einkaserniert

Wie wohl inzwischen bekannt sein dürfte, soll die Stadt nach der Schließung des Abschiebelagers in Blankenburg etwa 430 Flüchtlinge unterbringen. Voraussichtlich ab Anfang 2012 will die Verwaltung nun 160 AsylbewerberInnen in zwei ehemalige Kasernengebäude nahe der Fliegerhorst-Siedlung Brokhausen zusammenpferchen. Die Siedlung gehört zur Stadt, obwohl sie quasi keine Anbindung an Oldenburg hat und eher als Teil von Ofen, und damit des Ammerlandes, erscheint. In dem Oldenburger Stadtteil gibt es weder eine KiTa, eine Schule, Freizeitzentren, noch vernünftige Einkaufsmöglichkeiten.

Angeblich soll die dortige Unterbringung nur als notwendige Zwischenlösung dienen, bis ausreichend Wohnraum für eine dezentrale Unterbringung gefunden ist. Jedoch darf wohl bestritten werden, dass diese Massenunterbringung trotz der angespannten Wohnraumsituation in Oldenburg alternativlos ist. Vielmehr zeichnete sich die Stadtverwaltung bei der Suche nach dezentralen Unterbringungsmöglichkeiten bisher durch ziemliche Inaktivität aus. Ganz im Gegensatz zu Anderen: Innerhalb dieses Jahres sind bereits hundert Flüchtlinge in normalen Wohnungen untergekommen. Etwa 30 wohnen bei Familienangehörigen, weitere 70 fanden durch das Engagement von Flüchtlingsinitiativen eine Unterkunft [Info]. Eine dezentrale Unterbringung für die nun noch etwa 330 NeuoldenburgerInnen erscheint angesichts dessen eben nicht als unmöglich – eine andere Prioritätensetzung der Verwaltung hätte die Problematik vielleicht schon gelöst.

Doch nun sind die beiden Gebäude schon gekauft und um die 700 000 Euro für Sanierung und Instandsetzung verplant – ein Abrücken der Verwalung von ihrem Plan damit zumindest mittelfristig unwahrscheinlich. Antirassistische Realpolitik muss sich dieser Ausgangslage nun stellen. Wichtigste Aufgabe scheint die Suche nach weiteren Wohnungen zu sein, um als ersten Schritt die Anzahl der dort Einkasernierten so gering wie möglich zu halten. Selbst die SPD forderte schon die Zahl der AsylbewerberInnen in zentraler Unterbringung auf 80 Personen zu begrenzen [Info]. Dies wäre zumindest eine kleine Verbesserung, die den dann dort wohnenden etwas mehr Privatsphäre und Ruhe erlauben würde. Ein weiterer Punkt wäre die Abschaffung des rassistischen Gutscheinsystems. Auch in Oldenburg erhalten AsylbewerberInnen kein Bargeld, sondern Gutscheine, welche nur im Stadtgebiet und auch dort nur bei einigen Geschäften eingelöst werden können. So können die Flüchtlinge, welche in Brokhausen untergebracht werden, die vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten z.B. in Ofen momentan nicht nutzen. Auch die Frage der Nutzung von VWG-Bussen ist ebenso wie damals in Blankenburg unbeantwortet. Da Brokhausen etwa 6 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt, ist gerade für Kinder, Alte und Kranke der Bus die einzige Möglichkeit, um am Oldenburger Stadtleben teilzunehmen. Bei den regulären Tarifen ein für AsylbewerberInnen jedoch unbezahlbares Unterfangen.

Bei dem Kampf für eine menschenwürdige Unterbringung treffen antirassistische und Flüchtlingsinitiativen vor Ort übrigens auf nicht ganz gewöhnliche UnterstützerInnen – wie zuletzt bei einem selbsternannten »Interkulturellen Fest« der Stadt vor den künftigen AsylbewerberInnen-Wohnheimen. Eine örtliche Bürgerinitiative macht gegen die geplante Kasernierung mobil – und das mit äußerst sympathischen Parolen. Dass sich unter den AnwohnerInnen auch so einige befinden, denen es dabei eher darum geht, MigrantInnen aus ihrer Nachbarschaft fernzuhalten, anstatt ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, ist wohl ein Fakt. Alles andere würde in Deutschland wohl auch an ein Wunder grenzen. Nichts desto trotz gibt es dort überraschend Viele, die sich offen für die Anliegen der Flüchtlinge zeigen und deren Forderungen als die ihren übernommen haben. Somit gibt es dort durchaus das Potential für eine vernünftige Allianz.

☞ »Bürger wehren sich gegen Asylbewerberheim« NDR, 16.​09.​11
☞ »Ofener hatten keine Lust aufs Fest der Stadt Oldenburg« NWZ, 19.​09.​11
☞ »Of(f)ener und Oldenburger Dialog« Lokalteil, 19.​09.​11
☞ »Leserbriefe: Neues Flüchtlingsheim kein Grund zum Feiern« NWZ, 20.​09.​11
☞ »Stadt sieht Flüchtlingsheime nicht als Dauerlösung« NWZ, 22.​09.​11


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