Archiv für Oktober 2010

ss-schergen im kurort

Die Polizei hat auf Anfrage der NWZ bestätigt, dass das »Kameradenwerk Korps Steiner e.V.«, eine Truppenkameradschaft europäischer Freiwilliger im III. Panzerkorps der Waffen-SS, vom 4. bis 7. November in einem Hotel in Bad Zwischenahn stattfinden wird – damit hat sich also die Mel­dung des In­for­ma­ti­ons­diens­tes »blick nach rechts«, über welche hier bereits berichtet wurde, bewahrheitet.

Die ehemaligen SS-Schergen sollen schon 2009 einmal in Bad Zwischenahn zusammengekommen sein. Zum jetztigen Treffen in Bad Zwischenahn werden offenbar rund 70 in die Jahre gekommene Mitglieder des »Kameradenwerks« erwartet; die Polizei bereitet sich schon auf einen größeren Einsatz zum Schutz des Treffens vor. Antifaschistische Kreise aus der Region haben wohl bereits ein etwas heruntergekommenes Hotel als möglichen Veranstaltungsort im Auge – eine Bestätigung dafür gibt es aber bisher noch nicht. Achtet also auf weitere Ankündigungen.

fanszene gegen rassismus

Vom 14. bis zum 26. Oktober 2010 fand europaweit zum 11. Mal die »FARE Actionweek« (Fußball gegen Rassismus in Europa) statt. Auch die Oldenburger Fanszene beteiligte sich erneut einem netten Programmmix aus Fussball, Antirassismus und antifaschistischer Erinnerungspolitik. Die Oldenburger FARE-Gruppe nun eine Bilanz, welche ihr jetzt hier zu lesen bekommt: »Zwei aktionsreiche Wochen im Rahmen der FARE Action Week liegen hinter uns. An dieser Stelle wollen wir noch einmal zurück blicken… Zwei Monate vor Beginn der Aktionswoche haben wir uns im Fanprojekt zusammen gesetzt und überlegt wie wir die diesjährige Aktionswoche gestalten werden. Bei den Treffen wurden viele interessante Ideen geäußert und viele davon wurden letztlich auch umgesetzt. Herausgekommen ist letztlich ein interessanter Rahmenplan. (mehr…)

geschlossene gesellschaft

Vom 4. November bis 16. Dezember läuft die gemeinsame Veranstaltungsreihe »Geschlossene Gesellschaft – Migration und Ausschluss in der Europäischen Union« vom »Cine k«, der »Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen« und dem »Antirassistischen Plenum Oldenburg/Blankenburg«. Die Reihe beginnt mit dem Film »14 Kilometer« [Trailer], welcher vom 04.11. bis 10.11. im »cine k« (Kinosaal in der Kulturetage) zu sehen ist. Am 25. November gibt es dann um 19 Uhr im »quARTier« (Bleicherstr. 10) eine Veranstaltung zum »Kampf der Flüchtlinge im Lager Horst für ein menschenwürdiges Leben«. Im dem Flüchtlingslager Nostorf/Horst, das für Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern (MV) als Erstaufnahmeeinrichtung und darüber hinaus von MV als Landesgemeinschaftsunterkunft genutzt wird, hatten Mitte September Flüchtlinge mit einem Hungerstreik ihren Protest gegen ihre beschissenen Lebensbedingungen zum Ausdruck gebracht. Am 30.11. läuft der Film »Au clair de la lune« und vom 9. bis 14. Dezember der Film »Neukölln Unlimited« [Trailer]. Zum Abschluss der Reihe gibt es dann am 16.12. um 19 Uhr im »quARTier« noch eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Lager Blankenburg. (mehr…)

»krachschlagen« bei mcAllister

Am letzten Mittwoch, also dem 27. Oktober, wurde der Grundstein für die neue sechs Millionen Euro teure Verwaltungszentrale des Oldenburger Autozulieferer »Vierol AG« an der Karlstraße gelegt. Unter den 190 handverlesenen Festgästen befand sich auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister. Rund 30 Erwerbslose und UnterstützerInnen nutzten dies, um erneut mindestens 80 Euro mehr für Ernährung in den Hartz IV-Regelsätzen einzufordern und sorgten laut der ALSO dabei »für die richtige Untermalung« des Stelldicheins aus Politik und Wirtschaft. Durch Parolen und dem »Krachschlagen« auf Töpfe und Eimer konnte McAllister den in einem Zelt versammelten Gästen »seine Worte nicht mehr gar so salbungsvoll vortragen«.

Die nächsten Aktionen von Erwerbslosen sind auch schon geplant – und zwar am nächsten Samstag. Auf der DGB-Demo »Druck machen. Für gerechte Politik. Gegen soziale Kälte« am 6.11. in Hannover wird es einen einem »Krachschlagen«-Block geben (aus Oldenburg fahren Busse), während gleichzeitig Erwerbslose dem Landesparteitag der CDU Nordrhein-Westfalens in Bonn einheizen wollen.

ss-treffen in zwischenahn?

Nach einer Meldung des Informationsdienstes »blick nach rechts« könnte vom 4. bis 7. November in Bad Zwischenahn das diesjährige Herbsttreffen des 1967 gegründeten »Kameradenwerk Korps Steiner e.V. – Truppenkameradschaft der europäischen Freiwilligen in der Waffen-SS‚ III. Panzerkorps« stattfinden. Das »Kameradenwerk« ist eine Organisation ehemaliger SS-Freiwilliger und verehrt nach wie vor den SS-General Felix Steiner. Zuletzt fand im Juli das Jahrestreffen des »Kameradenwerkes« in der Rhön statt. Zugegen waren dort auch ehemalige SS`ler aus Schweden, Finnland, Belgien, Niederlande und Österreich. Das »Kameradenwerk Korps Steiner e.V.« soll 1999 noch rund 300 Mitglieder gehabt haben – jedoch nicht nur »Weltkriegs-Veteranen«, da ihm auch nach 1945 geborene Personen beitreten können. Politisch steht das »Kameradenwerk« da, wo mensch einen SS-Traditionsverband eben vermutet. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass diese in die Jahre gekommenen Herrenmenschen z.B. im November 1990 an einem Naziaufmarsch in Halbe teilnahmen.


Aufmarsch ehem. SS-Schergen am 16. März 2009 in Riga

In der Weser-Ems-Region sorgte das »Kameradenwerk« übrigens 1998 für ziemlichen Wirbel. Da wurde bekannt, daß das »Kameradenwerk Korps Steiner e.V.« 1996 zwei Lastwagen für Kriegsgräberpflege und für ein »Gesundheitszentrum« in Estland kostenlos aus Beständen der Bundeswehr erhalten hat. Bereits 1994 hatte sich ein »Bund estnischer Freiheitskämpfer« an das Verteidigungsministerium gewandt und 25 ausgemusterte Funksprechgeräte erhalten. Der Kontakt zum Verteidigungsministerium lief damals über den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey aus dem Ammerland. »Ihm habe sich der Antragsteller [es handelte sich dabei um den ehem. SS`ler Georg Diers aus Wiefelstede] bei einem Dorffest im Nachbarort Wiefelstede als „alter Soldat“, der in Estland gekämpft habe, vorgestellt. Er habe gefragt, wie er für eine „Soldatenkameradschaft“ zur Pflege alter Kriegsgräber an Militärmaterial aus NVA-Beständen herankommen könne«, so die Welt vom 07.08.98. Es scheinen also einige ehemalige SS-Schergen im Ammerland ihr Unwesen zu treiben, welche von konservativen Kreisen auch durchaus mal hofiert werden – zumindest solange es nicht öffentlich wird. Ob das Treffen nun allerdings tatsächlich Anfang November in Bad Zwischenahn stattfindet, ist zur Zeit noch nicht geklärt. Sobald es etwas Neues gibt, werdet ihr es aber hier erfahren.

nazimord in leipzig

Am Morgen des 24. Oktober wurde der 19-jährigen Kamal nach einem Discobesuch vor dem Leipziger Hauptbahnhof erstochen. Bei den Mördern handelt sich um Daniel K. (28) und Marcus E. (32), welche beide erst in diesem Jahr aus dem Gefängnis entlassen wurden. Dort saßen sie u.a. wegen schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung. »Gegen beide wurde Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes aus niederen Beweggründen beantragt. Wir können auch einen rechtsradikalen Hintergrund nicht ausschließen«, so der ermittelnde Staatsanwalt. Das dürfte diesmal wohl auch schwer fallen – einer der beiden war bereits vor ein paar Jahren wegen Nazi-Aktionen aufgefallen und Daniel K. trug bei der Tat einen Pulli mit der doch recht eindeutigen Aufschrift »Kick off Antifascism«. Kamal wäre das 6. Opfer rechter Gewalt in Leipzig seit 1990.

☞ »Rassistischer Mord?« in­dy­me­dia, 26.​10.​10
☞ »Iraker (19) erstochen« Bild, 26.​10.​10
☞ »Gedenken an ermordeten Kamal K.« LVZ, 26.​10.​10

media control

Am Sonntag, 31.10.10, um 11.00 Uhr, ALSO-Zentrum (Donnerschweer Str. 55) stellt Jens Ilse, Soziologe und freier Autor, im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe des »Linken Forum Oldenburg« das Buch »Media Control – Wie die Medien uns manipulieren« von Noam Chomskys vor. In dem Vortrag soll in Grundzügen das Propaganda-Modell von Chomsky vorgestellt werden. Dabei wird besonders die Frage nach seiner Aktualität und Relevanz für die Gegenwart gestellt. Analysiert wird dies im Zusammenhang mit dem sog. »Krieg gegen den Terrorismus« sowie dem gegenwärtigen Um- und Abbau des Sozialstaates. Eine etwas ausführlichere Ankündigung gibt es hier.

leerstand zu wohnraum

Am Samstag, den 23. Oktober, gingen in Hamburg mehr als 5.000 Menschen unter dem Motto »Leerstand zu Wohnraum« auf die Straße, um gegen steigende Mieten und Leerstand sowie für die Legalisierung von Hausbesetzungen zu demonstrieren. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis von 108 Initiativen, Vereinen und Organisationen. Einen sehr schönen und umfangreichen Bericht findet ihr hier auf Indymedia.

verteilungsprobleme

Das global tätiges Finanzdienstleistungsunternehmen Credit Suisse hat Anfang Oktober einen »Global Wealth Report« veröffentlicht – wohl basierend auf aktuellen Zahlen von Mitte 2010 aus 200 Ländern. Demnach besitzen allein die (US-Dollar-) Milliardäre und Millionäre, welche gerade einmal 0,5 Prozent der Weltbevölkerung darstellen, 35,6 Prozent des globalen Vermögens. Die Reichsten 8 Prozent der Welt verfügen zusammen schon über 79 Prozent des gesamten Vermögens. Auf der anderen Seite besitzen 3 Milliarden Erwachsene – das sind immehin 68,4 Prozent – gerade einmal einen Anteil von 4,2 Prozent; die Hälfte der Erwachsenen hat einen Anteil von 2 Prozent. 1,1 Milliarden Menschen besitzen weniger als 1000 US-Dollar, 2,5 Milliarden haben überhaupt kein Geldvermögen. Wie heißt es doch so treffend beim alten Brecht: »Reicher Mann und armer Mann, standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.

andrea presente

Vor 12 Jahren, am 22. Oktober 1998, wurde Andrea »Ronahi« Wolf vom türkischen Militär nach ihrer Gefangennahme während eines Gefechts bei Van in Kurdistan erschossen. Mit ihr wurden dort mehr als 30 Genossinnen und Genossen der Guerilla der PKK ermordet. Sie hatte sich Ende 1996 der kurdischen Befreiungsbewegung angeschlossen und kämpfte in den Bergen Kurdistans in der Fraueneinheit YAJK gegen die Unterdrückung durch den türkischen Staat.

»Andreas Geschichte ist eng mit der Geschichte der radikalen Linken seit Anfang der 1980er Jahre in der BRD verbunden. Sie war Teil des militanten Widerstands gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf, gegen den Bau der Startbahn West in Frankfurt und an verschiedenen antirassistischen, antipatriachaler und internationalistischer Projekte und Initiativen. Auch der Kampf für die Freiheit der politischen Gefangenen war ihr ein wichtiges Anliegen. Immer wieder geriet sie deshalb ins Fadenkreuz staatlicher Repression und Verfolgung. Mehrmals war sie in Haft. (…) Der Anschluss an die Guerilla der PKK hatte für sie vor allem ein Ziel: Die Revolution in Kurdistan kennen zu lernen, von ihr zu lernen, um für die Metropole neue Ansätze zu finden und den Kampf gegen das imperialistische System zu organisieren. Andrea Wolf, die in Kurdistan den Namen »Ronahi« trug, hat mit ihrem internationalistischen Verständnis in Kurdistan an der Seite der kurdischen Bevölkerung gegen Faschismus und Unterdrückung gekampft. In diesem Kampf ist sie gefallen«, so heißt es in einem Artikel auf Indymedia.

☞ »Ronahi bedeutet Licht« indymedia, 23.​10.​10
☞ »Sonderseite über Andrea Wolf«

nous faisons grève

campen, schottern und co.

Anfang November rollt der nächste Castortransport Richtung Gorleben – der Widerstand formiert sich und die Staatsmacht ist mal wieder in voller Panik:

Auch aus Oldenburg wollen sich wieder so Einige auf den Weg ins Wendland machen, um den Atomausstieg in die eigenen Hände zu nehmen. Am Donnerstag, dem 28. Oktober um 20 Uhr gibt es deshalb im Alhambra eine Infoveranstaltung zum aktuellen Stand der Vorbereitungen, zu den Camps und den geplanten Aktionen (wie z.B. der Kampagne »Castor? Schottern!«). Am 2. November, also kurz vor der Abreise in die ländlichen Gefilde, präsentiert der Subklub im Alhambra dann zur Einstimmung noch die besten Castor-Filme der letzten Jahre.

kampfhunde

»Wenn man scharfe Kampfhunde, ich meine die Polizei-Spezialeinheiten, mit zu einer Demonstration nimmt und sie dann auch noch ohne ersichtlichen Grund von der Leine und räumen lässt, dann beißen sie ohne Erbarmen zu.
Dafür wurden sie gedrillt und ausgebildet
«

Polizeikommissar Thomas Mohr [Quelle]

plaudern mit dem brigadegeneral

Morgen, am 21. Oktober, gibt es ab 20 Uhr im Stadthotel Eversten (Hauptstraße 36) unter dem Titel »Die Bundeswehr in Afghanistan – zur falschen Zeit am falschen Ort?« eine Diskussionsveranstaltung der SPD-Ortsvereine Eversten und Nordwest. Neben Lars Klingbeil, SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Verteidigungsausschusses, und dem Oberstleutnant der Reserve Carl-Wilhelm Düvel sitzt noch ein ganz spezieller Gast auf dem Podium: Frank Leidenberger, Brigadegeneral des Heeres und Kommandeur der »Luftlandebrigade 31 Ol­den­burg«, welcher noch von November 2009 bis Juni 2010 Regionalkommandeur Nord der ISAF-Truppen in Afghanistan war. Und während dort das tägliche Sterben weitergeht, will er nun morgen mit einem kleinen Tässchen Kaffee in gemütlicher Atmosphäre über Deutschlands imperiale Interessen plaudern. Laut der SPD sind übrigens »alle Interessierten recht herzlich« eingeladen.

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