150 beim antifa-stadtteilspaziergang
polizeischutz für nazibande

Als eine erste Reaktion auf den antisemistischen Farbbeutelanschlag auf den jüdischen Friedhof zogen nach knapp eintägiger Mobilisierung am Abend des 23. Novembers rund 150 Menschen als »antifaschistischer Stadtteilspaziergang« durch die Straßen des alten ArbeiterInnenviertels Oldenburg-Osternburg. Abgesehen von einigen Parolen und etwas Feuerwerk war die Demonstration vor allem von betroffenem Schweigen geprägt. Bei der Abschlusskundgebung direkt vor dem jüdischen Friedhof wurde zur Solidarität mit den Opfern antisemitischer und rassistischer Gewalt und zum entschlossenen antifaschistischen Widerstand aufgerufen.

Der Appell der RednerInnen, dabei nicht auf die staatlichen Repressionsorgane zu vertrauen, erhielt an diesem Abend erneut seine Legitimität. Während der antifaschistische Stadtteilspaziergang von einem total überzogenem Polizeiaufgebot begleitet wurde, schützte der polizeiliche Staatsschutz eine Ansammlung von etwa 6 bis 7 Nazis der noch jungen »Kameradschaft Oldenburg«. Diese hatten sich vor der Wohnung eines Gründungsmitgliedes der Kameradschaft, welcher zuletzt Vorsitzender des NPD-Ortsbereichs Oldenburg war und sich in einer Ausbildung zum Maler und Lackierer (sic!) befindet, am Gleisweg in Osternburg zusammengerottet – nicht einmal einen Kilometer entfernt vom jüdischen Friedhof. Ob sie die Absicht hatten, die Demonstration zu attackieren, ist bisher ungewiss. Sicher scheint für antifaschistische Kreise jedoch, dass sie oder ihr Umfeld zum mutmaßlichen TäterInnenkreis des Anschlages zählen.

P.S.: Für Samstag, den 26. November ruft die Jüdische Gemeinde Delmenhorst zu einer Lichterkette am Delmenhorster Rathaus auf. »Die grausamen Taten der Zwickauer Gruppe und die aktuellen Schändungen von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Oldenburg sollen uns eine Mahnung sein: Der Rechtsextremismus ist in Deutschland präsent. (…) Wir sind allen Opfern der Schoah verpflichtet, zeitnah gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu protestieren. Lasst uns ein Zeichen setzen, dass in unserer Stadt und in unserem Land kein Platz für braune Gesinnung ist«, so der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pedro B. Becerra.

☞ »Oldenburger demonstrieren gegen rechte Gewalt« Bild 23.​11.​11
☞ »150 Menschen protestieren gegen Rechts« NWZ 24.​11.​11
☞ »Braun schmiert weiß« Oldb. Lokalteil 25.​11.​11


3 Antworten auf “150 beim antifa-stadtteilspaziergang
polizeischutz für nazibande”


  1. 1 Anonymous 30. November 2011 um 14:19 Uhr

    Es hätten wohl auch mehr Teilnehmer sein können – aber es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, hinter Transparenten mit Slogans wie “Nieder mit Deutschland” oder “Für den Kommunismus” herzulaufen. Dass dabei der eigentliche Anlass für die Veranstaltung in den Hintergrund trat und es am Ort des Geschehens lediglich zu einer kurzen und von Plattitüden geprägten Ansprache reichte, war schade.

    Das sehe ich auch so…

  2. 2 Administrator 30. November 2011 um 15:06 Uhr

    http://www.dk-online.de/Nachrichten/Lokal/Delmenhorst/1577618-25/story.csp

    Mehr als 200 Personen sind am Sonnabend dem Aufruf der hiesigen jüdischen Gemeinde gefolgt und haben mit einer Lichterkette vor dem Rathaus gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Terror von rechts demonstriert. (…)Anlass der Lichterkette waren die von der rechtsradikalen „Zwickauer Gruppe“ verübten Tötungsdelikte an zehn Migranten und die Schändung von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Oldenburg. (…)

  3. 3 Aktuell 30. November 2011 um 18:10 Uhr

    30.11.2011 | 14:47 Uhr
    Farbanschlag auf jüdischen Friedhof – Polizei durchsucht Wohnungen++
    Im Zusammenhang mit der Beschädigung von Gräbern auf dem jüdischen Friedhof an der Dedestraße vom 19.11.2011 haben Beamte des Staatsschutzkommissariates der Polizei Oldenburg am heutigen frühen Morgen 6 Wohnungen in der Stadt Oldenburg und in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg durchsucht. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden durch das Amtsgericht Oldenburg richterliche Beschlüsse zur Durchsuchung der Wohnungen von 5 Tatverdächtigen im Alter von 18-25 Jahren erlassen. Die Durchsuchungen führten zur Auffindung beweisrelevanter Gegenstände; u.a. wurden eine Pfefferspraydose, mehrere Sturmhauben, Teleskopschlagstöcke und Messer sichergestellt. Die Tatverdächtigen machten bei der Polizei keine Angaben zur Sache. Die Polizei geht von einem ausländerfeindlichen Hintergrund aus. Vier der fünf Tatverdächtigen sind Mitglieder der NPD. Die Ermittlungen dauern an.
    Ist die Sprache des Polizeiberichts

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