durchsuchungen bei fünf nazis

Zehn Tage nach dem an­ti­se­mi­ti­schen Farb­beu­tel­an­schlag auf den jü­di­schen Fried­hof an der Dedestraße hat die Polizei am Mittwochmorgen 6 Wohnungen von fünf Nazis im Alter zwischen 18 und 25 Jahren in der Stadt Oldenburg und in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg durchsucht. Dabei seien Pfefferspray, Sturmhauben, Teleskopschlagstöcke und Messer sichergestellt worden. Vier der fünf Tatverdächtigen sind – wenig überraschend – Mitglieder der NPD. Sie dürften auch weitgehend identisch mit jenen Nazis sein, die sich während des »an­ti­fa­schis­ti­schen Stadt­teil­spa­zier­gang« am 23. November nicht ein­mal einen Ki­lo­me­ter ent­fernt vom jü­di­schen Fried­hof am Gleisweg unter Polizeischutz zusammengerottet hatten.

Ebenfalls heute Morgen meldeten sich Osternburger Betriebe mit einer Annonce in der NWZ zu Wort, in der sie den »verabscheuungswürdigen Anschlag« verurteilten und »ausdrückliche Solidarität (mit) allen Menschen der jüdischen Gemeinde« bekundeten.


Faksimile der NWZ vom 30. November 2011

Der Farbanschlag vom 19. No­vem­ber 2011 war übrigens nicht die erste antisemitische Aktion gegen den 1814 eröffneten jüdischen Friedhof. Bereits am 28. Mai 1935 wurden auf dem Friedhof neun Grabsteine »umgeworfen«. Als Täter für diese Schändungen kamen Angehörige des SA-Hilfswerklager Blankenburg in Frage. Im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht wurde am 10. November 1938 ein Brandanschlag auf die Friedhofshalle verübt und mehrer Gräber geschändet. Als 1992 der Friedhof wieder in das Eigentum der wieder neu gegründeten jüdischen Gemeinde zu Oldenburg überging, kam es zur nächsten Schändung. Mehrere Grabsteine wurden dabei mit Hakenkreuzen beschmiert.

☞ »Polizei durchsucht Wohnungen« Polizei Oldb. 30.​11.​2011
☞ »NPD-Mitglieder in Verdacht« NWZ 30.​11.​2011
☞ »NPD-Mitglieder unter Verdacht« Oldb. Lokalteil 30.​11.​2011
☞ »Polizeiaktion nach Schändung jüdischer Gräber« NDR 30.​11.​2011
☞ »Grabsteinschändungen – Wohnungsdurchsuchungen« Bild 30.​11.​2011
☞ »Oldenburger Polizei sammelt Beweise « Radio Bremen 30.​11.​2011
☞ »NPD an Anschlag auf jüdischen Friedhof beteiligt?« NWZ 01.​12.​2011
☞ »NPD-Mitglieder unter Tatverdacht« Weser Kurier 01.​12.​2011
☞ »NPD-Verwicklung?« WE.business-on 01.​12.​2011
☞ »NPD-Leute unter Anschlags-Verdacht« taz 01.​12.​2011
☞ »Bischof verurteilt Angriffe auf jüdischen Friedhof« Bild 01.​12.​2011
☞ »Oldenburger Bischof ruft gegen Rechts auf « Radio Bremen 01.​12.​2011
☞ »Bischof verurteilt Angriffe« Nordsee-Zeitung 01.​12.​2011


5 Antworten auf “durchsuchungen bei fünf nazis”


  1. 1 Aktuell 01. Dezember 2011 um 8:54 Uhr

    In dem Presseportal der Polizeiinspektion Oldenburg – Stadt / Ammerland ist der Originalbericht, auf den sich jetzt alle Artikel beziehen. Dort wird von „Beamte des Staatsschutzkommissariates der Polizei Oldenburg“ berichtet, die diese Hausdurchsuchungen gemacht haben. Der stellvertretende Pressesprecher spricht von: „Die Polizei geht von einem ausländerfeindlichen Hintergrund aus“. Da liegt die Vermutung nah, dieser „positiv formuliert Freudsche Versprecher“, also statt „antisemitische – ausländerfeindliche Hintergrund“ zu schreiben hat was mit Aufbesserung des ramponierten „Ansehens“ des Staatsschutzes zu tun. Die Morde der Zwickauer Neonazis an Menschen, die nicht ihrem reaktionären menschenfeindlichen Bild entsprachen, ist in aller Munde. Das wird die Feder des Pressesprechers geführt haben – wobei: wie lange ist mensch „Ausländer“?

  2. 2 realo 01. Dezember 2011 um 22:55 Uhr

    immerhin scheint die antisemitische tat aufgeklärt zu sein. mag den staatsschutz nicht unbedingt, aber man sollte den „erfolg“ nicht aufgrund eines pressessprechers nicht gleich zerreissen

  3. 3 c. 02. Dezember 2011 um 12:17 Uhr
  1. 1 Hausdurchsuchungen nach Farbbeutelanschlag « oldenburg nazifrei! Pingback am 06. Dezember 2011 um 17:11 Uhr
  2. 2 Nordenham: Nazis und die Todesstrafe « oldenburg nazifrei! Pingback am 23. März 2012 um 21:29 Uhr

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