Archiv für Oktober 2013

widerstand und gelebte utopie

»Widerstand und gelebte Utopie: Frauenguerilla, Frauenbefreiung, basisdemokratische Frauenstrukturen in Kurdistan«: Darüber sprechen am 7. November um 19.30 Uhr im Alhambra Annett Bender, Mitarbeiterin der Informationsstelle Kurdistan und Anja Flach, Autorin und ehemaliges Mitglied der Frauenarmee in Kurdistan. »In vielen Befreiungskämpfen wurden Frauen, als diese beendet wurden, wieder in ihre alte Rolle zurückgedrängt. In Europa erleben Frauenkämpfe ein Rollback, die Geschlechterfrage ist nur scheinbar gelöst. Doch im Mittleren Osten, der vielfach mit Frauenunterdrückung und Islamisierung in Verbindung gebracht wird, wird weltweit seit Anfang der 1990er Jahre die erste Frauenarmee aufgebaut, Frauen werden als die Vorkämpferinnen der Bewegung angesehen, sie organisieren sich basisdemokratisch in Frauenräten und auf allen Ebenen. Die kurdische Bewegung sieht die führende Rolle der Frauenbewegung als Garantie für eine Demokratisierung von unten an, um das Patriarchat zu überwinden und eine freie Gesellschaft jenseits von staatlichen‚ Strukturen aufzubauen.

Seit 2005 gibt es Bemühungen das System des demokratischen Konföderalismus praktisch umzusetzen. Heute findet man auf lokaler und kommunaler Ebene neben gemischten auch viele Frauenräte. In diesen lernen die Kurdinnen und Kurden sich an dem Ort und Platz an dem sie leben selbst zu organisieren und zu verwalten. Natürlich ist dies mit sehr vielen Problemen verbunden. Abgesehen von den Repressalien der regionalen Besatzermächte wie der Türkei, dem Iran, Irak und Syrien und internationaler Kräfte liegen die Schwierigkeiten darin, das Neue, das Ungewohnte, umzusetzen. Viel muss noch gelernt und alte Strukturen und Werte überwunden werden«, so die Veranstaltungsankündigung.

wenn fleisch hunger macht

Am 04. November ab 19.30 Uhr gibt es im Restaurant Seidenspinner/Lindenhofsgarten (Nadorster Str. 87) unter dem Titel »Wenn Fleisch Hunger macht – Fleischexporte nach Afrika« eine Diskussionsveranstaltung zu globalen Auswirkungen der Fleischindustrie. »In Niedersachsen boomt die Massentierhaltung. Hier leben fast fünfmal so viele Hühner wie Menschen. Das billige Fleisch hat jedoch soziale, ökologische und ethische Folgen – mit globaler Dimension. Was hat das Fleisch auf unserem Teller mit dem Hunger im Süden der Welt zu tun? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Armut in Afrika und Fleischexporten aus der EU? Wie wirkt sich die Massentierhaltung in Niedersachsen auf den Regenwald in Brasilien aus?«, heißt es in der Ankündigung. Die Diskussionsgäste sind Daniele Schmidt Peter vom Centro de Apoio ao Pealotos Agricultor (CAPA), einer Organisation, die sich für kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaft in Brasilien einsetzt, und Dr. King David Amoah, Landwirtschaftsexperte vom Ecumenical Association for Sustainable Agriculture and Rural Development (ESCARD) aus Ghana.

36 ausrufezeichen in 19 sätzen –
die »kameradschaft oldenburg« stellt sich vor

»Seit Ende Au­gust 2013 exis­tiert in Ol­den­burg mal wie­der eine „freie Ka­me­rad­schaft“. Freie Ka­me­rad­schaf­ten sind Zu­sam­men­schlüs­se von par­tei­frei­en, mi­li­tan­ten Neo­na­zis. Das Label „Ka­me­rad­schaft Ol­den­burg“ wurde be­reits mehr­mals in der Ver­gan­gen­heit von neo­na­zis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­wen­det. Bei dem ak­tu­el­len Pro­jekt han­delt es sich aber um Per­so­nen, die vor­her nicht als ak­ti­ve Neo­na­zis in Er­schei­nung ge­tre­ten sind.


Der Kopf der Ka­me­rad­schaft, Rolf Hil­fers (Bild­mit­te), im Krei­se sei­ner Mit­strei­ter

Kaum ge­grün­det, prä­sen­tier­te sich die Ka­me­rad­schaft im In­ter­net mit einer ei­ge­nen Seite im In­ter­net. Die schlicht ge­stal­te­te Seite, die bei dem An­bie­ter „wix.​com“ ab­ge­legt ist, macht je­doch einen äu­ßerst un­pro­fes­sio­nel­len Ein­druck. Beim ers­ten Blick auf die Seite emp­fängt einen eine schlecht zu le­sen­de Schrift sowie eine Flut an Aus­ru­fe­zei­chen hin­ter jedem Satz.« (mehr…)

dokument der zeitgeschichte:

vier ol­den­bur­ger nazis feiern lu­ni­koff

»Circa 80 Neo­na­zis ver­sam­mel­ten sich am Don­ners­tag, 10.​ Oktober vor und in der Gast­stät­te „Zur sin­gen­den Wir­tin“ im ems­län­di­schen Groß Ber­ßen. Of­fi­zi­ell fand in den Räum­lich­kei­ten eine pri­va­te Ge­burts­tags­fei­er statt, aber hin­ter den ab­ge­kleb­ten Schei­ben fand ein Na­zi­kon­zert mit der Sze­ne­grö­ße „Lu­ni­koff“, ehe­mals Sän­ger der ver­bo­te­nen Band „Land­ser“, statt. Die Be­su­cher_in­nen reis­ten aus dem Ems­land, der Graf­schaft Bent­heim, dem Harz, Leip­zig, Os­na­brück, Min­den und den Nie­der­lan­den an. Auch aus Ol­den­burg er­schien eine vier­köp­fi­ge Grup­pe Neo­na­zis.« [Quelle]


Ol­den­bu­rer Neo­na­zis beim „Lu­ni­koff“-​Kon­zert in Groß Ber­ßen

geständnis nach anschlag auf das ma­ro kher

Nur wenige Tage nach dem Brandanschlag auf das Zen­trum des Freun­des­krei­ses der Sinti und Roma »Ma­roK­her« (Unser Haus) in der Nacht zum 21. Oktober hat der von der Polizei verdächtigte 25-Jährige die Tat gestanden. »Zum Motiv des Mannes wollte sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen allerdings nicht äußern. Die Ermittler des Staatsschutzkommissariats sind sich nach dem Ergebnis der Vernehmung aber sicher, dass es keinen politisch motivierten Hintergrund für die Tat gibt«, berichtete die NWZ. Anderslautende Hinweise liegen bisher auch in antifaschistischen Kreisen nicht vor.

Hier nun noch eine Solidaritätserklärung der ALSO: »Das ALSO-Plenum ist erschrocken und empört über den Anschlag auf das junge Kulturzentrum des Freundeskreises »MaroKher« (= Unser Haus) und wünscht allen, die dieses Kultur-Zentrum bisher aufgebaut, unterstützt und genutzt haben viel Kraft, Mut und Unterstützung für ihre weitere und unverzichtbare Arbeit. (…) Der Anschlag zeigt: Für Sinti und Roma gibt es immer noch kein selbstverständliches Leben in der Bundesrepublik. Sie werden diskriminiert, ihre Kinder benachteiligt, ihre Kultur geleugnet, verächtlich gemacht und angegriffen. Die Schuld und die Verbrechen, die im deutschen Namen gegen Menschen verübt wurden, die den Sinti und Roma zugerechnet wurden und werden, werden verharmlost, dem Vergessen Preis gegeben oder gleich ganz geleugnet. Um so mutiger und unverzichtbarer ist das Projekt eines Kultur-Zentrums des Freundeskreises der Sinti und Roma, das ihren Interessen, ihrer Gemeinschaft und Kultur einen öffentlichen Ort im Leben dieser Stadt gibt. Dass es auch im Jahr 2013 noch besonderen Mut braucht, ein derartiges Projekt in Deutschland zu errichten, ist eine bittere Wahrheit. Das machen die Anschläge auf das »MaroKher« in den letzten Wochen überdeutlich. Diffamierende Äußerungen bundesdeutscher Spitzenpolitiker gegen Sinti oder Roma in den vergangen Monaten schürten bei einigen von uns bereits Sorgen in dieser Richtung.
Liebe Mitglieder des Freundeskreises: Macht weiter! Ihr seid nicht allein! Auch wir brauchen Euch und danken Euch für Eure Initiativen!
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☞ »25-jähriger Tatverdächtiger räumt Vorwürfe ein« POL-OL, 23.​10.​2013
☞ »25-Jähriger gesteht Anschlag auf Zentrum« NWZ, 24.​10.​2013
☞ »Grüne wollen Tatmotiv wissen« NWZ, 26.​10.​2013

wohnen in oldenburg: öffentliche versammlung

der nsu-vs-komplex

Am kommenden Mittwoch, dem 30. Oktober um 19.30 Uhr gibt es in den Räumlichkeiten von IBIS in der Klävemannstraße 16 eine Lesung und Diskussion mit Wolf Wetzel, dem Autor des Buches »Der NSU-VS-Komplex – Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) – wo hört der Staat auf?«, welche vom Bündnis gegen Rechts und IBIS organisiert wird. In der Buch-Beschreibung heißt es: »13 Jahre blieb der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) unentdeckt. Zehn Morde wurden begangen, zehn Mal verschoben die Behörden verschiedener Bundesländer die Mordhintergründe ins ›ausländische Milieu‹. Zehn Mal will man keine ›heiße Spur‹ gehabt haben. Dennoch legte man alle zehn Morde in die Blutspur des ›organisierten Verbrechens‹. Nachdem die Existenz des NSU nicht mehr zu leugnen war, reihte sich eine Panne an die andere. Dass in allen Behörden Beweise verschwinden, Akten verheimlicht, Falschaussagen gemacht, ganze Aktenberge geschreddert werden, beweist, dass weder ›Behördenwirrwar‹ noch ›Kommunikationschaos‹ herrsch(t)en, sondern der gemeinsame Wille, unter allen Umständen zu verhindern, dass etwas ans Licht kommt, was den bisherigen Erklärungen widersprechen würde. Ab wie vielen Pannen muss man von einem System sprechen? Wenn über zwei Dutzend V-Männer hervorragende Kontakte zur neonazistischen Organisation ›Thüringer Heimatschutz‹ und zu den späteren Mitgliedern des NSU hatten, waren staatliche Stellen nicht etwa auf dem ›rechten Auge blind‹, sondern ließen sehenden Auges zu, dass über sieben Jahre hinweg zehn Morde begangen werden konnten. Eine Spurensuche.«

antisemitismus, ick hör dir trapsen


Faksimile: NWZ-Leserforum vom 22. Oktober 2013

gesellschaftliche umbrüche gestalten

Von November bis Januar findet an der CvO-Universität eine Vortragsreihe unter dem Motto »Alternativloses Wirtschaftssystem? – Gesellschaftliche Umbrüche gestalten« statt. Den Anfang macht am 7.11.2013 Prof. Dr. Ingrid Kurz Scherf (Universität Marburg) zu dem Thema »Vielfachkrise als Systemkrise. Analyse mit feministischem Eigensinn«, am 21.11.2013 folgt der Vortrag »Kapitalismus 4.0 – Regulierung oder Transformation?« von Dr. Dirk Ehnts (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), am 12.12.2013 geht es bei der Veranstaltung von Elisabeth Voß (NETZ für Selbstverwaltung und Selbstorganisation e.V.) um »Solidarische Ökonomien. Ideen und Praxis«, am 9.1.2014 fragt Prof. Dr. Stephan Lessenich (Universität Jena) »Was kommt nach dem Wachstumswohlfahrtsstaat?« und zum Abschluss der Reihe referiert Dr. Tadzio Müller (Rosa Luxemburg Stiftung) am 16.01.2014 über »Wie kommt das Neue in die Welt. Soziale Bewegungen und Veränderungen von unten«. Mehr Info`s dazu findet ihr hier.

fettraffinerie vs. robin wood

»Am Mittwoch, den 30.Oktober 2013 um 9.30 Uhr, findet vor dem Amtsgericht Brake der Prozess gegen eine Robin Wood-Aktivistin statt. Sie war gemeinsam mit anderen vor gut einem Jahr beim Protest gegen den weltweit größten Palmöl-Händler vor Ort, als dort eine Protestaktion stattfand. Bei der Aktion hatten mehrere Dutzend Aktive kletternd und mit Betonpyramiden vor der Fettraffinerie des Konzerns Wilmar in Brake protestiert. Wilmar ist u.a. in Indonesien für Landraub, Menschenrechtsverletzung und Regenwaldzerstörung verantwortlich. Nach mehreren Stunden des Protests wurde die Demonstration von Beamt_innen des SEK geräumt, wobei diese Sicherheitsvorschriften missachteten und durch unsachgemäße und riskante Klettertechniken das Leben der Aktivist_innen gefährdeten. Nachdem insgesamt acht Aktivist_innen Strafbefehle bekamen, soll nun am 30. Oktober der Ersten von ihnen der Prozess wegen angeblicher Nötigung gemacht werden. In den letzten Wochen haben Umweltorganisationen und Einzelpersonen aus Indonesien und Deutschland Ihre Solidarität mit den Betroffenen erklärt. Kriminell sind die Palmöl-Konzerne, nicht der friedliche Protest! Helft mit und unterstützt die Angeklagten. Die Aktivist_innen freuen sich über Solidaritätsbekundungen, Soli-Aktionen werden ebenfalls gerne gesehen und natürlich seid ihr herzlich beim Prozess willkommen!«

refugees welcome


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abschiebung verhindert

Am heutigen Dienstag, dem 22. Oktober verhinderten NachbarInnen, FreundInnen und antirassistische AktivistInnen im Stadtteil Osternburg die Abschiebung eines Oldenburgers in die Côte d‘Ivoire. Weit über 100 Menschen stellten sich am frühen Morgen den Menschenjägern der Ausländerbehörde und der dazugerufenen Polizei entgegen. Nachdem es den Bütteln der Abschiebemaschinerie nicht einmal gelungen war die Vorposten der Blockade zu durchbrechen, zogen sie unverrichteter Dinge wieder ab. »Für Mareike Kaempff, Anwältin des jungen Afrikaners, ist der Abschiebeversuch unverständlich. Der 30-Jährige wolle bereits seit Anfang des Jahres seine deutsche Freundin heiraten, mit der er auch schon länger zusammen sei. Bislang scheiterte dies laut Kaempff daran, dass die nötigen Papiere nicht vorlagen. In zwei Wochen sollen die letzten Unterlagen geprüft sein. Kommt die Heirat zustande, dürfte der 30-Jährige nicht mehr abgeschoben werden«, berichtete der NDR.

☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« NWZ, 23.​10.​2013
☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« NDR, 22.​10.​2013
☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« Welt, 22.​10.​2013
☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« WAZ, 22.​10.​2013
☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« Focus, 22.​10.​2013
☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« NP, 22.​10.​2013
☞ »Demonstranten verhindern Abschiebung« Bild, 22.​10.​2013

brandanschlag auf sinti- und romazentrum

Auf das Zentrum des Freundeskreises der Sinti und Roma »MaroKher« (Unser Haus) in der Münnichstrasse im Stadtteil Kreyenbrück ist in der Nacht zu Montag (21.10.13) ein Brandanschlag verübt worden. Der oder die TäterInnen hatten eine Fußmatte an der Eingangstür mit Brandbeschleuniger entzündet. Glücklicherweise erlosch das Feuer von alleine und beschädigte so lediglich die Eingangstür des Zentrums – der entstandenen Schaden wird auf etwa 2000 Euro geschätzt.

Hier nun die Presseerklärung des Vereins: »In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde das Kulturzentrum Opfer eines Brandanschlags. Der Versuch, das Gebäude ab zu brennen, scheiterte. Nach Ermittlungen der Polizei war die Fußmatte an der Eingangstür mit Brandbeschleuniger (möglicherweise Benzin) übergossen und dann angezündet worden. Unser Nachbar, der Konditor, alarmierte die Feuerwehr gegen 2 Uhr. Beim Eintreffen der Löschfahrzeuge war der Brand zwar bereits erloschen, aber durch die Hitze zerbarst die erste Scheibe der Doppelglastür. Nicht auszudenken, was hätte passieren können. Das war der zweite Angriff innerhalb von einer Woche. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde das Gebäude mit Eiern, Mehl und Milch beworfen.Das der Angriff einen rassistischen Hintergrund hat, bleibt nicht auszuschließen. Bekannte Neonazis wohnen in unmittelbarer Nähe. Außerdem hat vor einigen Tagen eine männliche Person Drohungen ausgesprochen.
Viele unserer Mitglieder trafen sich morgens im Zentrum, nachdem erst durch ein in der Nähe wohnendes Vereinsmitglied die schwarze „Türhöhle“ beim Vorbeifahren entdeckt wurde. Die Polizei oder Feuerwehr hatte niemanden informiert. Betroffenheit und verständliche Wut waren die geäußerten Gefühle der Anwesenden. Erst fühlten wir uns alleingelassen, doch durch ein Rundmail und Telefonanrufe bei Freund_innen und Zeitungsredakteur_innen kamen Reaktionen. Zwei Journalist_innen vom Lokalsender O1 waren die ersten, deren Mitfühlen ein gewisser „Trost“ war. Im Laufe des Tages solidarisierten sich Menschen per Mail und Telefon mit uns und Besucher_innen auch von Zeitungen informierten sich.
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☞ »Anschlag auf Sinti und Roma-Zentrum« taz, 21.​10.​2013
☞ »Brandanschlag auf Kulturzentrum« OOZ, 21.​10.​2013
☞ »Anschlag auf Zentrum von Sinti und Roma« NWZ, 22.​10.​2013

afd: rechtspopulistisch & demokratiefeindlich?