»leeranstalt« geräumt

Am gestrigen Donnerstag Abend wurde die ehemalige Grundschule in der Ekkardstraße, unweit des Osternburger Marktes, besetzt. Ein »Kollektiv junger Menschen, die nicht länger über die Hälfte ihrer Einkünfte für ein meist viel zu kleines Zimmer ausgeben wollen« waren in das seit 2009 leerstehende Haus eingezogen, um »einen Wohnraum (zu) erkämpfen, in dem wir zentral wohnen und solidarisch miteinander Leben organisieren können«, so das »Kollektiv Leeranstalt« auf seiner Internetseite.

Wenige Stunden später folgte aber das jähe und zumindest vorübergehende Ende dieser Wohnraumbeschaffungsmaßnahme. Nachdem die Oldenburger Stadtverwaltung Anzeige wegen »Hausfriedensbruchs« erstattet hatte, zog die Polizei allerlei Kräfte zusammen, sperrte die Bereiche rund um das Gebäude für (rund 50) UnterstützerInnen ab und räumte gegen halb Zehn unter fleissiger Amtshilfe der benachbarten Feuerwehr die neue »Leeranstalt«. Sechs BesetzerInnen wurden vorläufig festgenommen, einige Stunden eingeknastet und nach einer ED-Behandlung wieder entlassen.

Dass die Stadt als Eigentümerin der Immobilie trotz des akuten Wohnungsmangels in Oldenburg auf diese Wohnraumbeschaffung mit einer Anzeige wegen »Hausfriedensbruchs« reagierte und damit die polizeiliche Räumung zu verantworten hat, ist schon bezeichnend. Anstatt als »Leeranstalt« einem guten Dutzend junger Menschen bezahlbaren Wohnraum zu verschaffen, plante die Stadt zunächst den Abriß des bewohnbaren Gebäudes. Inzwischen beabsichtigt sie laut NWZ das Haus in einem Wettbewerbsverfahren auf den Markt zu bringen [Info] – womit es dann wohl an irgendein finanzkräftiges Yuppiepärchen verscherbelt werden würde. Da erscheint eine Nutzung durch das »Kollektiv Leeranstalt« um Einiges sinnvoller. Und in Oldenburg weiß man ja: »Manch­mal kom­men sie wie­der!«

Hier nun noch das Flugblatt des »Kollektiv Leeranstalt« zur Besetzung in voller Länge: »Liebe Nachbar_Innen, …am Donnerstag Abend (05.04.12) wurde die leer stehende Drielaker Grundschule in der Ekkardstraße von uns besetzt. Wir wollen nicht akzeptieren, dass bei der gegebenen Wohnungsnot in Oldenburg Gebäude weiter nicht genutzt werden und verfallen. Die Stadt, als Eigentümer, trägt in diesem Fall besondere Verantwortung. Wir wollen in diesem Haus ein Wohnprojekt für junge und jung gebliebene Menschen, abseits von wirtschaftlichen und anderen gesellschaftlichen Zwängen, entstehen lassen.
Kündigung wegen Aufwertung der Immobilie, isoliertes wohnen am Stadtrand, langes warten auf eine Sozialwohnung, das sind alltägliche Probleme mit denen viele junge Menschen in unserer ach so schönen Stadt zu kämpfen haben. Mehrere tausend registrierte Wohnungssuchende bei der GSG und eine Leerstandsquote für Wohnraum von unter einem Prozent in Oldenburg sprechen für sich. Steigende Energie und andere Lebenshaltungskosten tun ihr übriges.
Wir sind ein Kollektiv junger Menschen, die nicht länger über die Hälfte ihrer Einkünfte für ein meist viel zu kleines Zimmer ausgeben wollen. Wir möchten unser Leben selbst verwalten und die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen gemeinsam nutzen. Wir sind uns unserer Verantwortung, welche aus der besonderen Lage (Grundschule, Kindergarten etc.) resultiert bewusst, und wollen ein aktiver Teil unserer Nachbarschaft werden. Um dieses zu erreichen laden wir sie zu einem lebendigen und dauerhaftem Dialog ein. Wir laden Sie hierzu herzlich zu einer Besichtigung der Räumlichkeiten und einem anschließenden Zusammenkommen am Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr ein. Außerdem können sie uns unter 0152/56196715 erreichen.
„Urban, modern und sexy“ soll Oldenburg nur für diejenigen sein, die es sich leisten können. Dem wollen wir etwas entgegensetzen. Statt einer weiteren Yuppie-Boutique, einem Zeitarbeitsbüro oder so „erfolgreichen“ Projekten wie den Schlosshöfen wollen wir einerseits nicht-kommerzieller Kultur einen Ort geben, sei es ein bezahlbares Kino, Konzerte, einfach einen warmen Ort zum Rumsitzen, ohne den Zwang sich jede halbe Stunde einen sauteuren Café Latte zu bestellen. Andererseits wollen wir aber auch offene Werkstätten oder soziale Zentren, in dem Selbstorganisierung von unten stattfinden kann, schaffen. Vor allem wollen wir aber einen Wohnraum erkämpfen, in dem wir zentral wohnen und solidarisch miteinander Leben organisieren können.
Wir fordern die Stadt auf von einer Räumung abzusehen und uns sowohl die Nutzung des Hauses als auch die des Strom- und Wasseranschlusses möglich zu machen.

Wenn Wohnungsnot ein Problem ist, dann ist Leerstand ein No-Go.
Mit freundlichen Grüßen Kollektiv Leeranstalt
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☞ »Liebe Nach­bar_In­nen, …« Kollektiv Leeranstalt 05.​04.​2012
☞ »Polizei beendet Hausbesetzung« Polizei 05.​04.​2012
☞ »Leer­stand ist und bleibt Mist!« Haus Friedensbruch 06.​04.​2012
☞ »„Leeranstalt“ besetzt« end of road 06.​04.​2012
☞ »Besetztes Haus geräumt« NWZ 07.​04.​2012


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