Archiv für Juni 2011

yes, we are

Am Sonntag, dem 03. Juli wird um 18.00 Uhr im Cine K der Film »Yes, We Are« gezeigt. Mit dem Dokumentarfilm über lesbische und queer-feministische Aktivistinnen in Polen will die Filmemacherin Magda Wystub feministisch-lesbische Frauen in ihren politischen und sozialen Kämpfen stärken und ihren alltäglichen Kampf um Anerkennung dokumentieren. »Der Film richtet die Aufmerksamkeit bewusst auf emanzipatorisch denkende Lesben und die Vielfalt ihrer Strategien, sich in einer homophoben Umgebung zu behaupten. Die vielschichtigen Empfindungen und Analysen sowie der heterogene Alltag der Protagonistinnen vermitteln dabei gleichzeitig einen breiten Einblick in das allgemeine politische Klima sowie die gesellschaftlichen Umbrüche in Polen. Somit ist der Film auch als eine Einladung zu verstehen, sich dieses inmitten von Transformationsprozessen befindende Land einmal genauer anzuschauen. Ein Land, dessen Grenze zwar nur 80 km östlich der deutschen Hauptstadt verläuft, doch für die meisten hierzulande nach wie vor irgendwie weit weg im Osten zu liegen scheint. Portraitiert wird die vielfältige Lesbenszene Polens, darunter die bekannte feministische Radio-Journalistin Anna Laszuk (die sich vor einigen als zweite Frau in Polen öffentlich geoutet hat), politische Aktivistinnen wie die Gruppe „kvir sfera“, die das queer-feministische Zentrum in Warszawa eröffnet hat und nicht zuletzt zwei ältere Aktivistinnen, die über die Anfänge der Lesbenbewegung in den 1990ern sprechen. Unser Film ist die erste deutsche Produktion, die sich ausschließlich mit lesbischen Lebensentwürfen in Polen, Widerstandsformen und den damit verbundenen Problemen auseinandersetzt«.

geld oder leben

krisenfolgen

Die sogenannte Finanzkrise, in welcher einige Linke schon den nahenden Zusammenbruch des Kapitalismus ausmachen wollten, scheint überwunden. Und das mit durchaus verblüffenden Ergebnissen: Die Zahl der Dollar-Millionäre in der Welt ist nach der Finanzkrise auf ein neues Rekordhoch gestiegen. 10,9 Millionen Menschen besitzen nun mehr als eine Million US-Dollar an Geldvermögen, während es im Vorjahr noch 10,0 Millionen waren. Dabei wuchs nicht nur die Zahl der Millionäre, sondern auch ihr Vermögen. Weltweit stiegen die Vermögen der Reichen 2010 um fast zehn Prozent auf den Rekordwert von 42,7 Billionen Dollar. Damit übertrafen die Vermögen den vor der Krise 2007 erreichten Spitzenwert von 40,7 Billionen Dollar. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 924.000 Geld-Millionäre, 62.000 Reiche mehr als 2009.

☞ »Mehr Reiche als vor der Finanzkrise« Tagesschau, 23.06.11

»größtes desaster für die marine«

Wie glücklich waren doch die Stadtoberen und die örtlichen Kriegsfans, als im Juni 2007 eine der fünf baugleichen neuen Kor­vet­ten der Klasse 130 auf den Namen Kor­vet­te F 263 »Ol­den­burg« getauft wurde – bereits seit Anfang der 70er Jahre wurde sich um eine solche Namenspatenschaft bemüht. Und es handelte sich auch nicht nur um irgendeines: Die Schiffe des 1,2 Milliarden Euro teuren Rüstungsprojekts, welche spe­zi­ell für die Aus­lands­ein­sät­ze der Kriegs­ma­ri­ne in Küs­ten­nä­he und damit zur Ver­wirk­li­chung neuer deut­scher Groß­machts­träu­me vorgesehen waren, sollten der neue Stolz der Kriegsmarine werden. Doch inzwischen ist die Freude der Militärs auf einen Tiefpunkt angekommen, einige sprechen gar vom »größten Desaster für die Marine seit dem Zweiten Weltkrieg«. Eine Panne folgte der nächsten, mit einem Einsatz der Schiffe ist wohl frühestens 2014 zu rechnen – sieben Jahre später als geplant.

Mit gutem Beispiel voran ging die Kor­vet­te F 263 »Ol­den­burg«, bei welcher sich im Mai 2009 wäh­rend einer Test­fahrt eine Schrau­be im Ge­trie­be löste, in die Zahn­rä­der fiel und dort er­heb­li­che Schä­den in Höhe von meh­re­ren Mil­lio­nen Euro ver­ur­sach­te. Bei der Feh­ler­ana­ly­se stell­te sich dann her­aus, dass die Ge­trie­be aller Schif­fe der neuen Kor­vet­ten­klas­se 130 kon­struk­ti­ve Män­gel auf­wie­sen. In der Folge mussten diese auf allen fünf Schiffen ausgebaut und erneuert werden.
Im Februar 2011 stellte man bei einer Probefahrt der Korvette »Magdeburg« vor der Küste Norwegens fest, dass sich im Schiff Schimmel und Schwitzwasser bildeten, weil die Klimaanlagen fehlerhaft konstruiert waren. Wieder mussten alle fünf Korvetten überarbeitet werden.
Im Mai dieses Jahres war es wiederum die Kor­vet­te F 263 »Ol­den­burg« zusammen mit der Kor­vet­te »Ludwigshafen am Rhein«, die Probleme machten. Bei Werfterprobungsfahrten im Hamburger Hafen gab es Störungen mit den Kupplungen der Getriebe. Eine Überarbeitung aller fünf Schiffe folgt.
So kann das gerne weitergehen…

☞ »schraube locker: korvette oldenburg« regentied, 25.​05.​09
☞ Video: »Der Stolz der Marine bleibt im Hafen« Panorama, 21.​06.​11

♫ the riot dog


[Info]

ol crime, part 26

NordWest-Zeitung vom 23.06.2011:
»Unglaublicher Diebstahl in der Commerzbank: Vom Tresen in der Filiale an der Heiligengeiststraße stahl ein bislang unbekannter Mann einen Umschlag mit 27.000 Euro Bargeld. Dem Täter wurde es sehr leicht gemacht. Das für die Auszahlung an einen Kunden vorgesehene Geld lag unbeaufsichtigt auf dem Tisch im Schalterraum. Die Polizei sucht nach dem Dieb mit Bildern von einer Überwachungskamera. „Das ist unsere letzte Hoffnung“, sagte Polizeisprecher Markus Scharf am Mittwoch.

Denn die Tat geschah bereits vor einem halben Jahr. Der Fall war aus ermittlungstaktischen Gründen bislang nicht öffentlich gemacht worden, so Scharf. Die Polizei habe abwarten wollen, ob der Dieb noch einmal in die Bank zurückkehrt und identifiziert werden könne. Diesen Gefallen tat der Mann den Ermittlern aber nicht. Auf Anregung der Staatsanwaltschaft beschloss das Amtsgericht nun eine Öffentlichkeitsfahndung. Der Fall spielte sich am Vormittag des 28. Dezember 2010 ab. Ein Bankkunde hatte für diesen Tag 27.000 Euro geordert, weil er ein Auto kaufen wollte. Das Geld lag zwar bereit, die Auszahlung verzögerte sich jedoch. Aufgrund der Höhe des Betrages war eine Bestätigung der Zentrale erforderlich. Eine Angestellte der Bank bat den Kunden in einen Warteraum. In der Zwischenzeit kümmerte sie sich um die Abwicklung. Dazu schickte sie ein Fax an die Zentrale. Das Geld (54 Scheine á 500-Euro) lag derweil unbewacht auf dem Tresen. In diesem Moment betrat der mutmaßliche Täter die Bank. Nach den Bildern der Überwachungskamera ging er zum unbesetzten Schalter, wo er seine orange-weiße Plastiktüte der Einzelhandelskette „Aktiv & Irma“ abstellte. Als er den Umschlag erblickte, habe er sich umgeschaut und dann das Geld an sich genommen. Schnellen Schrittes sei er anschließend nach draußen geeilt. Die Polizei erfuhr erst am nächsten Tag von dem finanziellen Verlust für die Bank.«


☞ Mehr »Kriminalität« gibt es hier.

unsichtbare opfer

Vom heute, dem 20. Juni bis zum 08. Juli gibt es in der Universitätsbibliothek im Uhlhornsweg die Fotoausstellung »Unsichtbare Opfer – Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko« über den langen Weg von Migrantinnen und Migranten aus Zentral- und Südamerika. »Jedes Jahr begeben sich Menschen aus Zentral- und Südamerika mit hohen Risiken behaftet auf die Reise durch Mexiko. Sie tragen die Hoffnung auf ein neues Leben in sich und fliehen vor Armut und Unsicherheit in Ihrem Heimatländern. Tausende von ihnen werden Opfer von Rassismus, Verfolgung, Entführungen, Vergewaltigungen und sogar Mord. Die Ausstellung veranschaulicht, warum Menschen ihr Heimatland verlassen und welchen Gefahren sie auf ihren Weg durch Mexiko ausgesetzt sind«.

Im Rahmen dieser Ausstellung finden auch noch folgende drei Veranstaltungen in Räumen der Universität statt: (mehr…)

action in asia

Am Mittwoch, dem 29. Juni gibt es um 20 Uhr im Alhambra unter dem Titel »Action in Asia« eine Infoveranstaltung mit zehn Kurzfilmen über soziale Bewegungen in Ost- und Südostasien. Die in den Filmen interviewten AktivistInnen aus Japan, den Philippinen, Taiwan, Süd-Korea und Hongkong geben Einblick in Auseinandersetzungen, zu denen in Europa wenig Kontakte bestehen und über welche äußerst selten berichtet wird. (mehr…)

randale-meister

Die Zugfahrt von etwa 40 VFB-Fans zum letzten Auswärtsspiel der Saison am 01. Juni nach Cloppenburg brachte ihnen neben einem schönen 3:1-Sieg auch mal wieder eine sehr unschöne Begegnung mit der Polizei, oder ge­nau­er ge­sagt mit dem Ol­den­bur­ger BFE ein – diverse Beulen, Festnahmen und ein Krankenhausbesuch inklusive. Einen ausführlichen Bericht aus der Fanszene findet ihr hier.

gegen das eu-grenzregime

Am Samstag, dem 25. Juni findet um 19 Uhr im Alhambra unter dem Titel »Widerstand gegen das EU-Grenzregime in Bulgarien« eine Infoveranstaltung zum No Border Camp 2011 und antirassistischen Bewegungen in Bul­ga­ri­en statt.

»Die beiden Referentinnen werden über die antirassistischen Kämpfe und die sozialen Zentren in Bulgarien berichten. Bulgarien ist sowohl Ursprungsland von Migrant_innen als auch Durchgangsstation. Es ist zwar Teil der EU, jedoch nicht Teil des Schengen-Raums. Die EU übt erheblichen Druck auf Bulgarien aus, den eigenen Grenzschutz weiter aufzurüsten, die Grenzkontrollen zu intensivieren und damit die Grenzabschottung auch in diesem Bereich der EU-Außengrenzen voran zu treiben. Gegen diese Migrationspolitik der EU und gegen den menschenrechtswidrigen Umgang mit Flüchtlingen organisiert sich Widerstand in Bulgarien. So haben Basisorganisationen aufgerufen sich an einem internationalen Noborder Camp vom 25. bis zum 29. August im Dreiländereck Bulgarien-Türkei-Griechenland zu beteiligen. Im Vortrag wird es sowohl um die Situation von Migrant_innen in Bulgarien als auch um die Kämpfe gegen das EU-Grenzregime gehen. Der Fokus wird dabei auf den geplanten Aktivitäten des Noborder Camps im August liegen«.

sicherheitskooperationen

Im Jahr 2009 hat die Bundesregierung ihr Programm der »Inneren Sicherheit« festgeschrieben. Demnach seien nun auch »Unternehmen aus dem Dienstleistungsspektrum der privaten Sicherheit (…) ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsarchitektur in Deutschland«. In zahlreichen Bundesländern gibt es seitdem Kooperationsvereinbarungen zwischen der Polizei und privaten Sicherheitsunternehmen. Im April 2010 hat auch das Niedersächsische Innenministerium mit dem Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen e. V. (BDWS) eine Rahmenvereinbarung über die gemeinsame Zusammenarbeit geschlossen und den Polizeidirektionen des Landes Kooperationsverträge mit zertifizierten Sicherheitsdienstleistern ermöglicht. Im Bereich der Polizeidirektion Oldenburg gibt es seit dem 31.01.2011 eine erste auf drei Jahre bis Ende 2013 abgeschlosse Kooperationsvereinbarung der Polizei mit einem privaten Sicherheitsunternehmen »HIS Sicherheitsdienst GmbH & Co.KG« in Wilhelmshaven. Die privaten Sicherheitsunternehmen sollen ihre relevanten Beobachtungen nach dem Motto »Erkennen – Beobachten – Melden« an die Polizei weiterleiten, so Polizei-Präsident Hans-Jürgen Thurau. Er betonte, es gebe für die Sicherheitsunternehmen im Rahmen der Kooperationen keine Sonderrechte, sondern nur die sogenannten Jedermannsrechte, »das Gewaltmonopol ist und bleibt staatliche Aufgabe, ebenso die Gewährung von Sicherheit und Ordnung«.
Ginge es tatsächlich nur um die Ausübung der sogenannten Jedermannsrechte, stellt sich doch die Frage, weshalb dafür extra Kooperationsvereinbarungen geschlossen werden sollten. Logischer erscheint vielmehr, dass diese selektive Eingemeindung des privaten Sicherheitsgewerbes in den kommunalen und staatlichen Sicherheitsbereich als Türöffner dienen soll, um perspektivisch noch größere Teile des Repressionsapparates zu privatisieren.

hausbank mit tradition

Eine Werbekampagne der Oldenburgischen Landesbank (OLB), genannt »Die Oldenbaums«, ist nach einem Bericht von business-on.de auf »Protest aus der linken und linksautonomen Szene« gestossen. Protestschreiben seien bei der Bank eingegangen, Plakatmotive seien u.a. mit »Nationalistische Hetze stoppen«-Stickern überklebt und an der OLB-Zentrale Scheiben zerkratzt worden. Auslöser war demnach das Motiv der Werbekampagne »Die Oldenbaums«, welches die Rentnergeneration darstellen sollte: Ein älterer Mann mit gehobenem rechten Arm, garniert mit dem Slogan »Hausbank mit Tradition«…
Inzwischen hat die Oldenburgische Landesbank, ohne eine Stellungnahme, das Motiv entschärft. Nunmehr greift ein älterer Mann mit dem rechten Arm nach einem Sportwagen, der Slogan wurde von »Hausbank mit Tradition« in »Hausbank aus Tradition« geändert. Genützt hat es wohl bisher wenig:

homophobie tötet

Am 18. Juni findet in Oldenburg wieder der CSD-Nordwest statt, die schon traditionelle Demo für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen im Nordwesten. Einen relativ guten Artikel u.a. zum diesjährigen Motto »Homophobie tötet« des CSD gab es im Diabolo – und nun auch hier – zu lesen:

»Nachdem der CSD Nordwest im vergangenen Jahr ohne Motto auskam, haben sich die Organisatoren von „Lust“ (Lesben- und Schwulentag e.V.) diesmal für einen ausgesprochen plakativen Slogan entschieden: „Homophobie tötet“ lautet der Leitsatz, unter dem am 18. Juni die große Demo durch die Oldenburger Innenstadt ziehen wird. Zunächst als interner Arbeitstitel geführt, habe sich die griffige Aussage zunehmend als mottoverdächtig entpuppt, sagt Annie Heger, Pressesprecherin von „Lust“. „Letztlich haben alle Probleme, die die Gesellschaft Lesben und Schwulen bereitet, ihren Ursprung in der Homophobie“, so Heger weiter. Diskriminierung und Anfeindungen aufgrund von nicht normgetreuer sexueller Identität seien immer noch alltäglich – bei der Wohnungssuche, im Fernsehen, auf dem Standesamt, in der Familie und im Beruf. (mehr…)

patriarchat meets frauen-fussball

Im Vorfeld der Frauen-Fussball-WM in Deutschland werden
selbst die stumpfesten Gags der Titanic …

… von der Realität bei weitem übertroffen …

… und eine TV-Moderatorin in Gestalt von Sonya Kraus erblödet sich dann auch noch zu sagen, »dass die Ladys auch wirklich ladylike aussehen und weit entfernt sind von dem Klischee, dass Fußballerinnen immer halbe Männer sein müssen«.
Bitter, bitter, …

noise and resistance

Von Donnerstag bis Samstag (16. – 18. Juni) läuft im Cine K jeweils um 20 Uhr der Film »Noise and Resistance«: eine Reise durch Europas Utopia der Gegenwart, an subkulturelle Sehnsuchtsorte, wo aus Unabhängigkeit Gemeinschaft entsteht – und der beste Punk-Sound, den man seit Jahren gehört hat.

»Was manchen nur als Lärm und Störung gilt, machen sie als vitale Artikulation des Widerstands deutlich: Punk ist hier weder Modeerscheinung noch verstaubtes Relikt der Vergangenheit, sondern der lebendige Ausdruck eines Lebensgefühls. Die beiden Regisseurinnen begeben sich mitten hinein in eine höchstlebendige und pulsierende, eine aufbegehrende und selbstbewusste Szene. Ob Hausbesetzer aus Barcelona, Antifaschisten in Moskau, niederländische Gewerkschaftskämpfer, die Aktivisten des englischen CRASS–Kollektivs, queere Wagenplatzbewohner aus Berlin oder Punkgirl-Bands aus Schweden – immer ist die Musik eine kollektive Selbstbehauptung, ein vertontes Nein, dessen Losung »Do it yourself!« zur lautstarken Internationale des 21. Jahrhundert geworden ist«.