wagenburg verteidigen

Wie bereits erwähnt steht am 4. Oktober der Räumungsprozess gegen die Oldenburger Wagenburg vor dem Landgericht in der Elisabethstraße 7 an. UnterstützerInnen wollen sich um 8.30 Uhr vor dem Gericht treffen, um den Prozess kritisch zu begleiten. Für 16.30 Uhr ist dann eine Solidaritätsdemo geplant, welche vom Wagenplatz aus starten soll. Danach gibt es VoKü und ein Konzert auf dem Platz.

Bereits vor einigen Tagen meldeten sich Menschen aus Universität, Kulturszene und Gewerkschaften zu Wort und forderten die Stadtverwaltung auf, erneute Verhandlungen mit der Wagenburg aufzunehmen. Hier nun der 0ffene Brief in voller Länge: »Sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Stadt Oldenburg, progressiv und zukunftsorientiert versucht sich die Stadt Oldenburg schon seit einigen Jahren zu vermarkten. Ganz erfolgreich schien es auch zu funktionieren, Oldenburg brachte unterschiedlichen und alternativen Wohnformen mehr und mehr Akzeptanz entgegen. Aus dieser Zeit stammt auch der sogenannte Wagenburg-Beschluss des Rates der Stadt aus dem Jahre 2008. In diesem Beschluss wurde festgehalten, dass Wagenleben als eine anerkannte Wohnform in Oldenburg ausdrücklich erwünscht ist. Aktuell ist von dieser Stimmung kaum noch etwas zu vernehmen – dieser Beschluss darf nicht zu einer bloßen Floskel verkommen. Als Beobachtende der regionalen Medien und der Veröffentlichungen der Wagenburg scheint es uns eher so, als sollten den Wagenburgler_innen durch unannehmbare Vertragsklauseln und überhöhte Kosten die Lust genommen werden, in Oldenburg weiter aktiv zu wohnen. Dass dies nicht im Sinne einer weltoffenen Stadt sein kann, liegt auf der Hand. Statt Eilanträge abzulehnen, die eine Wiederaufnahme der Gespräche bedeutet hätten, müsste sich die Politik wieder verhandlungsbereit zeigen und im Zuge dessen von der Räumungsklage absehen. Die Stadtverwaltung sollte sich als Verhandlungspartnerin aufgeschlossener zeigen und einem Vertrag zustimmen, welcher diesem einzigartigen Wohn- und Kulturprojekt Rechnung trägt.

So erscheint es unverständlich, dass die Wagenburg für Erschließungskosten aufkommen soll, obwohl das Gelände am Fliegerhorst nur gepachtet wird. Hier sollte die bisherige Linie überdacht werden. Genauso schwer nachvollziehbar ist es, dass der Pachtzins zweckgebunden scheint – würde die Fläche zum gleichen Preis auch einem Kleingartenverein angeboten werden? Dass auch das Mieten des Shelters durch die Wagenburg ein Streitpunkt ist, erscheint rätselhaft. Eine einfache Lösung liegt doch auf der Hand: Die Wagenburg bei der Verwirklichung ihres partizipativen Nutzungskonzeptes zu unterstützen und endlich die langjährige Suche nach einem Ersatzgelände zu einem verträglichen Ende zu bringen!
Manfred Klöpper – Dozent Carl v. Ossietzky Universität, Hilbert Meyer – Professor em. Carl v. Ossietzky Universität, Jürgen Humer – Bezirksgeschäftsführer Verdi Weser-Ems, Bernd Wacht – Künstlerische Leitung Kulturetage, Winfried Wrede – Künstlerische Leitung Theater Wrede, Marga Koop – Künstlerische Leitung ko.produkt, Wolfgang Nitsch – Professor Carl v. Ossietzky Universität, Ines Rosemann – Künstlerische Leitung Circus Radieschen, Niko Paech – Professor Carl v. Ossietzky Universität, Werner Onken – Postwachstumsökonom Carl v. Ossietzky Universität, Ulrich Schachtschneider – Freier Sozialwissenschaftler, Frank Wegener – Vorsitzender DGB-Stadtverband Oldenburg, Uwe Schwettmann – Kultur Nord, Heike Ellermann – Kinderbuch Autorin, Ruben Eick – DGB Jugend, Katrin Windheuser – Künstlerische Leitung Freifeld Festival, IBIS e.V., Dettmar Koch – Jugendkulturarbeit e.V., Stefan Mühlhaus – Polyester Klub, Farschid Ali Zahedi – Filmemacher Künstlerische Leitung werkstattfilm e.V.
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