der beliebte general

Am 12. Januar verstarb Gottfried Ewert, seines Zeichens Generalmajor a.D., im Alter von 92 Jahren in Bremen. Ewert, gebürtiger Ostpreuße und Träger des großen Bundesverdienstkreuzes, war u.a. von 1974 bis 1977 kommandierender General der 11. Panzergrenadierdivision, deren Stab in der Oldenburger Clausewitz-Kaserne stationiert war. »Als Kommandeur (war er) sehr beliebt bei seinen Soldaten, für deren Belange er sich stets einsetzte«, behauptet zumindest der NWZ-Autor Thomas Husmann in einem Nachruf. Auch ehrenamtlich habe er sich stark engagiert, weiß Husmann zu berichten: »Unter anderem war er Vorsitzender der deutsch-südafrikanischen Gesellschaft«. Deutsch-südafrikanische Gesellschaft? Ein Verein zum interkulturellen Austausch mit den Bewohner*innen des Südkaps? Oder gar eine Bürgerinitiative gegen das bis 1994 in Südafrika herrschende Apartheidsregime? Nicht ganz. Die erste Deutsch-Südafrikanische Gesellschaft (DSAG) existierte bereits während des 3. Reiches und war eng verbunden mit der NSDAP-Auslandsorganisation. Im Jahr 1965 wurde sie wiedergegründet, gab sich honorig und mit vielen Grafen im Vorstand geradezu adelig, während sie im Hintergrund vielen Faschist*innen als Tarnung diente. »Der SPD-Politiker Günther Verheugen bezeichnete die DSAG in seinem Buch „Apartheid“ als „organisatorisches Rückgrat der (Weiß-)Südafrikalobby“. Der Verein diene als Bindeglied zwischen weißen Wirtschaftsunternehmen, reaktionären Kreisen und bestimmten südafrikanischen Politikern. Die DSAG sei lange Zeit ein Forum für Apartheidsanhänger und Nationalisten gewesen. In ihrem Jahresbericht 1990 offenbarte die DSAG sogar offen ihren Rassismus, als sie eine Monarchie für Südafrika forderte, weil „der Schwarze“ zu Demokratie nicht tauge«, konstatierten Oliver Schröm und Andrea Röpke in ihrem Buch »Stille Hilfe für braune Kameraden: das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis«. Darüber hinaus unterhielt die DSAG über Jahrzehnte hinweg bis 1993 eine enge Zusammenarbeit mit dem faschistischem »Hilfskomitees Südliches Afrika (HSA)« und dem Nazi-Magazin »Nation & Europa«.
Also wahrlich lobenswert, das ehrenamtliche Engagement des Gottfried Ewerts. Diese eigenwillige Deutung des NWZ-Redakteurs Husmann wird wohl nur noch getoppt durch die Traueranzeige des Lions-Club Oldenburg: »Sein Anliegen, sich aufrichtig und furchtlos für die Demokratie einzusetzen, war vorbildlich und bleibt uns – wie auch seine Liebe zur Natur – unvergessen«.


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