Archiv für Oktober 2012

es kommt unruh auf

Das »Unruh Squat« aus Bremen hat sich nun erstmals nach der Räumung zu Wort und dabei gleich zu einer Solidaritäts-Demonstration am nächsen Samstag in der Bremer Neustadt aufgerufen. Aber lest selbst: »Als Reaktion auf die Räumung des besetzten Geländes um die Unruh-Spedition am vergangenen Wochenende, wird für Samstag 20.10.2012 zu einer Demonstration in der Bremer Neustadt aufgerufen. Die Demonstration startet um 14 Uhr beim Theater am Leipnitzplatz und wird nicht angemeldet.

Bei der Besetzung der Unruh Spedition und dem umliegenden Areal am Freitag den 12.10.12 ging es von Anfang an nicht in erster Linie um das Schaffen eines konkreten, nutzbaren Raumes für widerständige Strukturen. Es ging darum, einen politischen Konflikt um die Verteilung von Eigentum und den damit verbundenen Ungleichheiten öffentlich sichtbar zu machen. Wenn Luxuswohnungen in der Überseestadt gebaut werden, Mietpreise steigen, jede freie Fläche in der Stadt möglichst profitabel verwertet wird und dem gegenüber ein akuter Wohnungsmangel, gerade an bezahlbarem Wohnraum, steht, gibt es keine Alternative zu der unmittelbaren Aneignung von Räumen, Häusern und Plätzen. Es geht nicht nur darum, Freiräume zu schaffen, in denen es möglich ist sich abseits der gesellschaftlichen Spielregeln vor der Realität zu verstecken ­ das Besetzen von Häusern ist ein Akt der Selbstermächtigung. (mehr…)«

der trend geht weiter…

widerständischer stadtrundgang

Am 18. Oktober gibt es einen »alternativen und widerständischen Stadtrundgang«, los geht`s um 18 Uhr am Bahnhofsvorplatz: »Mit diesem Stadtrundgang wollen wir allen neu zugezogenen sowie alteingesessenen ermöglichen, Oldenburg von seiner widerständischen Seite kennen zu lernen. Neben Orten wie der Wagenburg, dem Haus Friedenbruch und dem Alhambra wollen wir euch auch etwas über die vergessene bzw. verdrängte Geschichte Oldenburgs erzählen. Den Abend abschließen wollen wir gemütlich bei der Vokü und Kneipe im Alhambra.«

Des weiteren gibt`s am 22.10. im Rahmen des Antifa-Cafe`s ab 19.30 Uhr einen »Sticker-Stencil-Workshop«, der laut einem Flyer als »Flauschiger Bastelabend zum Kennenlernen und Kreativ sein im Alhambra« verstanden werden soll. Am 23. Oktober schließlich zeigt die Antifa 11 um 20.15 Uhr den Film »Ein ganz gewöhnlicher Jude« im Alhambra: »Der Hamburger Journalist Emanuel Goldfarb, einziger Sohn von Holocaust-Überlebenden, wird von einem Lehrer über die Kultusgemeinde in dessen Unterricht eingeladen, damit er den Schülern Fragen zum Judentum beantwortet. Bei der Formulierung der Absage, in der Goldfarb seine Identität und sein Leben als Jude und Deutscher in Deutschland aufrollt, entsteht ein Monolog, den Goldfarb in ein Diktiergerät spricht – wütend über so vorsichtige Formulierungen wie „Mitglied Ihrer Religionsgemeinschaft“ oder „Jüdischer Mitbürger“ statt „Jude“.«

nazi-esel

Am 6. Oktober führte die Oldenburger NPD um den braunen Ratsherrn Ulrich Eigenfeld drei kurzzeitige Infostände vor Supermärkten an Ausfallstraßen durch. Mit dabei ein Nazidepp mit Eselsmaske…


Screenshot der NPD-Facebookseite

… was die Nazis offiziell als »beispiellose Aktion« bezeichneten. Dabei ist nicht nur ihnen klar, dass sie mit ihrer Aktion nur ihr Vorbildbeispiel aus den siebziger Jahren kopieren – freilich in nicht strafrechtlich-relevanter Form.


Vorbild für die NPD: Holocaustleugnung in Hamburg Ende der Siebziger

unruh squat geräumt

Am letzten Freitag endete eine versuchte Hausbesetzung der robusteren Art in der Bre­mer Neu­stadt mit einer polizeilichen Räumung, 51 vorläufigen Festnahmen und bislang 16 Ermittlungsverfahren. Der Bremer Blog »end of road« hat die Ereignisse zusammengefasst: »Meh­re­re Per­so­nen be­setz­ten am frü­hen Abend des 12. Ok­to­ber 2012 meh­re­re Ge­bäu­de in der Stra­ße Beim Neu­stadts Gü­ter­bahn­hof, dar­un­ter eine La­ger­hal­le und ein Wohn­haus. Bei den Ge­bäu­den han­del­te es sich um die ehe­ma­li­gen Ge­bäu­de der Spe­di­ti­on Unruh. Laut Er­klä­rung der Be­set­zer_in­nen könn­te dort „ein Au­to­no­mes Zen­trum ent­ste­hen, als Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt für wi­der­stän­di­ges Leben und Han­deln“. Mit meh­re­ren Bar­ri­ka­den, Bau­zäu­nen und auf­ge­ris­se­nem Stra­ßen­pflas­ter wurde das Ge­län­de gegen die Bul­len ge­si­chert. (mehr…)«

antirassistische aktionswoche 2012

Der Verein »VfB für Alle« veranstaltet auch in diesem Jahr wieder eine »Antirassistische Aktionswoche«. Los geht es am 23. Oktober mit einem Filmschnipselabend zum Thema »Moderne Nazis« über neue rechte Erscheinungsformen. Am 26. Oktober gibt es dann eine Veranstaltung unter dem Titel »Rechte Gewalt in deutschen Fußballstadien- Was tun?« mit ReferentInnen aus der Fanszene von Bremen, Jena und Aachen: »Mit dem Aufstieg in die Regionalliga treten leider auch im Marschwegstadion wieder vermehrt Personen auf, die vor allem optisch durch das Tragen von einschlägig bekannten Nazimarken wie z.B. Thor Steinar und Eric and Sons auf ihre Gesinnung aufmerksam machen. Dies veranlasst uns dazu, einen Diskussionsabend im Fanprojekt zu veranstalten um uns über mögliche Handlungsstrategien auszutauschen«, so »VfB für Alle«. Am 28. Oktober gibt es schließlich noch eine Rundführung durch die KZ-Gedenkstätte Esterwegen mit anschließendem Zeitzeugengespräch mit dem 90-jährigen Wehrmachts-Deserteur Ludwig Baumann aus Bremen.

oldenburg postkolonial?

Ein Studierendenprojekt am Institut für Geschichte der Carl von Ossietzky Universität befasst sich mit der Frage nach »kolonialen und postkolonialen Wegmarken« in Oldenburg. In Form eines interaktiven Stadtplans mit erklärenden Tonspuren stellen sie nun ihre ersten Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung: »Die Wegmarken erzählen etwa über „Bünting Coloniale“ und „Rose am Stau“, in denen Kolonialwaren über die Oldenburger Ladentheken wanderten, über einen unscheinbaren Gedenkstein an der Ofener Straße, der eine Verbindung zum Genozid im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika herstellt, oder über eine 1905 auf den Dobbenwiesen stattgefundene Völkerschau. Die Tonspuren gehen auch auf koloniale Spurensuche im Landesmuseum für Natur und Mensch und folgen einem Oldenburger in den „Boxeraufstand“«, schreibt das Studierendenprojekt.

Im Oldenburger Lokalteil veröffentlichte Maik Nolte unter dem Titel »Des Kaisers Kanonier« übrigens einen lesenwerten Artikel über das Projekt, mit dem »unscheinbaren Gedenkstein an der Ofener Straße« als Opener: »Kanonier Kleen starb, so steht es auf einem Gedenkstein neben der halb vergessenen Ehrenhalle für die gefallenen Oldenburger Artilleristen an der Ofener Straße, am 24. März 1906 an Typhus in Lüderitzbucht, damals Deutsch-Südwest, heute Namibia. Was ihn dorthin geführt hatte, deutet die Inschrift indes nur an. „Gestorben während des südwestafrikanischen Feldzuges“ steht da – gemeint ist der Völkermord, den die kaiserlichen Kolonialtruppen an den Herero und Nama begangen haben. (mehr…)«

kuscheln mit der bundeswehr

In den letzten Wochen gab es mal wieder ein paar gruselige »Spektakel«, um die »Heimatfront« bei den aktuellen und zukünftigen Kriegen bei Stange zu halten. So veranstaltete die noch für kurze Zeit hier stationierte »Oldenburgische Luftlandebrigade 31« in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Bümmerstede am 7. September mal wieder ihr alljährliches »Biwak« mit Gästen aus Politik und Wirtschaft, unter ihnen der 2013 scheidende Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Thomas Kossendey (CDU) aus Edewecht und die stellvertretende Oldenburger Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler von der SPD. Nach einigen Bierchen und ein paar Kurzen konnte sich Brigadekommandeur Brigadegeneral Reinhardt Zudrop der uneingeschränkten Solidarität aller (torkelnden?) Anwesenden für sein mörderisches Handwerk sicher sein. »Oldenburgs Beziehung zur Bundeswehr bleibt immer eine besondere«, lallte dann auch die NWZ am Folgetag.

Am 26. September fand dann zur Unterstreichung der »Patenschaft der Stadt Oldenburg zu den am Standort Oldenburg stationierten Bundeswehreinheiten« [Quelle] das nunmehr 26. Fußballturnier verschiedener Oldenburger Bundeswehreinheiten und ziviler Betriebssportmannschaften im Marschwegstadion statt. Nach der Eröffnung durch OB Fritz Gerd Schwandner kickten Mannschaften der Stabskompanie der Luftlandebrigade 31 und des BW-Kraftfahrausbildungszentrums, des Luftlandeunterstützungsbataillon 272 und der ZAW-Betreuungsstelle (Zivile Aus- und Weiterbildung der Bundeswehr) gegen Teams der Stadtverwaltung, des Finanzamtes, der Bereitschaftspolizei und natürlich der Oldenburger Banken LzO, OLB, BLB gegeneinander [Quelle]. Zusätzlich gab es dann noch ein sogenanntes »Prominentenspiel mit Mannschaften aus Rat und Verwaltung sowie Bundeswehrkommandeuren und Dienststellenleitern«. Das »Team Stadt Oldenburg«, u.a. mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Olaf Klaukien und Volker Trautmann, dem Leiter des Oldenburger Jobcenters (!) auf dem Rasen vertreten, verlor schließlich 2:1 gegen die Bundeswehr. »Die Bundeswehr schoss schärfer als die Stadt«, scherzte NWZ TV anschließend wie immer völlig unbeschwert [Video].
Und auch die »Traditionsgemeinschaft des Jagdbombergeschwaders 43« mobiliert auf ihre Art für das deutsche Grossmachtsstreben. Seit dem 10. Oktober steht wieder ein Kampfflugzeug auf dem vor Jahren stillgelegten Oldenburger Fliegerhorst. Ein ausgemusterter und angeblich bis 1994 in Oldenburg stationierter Kampfjet des Typs Alpha-Jet steht nun als Ausstellungsobjekt vor dem Vereinsheim [Video]. Oh, wie schön, da muss mensch wohl unbedingt mal mit den Kindern hin…

fremdschämen, so machen wir das

ein trend geht um

Die Wagenburg-Demo am vergangenen Samstag scheint sich durchaus nachhaltig auf die Oldenburger Bevölkerung ausgewirkt zu haben – und hat damit wohl gleichzeitig einen neuen Mode-Trend gesetzt. Ein gutes Dutzend Boutiquen führt seitdem die neue DesignerInnen-Marke »Wagenplätze bleiben! Stau!«.

Wir wünschen dem kreativen neuen Modelabel noch viel Erfolg und gute Bilanzen in den nächsten Jahren. (mehr…)

faces and phases

Noch bis zum 27. Oktober ist in der »Kulturlounge Seelig« im ECE – ähhh, in den Schlosshöfen – die Fotoausstellung »Faces and Phases« der Fotografin Zanele Muholi zu sehen. »Sie gilt als eine der provokantesten und zugleich erfolgreichsten Fotografinnen Südafrikas: Zanele Muholi, Aktivistin für gleichgeschlechtliche Beziehungen und Stimme der schwarzen lesbischen Südafrikanerinnen. (…)

Mit 60 Schwarz-Weiß-Portraits – entstanden an Orten wie Gauteng und Kapstadt sowie den Townships von Alexandra oder Soweto – will Zanele Muholi Homosexualität sichtbar machen und auch den Bi- und Transsexuellen Südafrikas ein Gesicht verleihen«, so der Ankündigungstext auf der Internetseite der Stadt.

leeranstalt kommt

Das »Kol­lek­tiv Leer­an­stalt«, welches die noch immer leerstehende Grundschule in der Ekkardstraße in ein »autonomes, selbstverwaltetes, unkommerzielles Wohnprojekt« verwandeln will und durch eine polizeiliche Räumung der (letztlich nur einige Stunden dauernden) Besetzung am 5. April diesen Jahres von der Instandsetzung des Hauses abgehalten wurde, meldete sich jetzt zurück. Aber lest selbst: »Das Sommerloch ist vorbei und die brach liegende Politische Arbeit wird wieder aufgenommen. Die Stadt hat sich seit ihrer mehr als lächerlichen Antwort auf unsere Einwohnerfrage nicht mehr das Thema betreffend zu Wort gemeldet. Mit einem ersten kleinen Auftritt haben wir uns auf der (…) Wagenplatzdemo zurückgemeldet.

Auch die Repression seitens des Staates ist angelaufen: Gegen uns wurde der Prozess [wegen der Hausbesetzung] eröffnet. Dieser soll am 1.11. um 14 Uhr vor dem Amtsgericht verhandelt werden. Wir würden uns über eure Unterstützung freuen, auch möchten wir uns bei den zahlreichen Spender_Innen bedanken, die uns unsere Arbeit ermöglicht haben. Euer Kollektiv Leeranstalt«

stau bleibt risikokapital

Am 6. Oktober demonstrierten etwa 200 Leute mit 14 »stattlichen Gefährten« und einem Space Shuttle für den Erhalt der umzugsbedrohten Oldenburger Wagenburg [Info]. Abgerundet wurde die (aufgrund fehlender Polizeipräsens) absolut stressfreie Demo durch die Darbietung einer freien Interpretation des Kulthits »Looking For Freedom« durch das neugegründete Hup-Orchester auf dem Schlossplatz, kleine Kreativ-Aktionen in der Innenstadt, einen pyrotechnischen Gruß des »Kollektivs Leeranstalt« beim noch immer besetzten Haus Friedensbruch, einen Redebeitrag des ebenfalls räumungsbedrohten PunkA-Platzes, eine Transparent-Aktion am Büro eines potentiellen Wasserstadt-Investors und natürlich dem unweigerlichen und durchaus beachtlichen Verkehrsstau. Anbei jetzt noch einige Bildimpressionen der netten Demo bei sonnigstem Herbstwetter: (mehr…)

i mog di, derf i?

Zum letzten Oktoberfest in München gab es eine Kampagne gegen sexualisierte Übergriffe auf der Wiesn`, welche (in eingenorderter Form) sicherlich auch für den (gerade überstandenen) Kramermarkt angebracht wäre. Aber seht`s euch selbst an: »I mog di, derf I?«

free ali ihsan

Seit dem 13. Au­gust 2012 sitzt der kur­di­sche Ak­ti­vis­t Ali Ihsan Kitay beim Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg wegen des Vor­wurfs der »Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung im Aus­land« gemäß § 129b StGB auf der Anklagebank. Wie bereits berichtet, wurde der 47-jährige am 12. Ok­to­ber letzten Jahres inhaftiert, da er nach Mei­nung des Ge­ne­ral­bun­des­an­walts als Funk­tio­när der seit 1993 in der BRD verbotenen Ar­bei­ter­par­tei Kur­dis­tans (PKK) in den Ge­bie­ten Ham­burg, Kiel, Bre­men und Ol­den­burg tätig ge­we­sen sei. Er soll Ver­an­stal­tun­gen und De­mons­tra­tio­nen für eine De­mo­kra­ti­sie­rung der Tür­kei und eine Be­en­di­gung des Krie­ges in den kur­di­schen Ge­bie­ten, sowie die Samm­lung von Spen­den für die kur­di­sche Frei­heits­be­we­gung organisiert haben.

Der kur­di­sche Po­li­ti­ker saß be­reits 20 Jahre in der Tür­kei im Ge­fäng­nis und wurde dort mehr­fach schwer ge­fol­tert. Um ihn vor einer weiteren Haftstrafe zu bewahren, hat sich eine Solidaritätsgruppe gegründet, welche den Prozess in Hamburg kritisch begleitet und eine Gegenöffentlichkeit zu dem – auch in der Linken – kaum beachteten Verfahren schaffen will. Die Internetseite der UnterstützerInnen findet ihr hier, eine Hin­ter­grund­bro­schü­re gibt es hier.