Archiv für November 2010

islam away

den krieg beenden

Nach dem Krieg gegen Serbien 1999 steht die Bundeswehr seit 2001 in Afghanistan wieder in einem Kriegseinsatz. Gute Gründe, diesen Krieg zu beenden, liefern (nach einer Terminverlegung) nun zwei Veranstaltungen von »Filmriß – Förderung von Kino und Kultur in Oldenburg e.V.«, der GEW Oldenburg, der DGB Jugend und der »Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen«. Am Donnerstag, dem 18. November um 20 Uhr liest Marc Thörner im PFL aus seinem Buch »Afghanistan-Code. Reportagen über Krieg, Fundamentalismus und Demokratie«. Marc Thörner hat zwischen Juni 2008 und November 2009 als unabhängiger Journalist in Afghanistan recherchiert. Zeitweise war er bei der Bundeswehr, der französischen und der US-Armee »eingebettet«. »Thörner entlarvt mit chirurgischer Präzision den von vielen Medien angestimmten vermeintlichen Kampf der Kulturen (…) Eine dringend notwendige und preiswürdige Korrektur der Berichterstattung über die wahren Begünstigten der Kämpfe deutscher Soldaten am Hindukusch«, so die Jury zur Verleihung der Otto-Brenner-Preises. Am 26.November 2010 um 20 Uhr wird dann, ebenfalls im PFL, der Film »Nacht vor Augen» (D, 2008) von Brigitte Bertele gezeigt, in welchem es um den 25-jährige Bundeswehrsoldat David geht, der nach einem Auslandseinsatz in Afghanistan zurück in sein Heimatdorf im Schwarzwald kommt.

treckerpannen im wendland

niemand ist vergessen

Wohl an die tausend Menschen (laut NWZ sogar 1.500) beteiligten sich am gestrigen »Er­in­ne­rungs­gang« zum 72. Jahrestag der Pogromnacht in Oldenburg. Seit 1981 führt der »Er­in­ne­rungs­gang« alljährlich über dieselbe Wegstrecke, die auch die 40 Männer jüdischen Glaubens am 10. November 1938 zurücklegen mussten. Am Tag, nachdem in ganz Deutschland die Synagogen brannten, wurden sie von den Nazis verhaftet und von der Polizeikaserne am Pferdemarkt durch die Innenstadt zum damaligen Landesgerichtsgefängnis getrieben. Am nächsten Tag wurden sie in das Konzentrationslager Sachsenhausen transportiert.

offen, ohne verklemmung

»Die Sicherung der Handelswege und der Rohstoffquellen sind ohne Zweifel
unter militärischen und globalstrategischen Gesichtspunkten zu betrachten. (…)
Ich habe in diesem Jahr immer wieder darauf verwiesen, dass wir in unserem Lande doch schon einiges noch tun müssen, um auch den Zusammenhang von
regionaler Sicherheit und Wirtschaftsinteressen in unserem Lande
offen, ohne Verklemmung auszusprechen.
«

Karl-Theodor zu Guttenberg [Quelle]

was brennt im wald von chimki?

Am nächsten Samstag, dem 13.11. gibt es um 19 Uhr im Alhambra eine Veranstaltung zum Thema »Soziale Bewegungen in Russland – zwischen Repression und Widerstand« von der Gruppe »Solianka Bremen«. In der Veranstaltungsankündigung heißt es: »Im Sommer dieses Jahres ist der brennende Konflikt wegen der Abholzung des Waldes in der Nähe der Moskauer Nachbarstadt Chimki eskaliert. Seit Jahren kämpfen Bewohner_innen der Stadt und Aktivist_innen aus Moskau gegen den Bau einer Mautautobahn. Die Baufirma setzt Neonazischläger gegen Ökoaktivist_innen ein. Wir werden uns bei den Veranstaltungen mit verschiedenen sozialen Bewegungen in Russland etwas genauer auseinandersetzen. Was sind Inhalte, wer organisiert sich da überhaupt? Welche Konflikte und Probleme gibt es?

Die Hintergründe der Proteste gegen den Straßenbau im Wald von Chimki sollen nicht zuletzt deshalb in den Mittelpunkt gerückt werden, da sie ein aktuelles Beispiel darstellen, wie mit massiver Repression Widerstand zum Verstummen gebracht werden soll. Alexey Gaskarov und Maxim Solopov aus Moskau (…) droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Die Aktivisten gehören zu den wenigen Sprechern sozialer Bewegungen in Russland, die in der Öffentlichkeit auftreten und Inhalte vertreten und propagieren«. Den etwas ausführlicheren Flyer zur Veranstaltung findet ihr hier als pdf.-Datei, aktuelle Infos zum Kampf in Chimiki gibt es hier.

5484 minuten

Die bisher größten, entschlossensten und kreativsten Proteste sorgten für den langwierigsten und teuersten Castor-Transport der Geschichte. Respekt. Ein paar visuelle Eindrücke findet ihr z.B. bei »graswurzel.tv«, bei »Cine Rebelde« oder auch bei »Spiegel.de«.

ol crime, part 24

NordWest-Zeitung vom 04.11.2010:
»Nach einem Ladendiebstahl hat eine 81-Jährige einen Schwächeanfall vorgetäuscht. Laut Polizei war die Rentnerin am Dienstag in einem Einkaufsmarkt an der Bloherfelder Straße beim Diebstahl von Sahne-Bonbons im Wert von 1,79 Euro ertappt worden. Als die Polizei eintraf, saß die Frau regungslos und mit geschlossenen Augen im Büro des Ladendetektivs. Eine vorsorglich benachrichtigte Ärztin konnte keine Krankheitssymptome feststellen. Die Polizisten entschieden, die Rentnerin nach Hause zu bringen. Erst dann sei sie wieder „munter geworden“. «


☞ Mehr »Kriminalität« gibt es hier.

bei atlas geht nix mehr

Der seit dem 22. Ok­to­ber stattfindende Streik für einen Tarifvertrag in den Werken der »Atlas Ma­schi­nen GmbH« [Info] geht in die nächste Runde. Seit Montag ist der Kampf auf das Werk in Vechta ausgeweitet worden – mit Autos und Feuerkörben versperren Streikposten die Werkstore. KollegInnen von einer Eisengießerei in Dinklage haben zur Unterstützung der Streikenden die Lieferung von 400 Kilogramm Kohle angekündigt.

Die Arbeitsniederlegungen sind zunächst bis zum Wochenende angekündigt, dann soll neu entschieden werden. Der harte Kurs und die Drohungen, Schikanen und willkürlichen Entlassungen durch die Geschäftsführung konnten die Entschlossenheit der »Atlas«-ArbeiterInnen bisher nicht brechen. »Die Leute lassen sich nicht einschüchtern. Wir sind auf eine lange Auseinandersetzung vorbereitet. Das wollen wir nicht, aber wir können es«, so ein IG Metall-Sprecher. Mit den Werken in Vechta, Ganderkesee und Delmenhorst sind nun alle drei Standort mit den insgesamt 650 Beschäftigten des Unternehmens im Ausstand.

☞ »Atlas-Streikinfo« IG Metall-Küste
☞ »Streik in den Atlas-Werken« NWZ-Spezial

erinnerungsgang 2010

Bereits zum 29ten mal findet in Oldenburg am 10. No­vem­ber ein Er­in­ne­rungs­gang zum Jah­res­tag der No­vem­ber­po­gro­me 1938 statt. In der Nacht vom 9. auf den 10. No­vem­ber 1938 brann­ten über­all in Deutsch­land die Syn­ago­gen. Jü­di­sche Ge­schäf­te wur­den zer­stört und JüdInnen ver­haf­tet und ermordet. Auch in Ol­den­burg er­eig­ne­te sich diese »Ka­ta­stro­phe vor der Ka­ta­stro­phe«: Die Syn­ago­ge an der Pe­ter­stra­ße wurde in Brand gesteckt, die jüdischen Männer festgenommen. Am Mor­gen des 10. No­vem­ber muss­ten die ver­haf­te­ten Ol­den­bur­ger Juden von der Po­li­zei­ka­ser­ne am Pfer­de­markt durch die In­nen­stadt zum Lan­des­ge­richts­ge­fäng­nis gehen; dabei wurden sie »von ganz normalen« OldenburgerInnen bespuckt und verhöhnt. Am nächs­ten Tag folgte die Deportation in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen.

Mit dem Schwei­ge­marsch wird alljährlich den jü­di­schen Ol­den­bur­ge­rIn­nen ge­dacht, wel­che dem deut­schen Ras­sen­wahn zum Opfer fie­len. Treffpunkt ist am Mittwoch dem 10.11. um 15.​00 Uhr im In­nen­hof der Lan­des­bi­blio­thek am Pfer­de­markt. Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule Osternburg haben darüber hinaus unter dem Leitthema »Wer die Vergangenheit vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen« ein Rahmenprogramm organisiert. Info`s dazu findet ihr hier.

ss-opas geben’s auf

Das vom 4. bis 7. No­vem­ber in Bad Zwi­schen­ahn geplante Herbsttreffen des »Ka­me­ra­den­werk Korps Stei­ner e.V. – Trup­pen­ka­me­rad­schaft der eu­ro­päi­schen Frei­wil­li­gen in der Waf­fen-​SS‚ III. Pan­zer­korps« [1] [2] findet laut NWZ nun doch nicht mehr statt. Ohne Angabe von Gründen sagte das »Ka­me­ra­den­werk« die Zusammenkunft in Bad Zwi­schen­ahn ab. Auch eine Ausweichveranstaltung ist wohl nicht geplant. Sicher eine weise Entscheidung der greisen SS-Schergen.

streik bei atlas

Schon seit dem 22. Oktober stehen nun alle Räder im Ganderkeseer Werk der »Atlas Maschinen GmbH« still. Bei dem niedersächsischen Maschinenbauer, der hauptsächlich Kräne und Bagger herstellt, sind an den drei Standorten Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta rund 650 ArbeiterInnen beschäftigt. Nach der Übernahme des Betriebes im Frühjahr 2010 durch den früheren Terex-Manager Fil Filipov wurden mehrere Mitarbeiter (u.a. der Betriebsrat Detlef Pecht) ohne Rechtsgrundlage entlassen, versetzt und niedriger eingestuft. Der Alleininhaber weigert sich bisher hartnäckig, Verhandlungen über einen Tarifvertrag über Mindestarbeitsbedingungen zu führen – stattdessen droht er mit Kündigungen, Insolvenz und einer Verlegung der Produktion.

Nachdem bereits 2009 – mit Duldung der Gewerkschaft – durch einen sogenannten »Sozialplan« 150 Beschäftigte des Werks in Ganderkesee ihren Job verloren hatten und deutlich niedrigere Einstiegsgehälter für neue MitarbeiterInnen akzeptiert wurden, reicht es der Atlas-Belegschaft jetzt endlich. Ein Tarifvertrag, also eine kollektive Absicherung der Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten zu den geltenden Tarifkonditionen der Metall- und Elektroindustrie, sind das Minimalziel des jetzigen Streiks. »Wir sind darauf eingerichtet, eine lange Auseinandersetzung zu führen«, sagte der IG-Metall-Geschäftsführer. Die wird wohl auch nötig sein, da die Geschäftsführung sich alles andere als einsichtig zeigt. Daher ist seit dem 1. November der Streik nun auch auf das Werk in Delmenhorst ausgeweitet worden. Streikposten an den Werkstoren wollen die Auslieferung fertiger Kräne verhindern. Auch im Werk in Vechta, dem dritten Standort des Unternehmens, zeigt sich die Belegschaft schon streikbereit.