Archiv für August 2011

6,50 euro pro quadratmeter

Nach einer Untersuchung des Hamburger Unternehmens »F+B Forschung und Beratung« sind die Mieten in Oldenburg seit 2006 im Schnitt um 14 Prozent gestiegen, wobei allein seit Mitte 2010 die VermieterInnen satte 3 Prozent draufgeschlagen haben. Im Vergleich von 100 deutschen Städten belegt Oldenburg damit bei den Mietsteigerungen den siebten Platz. Ein Trend, der angesichts der katastrophalen Wohnungsmarktsituation wohl kaum zu stoppen sein wird. Ein Glücksfall also für die ImmobilienbesitzerInnen, ein Desaster für die MieterInnen, die schon jetzt eine durchschnittliche Kaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter berappen müssen.

☞ »Mieten seit 2006 um 14 Prozent gestiegen« NWZ, 27.​08.​11

ol crime, part 27

Pres­se­mel­dung der Po­li­zei Ol­den­burg vom 29.08.2011 | 15:54 Uhr:
»Oldenburg (ots) – (Rastede) Am Donnerstag, den 2. Juni 2011 gegen 23.30 Uhr, kam es in Rastede zu einer versuchten Brandstiftung an einem abgestellten Fahrzeug. Der Firmenwagen stand auf einem Parkplatz im Bereich der Mühlenstraße Ecke Schützenhofstraße.


Faksimile des LKA-Phantombildes der Verdächtigen

Eine 24-jährige Zeugin erkannte in der Nähe des Autos eine Frau, welche dort hockte und mit einem Schlafanzug bekleidet war. Als sie die 24-Jährige bemerkte, flüchtete sie. Die Verdächtige ließ unter dem Fahrzeug einen brennenden Grillanzünder zurück, welcher von der Zeugin sofort gelöscht wurde und daher keinen Schaden verursachen konnte. Das Alter der Flüchtigen wird auf Ende 40 bis Mitte 50 geschätzt (…). Bekleidet war sie mit einem zweiteiligem, weiß-gemusterten (evtl. mit Teddys) Schlafanzug. Darunter trug sie ein weißes, schlichtes Oberteil.«


☞ Mehr »Kriminalität« gibt es hier.

kakutza bleibt – ez dira pasako!

Das seit nunmehr 13 Jahren besetzte und selbstverwaltete Zentrum »Kukutza« in baskischen Bilbao, eines der wichtigsten sozialen Zentren der Stadt, ist akut räumungsbedroht. Das »Kukutza« bietet Raum für vielfältige kulturelle, politische, sportliche und sonstige soziale Aktivitäten, unabhängig vom kapitalistischen Mainstream. Mit einer breit angelegten Kampagne wollen die NutzerInnen nun die drohende Räumung verhindern. Am 16. Juli fand in Bilbao eine erste Demonstration mit ca. 7000 Menschen statt. Weitere Aktionen zur Verteidigung des Zentrums sind bereits geplant [Info]. Hier nun ihr mehr als beeindruckendes Mobilisierungsvideo:

sprengfallen an der wilhelmshavener

Ein Bundeswehrsoldat sorgte laut NWZ am Mittwochnachmittag für einen wilden Einsatz von Polizei und Feuerwehr. Er glaubte am Straßenrand der Wilhelmshavener Heerstraße zwei Sprengstofffallen – im Militärjargon IED (improvised explosive device) genannt – entdeckt zu haben. Wenig überraschend handelte es sich jedoch nicht um IED`s, welche Taliban am Straßenrand der Wilhelmshavener deponiert hatten, um vorbeifahrende Treckerkonvois aus Wahnbek in die Luft zu bomben, sondern lediglich um zwei Standard-Verkehrszählgeräte der Stadt.


Letzten Mittwoch an der Wilhelmshavener Heerstraße, Abb. ähnlich

Doch anstatt betroffen zur Kenntnis zu nehmen, dass die neue, deutsche Kriegsrealität an den SoldatInnen wohl nicht ganz spurlos vorbeigeht, zieht die Oldenburger FDP etwas andere Schlüsse: »Für mich ist es unverantwortlich, irgendwelche Geräte am Straßenrand aufzustellen, ohne die Bürger und auch die zuständigen Einsatzstellen darüber zu informieren«, so FDP-Ratsherr Nils Krummacker. Schon klar, wer/welche denkt bei unbekannten Gegenständen an Oldenburger Straßen denn nicht als Erstes an Sprengfallen. Die Stadt will nun als Konsequenz künftig die Polizei über die jeweiligen Standorte der Zählgeräte informieren. Eine durchaus näherliegende Folgerung, nämlich eine Beendigung von traumatisierenden Kriegseinsätzen, wurde wohl nicht diskutiert.

castor in not

Der für No­vem­ber angekündigte 13. Cas­tor­trans­port nach Gor­le­ben trifft schon vor seinem Start auf diverse Probleme. Nachdem schon anfang August zwei Polizeigewerkschaften wegen vorhersehbarer logistischer Hindernisse eine Aussetzung des Transports forderten [Info], stellt nun die radioaktiven Fracht der letzten zwölf Transporte die Behörden vor ernsthafte Schwierigkeiten. Nach einem Vermerk des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist es nicht unwahrschlich, dass die Strahlenbelastung am Zaun des Zwischenlagers Gorleben bis zum Jahresende 2011 oberhalb der geltenden Jahresgrenzwerte liegen könnte – eine Einlagerung weiterer Castoren wäre dann nicht zulässig, der Transport somit unmöglich. Das niedersächsische Umweltministerium erwägt nun ein Umstellen »der Behälter innerhalb des Lagers, um den Abstand zum Zaun des Betriebsgeländes zu erhöhen«. Klingt nach einem ziemlich plumpen Trick – und das ist es wohl auch. Strahlenschutz à la schwarz-gelb eben. Die endgültige Entscheidung, ob es in diesem Jahr trotz aller Probleme noch einen Castor-Transport nach Gorleben gibt, fällt nach Angaben aus dem Umweltministerium im Oktober.

☞ »Sorge rund um Gorleben wegen hoher Strahlung« NDR, 26.08.11

hausdurchsuchung in oldenburg


Foto: Weser-Kurier

Bereits am 9. August fand bei einem Oldenburger Antifaschisten eine Hausdurchsuchung statt. Die StaatsschützerInnen aus Bremen und Oldenburg waren dabei offiziell auf der Suche nach einem schwarzen Kapuzenpulli, einer schwarzen Regenjacke und einer Sonnenbrille. Hintergrund ist die Antifa-Demo »Keinen Meter« gegen einen NPD-Aufmarsch am 30. April in Bremen [1] [2], bei welcher der Betroffene angeblich eine Polizistin umgeschubst haben soll.

wahlkampf-impressionen #1

nationaler suizidversuch

Am Nachmittag des 20. August hallen Schüsse durch die Wilhelmshavener Emsstrasse. Ein 22-jähriger polizeibekannter Bewohner eines Mehrfamilienhauses steht mit einer (Schreck-) Schusswaffe und einer Steitaxt bewaffnet am geöffneten Fenster seiner Wohnung und droht sich umzubringen. Zusammengerufene PolizistInnen aus Wilhelmshavenen, Varel und Jever sowie Beamte der Wasserschutzpolizei umstellen das Gebäude und sperren die Emsstraße, polizeiliche Spezialeinsatzkräfte werden angefordert. Doch bevor diese eintreffen, kann der alkoholisierte und unter Drogeneinwirkung stehende 22-Jährige zur Aufgabe überredet werden. Er wirft seine Waffen aus dem Fenster und läßt sich widerstandslos festnehmen. Für AntifaschistInnen aus Wilhelmshaven ist sicher, dass es sich bei dem 22-Jährigen um den vor einigen Monaten zugezogenen Faschisten Christian Schneeweiss handelt. Das NPD-Mitglied »verbüßte nach einem Brandanschlag auf einen muslimischen Gebetsraum in Sittensen eine Haftstrafe. Nachdem er eine Journalistin bedroht hatte, fand die Polizei bei ihm eine Briefbombe. Bereits kurz nach der Entlassung aus dem Gefängnis kündigte er bei einem Aufmarsch in Bremen an, in Wilhelmshaven eine „Aktionsgruppe“ aufzubauen«, so die taz. In den vergangenen Monaten sammelte sich in der Jadestadt dann auch eine kleine, aber äußerst gewaltbereite Nazihorde um Christian Schneeweiss, welche für diverse Übergriffe und Anschläge verantwortlich war; Schneeweiss selbst soll bei solchen Attacken etwa ein Dutzend Mal von der Polizei festgenommen worden sein. Das Ausleben seiner Herrenmenschenfantasien dürfte ihm nun reichlich erschwert sein: Schneeweiss wurde direkt nach seiner jüngsten Tat in eine Klinik eingeliefert. Generell folgt nach einem Suizidversuch ein dreiwöchiger Aufenthalt in einer geschlossenen Abteilung. Und danach dürften ihm wohl noch so einige Strafverfahren oder aber eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie drohen.

»ein leben ohne mops ist möglich, aber sinnlos«

Am 22. August 2011 starb Loriot alias Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow im Alter von 87 Jahren. Als kleine Hommage gibt`s hier nun drei seiner besten Werke:

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kritische und aufmüpfige mentalität verloren

Von 1974 bis 1998 sammelten und archivierten Hermann Havekost und Rainer Vogt so ziemlich alle Flyer, welche sie auf den Mensatischen der Oldenburger Uni finden konnten. Beim »Oldenburger Lokalteil« erschien vor Kurzem ein Artikel über ihre Sammlung zu 24 Jahren Flugblattkultur im akademischen Milieu, welche wohl auch Rückschlüsse auf die Entwicklung und Veränderung des politisches Engagements der StudentInnen seit der Gründung der Universität zullässt. Und so geben die Beiden dann auch ziemlch treffende Einschätzung über die Verfasstheit der heutigen Studierenden ab – natürlich basierend auf dem aktuellen Flyerangebot in der Uni: »Im Gegensatz zu heute wurde sehr viel mehr als Flugblatt oder Pamphlet veröffentlicht, was politischer Natur war. Auch die Parteien haben regelmäßig Informationen verteilt; die meisten Flugblätter stammten aber von studentischen Vereinigungen oder Einzelpersonen. Es wurde zu Protesten, Aktionen und Diskussionen aufgerufen. Kulturelle Veranstaltungen, wie das von Studenten organisierte Uni-Kino, wurden ebenso angepriesen. Heute liegen fast ausschließlich kommerzielle Veranstaltungsflyer auf den Mensatischen«, so Rainer Vogt. Noch deutlichere Worte findet Hermann Havekost: »Es finden sich kaum noch politische Flugblätter an der Uni. Viel von der kritischen und aufmüpfigen Mentalität der Studenten in den Anfangsjahren der Universität scheint verloren gegangen zu sein.«

slutwalk berlin

☞ »Slutwalk Berlin«
☞ »Slutwalk Hamburg«

braune pappen

An diesem Wochenende hat es wohl die Oldenburger NPD mit auswärtiger Verstärkung geschafft, ihre ersten Wahlkampfpappen im Stadtgebiet aufzuhängen. Gerüchteweise sollen u.a. die Stadtteile Bürgerfelde, Ofenerdiek und Etzhorn heimgesucht worden sein – gesichtet wurden bisher jedoch nur mehrere kaputte Plakate in Bodennähe. Die Saison scheint also eröffnet…

nichts zu verbergen

Am Donnerstag, dem 25. August 2011 wird Alexander Bosch, ein Vertreter der Menschenrechtsorganisation »Amnesty International«, einen Vortrag zur aktuellen ai-Kampagne »Transparenz schützt Menschenrechte – Mehr Verantwortung bei der Polizei« halten [Video]. Der Vortrag wird von Ultras des VfB Oldenburg, genauer gesagt vom »Commando Donnerschwee« veranstaltet und findet um 19.30 Uhr im Studio B (Emsstraße 20, hinter dem BCO) statt.

in eigener sache

Faksimile der NWZ vom 12. August 2011

was­ser­stadt geht baden – dass könn` wir auch

Vom 29. bis 31. Juli gab es wie­der das le­gen­dä­re Platz­fest der Wa­gen­burg am Stau. Neben Party, Konzert, Flex­ren­nen, VoKü`s und vielen netten Begegnungen gab es am 30. noch eine Demo der anderen Art unter dem Motto »Was­ser­stadt geht unter, Fett schwimmt oben!«. Ganz plastisch bewiesen dabei etwa 30 AktivistInnen mit Booten und selbstkonstruierten schwimmenden Gefährten, dass die Wagenburg im Gegensatz zum Yuppieprojekt »Wasserstadt« keinen Schiffsbruch erleiden wird. Von weiteren etwa 50 SympathisantInnen und der verdutzten Polizei am Ufer begleitet, schipperte die Wagenburg-Flotte gutgelaunt im Stadthafen umher. Eine Ansprache des »Bademeisters« für den Erhalt der Wagenburg fand allerdings nur wenige uninformierte Ohren, da der Hafen zuvor von Fans des HSV heimgesucht worden war, welche wohl sämtliche PassantInnen vergrauelt hatten. Die Außenwirkung der Demo war daher leider äußerst bescheiden, die Stimmung dafür aber bestens. Und alle Anwesenden waren sich anschließend einig: Wagenburgen verteidigen – ob zu Land oder zu Wasser. Und nächstes Jahr vielleicht ja auch aus der Luft. (mehr…)