Archiv für Januar 2011

»i will survive«

☞ »Janet Korman im Gespräch über ihren Vater, der vor KZ-Toren zu »I will survive« tanzte« Jungle World, 26.​08.​10

aufstehen gegen abschiebungen

Noch bevor die »Bamako-Dakar-Karawane für Bewegungsfreiheit und selbstbestimmte Entwicklung« des Netz­werk »Afri­que-​Eu­ro­pe-​In­ter­act«, welches Ba­sis­be­we­gun­gen aus eu­ro­päi­schen und afri­ka­ni­schen Län­dern, sowie Mi­gran­t_in­nen mit und ohne Pa­pie­re in Eu­ro­pa vereinen will, offiziell gestartet ist, gab es einen ebenso turbulenten wie erfolgreichen Auftakt: mehrere Aktivist_innen der »Karawane« sowie weitere engagierte Passagiere erzwangen am 20.01. durch spontanen Protest in einem Flugzeug der Fluggesellschaft Air France von Paris nach Bamako (Mali) die Umkehr und konnten so eine Abschiebung verhindern.

Einen netten Bericht dazu gibt es z.B. in der taz unter dem Titel »Wenn Fluggäste aufstehen« und natürlich auf der »News-Seite der Karawane«, die wohl auch in den nächsten Wochen mit den aktuellsten Info`s über die »Karawane« aufwarten wird.

♫ jogging hosen lifestyle


[via]

sozial-ökologische energiewende

Am 1. Februar gibt es um 19.30 Uhr im PFL eine Veranstaltung von »attac« über Wege zu einer sozial-ökologischen Energiewende mit dem Energieberater und Sozialwissenschaftler Ulrich Schachtschneider aus Oldenburg. »Die Energieversorgung wird weitgehend immer noch von wenigen großen Konzernen beherrscht – eine ökologische und soziale Energiepolitik sieht anders aus. Die Strategie ‚Power to the people!‘ hat das Ziel, dass die Energieversorgung von Bürgern und Genossenschaften selbst organisiert wird. Im Vortrag werden drei Wege zur Veränderung aufgezeigt. Neben der Zurückgewinnung direkter Verfügungsgewalt müssen auch die politische Regulierung und der Markt eine andere Position einnehmen, um eine ökologische und soziale Energiewende zu gestalten. Die vorgeschlagenen Wege zu einer zukunftsorientierten Energieversorgung können im Anschluss an den Vortrag diskutiert werden«.

nazi-splitter

⚫ Oldenburger NPD »schützt« Sarrazin
Großspurig hatte die Oldenburger NPD angekündigt, sich bei der Sar­ra­zin-Lesung am 5. Januar »den antideutschen Selbsthassern entgegenzustellen und die MeinungsMEHRHEIT des Deutschen Volkes zu schützen«. Und glaubt mensch einem Bericht der NPD Friesland, so könnte mensch ihnen fast eine gewisse politische Aktivität unterstellen. Denn demnach saßen »Während der linke Pöbel draußen tobte, (…) die NPD Mitglieder (des) Unterbezirkes bereits ganz gepflegt in der Weser-Ems-Halle« und »Ungestört und friedlich verteilten derweil Kameraden der Oldenburger NPD Flugblätter vor dem PFL und in anderen Bereichen der Stadt«. Doch wie so oft sah die Realität ein ganz wenig anders aus: bei den »NPD Mitgliedern (des) Unterbezirkes«, welche der Sarrazin-Lesung beiwohnten, handelte es sich eigentlich nur um den NPD-Altnazi Horst Wagener aus Westerstede.

Und das Verteilen von »Flugblättern« war in Wirklichkeit das Werfen von winzigen Schnippseln aus dem Fenster eines fahrenden Autos auf der Peterstraße und im Kreisel vor dem Alhambra. Uhlala!

⚫ Vier Tage Arrest für Mario Müller
Am 17. Januar fand vor dem Oldenburger Landgericht ein Revisionsprozess gegen den 22-Jährigen Nazi Mario Müller (ehem. Delmenhorst/jetzt Magdeburg) statt. Dieser hatte am 9. Oktober 2009 zusammen mit anderen Faschos einen 20-Jährigen vermeintlichen Linken vor einem Lokal in Delmenhorst zusammengeschlagen. Um es kurz zu machen: Das Landgericht bestätigte das Urteil des Delmenhorster Amtsgerichtes und schickt Müller wegen Körperverletzung vier Tage in den Dauerarrest [NWZ-Artikel]. Erwähnenswert ist noch, dass Müller von knapp 10 weiteren Faschos u.a. aus Delmenhorst, Bremen und Wardenburg zum Prozess begleitet wurde und der Oldenburger Staatsschutz sich hektisch bemühte, eine mögliche Auseinandersetzung mit AntifaschistInnen zu verhindern.

zwischen emanzipation und genozid

Am Mittwoch, dem 26. Januar gibt es um 10.00 Uhr im »Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte« im Schloss-Foyer den Kurs »Zwischen Emanzipation und Genozid – Juden in Oldenburg im 19. und 20. Jahrhundert«. Im ersten Teil des Kurses wird den sich wandelnden Bedingungen der Judenemanzipation in Oldenburg nachgegangen. Der zweite Teil des Kurses thematisiert, wie nach der »Machtergreifung« 1933 die jüdische Bevölkerung systematisch aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und später auch ermordet wurde. Die Teilnahme kostet 6,- Euro und erfordert wohl eine telefonische Anmeldung (unter 220-7344).

oldenburg goes dresden

Info`s gibt`s bei »no pasaran!« und »Dresden nazifrei«

bundeswehr auf werbetour

Auch 2011 will die Bundeswehr wieder die Werbetrommel rühren, um damit neues Menschenmaterial für ihre Kriege zu gewinnen. Nach einer An­fra­ge der »Linkspartei« hat die Bun­des­re­gie­rung nun eine unvollständige Liste der Wer­be-Tour-​Da­ten herausgegen, welche (bisher) wohl vier Termine in Oldenburg vorsieht. Demnach will sich die Bundeswehr vom 02.-03. April mal wieder mit einem Stand auf der »Job Messe Oldenburg« präsentieren und in der Zeit vom 23.-25. Mai mit ihrem Infomobil auf Werbetour vor mehrere Schulen gehen. Desweiteren sind zwei Konzerte eines Musikkorps geplant – und zwar jeweils an geschichtsträchtigen Terminen: Zum Einen ein Platzkonzert ausgerechnet am 8. Mai, also dem Jahrestag der militärischen Zerschlagung Nazi-Deutschlands, und zum Anderen ein »Wohltätigkeitskonzert« am 20. Juli, dem Jahrstag des Attentats mehrere (vorwiegend) nationalistischer und antisemitischer Militärs auf Hitler, welches Teil eines Umsturzversuch des sogenannten »militärischen Widerstandes« gegen den Nationalsozialismus war und immer wieder zur versuchten Reinwaschung der Wehrmacht von den NS-Verbrechen herangezogen wird.

soziale kämpfe in china

Am Dienstag, dem 25. Januar gibt es im Rahmen des Subklub`s um 20.30 Uhr im Alhambra eine Vorstellung des Buches »Aufbruch der zweiten Generation – Wan­der­ar­beit, Gen­der und Klas­sen­zu­sam­men­set­zung in China« mit anschließender Diskussion; VeranstalterIn ist der Oldenburger Infoladen Roter Strumpf. Hier nun der Ankündigungstext: »Mitte 2010 roll­te eine Streik­wel­le durch die Fa­bri­ken Chi­nas. Die Wan­der­ar­bei­te­rIn­nen er­kämpf­ten sich hö­he­re Löhne und lös­ten eine welt­wei­te De­bat­te über das Ende des Nied­rig­l­ohn­mo­dells aus, das hin­ter Chi­nas Auf­stieg zur ‚Fa­brik der Welt‘ steht und auch Eu­ro­pa bil­li­ge Kon­sum­gü­ter be­schert. Im Ok­to­ber 2010 ist bei As­so­zia­ti­on A das Buch ‚Auf­bruch der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on – Wan­der­ar­beit, Gen­der und Klas­sen­zu­sam­men­set­zung in China‘ er­schie­nen. Pun Ngai, Ching Kwan und an­de­re Au­to­rIn­nen aus China ana­ly­sie­ren das Schick­sal und die Kämp­fe ver­schie­de­ner Mi­gran­tIn­nen­grup­pen – dar­un­ter Bau-, Fa­brik-​ und Sex­ar­bei­te­rIn­nen – und be­leuch­ten die Hin­ter­grün­de der ak­tu­el­len Streiks und Klas­sen­bil­dungs­pro­zes­se in China.
Bei der Ver­an­stal­tung wird einer der Her­aus­ge­ber das Buch vor­stel­len und die Streik­wel­le und ihre Hin­ter­grün­de dar­stel­len. In der Dis­kus­si­on wird es auch um die Frage gehen, in­wie­weit sich heute in Zei­ten der Krise und zu­neh­men­der so­zia­ler Kämp­fe in ver­schie­de­nen Tei­len der Welt neue For­men der Be­zug­nah­me, des Aus­tauschs und der Un­ter­stüt­zung fin­den las­sen.
«

o1-bericht zum »sarrazin-besuch«

afrique-europe-interact

Die Oldenburger Lokalgruppe von »Afrique-Europe-Interact« macht im Alhambra eine antikoloniale Veranstaltungsreihe zum Widerstand in Westafrika und Europa und Perspektiven internationalistischen Widerstands gegen Neokolonialismus und für globale Bewegungsfreiheit. Das in der Entstehung begriffene Netzwerk »Afrique-Europe-Interact« vereint Basisbewegungen aus europäischen und afrikanischen Ländern, sowie Migrant_innen mit und ohne Papiere in Europa. Eine im Januar und Februar 2011 stattfindende Karawane wird die erste große, gemeinsame Aktion sein. Dort werden über 300 Aktivist_innen von Bamako (Mali) in Kleinbussen zum Weltsozialforum nach Dakar (Senegal) fahren und auf dem Weg an Orten des sozialen Kampfes vorbeikommen.

Die nächste Veranstaltung der Reihe, diesmal über »Zouglou. Revolutionäre Musikkultur der Studierendenbewegung in der Elfenbeinküste« findet am nächsten Donnerstag, dem 13.01.2011 um 19 Uhr im Alhambra statt. Am Montag, 17.01.2011, gibt es um 20.30 Uhr dann eine Veranstaltung über »Burkina Faso – zwischen Kolonialismus und Widerstand«, von der gescheiterten Revolution und den aktuellen Kampf gegen die neokoloniale Diktatur.
Alle Veranstaltungen werden auf deutsch und französisch stattfinden – den ausführlicheren Flyer zur Veranstaltungsreihe findet ihr hier.

19. 068 mini-jobs

Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung war im Jahr 2009 jedeR FünfteR Beschäftigte (21,64 Prozent) in Oldenburg – in realen Zahlen 19. 068 – ein sogenannter »Mini-Jobber«; hauptsächlich angestellt im Handel, als Reinigungskräfte, Taxi- und KurierfahrerInnen oder als Post- und ZeitungszustellerInnen. Von diesen 12 .364 Frauen und 6.704 Männern übten 13 .219 Leute ihren »Mini-Job« ausschließlich aus – fast komplett fehlende Ansprüche auf soziale Sicherung und miesester Stundenlohn inklusive. So erhielten 81 Prozent der geringfügig Beschäftigten, die keiner anderen Erwerbsarbeit nachgehen, laut Statistischem Bundesamt nur einen Niedriglohn – also weniger als zwei Drittel des mittleren Lohnes, der momentan bei 9,06 Euro brutto pro Stunde liegt.
Ein großer Teil des angeblichen »Jobwunders« in Deutschland ist übrigens auf den Wandel von Vollzeit-Arbeitsplätzen zu Zeitarbeit sowie Teilzeit- und Mini-Jobs zurückzuführen. So auch in Oldenburg, wo die Zahl der »Mini-Jobber« in der Zeit von März 2003 bis März 2010 von 16 .323 auf 19 .398 angestiegen ist.

☞ »Jeder Fünfte arbeitet in einem „Mini-Job“« NWZ, 31.​12.​10
☞ »Arbeitskräfte werden bald knapp« NWZ, 05.​01.​11

ein kleiner jahresrückblick

Auch auf [regentied] gibt es jetzt eine kleine Rückschau auf das vergangene Jahr. Allerdings nur auf linke/linksradikale Aktionen im städtischen Raum – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Unerwähnt bleiben also die Unmengen an Veranstaltungen, die netten Partys und Konzerte, die Mobilisierungen zu Aktionen in anderen Städten (Dresden/Delmenhorst/Gorleben/…) und auch die zumeist viel wichtigeren »internen« Streits, Auseinandersetzungen und Debatten (von denen es so einige gab), welche sich 2010 aber wohl leider etwas negativ auch auf den aktionistischen Teil linker Politik in Oldenburg ausgewirkt haben. Aber wie heißt es doch so schön: »Sicher gab es bessere Zeiten, doch diese sind die unseren«. (mehr…)

zerreissprobe -
sexualisierte gewalt in der linken szene

Am Dienstag, dem 11. Januar um 19.30 Uhr gibt es im Alhambra eine von »autonomen feminist_innen aus dem alhambra« organisierte Veranstaltung zu sexualisierter Gewalt in der linken Szene und Konzepten, Schwierigkeiten und Fragen einer praktischen antisexistischen Unterstützungsarbeit. »Findet in einem sozialen Zusammenhang ein sexualisierter Übergriff statt, so entstehen dadurch besondere Anforderungen an das Umfeld der betroffenen und der als übergriffig empfundenen Person. Insbesondere dann, wenn zu beiden Personen enge Beziehungen bestehen, geraten die Unterstützer_innen in (innere) Konflikte.
Es drängen sich Fragen auf wie z.B.: Wie kann ich als Unterstützer_in damit umgehen, wenn die Forderungen der betroffenen Person meine Kapazitäten übersteigen oder sich Zweifel in mir regen? Welchen Umgang wählen, wenn sich der_die Täter_in nicht an die Forderungen der betroffenen Person hält bzw. erklärt sie seien unangemessen?
In den letzten 40 Jahren wurden Konzepte zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in feministischen/ antisexistischen Kontexten entwickelt, in denen Schlagworte wie „Parteilichkeit“, „Definitionsmacht“ bzw. „-recht“, und „betroffenenkontrollierter Ansatz“ eine Rolle spielen. Diese Konzepte werden ständig weiterentwickelt, beeinflusst durch gesellschaftliche Entwicklungen, praktische Erfahrungen und Kämpfe von sozialen Bewegungen. So wiesen schwarze Feminist_innen in den 80er Jahren darauf hin, dass Herrschaftsverhältnisse miteinander verwoben sind (zum Beispiel Rassismus und Sexismus) und forderten eine Hinterfragung des bis dahin dominanten Verständnisses der Kategorie Frau. Eine weitere gesellschaftliche Veränderung ist, dass heute mehr Aufklärung in Bezug auf sexuelle Gewalt durch die in der zweiten Frauenbewegung erstrittenen Beratungsstellen besteht.
Durch Input von Menschen aus unterschiedlichen Praxisfeldern (soziales bzw. politisches Umfeld/AntiRaCamps/Täter_innenarbeit) gibt es die Möglichkeit ohne konkreten Handlungsdruck unterschiedliche Grundsätze und Konzepte von Unterstützungspraxis kennen zu lernen, Fragen zu stellen und zu diskutieren
«.
Unterstützt wird die Veranstaltung von Subklub, dem FemRef und der DGB-Jugend.

lucia vargas


Reinhören: »LUCIA VARGAS«