gedenkstein für zwangsarbeiterInnen

Am 1. September diesen Jahres und damit 72 Jahre nach dem Beginn des deutschen Überfalls auf Polen wurde am Flötenteich ein Gedenkstein zur Erinnerung an das Leid der nach Oldenburg verschleppten ZwangsarbeiterInnen enthüllt. Schülerinnen und Schülern des siebten Jahrgangs der IGS Flötenteich hatte sich im vergangenen Schuljahr mit dem Thema Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg befasst und dann die Initative für den Gedenkstein ergriffen. Und dieser steht nun, begleitet durch einen Schaukasten, direkt am Ort des historischen Geschehens, direkt am Ort der Entbehrungen, der Schikanen und des Terrors. Denn der Oldenburger Flötenteich ist nicht etwa ein natürlich entstandendes Gewässer, sondern eben das Resultat der unmenschlichen Zwangsarbeit. Er entstand durch den Abbau von Sand, welcher für den am 5. März 1940 von den Nazis begonnenen Bau einer Umgehungsstraße benötigt wurde. Mehr als 12 000 Menschen, welche in dem großen Durchgangslager an der Rennplatzstraße und in weiteren 60 Lagern in Oldenburg interniert waren, wurden dort bis zur Zerschlagung Nazideutschlands zur Arbeit gezwungen. Die erste Mahn- und Ge­denk­stät­te für die NS-​Zwangs­ar­bei­te­rIn­nen in Oldenburg gibt es übrigens seit dem 8. Mai 2004 auf dem Ohmste­der Fried­hof an der Renn­platz­stra­ße [Info]. Dort be­fin­det sich das größ­te Sam­mel­grab der Opfer der Zwangs­ar­beit.

Der neue Gedenkstein am Flötenteich stellt nun einen weiteren Schritt zur Sichtbarmachung des faschistischen Terror in Oldenburg dar. Ein Kapitel der Stadtgeschichte, welches jahrzehntelang unter dem Mantel des Schweigens versteckt blieb. Nur den Initativen von Opfergruppen, linken Gruppierungen und engagierten SchülerInnen und Einzelpersonen ist es wohl zu verdanken, dass sich inzwischen in Oldenburg eine akzeptable, aber immernoch nicht ausreichende, Erinnerungskultur etabliert hat. Und auch ein nächstes Projekt ist schon in Planung: SchülerInnen der IGS Helene-Lange-Schule wollen mit sogenannten »Stolpersteinen« vor dem Gertrudenheim an ein Oldenburger Familie gedenken, deren drei Kinder durch das NS-Euthanasie-Programm ermordet worden.

☞ »Gedenkstein feierlich enthüllt« NWZ, 02.​09.​11
☞ »„Stolperstein“ vors Gertrudenheim« NWZ, 25.​08.​11


1 Antwort auf “gedenkstein für zwangsarbeiterInnen”


  1. 1 Fluchtmuseum 15. September 2011 um 21:14 Uhr

    Noch gibt es keinen Schaukasten. Der soll in einem weiteren Schritt erstellt werden. Pflege des Steins und des Schaukastens soll von Jahrgang zu Jahrgang der IGS quasi als Staffel weiter gereicht werden.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


neun − eins =