schwuler standortfaktor?

Eine Untersuchung der Mülheimer Agentur agiplan, die bundesweit 111 kreisfreie Städte anhand des sogenannten »TTT-Index« (Talente, Technologie und Toleranz) des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Richard Florida getestetet hat, bescheinigt Oldenburg den 22. Platz – natürlich sehr zur Freude der Stadtverwaltung. Denn Richard Florida, übrigens das große Vorbild unseres OB Schwandner, sieht einen Zusammenhang zwischen der ökonomischen Stärke einer städtischen Region im Verhältnis zur Anwesenheit von hochtechnisierten ArbeiterInnen, KünstlerInnen, MusikerInnen und homosexuellen Menschen. Sein »TTT-Index« gilt daher als eine Art Wachstums- und Erfolgsformel für Standorte. Punkten konnte Oldenburg als »tolerante Stadt mit gesellschaftlicher Offenheit«, vor allem aufgrund des »Gay-Index«, also der hohen Akzeptanz von Homosexuellen. Stadtsprecher Andreas van Hooven sieht diese »Momentaufnahme im interkommunalen Wettbewerb« als Bestätigung der bisherigen Politik der Stadtverwaltung.
Als wenn es nicht schon ekelig genug wäre, Selbstverständlichkeiten wie die Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Trans- oder Intersexuellen als »Standortfaktor« abzufeiern, wagt die Stadtverwaltung es auch noch, die Existenz der großen Oldenburger Rosa/Queer-Szene als ihren Erfolg zu verkaufen. Nach wie vor sind es selbstorganisierte Gruppen, die quasi ohne jegliche finanzielle Unterstützung durch die Stadt für ihre Rechte kämpfen, sich eigene Räume schaffen, eigene Zeitungen herausgeben, eigene Partys veranstalten und es so im Laufe der Jahrzehnte geschafft haben, der provinziellen Stadt an der Hunte Zugeständnisse abzutrotzen. Und zwar um einfach vernünftig leben zu können und nicht für irgendeinen »interkommunalen Wettbewerb«.

☞ »Stadt punktet mit hoher Toleranz« NWZ, 07.​09.​2010


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