Archiv für April 2012

129.000 euro? nee, unbezahlbar!

Das Gebäude Theaterwall 24a, wohl besser bekannt als das seit nunmehr fast einem Jahr besetzte »Haus Friedensbruch«, wird seit anfang April auf dem freien Markt angeboten – 129.000 Euro verlangt »Schwerdt Immobilien« im Auftrag des offiziellen Eigentümers Peter Thomas aus Wardenburg für das 1852 errichtete, »sanierungsbedürftige Baudenkmal«. Doch von einem baldigen Verkauf geht wohl niemand aus. »Problematisch für Käufer könnte werden, dass die jungen Leute, die das Haus seit Mai 2011 zu einem alternativen Kultur- und Wohnprojekt umgestaltet haben, möglicherweise wegen der Duldung des Besitzers ein gewisses Bleiberecht erworben haben könnten«, vermutet selbst die NWZ. Aus Kreisen der Stadtverwaltung wurde zudem darauf hingewiesen, dass das schmucke Haus am Theaterwall unter Denkmalschutz steht. »Wenn ein Käufer abreißen will, wird man ganz genau prüfen müssen«, sagt Stadtsprecher Andreas van Hooven laut NWZ. Und so wird »Haus Friedensbruch« wohl noch auf lange Zeit als unkommerzieller Frei- und Wohnraum erhalten bleiben.

Und während Jasper Rittner, Leiter der Oldenburger Lokalredaktion der NWZ, davon spricht, dass für das Haus »ein vernünftiges Konzept, das architektonisch zum Standort passt«, fehle, sind BesetzerInnen und NutzerInnen seit Monaten dabei, das Gebäude mit kulturellen Veranstalungen zu füllen und vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Und das ist wohl unbezahlbar.

P.S.: Auch das seit Jahren leerstehende Haus Burgstraße 5 von 1900 steht übrigens für 135.000 Euro zum Verkauf. Besitzer ist auch hier der Wardenburger Peter Thomas.

antimilitarist_innen vor gericht

»Am Montag den 16.04.2012 (10:30 im Amtsgericht) wird der Prozess gegen drei junge Oldenburger AntimilitaristInnen stattfinden. Diese hatten am 20.07.2011 bei dem Konzert der Bundeswehr Big Band (im Rahmen des Oldenburger Kultursommers) vom Dach von Galeria Kaufhof ein Transparent mit der Aufschrift „Töten, Tröten, Trösten?! Soldaten sind Mörder!“ entrollt, Feuerwerkskörper gezündet und das Konzert mit Tröten gestört. [Info] Den drei AntimilitaristInnen wird der Tatbestand des Hausfriedensbruch sowie der fahrlässigen Körperverletzung vorgeworfen. Die Angeklagten haben bereits kundgetan, dass sie bei der Kriminalisierung des legitimen Protests nicht mitmachen werden – es verspricht also interessant zu werden.«

leere häuser heißt volle einkaufszentren…

»Am heutigen Dienstag, den 10.04., fanden sich um 18.00 ca. 60 Personen am Lefferseck ein, um gegen die Räumung der Leeranstalt [Info] am vergangen Donnerstag und die allgemeine Wohnungsnot zu demonstrieren. Die unangemeldete Demo zog mit lautstarker Unterstützung der Sambagruppe „Rhythms of Resistance“ von dort aus zum Rathaus. Dort hielt man inne um dem Redebeitrag des Besetzer_innenkollektives zu lauschen. Anschließend ging es frei nach dem Motto „Leere Häuser heißt volle Einkauszentren“ durch das architektonisch eher zweifelhaft gestaltete ECE-Center…pardon die Schlosshöfe. Die Demo endete schließlich um 19.30 beim Alhambra.« [Quelle]

Hier der Redebeitrag des Kollektives: »Liebe Leute, am Donnerstag wurde die leer stehende Grundschule in der Ekkardtstraße besetzt vom Besetzer_innen Kollektiv Leeranstalt. Entgegen unserer Hoffnungen wurde das Gebäude schon gegen 21:30 von Einheiten der Polizei unter tatkräftiger Amtshilfe der in Osternburg ansässigen Feuerwehr geräumt. Die sechs im Haus befindlichen Personen wurden, nach einem lustigem Versteckspiel, zur Bullenwache Friedhofsweg gebracht und warteten dann 2-3 Stunden in Einzelzellen auf die Erkennungsdienstliche Behandlung. Um 01:30 waren alle draußen. (mehr…)

abrisse

»leeranstalt« geräumt

Am gestrigen Donnerstag Abend wurde die ehemalige Grundschule in der Ekkardstraße, unweit des Osternburger Marktes, besetzt. Ein »Kollektiv junger Menschen, die nicht länger über die Hälfte ihrer Einkünfte für ein meist viel zu kleines Zimmer ausgeben wollen« waren in das seit 2009 leerstehende Haus eingezogen, um »einen Wohnraum (zu) erkämpfen, in dem wir zentral wohnen und solidarisch miteinander Leben organisieren können«, so das »Kollektiv Leeranstalt« auf seiner Internetseite.

Wenige Stunden später folgte aber das jähe und zumindest vorübergehende Ende dieser Wohnraumbeschaffungsmaßnahme. Nachdem die Oldenburger Stadtverwaltung Anzeige wegen »Hausfriedensbruchs« erstattet hatte, zog die Polizei allerlei Kräfte zusammen, sperrte die Bereiche rund um das Gebäude für (rund 50) UnterstützerInnen ab und räumte gegen halb Zehn unter fleissiger Amtshilfe der benachbarten Feuerwehr die neue »Leeranstalt«. Sechs BesetzerInnen wurden vorläufig festgenommen, einige Stunden eingeknastet und nach einer ED-Behandlung wieder entlassen.

Dass die Stadt als Eigentümerin der Immobilie trotz des akuten Wohnungsmangels in Oldenburg auf diese Wohnraumbeschaffung mit einer Anzeige wegen »Hausfriedensbruchs« reagierte und damit die polizeiliche Räumung zu verantworten hat, ist schon bezeichnend. Anstatt als »Leeranstalt« einem guten Dutzend junger Menschen bezahlbaren Wohnraum zu verschaffen, plante die Stadt zunächst den Abriß des bewohnbaren Gebäudes. Inzwischen beabsichtigt sie laut NWZ das Haus in einem Wettbewerbsverfahren auf den Markt zu bringen [Info] – womit es dann wohl an irgendein finanzkräftiges Yuppiepärchen verscherbelt werden würde. Da erscheint eine Nutzung durch das »Kollektiv Leeranstalt« um Einiges sinnvoller. Und in Oldenburg weiß man ja: »Manch­mal kom­men sie wie­der!«

Hier nun noch das Flugblatt des »Kollektiv Leeranstalt« zur Besetzung in voller Länge: »Liebe Nachbar_Innen, …am Donnerstag Abend (05.04.12) wurde die leer stehende Drielaker Grundschule in der Ekkardstraße von uns besetzt. Wir wollen nicht akzeptieren, dass bei der gegebenen Wohnungsnot in Oldenburg Gebäude weiter nicht genutzt werden und verfallen. Die Stadt, als Eigentümer, trägt in diesem Fall besondere Verantwortung. Wir wollen in diesem Haus ein Wohnprojekt für junge und jung gebliebene Menschen, abseits von wirtschaftlichen und anderen gesellschaftlichen Zwängen, entstehen lassen.
Kündigung wegen Aufwertung der Immobilie, isoliertes wohnen am Stadtrand, langes warten auf eine Sozialwohnung, das sind alltägliche Probleme mit denen viele junge Menschen in unserer ach so schönen Stadt zu kämpfen haben. Mehrere tausend registrierte Wohnungssuchende bei der GSG und eine Leerstandsquote für Wohnraum von unter einem Prozent in Oldenburg sprechen für sich. Steigende Energie und andere Lebenshaltungskosten tun ihr übriges.
Wir sind ein Kollektiv junger Menschen, die nicht länger über die Hälfte ihrer Einkünfte für ein meist viel zu kleines Zimmer ausgeben wollen. Wir möchten unser Leben selbst verwalten und die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen gemeinsam nutzen. Wir sind uns unserer Verantwortung, welche aus der besonderen Lage (Grundschule, Kindergarten etc.) resultiert bewusst, und wollen ein aktiver Teil unserer Nachbarschaft werden. Um dieses zu erreichen laden wir sie zu einem lebendigen und dauerhaftem Dialog ein. Wir laden Sie hierzu herzlich zu einer Besichtigung der Räumlichkeiten und einem anschließenden Zusammenkommen am Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr ein. Außerdem können sie uns unter 0152/56196715 erreichen.
„Urban, modern und sexy“ soll Oldenburg nur für diejenigen sein, die es sich leisten können. Dem wollen wir etwas entgegensetzen. Statt einer weiteren Yuppie-Boutique, einem Zeitarbeitsbüro oder so „erfolgreichen“ Projekten wie den Schlosshöfen wollen wir einerseits nicht-kommerzieller Kultur einen Ort geben, sei es ein bezahlbares Kino, Konzerte, einfach einen warmen Ort zum Rumsitzen, ohne den Zwang sich jede halbe Stunde einen sauteuren Café Latte zu bestellen. Andererseits wollen wir aber auch offene Werkstätten oder soziale Zentren, in dem Selbstorganisierung von unten stattfinden kann, schaffen. Vor allem wollen wir aber einen Wohnraum erkämpfen, in dem wir zentral wohnen und solidarisch miteinander Leben organisieren können.
Wir fordern die Stadt auf von einer Räumung abzusehen und uns sowohl die Nutzung des Hauses als auch die des Strom- und Wasseranschlusses möglich zu machen.

Wenn Wohnungsnot ein Problem ist, dann ist Leerstand ein No-Go.
Mit freundlichen Grüßen Kollektiv Leeranstalt
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