antifaschistische kommunalpolitik

Nach Bekanntwerden der mordenden Nazi-Terrorgruppe »NSU«, dem Einzug der NPD in den Stadtrat und der antisemistischen Schändung des jüdischen Friedhofs hat auch die Oldenburger Sozialdemokratie erkannt, dass antifaschistisches Handeln dringend geboten ist. Ende Januar veröffentlichte der SPD-Unterbezirk nun einen Aktionsplan zur Erinnerung an den 29. Mai 1932. Bei den Landtagswahlen an jenen Tag vor 80 Jahren erhielt die NSDAP im damaligen Freistaat Oldenburg zum ersten Mal in einem Länderparlament die absolute Mehrheit. Neben der Einführung eines »kommunalen Fonds für Toleranz und gegen Rechtsextremismus«, durch welchen »Initiativen, Kampagnen und Aktionen gegen Rechtsextremismus« unbürokratisch mit kleineren Beträgen finanziell unterstützt werden sollen, regt die SPD von der Stadtverwaltung organisierte Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen »zur Judenverfolgung in Oldenburg und zur Folterung und Ermordung von Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen« und zur so genannte Kwami-Affäre (trotz Drohungen der NSDAP fand am 20. September 1932 vor rund 2.000 Menschen eine Predigt des ghanaischen Pastors Robert Kwami in der Lambertikirche statt) an. Ebenso nimmt sie einen alten (und 2009 noch von der SPD abgelehnten) Vorschlag der Linkspartei zur Umbenennung der Hedwig-Heyl-Straße [1] [2] in Bürgerfelde wieder auf. Heyl war Vorsitzende des »Frau­en­bun­des der Deut­schen Ko­lo­ni­al­ge­sell­schaft«, agitierte gegen »Mischehen« und »Verkafferung« und lobte Hitler als »getreuen Eckehart des Volkes« und »wirklich edlen Mann«. Die Linkspartei hat ebenfalls ihren alten Vorschlag nach Umbennung wieder auf die Agenda gesetzt und auch schon eine neue Namengeberin für die Straße vorgeschlagen: die jüdische Widerstandskämpferin Ruth de Jonge. »Ruth de Jonge lebte mit ihrer Familie Mitte der 1930er Jahre in Oldenburg. Ihr Vater wurde von Oldenburg aus nach dem sog. Judengang mit vielen anderen Jüdinnen und Juden in das KZ-Sachsenhausen eingeliefert. Nach seiner KZ-Haft emigrierte die Familie in die Niederlande. Nach dem die deutsche Wehrmacht – darunter auch Oldenburger Einheiten – dort eingefallen war, musste die Familie de Jonge in den Untergrund gehen. Ruth de Jonge beteiligte sich an vielfältigen Aktivitäten des antifaschistischen Widerstands, unter anderem half sie bei der Rettung zahlreicher jüdischer Kinder«, so die Linkspartei. Es regt sich also gerade so Einiges in der Stadt – vorallem in Punkto Erinnerungspolitik: Erinnerungsgang, Gedenkkreis Wehnen, Erinnerungsveranstaltungen für die ermordeten Sinti und Roma und die nach Oldenburg verschleppten ZwangsarbeiterInnen, Stolpersteine, … oder auch die neuen Vorschläge des Arbeitskreises »Erinnerung gestalten« [1] [2]. Nach wie vor ein Tabuthema scheint in Oldenburg jedoch eine Auseinandersetzung mit den TäterInnen und den ProfiteurInnen des NS-Regimes darzustellen. Weder die Rolle des Militärs, der Industrie, der Polizei, der Behörden oder der Kommunalpolitik, noch die von der NSDAP hofierten KünstlerInnen wie z.B. die Oldenburger Ehrenbürger August Hinrichs oder Bernhard Winter wurden in der (breiteren) Öffentlichkeit bisher thematisiert.

☞ »SPD erinnert an Machtübernahme der NSDAP« SPD 23.​01.​2012
☞ »SPD: 2012 soll Antifa-Jahr werden« Lokalteil 23.​01.​2012
☞ »Ruth de Jonge als neue würdige Namensgeberin« Linkspartei 25.​01.​2012


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