bundeswehrkonzert verhindern

»Am 18. Juni 2012 soll auf dem Rathausmarkt ein Konzert der Big Band der Bundeswehr stattfinden. Wie auch schon in den letzten Jahren hüllt sich diese militaristische Propagandaveranstaltung in den Deckmantel eines wohltätigen Zweckes. Egal wie großzügig und nobel sich die Bundeswehr gibt, für uns ist klar: es geht vor allem darum, Nachwuchs für das Führen zukünftiger Kriege zu rekrutieren und das Ansehen der Bundeswehr zu stärken. Keins der letzten Bundeswehrkonzerte ging störungsfrei über die Bühne – machen wir auch dieses Konzert zu einer nervigen Angelegenheit für Musiker_innen und Zuhörer_innen!

Seit Anfang der 90er Jahre wurde die Bundeswehr, lange Zeit von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, von einer Verteidigungsarmee zu einer Angriffs- und Besatzungsarmee umstrukturiert. Diese Veränderung wurde natürlich nicht so genannt, sondern wurde mit Begriffen wie „Intervention“, „humanitärer Einsatz“, „Stabilisierungseinsatz“ und ähnlichen Worthülsen kaschiert. Dahinter verbirgt sich aber nichts weniger als Krieg mit allen dazugehörigen Folgen. Nach der Wiedervereinigung und der erstarkten wirtschaftlichen und politischen Position Deutschlands in Europa und der Welt gedachte die deutsche Politik, unabhängig von Parteizugehörigkeiten, diese Position auch wieder militärisch zu unterstreichen. Da Deutschland aber zwei Weltkriege angezettelt hat und für die industrielle Ermordung von Millionen von Menschen verantwortlich ist, musste eine moralische Legitimation für erneute Kriege durch deutsche Soldat_innen geschaffen werden. Dies wurde durch eine abstoßende Verdrehung der Geschichte unter der rot-grünen Regierung 1999 beim Kosovokrieg erreicht. Sie behaupteten einfach im Kosovo gäbe es ein neues Auschwitz und wer, wenn nicht die Deutschen, müssten, auch militärisch, dies verhindern. Durch diese Relativierung der Geschichte und die Umdeutung der Schuld in eine moralische Verantwortung gelang es, die Bundeswehr international, wie auch im eigenen Land quasi wieder kriegstauglich zu machen. Aus: „von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen“ wurde: „Demokratie und Menschenrechte in alle Welt bomben“. Heute kann so der deutsche Verteidigungsminister de Maizière ganz unverhohlen in den neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien äußern, dass die „Abwehr von Gefährdungen unserer Sicherheit“ die Aufgabe der Bundeswehr sei. Diese Gefährdungen werden von ihm dann wie folgt beschrieben: „Risiken und Bedrohungen entstehen heute vor allem aus zerfallenen und zerfallenden Staaten, aus dem Wirken des internationalen Terrorismus, terroristischen und diktatorischen Regimen, Umbrüchen bei deren Zerfall, kriminellen Netzwerken, aus Klima- und Umweltkatastrophen, Migrationsentwicklungen, aus der Verknappung oder den Engpässen bei der Versorgung mit natürlichen Ressourcen und Rohstoffen, durch Seuchen und Epidemien ebenso wie durch mögliche Gefährdungen kritischer Infrastrukturen wie der Informationstechnik.“ Damit schafft er die Grundlage, um auf alle größeren wirtschaftlichen oder außenpolitischen Probleme sehr einfach antworten zu können; mit Krieg. Und der fängt nicht irgendwo an, er beginnt auch in Oldenburg.

Im Moment noch, weil hier die Luftlandebrigade 31 stationiert ist. Aber schon ab 2014 wird der Stab der 1. Panzerdivision aus Hannover hierherverlegt. Diese Division ist einer der wenigen Großverbände der Bundeswehr und mischt, ausgestattet mit dem neuesten Kram, den die Bundeswehr zu bieten hat, überall mit, wo die Bundeswehr im Ausland Besatzungs- und Kriegseinsätze macht. Auch deshalb gilt es gerade hier in Oldenburg den antimilitaristischen Widerstand zu organisieren!
Diese Entwicklung ist aber nur ein Teil der Kritik, die wir haben, wenn die Bundeswehr öffentlich auftritt und sich abfeiert. Die Struktur der Bundeswehr ist grundsätzlich antiemanzipatorisch und vollkommen daneben. Wie in jeder anderen Armee auch, werden hier Menschen herangezogen, um unhinterfragt andere zu töten. Diese Erziehung funktioniert nur über ein oft rassistisches und koloniales gut und böse Denken. Nie werden hier komplexe Lösungsansätze für komplexe Probleme angestrebt.
Durch die Legitimierung und Glorifizierung von Gewalt, das Beschwören des Abenteuers in gelebten Männerbünden wird ein in jeder Hinsicht vermeintlich Schwächere verachtender Zusammenhang geschaffen, der sich im Alltag dann auch entsprechend auslebt. Wir sehen es nicht ein, dass die Stadt Oldenburg weiterhin eine Patenschaft zu dieser Institution betreibt und ihr eine Bühne gibt. Wir wehren uns entschieden gegen jede Form von Werbung und Verharmlosung dieses mörderischen Vereins, auch wenn er noch so wohltätig daherkommt. Deshalb rufen wir euch alle dazu auf, das Konzert der Bundeswehr am 18. Juni erneut zu einem Desaster zu machen! Seid laut, seid bunt, seid kreativ!
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