tucholskystraße eingeweiht

»Am 16.04.2012 wurde die Hindenburgstraße im Dobbenviertel in Tucholskystraße umbenannt. Etwa 40 AntimilitaristInnen wollten mit der Aktion den AnwohnerInnen einen Gefallen tun: „Sie müssen von nun an nicht mehr mit der Bürde leben in einer Stadt zu wohnen, in der der Militarist Paul von Hindenburg durch einen Straßennamen geehrt wird.” In diesem Zusammenhang kam es zu einem völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatz, bei dem eine Person verletzt und vorübergehend in Gewahrsam genommen und mehrere Personalienfeststellungen durchgeführt wurden.
Die AntimilitaristInnen wollten sich mit der Aktion aktiv an den derzeitigen Diskussionen in der Stadt um politisch mehr als fragwürdige Straßennamen beteiligen. Nachdem die Pappschilder die Aufschrift „Hindenburgstraße“ verdeckten, wurde auf diesen Bruch mit der militaristischen Tradition in dieser Stadt mit Prosecco angestoßen
«, berichteten »Ei­ni­ge Ol­den­bur­ger An­ti­mi­li­ta­ris­t_in­nen«.

Hier nun der Text des verteilten Flugblattes: »Liebe Anwohner_innen, Liebe Passant_innen, Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Ihre Straße bzw. die Straße, die Sie gerade passieren, von heute an den Namen Tucholskystraße trägt.
Sie müssen von nun an nicht mehr mit der Bürde leben in einer Stadt zu wohnen, in der der Militarist Paul von Hindenburg durch einen Straßennamen geehrt wird. Hindenburg war Generalfeldmarschall im Ersten Weltkrieg, übte als Chef der Oberstes Heeresleitung quasi diktatorisch Regierungsgewalt aus und ernannte 1933 Hilter zum Reichskanzler. 1893 wurde er Kommandeur des Oldenburger 91. Infanterieregiment.

“Hindenburg ist für uns weder ein Heros der antiken Legende, noch ein verehrungswürdiger Mann.”, schrieb der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky 1927. “Hindenburg bleibt für die Frauen und Mütter der im Kriege Gemordeten, […] für die Zermalmten in den Gefängnissen und Zuchthäusern der Repräsentant nur eines: Repräsentant einer Lebensanschauung und einer Geistesrichtung, die wir nicht wünschen.” Damit bezieht Tucholsky sich auf “Die Wahrheit über den Krieg, über die Kriegsschuld, über die verruchte Kriegsführung, die sinnlos, für den Pour le mérite [Orden den Hindenburg 1914 erhielt] Zehntausende geopfert hat und sinnlos Grausamkeiten über Zivilisten hinstreute, wo es auch mit Milde abgegangen wäre”.
Kurzum, mit dem Antimilitaristen und Pazifisten Tucholksky trägt diese Straße nun einen Namen, auf den Sie stolz sein können. Die Straßenumbenennung reiht sich ein in Oldenburger Proteste gegen Militarismus. So wurde der Name der Oldenburger Universität zu Ehren Carl von Ossietzkys, von dem übrigens viele Texte Tucholkskys herausgegeben wurden, in einem jahrelangen Konflikt erfolgreich gegen Traditionalist_innen durchgesetzt.
Aktuell wurde im Oldenburger Stadtrat beschlossen, eine Studie zur Überprüfung von Oldenburger Straßennamen in Auftrag zu geben. Das ist zu begrüßen. Doch gerade in einer Stadt, die sich gerne als traumhafter Bundeswehrstandort mit zivilmilitärischer Zusammenarbeit präsentiert, sollte auch moderner Militarismus kritisiert und bekämpft werden. Denn egal ob Hindenburg oder de Maizière für deutsche Interessen Krieg führen, Kurt Tucholksky hat es auf den Punkt gebracht: Militarismus ist eine Bestialität … Soldaten sind Mörder!
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