thomas-sankara-straße eingeweiht

Am letzten Sonntag machte sich die Gruppe »Oldenburg postkolonial« auf den Weg ins Dobbenviertel und benannte kurzerhand die Bismarckstraße in die Thomas-Sankara-Straße um. Diese Aktion soll als ein kleiner Schritt verstanden werden, den »Kolonialismus, der die aktuelle globale Weltordnung und auch die Position der BRD darin maßgeblich bestimmt hat«, ein wenig ins öffentlichen Bewusstsein zu bringen.

Hier nun die Presseerklärung zur Straßenumbenennung: »Wir haben heute, 12.12.2010, die Bismarckstraße in Oldenburg in die Thomas-Sankara-Straße umbenannt. Die im Dobbenviertel gelegene Straße war bis zu diesem Tag einem kolonialen Akteur gewidmet. Otto von Bismarck war nicht zuletzt der Vorsitzende der so genannten »Kongo-Konferenz«, auf der die europäischen Kolonialmächte Afrika untereinander aufteilten. In der Folge dieser Konferenz ging der Kolonialismus in eine neue Epoche über: Waren in der Zeit der Sklaverei Millionen Menschen von EuropäerInnen aus Afrika verschleppt, unterworfen, misshandelt und ausgebeutet worden, sollten von nun an afrikanische Kolonien geschaffen und die Unterwerfung in den afrikanischen Herkunftsländern ausgeweitet werden. Das Deutsche Reich ermordete Hunderttausende Menschen in seinen afrikanischen Kolonien »Deutsch-Südwest-Afrika« (Namibia), »Deutsch-Ost-Afrika« (Tansania, Ruanda, Burundi), Kamerun und »Togoland« (Togo).
Bis heute ist der Kolonialismus, der die aktuelle globale Weltordnung und auch die Position der BRD darin maßgeblich bestimmt hat, kaum im öffentlichen Bewusstsein präsent. Die Geschichte des Kolonialismus und die gegenwärtige neokoloniale Ausbeutung wird strukturell ignoriert bzw. bis heute durch kolonialistische und rassistische Ideologie legitimiert. Auf diesen Zustand wollen wir mit der Umbenennung hinweisen. Wir nehmen nicht hin, dass ein Straßenschild einem der zentralen Akteure des kolonialen Projekts gewidmet bleibt.

Die Straße wird in Zukunft Thomas-Sankara-Straße heißen. Thomas Sankara (1949-1987) war ein antikolonialer Revolutionär und ab 1983 der Präsident von Burkina Faso, bis ihn die Kolonialmächte und der zukünftige prokoloniale Diktator Blaise Compaoré 1987 ermorden ließen. Die Bevölkerung Burkina Fasos wird bis heute durch dieses Regime unterdrückt. Thomas Sankara forderte die kapitalistische Metropole heraus, indem er für eine gerechtere Verteilung des Reichtums und für politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung der Bevölkerung von Burkina Faso eintrat. Die Vorherrschaft und der auf Ausbeutung basierende Profit Europas wurde so praktisch in Frage gestellt, weswegen er – wie schon unzählige vor ihm – ermordet wurde. Die ehemalige Bismarckstraße in die Thomas-Sankara-Straße unbenannt zu haben, ist ein Symbol dafür, sich der historischen und gesellschaftlichenVerantwortung des Kolonialismus und Neokolonialismus zu stellen und sich einer antikolonialen Transformation aus dem globalen Süden gegenüber solidarisch zu zeigen«.

Zusätzlich wurde am neuen Straßenschild eine Erklärungstafel mit folgendem Text angebracht: »Thomas Sankara (1949-1987) war ein antikolonialer Revolutionär und der Präsident von Burkina Faso, bis ihn die Kolonialmächte und der zukünftige prokoloniale Diktator 1987 ermorden ließen. Die Bevölkerung Burkina Fasos wird bis heute durch dieses Regime unterdrückt«.

☞ »Kurze Ehrung für Sankara« taz, 04.​01.​11


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