polizeiliche statistik

Anfang März würde die »Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2010« des Zuständigkeitsbereichs der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland veröffentlicht. In der NWZ ist es dabei seit Jahren gängige Praxis, dass diese Statistik nur von jenen kommentiert und analysiert wird, die diese auch selber erstellt haben – »Objektivität« a`la NWZ. Folglich war es dann auch der Polizeichef Johann Kühme, der den Fokus bei der Betrachtung der Statistik auf den Bereich um den Lappan, den angeblichen »Brennpunkt der nächtlichen City-Gewalt« setzte. Dort sei 2010 im Gegensatz zum letzten Jahr die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen von 38 auf 11 gesunken. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der registrierten Straftaten um etwa ein Drittel von 333 auf 229. Kühme sieht darin einen Erfolg des Law-and-Order-Innenstadtkonzept bestehend aus Videoüberwachung, der (2010 noch freiwilligen) Sperrstunde, dem Einsatz einer zusätzlichen Polizei-Streife in der City, sowie der vom Ordnungsamt ausgesprochenen 45 Aufenthaltsverbote gegen »Gewalttäter«. Durch die neue Videoüberwachung sei zwar noch niemand einer Straftat überführt worden, sie hätte jedoch »abgeschreckt«, so Kühme – freilich ohne jeglichen Beleg.
Mal abgesehen davon, dass auch bei 38 Fälle von schweren und gefährlichen Körperverletzungen im Jahr die Bezeichnung »Brennpunkt der nächtlichen City-Gewalt« wohl kaum angemessen erscheint, ist es schon sehr fragwürdig, den behauptete Rückgang um 27 Fälle als Erfolg des »Innenstadtkonzepts« zu verkaufen. Zum Einen, weil der Übergang zwischen einer »gefährlichen« und einer »einfachen« Körperverletzung ziemlich fließend ist (beispielsweise kann die Polizei bei einer Schlägerei, bei welcher eine Glasflasche mitgeführt wird, diese so oder so in der Statistik verbuchen), zum Anderen, da die Zahlen für begründete Rückschlüsse einfach zu gering sind. Keine Erwähnung fand auch weder der Landestrend, nach dem auch in Oldenburg der Anteil der beteiligten Kinder und Jugendlichen an Straftaten insgesamt von 1676 auf 1437 Tatverdächtige um immerhin etwa 15 Prozent gesunken ist, noch der leichte Rückgang der schweren und gefährlichen Körperverletzungen im gesamten Stadtgebiet Oldenburgs.
Albern wird der Fokus auf den Lappan-Bereich bei der Betrachtung aller Körperverletzungen in der Stadt. Denn entgegen dem Landestrend hat die Statistik dort einen Anstieg der Fallzahlen um cirka 4% auf 1793 Delikte verzeichnet. Grund hierfür ist die massive Zunahme der sogenannten »häuslichen Gewalt« von 255 auf 408 gemeldete Taten…

☞ »Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2010« POL-OL, 04.​03.​11
☞ »Kameras und Polizeipräsenz am Lappan wirken« NWZ, 05.​03.​11


1 Antwort auf “polizeiliche statistik”


  1. 1 Oldenburger Rechtshilfe 20. März 2011 um 12:21 Uhr

    Oldenburger Rechtshilfe Oldenburg, 05.03.2011
    -Verwaltungsausschuss-
    Hermannstraße 83
    26135 Oldenburg
    0441/14402
    Die Präsentation der „Kriminalstatistik 2010“ für die Stadt Oldenburg, nahm der Oldenburger
    Polizeichef Kühme zum Anlass, die Videoüberwachung öffentlichen Raumes in Oldenburg als
    Maßnahme hin zu stellen, an deren Richtigkeit es „keinen Zweifel“ mehr geben darf. (Artikel in der
    NWZ vom 05 März 2011, Seite 38, „Kameras und Polizeipräsenz am Lappan wirken“)
    Eine solche Sichtweise ist prinzipiell problematisch, da es sich hier immerhin um eine nicht geringe
    Einschränkung von Bürger_innenrechten handelt. Insbesondere hat diese Bewertung allerdings mit
    der Realität wenig zu tun, sie ist reine Propaganda.
    Wenn wir die Zahlen sprechen lassen, dann gab es im Jahre 2007 6 Fälle von schwerer
    Körperverletzung im Bereich Lefferseck/Lappan, im Jahre 2008 (in diesem Jahr wurde der Bereich
    zum Kriminalitätsschwerpunkt ausgewiesen) 16 Fälle und im Jahre 2009 (Jahr der Entscheidung für
    die Kamerastandorte) 38 Fälle. Alle Zahlen sind aus der NWZ, die sich wiederum auf Polizeiangaben
    beruft. Im Jahre 2010 nun also wieder das „Normalmaß“: 11 Fälle. Dies, so Kühme, sei ein Erfolg der
    Videoüberwachung.
    Der spontane Gedanke dazu ist: „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Kühme
    arbeitet mit Zahlen aus der Kriminalstatistik. Diese ist zunächst einmal lediglich ein Tätigkeitsbericht
    der Polizei. Entscheidendes Problem ist, dass die Polizei es selber in der Hand hat, welcher städtische
    Bereich – statistisch gesehen- zum Kriminalitätsschwerpunkt werden soll oder nicht. Dies lässt sich
    problemlos durch die Häufigkeit der Kontrollen und das Anzeigeverhalten steuern. Beispiel: Richtet
    die Polizei eine Ermittlungsgruppe „Drogendelikte“ ein, so ist zu erwarten, dass die „Drogendelikte“
    in der nächsten Kriminalstatistik ansteigen. Kriminalstatistiken unterliegen also keinen objektiven
    Kriterien, sie sind instrumentalisierbar, auch zur Durchsetzung einer fragwürdigen Sicherheitspolitik.
    Fazit: Im Jahre 2007 6 Fälle von schwerer Körperverletzung ohne Kameraüberwachung, im Jahre
    2010 11 Fälle von schwerer Körperverletzung mit Kameraüberwachung. Ein Jahr ist mehr als genug,
    die Kameras gehören abgeschaltet !
    Verwaltungsausschuss -
    Oldenburger Rechtshilfe
    i.A.

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