torpediert, aber nicht versenkt

Am Nachmittag des 12. Januar belästigte die NPD im Rah­men ihrer ​Nie­der­sach­sen-​Tour zur Landtagswahl die Oldenburger Bevölkerung. Weit bevor sich das sogenannte »Flagg­schiff« der NPD, also ein mit Naziparolen behängter Kleinlaster, und die zwei Begleitfahrzeuge voller Nazischläger auf dem Julius-Mosen-Platz einfanden, waren schon 3 bis 4 Hundertschaften Polizei und so ziemlich alles, was die regionale Naziszene zu bieten hat, angetreten. Auf ganze elf Nazis brachte es dann der Haufen aus Oldenburg, Brake, Hude, Nordenham und Wilhelmshaven, welche sich bei frostigen Temparaturen gemeinsam Mut zusprachen. Apropos »gemeinsam« – damit ist es bald ersteinmal vorbei, denn mindestens drei der selbsternannten Herrenmenschen erwartet ein Gefängnisaufenthalt. Aber zurück zum Samstag: Kurz vor Drei schaffte es dann auch der motorisierte Nazi-Tross mit 13 »Kameraden« nach kleineren Konflikten mit AntifaschistInnen auf den von der Polizei abgesperrten Kundgebungsplatz.

Obwohl sich viele OldenburgerInnen auf den Weg nach Magdeburg gemacht hatten, um dort einen Nazigroßaufmarsch zu verhindern, und lediglich einen Tag lang mobilisiert werden konnte, fanden sich doch noch etwa 150 AntifaschistInnen zusammen. Und die erledigten ihre Aufgabe durchaus akzeptabel: »Hinter der Absperrung zur Ofener Straße standen die Gegendemonstranten, darunter viele Anhänger der linken Szene. Zu dem Protest aufgerufen hatten unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und ein antifaschistisches Aktionsbündnis. Mit Trillerpfeifen, Presslufthupen und „Nazi raus“-Rufen wurde der Wahlkampfauftritt der NPD begleitet. Von den über Lautsprecher übertragenen Reden und Musikbeiträgen der Rechtsextremen war kaum etwas zu verstehen, weil alles im Lärm der Gegendemonstranten unterging«, befand die NWZ wohl wahrheitsgemäß.

Nach rund einer Stunde hatten die Nazis dann auch genug und wollten das Weite suchen. Doch dies gestaltete sich schwieriger als gedacht. Die regionalen Faschos versuchten ihr Glück zu Fuss durch die Kurwickstraße, trafen dabei aber auf wenig erfreute OldenburgerInnen. Nach einigen Klapsern auf den Hintern flüchteten sie panisch zurück auf den Kundgebungsplatz in den Schutz der Polizei. Wenig später starteten die drei NPD-Gefährte ihren Abgang und machten auf dem Heiligengeistwall unangenehme Bekanntschaften. Es flogen einige Böller und Flaschen auf den Tross und der Eine oder Andere der angekarrten und wohl etwas übereifrigen Nazis des »NPD-Ordnerdienstes« traf auf überzeugendere Argumente, bevor die Polizei die Situation bereinigen konnte. Auch die nationalen FußgängerInnen konnten schließlich unter reichlich Polizeischutz den Platz verlassen. Das war`s dann auch schon…

☞ »150 Polizisten sichern NPD-Demo« NWZ 14.01.​2013
☞ »Deutschländer-Würstchen!« Lokalteil 13.01.​2013
☞ »Protest gegen Nazi-Kundgebung« Diabolo 12.01.​2013
☞ »Gallerie OS/OL« Recherche Nord 13.01.​2013

… zumindest fast. Denn Stunden später gab es dann noch einen kleinen Vorfall mit einer Naziparolen grölenden Dreiergruppe im Oldenburger Hauptbahnhof. In der Pressemeldung der Bundespolizei liest es sich so: »Den Polizeibeamten begegnete einer der Rüpel mit einer Flasche Bier in der Hand und den Worten „Freie – Nationale – Sozialistische“. Das Getränk nahmen daraufhin die Ordnungshüter an sich. Der Aufforderung, das Gegröle zu unterlassen folgte der Störenfried nur widerwillig. Gegenüber seinen Kumpanen zeigte er jetzt den Hitlergruß. Den jungen Mann erwartet jetzt eine Anzeige wegen „Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Ob die Gruppe die NPD – Kundgebung am gleichen Tage besucht hat, muss noch ermittelt werden«. Bei dem alkoholisierten Nazi-Rüpel handelte es sich natürlich um einen der KundgebungsteilnehmerInnen, genauer gesagt um einen erst vor Kurzem zu 15 Monaten Haft Verurteilten, welcher sich nach erfolgreicher Flucht am Nachmittag wohl etwas Mut angetrunken hatte. Sein Kontakt mit der Bahn-Polzei bescherte ihm neben der Anzeige wohl auch noch etwas Pfefferspray und ein Zugfahrverbot.


8 Antworten auf “torpediert, aber nicht versenkt”


  1. 1 tutnixzursache 15. Januar 2013 um 17:18 Uhr

    NPD-Desaster mit dem Laster

  2. 2 * 16. Januar 2013 um 13:13 Uhr

    Hallo Leute!

    Heute hängen die ersten NPD Wahlplakate.

    An zwei Straßen habe ich diese bisher gesichtet:

    - Karlstraße
    - Bahnhofsallee / Ecke Lärchenring

    Die Plakate hängen in einer Höhe von etwa 3-4 Metern.

  3. 3 + 16. Januar 2013 um 23:03 Uhr

    weitere Plakate hängen:

    -Cloppenburger Straße:
    1. Ecke Klingenbergstraße /Klingenbergplatz,
    2. Höhe Alte Wache vor dem Aldi-Markt

    - An den Voßbergen, Höhe Ewigkeit

  4. 4 neinneinnein 17. Januar 2013 um 12:40 Uhr

    Ofener Str. Höhe Fachhochschule hängen auch ein paar wenige.

  5. 5 tutnixzursache 17. Januar 2013 um 19:41 Uhr

    Ein Begeleitfahrzeug der NPD wurde über Nacht unbrauchbar gemacht und sorgte somit bestimmt für einige Turbulenzen im ohnehin schon peinlichen NPD-Wahlkampfauftritt.

    http://de.indymedia.org/2013/01/340454.shtml

  6. 6 Wurz 18. Januar 2013 um 2:15 Uhr

    Ebenso Nadorster Straße Höhe Karo Einfach

  7. 7 huhu 18. Januar 2013 um 12:33 Uhr

    nadorster Str. – höhe esso/rewe

    eßkamp – höhe famila

    weißenmoorstr – höhe kulturetage

    alle sehr hoch

  1. 1 NPD-Flaggschiff in Oldenburg « end of road Pingback am 15. Januar 2013 um 22:34 Uhr

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