nie wieder lager

Nachdem eine Online-Petition zur endgültigen Schließung des Lagers Blankenburg in nur einer Woche 1147 UnterstützerInnen fand, soll nun wohl auch auf den Straßen Oldenburgs Protest gegen den Weiterbetrieb des Lagers als Massenunterkunft gezeigt werden. Am nächsten Samstag, dem 26.​02.​2011 gibt es eine Demo unter dem Motto »Nie wieder Lager! Blankenburg muss geschlossen werden!«, welche als Fahrrad-Demo um 12 Uhr vor dem Lager Blan­ken­burg starten soll und dann ab 14 Uhr vom Ca­si­no-​Platz (Ta­xi­stand neben der Lam­ber­ti­kir­che/Rat­haus­markt) aus als »normale« Demo weiterzieht.

Hier gibt es nun den Aufruf: »Das ehe­ma­li­ge Klos­ter Blan­ken­burg wird schon seit Jahr­zehn­ten als Ort der Iso­lie­rung und Ent­rech­tung von Men­schen be­nutzt. 1990 wurde aus der ehe­ma­li­gen Psych­ia­trie in Blan­ken­burg ein Erst­auf­nah­me­la­ger für Flücht­lin­ge. Zeit­wei­se leb­ten dort mehr als 1000 Men­schen gleich­zei­tig. Ak­tu­ell plant die Stadt Ol­den­burg das Ge­län­de als Wohn­heim für die Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen an­zu­mie­ten!

Blan­ken­burg ist Teil eines län­der­über­grei­fen­den La­ger­sys­tems, wel­ches der eu­ro­päi­schen Ab­schot­tungs­po­li­tik dient. Des­sen pri­mä­res Ziel ist es, Flücht­lin­ge schon bevor sie nach Deutsch­land kom­men, mit der Un­ter­brin­gung in La­gern ab­zu­schre­cken. Hier sol­len sie dann von der An­kunft bis zur Ab­schie­bung kon­trol­liert und iso­liert wer­den. Flücht­lin­ge sind in Eu­ro­pa nicht er­wünscht – die Flucht­grün­de (die ko­lo­nia­le und ak­tu­el­le Aus­beu­tung sei­tens der rei­chen In­dus­tri­e­staa­ten, un­se­re Re­sour­cen­ver­schwen­dung und die Kli­ma­fol­gen…) in­ter­es­sie­ren nicht. Gegen diese un­zu­mut­ba­ren Zu­stän­de gab und gibt es in allen La­gern immer wie­der Pro­tes­te von Flücht­lin­gen.

Auch durch die 20-​jäh­ri­ge Ge­schich­te des La­gers Blan­ken­burg zieht sich die­ser Wi­der­stand. An­ders als in den an­de­ren nie­der­säch­si­schen La­gern (zur Zeit in Braun­schweig, Bram­sche und Fried­land) ge­lang es hier den Flücht­lin­gen oft für ihre Pro­tes­te Öf­fent­lich­keit zu fin­den und Un­ter­stüt­zer_in­nen in der Stadt zu ge­win­nen. Nach dem letz­ten gro­ßen Streik in Blan­ken­burg, der bun­des­weit für Auf­se­hen sorg­te, for­mu­lier­te selbst die Stadt Ol­den­burg einen ein­stim­mi­gen Be­schluss, in dem sie die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung auf­for­der­te, „die vor­ge­brach­ten Kri­tik­punk­te der Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­ner der ZAAB Blan­ken­burg ernst­haft und in­ten­siv zu prüfen und Lö­sungs­vor­schlä­ge zu ent­wi­ckeln. Vor allem die zen­tra­le Un­ter­brin­gung muss über­dacht wer­den und als Al­ter­na­ti­ve eine de­zen­tra­le Un­ter­brin­gung geprüft wer­den.
Auch das büro­kra­ti­sche Wert­gut­schein­sys­tem soll­te ab­ge­schafft wer­den.“ Nicht zu­letzt hat die­ser Wi­der­stand dazu ge­führt, dass das Land Nie­der­sach­sen die ZAAB Blan­ken­burg zum 30.6. 2011 schlie­ßen wird!
Seit­dem ist aber klar, dass die Stadt Ol­den­burg ab Juli 2011 die ihr zu­ge­wie­se­nen ca. 320 Flücht­lin­ge selbst un­ter­brin­gen muss. Vor un­ge­fähr einem Jahr, An­fang Fe­bru­ar 2010 wurde die Stadt dar­über in­for­miert. Da­nach ist wenig pas­siert. In der NWZ war zu lesen, dass Par­tei­en und Ge­werk­schaft sich um die Ar­beits­plät­ze der ZAAB-​An­ge­stell­ten sorg­ten. Und an­sons­ten? Weicht die Stadt mit dem Ar­gu­ment des Woh­nungs­man­gels der Ver­ant­wor­tung aus. Hier­zu Ober­bür­ger­meis­ter Schwand­ner in einer Stel­lung­nah­me an das Land: „Selbst eine Zahl von 100, ins­be­son­de­re aber 322 oder sogar 422 Asyl­be­wer­bern de­zen­tral un­ter­zu­brin­gen ist der­zeit il­lu­so­risch. Al­lein die Wohn­raum­si­tua­ti­on in Ol­den­burg gibt kurz- und mit­tel­fris­tig keine Mög­lich­kei­ten, eine grö­ße­re An­zahl häu­fig auch al­lein­ste­hen­der Per­so­nen so im Stadt­ge­biet un­ter­zu­brin­gen. Es gibt in Ol­den­burg als einer der we­ni­gen Kom­mu­nen in Nie­der­sach­sen so gut wie kei­nen Leer­stand, son­dern einen deut­li­chen Woh­nungs­man­gel.“
Das Land zeig­te sich nicht ver­hand­lungs­be­reit – und was macht die Stadt? Still und leise wer­den Vor­keh­run­gen ge­trof­fen, das Lager Blan­ken­burg erst­mal vor­über­ge­hend wei­ter zu nut­zen. Ent­ge­gen ihren ei­ge­nen Be­schlüs­sen ver­han­delt die Stadt Ol­den­burg z.​Zt. mit dem Be­sit­zer der Im­mo­bi­lie über eine Ver­län­ge­rung des Pacht­ver­tra­ges. Das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF), das mit ver­än­der­ter Auf­ga­ben­stel­lung in Ol­den­burg blei­ben soll, hat of­fen­sicht­lich sei­nen Pacht­ver­trag schon ver­län­gert. Die Kos­ten für einen Umbau der ZAAB in ein Wohn­heim wer­den im­mens sein und der Ei­gen­tü­mer hat be­reits ver­lau­ten las­sen, dass er sich auf Um­bau­maß­nah­men nur ein­lässt, wenn ein Ver­trag über min­des­tens drei Jahre ge­schlos­sen wird. Nach Schät­zun­gen des nie­der­säch­si­schen Flücht­lings­ra­tes ist eine zen­tra­le Un­ter­brin­gung min­des­tens drei mal so teuer wie eine de­zen­tra­le. Wir be­fürch­ten, dass jeder Cent, der in die wei­te­re Nut­zung von Blan­ken­burg als Sam­mel­un­ter­kunft für Flücht­lin­ge ge­steckt wird, zu einer dau­er­haf­ten Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen in die­sem in­hu­ma­nen, iso­lie­ren­den Lager füh­ren wird!
Alle Pro­ble­me die­ses La­gers wer­den auch unter der Regie der Stadt wei­ter be­ste­hen. Ins­be­son­de­re für al­lein­rei­sen­de Frau­en ist das Leben im Lager ein Leben mit der stän­di­gen Angst vor se­xu­el­ler Ge­walt. Kin­der wer­den stig­ma­ti­siert und sys­te­ma­tisch von Gleich­alt­ri­gen in Ol­den­burg fern­ge­hal­ten. Nicht ein­mal die man­gel­haf­te Bus­an­bin­dung hat die Stadt bis­lang ver­än­dert. Und jetzt soll Blan­ken­burg die städ­ti­sche Flücht­lings­un­ter­kunft wer­den!!!?
Für die ak­tu­ell noch in Blan­ken­burg le­ben­den Flücht­lin­ge, be­steht seit Mo­na­ten Un­klar­heit dar­über, ob, wann und wohin sie um­ver­teilt wer­den. Viele wur­den be­reits trans­fe­riert, in an­de­re teils noch ka­ta­stro­pha­le­re Un­ter­künf­te, wie z.B. das Ab­schie­be­la­ger Bram­sche. Ak­tu­ell gibt es die un­ge­si­cher­te In­for­ma­ti­on, dass alle Be­woh­ner_in­nen Blan­ken­burg bis zum 01.​04. ver­las­sen müs­sen, un­ge­ach­tet des­sen, ob sie so­zia­le Kon­tak­te in Ol­den­burg haben, die sie nicht ver­las­sen möch­ten. Ob­wohl sich Flücht­lin­ge be­reits vor einem Jahr mit einem of­fe­nen Brief an die zu­stän­di­gen Stel­len in der Stadt und in Par­tei­en ge­wandt haben, wur­den sie bis­lang nicht ge­hört. Auf den of­fe­nen Brief gab es so gut wie keine Re­ak­tio­nen, eben­so wenig wie auf Fra­gen oder Bit­ten um ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen.

Es war viel zu lange still in Ol­den­burg. Zei­gen wir, dass wir nicht ge­willt sind einen Wei­ter­be­trieb des La­gers Blan­ken­burg hin­zu­neh­men! Kommt zur Demo am Sa. 26.​02.​2011! Kommt am Mo. 28.​02.​2011 um 18h zur Rats­sit­zung ins PFL, wo wir Blan­ken­burg zum Thema ma­chen wer­den.

Für aus­rei­chen­den, güns­ti­gen und nicht aus­gren­zen­den Wohn­raum für alle, statt ka­pi­ta­lis­ti­sche Nut­zung von Wohn­raum für Büros und Ban­ken! Jeder Mensch hat das Recht auf ein men­schen­wür­di­ges Leben und das An­recht dar­auf sei­nen Wohn­ort selbst zu wäh­len und zu be­stim­men. Be­we­gungs­frei­heit für alle! Für ein gutes Leben für alle – welt­weit!«


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