Archiv für Dezember 2011

frauen am steuer

Einer der wichtigsten Bündnispartner Deutschlands im Nahen Osten ist bekanntlich das Königreich Sau­di-​Ara­bi­en. Die beiden Staaten unterhalten beste diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen – im Juli diesen Jahres wurde sogar bekannt, dass der ab­so­lu­tis­ti­schen Mon­ar­chie streng­gläu­bi­ger, is­la­misch-​kon­ser­va­ti­ver Prä­gung rund 200 mo­der­ne Kampf­pan­zer vom Typ »Leo­pard 2 A7+« zur Unterdrückung von Aufständen geliefert werden sollen [Info]. Von Frauenrechten, für die Deutschland in Afghanistan angeblich in den Krieg gezogen ist, wollen die saudischen Herrscher jedoch nichts hören. Stattdessen werden Gutachten in Auftrag gegeben, die patriarchale Gesetzgebungen legitimieren sollen und an Dämmlichkeit wohl kaum zu übertreffen sind.

So begründete der anerkannte Fachmann Kamal Subhi, ehemaliger Professor an der King Fahd University in Dhahran, in einem Gutachten, das er kürzlich dem gesetzgebenden Shura-Rat vorlegte, die angebliche Notwendigkeit eines Auto-Fahrverbotes für Frauen, wobei Saudi-Arabien übrigens das einzige Land der Welt ist, in dem so ein Gesetz existiert. Wenn man das weibliche Geschlecht auf den Straßenverkehr loslasse, gebe es in zehn Jahren keine Jungfrauen mehr im Königreich, so Subhi. Weitergehend stellte er fest: »Frauen das Autofahren zu erlauben würde einen Anstieg von Prostitution, Pornografie, Homosexualität und Scheidungsraten provozieren«. Grund sei ein Sittenverfall, der mit autofahrenden Frauen einhergehe. Treffend als »total geisteskrank« bezeichnete eine saudi-arabische Frauenrechts-Aktivistin das Gutachten. Doch das wird wohl nichts daran ändern, dass Autofahrerinnen beim deutschen Verbündeten auch weiterhin mit zehn Peitschenhiebe bestraft werden.

☞ »Wenn Frauen Auto fahren, gibt es Homosexualität« Spiegel 03.​12.​2011