griechenland –
krise, deutsche schuld(en) und widerstand

Über »Griechenland – Krise, deutsche Schuld(en) und Widerstand« spricht der Bremer Historiker Karl-Heinz Roth am Dienstag, 15. Oktober 2013 um 19.30 Uhr im Alhambra. In der Ankündigung heißt es: »Die Euro-Krise hat sich extrem zugespitzt. Ihren Mittelpunkt bildet Griechenland, das sich seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise in einer schweren Rezession befindet. Von ihrem Ausgang ist nicht nur das Land, sondern ganz Europa und sogar die Weltökonomie betroffen. Es ist von großer Bedeutung, sich mit den Hintergründen der Krise, den seit 2010 diktierten Sanierungsprogrammen der „Troika“-EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfond – und den möglichen Alternativen auseinanderzusetzen.

Deutschland trägt eine große Schuld an der Verursachung dieser Krise. Der griechische Oberste Gerichtshof hatte gerade einer Entschädigungsklage von Opfern der deutschen Okkupation während des Zweiten Weltkrieges stattgegeben und die Konfiskation deutscher Vermögenswerte in Griechenland für rechtens erklärt. Nur die griechische Regierung konnte das Verfahren noch aussetzen. Sie tat dies, nachdem die deutsche Regierung die Unterstüt-zung ihres Antrags zur Aufnahme in die EU zugesagt hatte. So entzog sich Deutschland seiner Verantwortung für die Kriegsschulden. In der Folge konnten die Deutschen ihr- für die Unternehmen hochprofitables Lohndumping zur systematischen Absenkung der Exportpreise nutzen. Wegen der engen Korrelation der Lohnkostenschere mit den Exportpreisen, war die deutschen Politik des Lohn- und Preisdumping in Europa die wichtigste Ursache für den Niedergang der griechischen Wirtschaft.

Inzwischen sind 2,2 Mio. Menschen in Griechenland nicht mehr zur elementaren Repro-duktion ihres Familienlebens imstande. 240.000 selbständig wirtschaftende Familien-und Kleinunternehmer, die oftmals auch ihre hypothekenbelasteten Häuser verloren, sind in den Ruin gegangen. Die Mehrheit der Erwerbslosen ist nicht mehr krankenversichert und findet nur noch bei medizinischen Hilfsorganisationen Unterstützung. Gleichzeitig breiten sich in vielen Städten Gewaltkriminalität und Prostitution aus. In den überfüllten Gefängnissen herrschen grauenhafte Zustände. Überfälle faschistischer Schlägertrupps gegen papierlose Immigrant/innen häufen sich. Die innerfamiliäre Männergewalt gegen Frauen und Kinder hat dramatisch zugenommen Auch die Suizidrate hat sich inzwischen verdoppelt.

Karl-Heinz Roth sieht jedoch auch Ansätze einer emanzipatorischen Widerstandsbewegung in Griechenland. Die Entwicklung und Ausweitung einer Alternativen Ökonomie und direkter Demokratie mache es möglich, dass immer mehr Menschen in Lernprozesse einbezogen werden, die ihnen den Aufbruch zu einem selbstbestimmten, egalitären und basisdemokra-tisch verfassten sozialen Leben gestatten. All diese Themen wird er in seinem Vortrag analysieren und sich dann der Diskussion stellen.«


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