ge­ment. Nach um­fang­rei­chen Sa­nie­rungs­ar­bei­ten fand heute um 18:30 die fei­er­li­che Schlüs­sel­über­ga­be von Lam­bert Lock­mann an die ehe­ma­li­gen In­stand­be­set­zer_in­nen vor dem „Haus Frie­dens­bruch“ statt. Der Er­öff­nungs­fei­er wohn­ten neben Ober­bür­ger­meis­ter Schwand­ner und der Stadt­bau­rä­tin Ga­brie­le Nie­ßen ein Pu­bli­kum von meh­re­ren hun­dert Men­schen bei«, heißt es in einer Pressemitteilung der Nutzer*innen. Die ausgelassene Feierlichkeit, zu welcher auch eine Delegation der Oldenburger Polizei erschienen war, endete nach etwa zwei geselligen Stunden. Hier nun noch einige Impressionen des Abends:

☞ »Hausbesetzung« Polizei-OL, 12.​01.​2014
☞ »Haus Theaterwall 24a erneut besetzt« NWZ, 13.​01.​2014
☞ »Spielregeln eingehalten« NWZ, 13.​01.​2014

gefahrengebiet hamburg

»einfach nur mal witze über
dicke, schwuchteln und anderes«

Der 47-Jährige Wildeshausener Christian Pothin, welcher bei der Bundestagswahl 2013 als Direktkandidat der rechtspopulistischen »Alternative für Deutschland« mit (sozial-) rassistischen Phrasen immerhin 5251 der Erststimmen und damit 3,3% im Wahlkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst/Wesermarsch holen konnte, hat angekündigt, am 16. Januar (beim Kreisparteitag in Oldenburg) sein Amt als Kreisvorsitzender der AfD niederzulegen und sich aus der aktiven Parteiarbeit zu verabschieden.


Pothin als gescheitertes Gérard Depardieu-Double in rassistischer Mission

Denkwürdig ist dabei vor allem seine Erklärung: »Mit anderen Worten werde ich mich jetzt wohl aus der Politik verabschieden und mich wieder meiner Familie widmen und auch mal wieder „einen Saufen gehen“ oder einfach nur mal Witze über dicke, Schwuchteln und anderes erzählen, ohne das ich aufpassen muss, was ich sage«. »Und ich mache auch mal Witze über Frauen«, so Pothin gegenüber der NWZ. Dabei würde man doch denken, dass er mit diesen Interessenlagen bei der AfD gern gesehen ist.
Hier nun noch einige Kostproben von Pothins geistigen Ergüssen als AfD-Kreisvorsitzender und Bundestagsdirektkandidat: »Wir sprechen lediglich die Missstände in Deutschland offen an, auch wenn das der sogenannten ,political correctness’ widerspricht. (…) Viele, gerade auch ältere Leute, sind auf uns zugekommen, denen zum Beispiel die unkontrollierte Zuwanderung Angst macht. (…) Die sicheren deutschen Atomkraftwerke hätten niemals abgestellt werden müssen, das war nur das Werk der Lobbyisten« [Quelle]. War doch irgendwie auch schon recht humoristisch…

rassismus in uniform

ungeliebtes yuppieviertel

Die städtebauliche Umstrukturierung des alten Stadthafens zu einem Yuppiequartier stösst wohl nicht bei allen Oldenburger*innen auf Gegenliebe. »An der neu gebauten Stadthafen-Promenade haben Unbekannte am vergangenen Wochenende schwere Schäden angerichtet. (…) Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen im mittleren fünfstelligen Bereich. Auch wurde das neue Böschungspflaster teilweise herausgerissen. Diese Vandalismus-Attacke stelle einen Höhepunkt einer Folge von Sachbeschädigungen während der Bauarbeiten für die Promenade dar, schreibt die Stadt weiter. Zerstörte Bauschilder, angebohrte Versorgungsleitungen, zerschlagene Gläser der neuen Straßenlampen und nicht zuletzt Sabotage an den Baugeräten waren bereits zu konstatieren«, wußte die NWZ an Heiligabend zu berichten.

heil dir, o oldenburg

»Im Jahr 1835 verfügte Oldenburg bereits über 3000 Soldaten, davon 2650 Infanteristen und 300 Artilleristen. (…) Alkoholismus war eine verbreitete Erscheinung, vor allem bei den längerdienenden Soldaten. Gerade Schnaps wurde „in den Kasernen und Garnisonen wie Wasser konsumiert“, heißt es in den Überlieferungen. (…) Im Zusammenhang mit den Kämpfen um Würzburg im Jahr 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war in Militärkreisen von „den guthmüthigen Oldenburgern“ die Rede, die „wie kein anderer Deutscher Volksstamm“ an der „Scholle“ festsitzen und über „ein solches Phlegma und eine solche Scheu vor fremdartigen Verhältnissen“ verfügen, dass sie sich „schwer neuen ungewohnten Verhältnissen anschmiegen konnten“.« [Quelle]

sinkende mieten für yuppies

Immobilien-Expert*innen und Maklerfirmen rechnen für Oldenburg »mit tendenziell sinkenden Mieten« – bei »Wohnungen im höherpreisigen Segment« mit über 90 Quadratmetern versteht sich. Denn in diesem Bereich findet seit einigen Jahren ein wahrer Bauboom statt. »Andree Meyerdierks von der Immobilienfirma Meyerdierks (…) spricht bereits von einer „Sättigung, zum Teil sogar Übersättigung“ des Marktes für hochpreisige Wohnungen in der Stadt. Die Lage werde sich durch die Fertigstellungen in 2014 und 2015 möglicherweise noch verschärfen«, so die NWZ. Normal- und geringverdienende Wohnungssuchende haben in der »Übermorgenstadt« nach wie vor nichts zu lachen. Allein bei der GSG stehen 5000 Menschen auf den Wartelisten für bezahlbare Wohnungen zwischen 50 und 60 Quadratmetern – 15 Prozent mehr als noch 2012. Laut Stefan Könner, dem Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft GSG, hätten sich viele von ihnen notgedrungen mit ihrer Wohnsituation abgefunden – etwa Jugendliche, die weiter bei den Eltern wohnten oder Paare, die trotz Trennung noch zusammenlebten.

dumping-zustellung

fragen nach verhinderter abschiebung

Nachdem am 22. Ok­to­ber weit über 100 Nach­ba­r*in­nen, Freun­d*in­nen und an­ti­ras­sis­ti­sche Ak­ti­vis­t*in­nen im Stadt­teil Os­tern­burg die Ab­schie­bung eines 30-jährigen Ol­den­bur­gers in die Côte d‘Ivoire verhindern konnten [Info], stellten sich dem CDU-Landtagsabgeordneten Ansgar Focke aus Ganderkesee doch noch so einige bedeutende Fragen. Nein, nein, es geht dem Focke freilich nicht um das Schicksal des 30-Jährigen oder gar um die Legitimität des Abschiebeversuches, sondern um die lieben Kosten. Laut der Antwort des Niedersächsischen Innenministeriums auf die Anfrage Focke`s verteilen sich diese wie folgt: Der Betroffene soll 325,71 Euro u.a. für die Stornierung des Flugs zahlen. »Die Einsatzkosten in Höhe von 952 Euro werden von der Polizeidirektion Oldenburg nicht geltend gemacht. Das Land Niedersachsen übernimmt die seit der gescheiterten Abschiebung angefallenen Sozialleistungen in Höhe von 911,52 Euro«, berichtete die NWZ. Andere Menschen könnte übrigens auch dieses interessieren: Der 30-Jährige hat inzwischen seine langjährige Freundin geheiratet und lebt nach wie vor in Oldenburg. Zu einer Abschiebung wird es wohl nicht mehr kommen.

mit dem bus gen osten

Am 18. Januar wird aus Oldenburg wieder ein Bus zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch in Magdeburg fahren. Dazu findet am Donnerstag, den 9. Januar eine Info- und Mobilisierungveranstaltung um 20 Uhr im Alhambra statt. Die Bustickets (Kosten 10 €) sind ab Montag, den 6.1. im Infoladen Roter Strumpf, montags beim Antifa-Cafe oder donnerstags während der Vokü im Zeitraum von 20 bis 21 Uhr erhältlich. Und natürlich auch bei der Veranstaltung.