»risikospiel«

Am letztem Mittwoch besiegte der VfB Oldenburg im heimischen Marschwegstadion beim Viertelfinalspiel des NFV-Pokals den Goslarer SC mit 9:8 nach Elfmeterschießen. Eigentlich also ein Grund zum Feiern für die 622 anwesenden ZuschauerInnen – eigentlich. Denn da das Niedersächsischen Innenministerium die Begegnung irrsinnigerweise als »Risikospiel« eingestuft hatte, gab es Beschränkungen für den VfB-Support und ein riesiges Bullenaufgebot unter Kommando des Einsatzleiters Münch. So macht Fussball dann eher wenig Spaß…

Die »Oldenburger FanInitiative« (OFI), welche sich um mehr Kooperation mit den Behörden bemühte, um so der Schikanierung von Fans entgegenzuwirken, fühlt sich nun ziemlich verarscht und hat einen Offenen Brief verfasst, den ihr nun hier zu lesen bekommt: »Sehr geehrte Damen und Herren, wir beziehen uns mit diesem Schreiben auf die Einstufung des Fußballspiels VfB Oldenburg gegen SC Goslar als sogenanntes Risikospiel und möchten unsere Verärgerung darüber zum Ausdruck bringen.
Nach Informationen der Polizei Oldenburg erfolgte diese Einstufung im Niedersächsischen Innenministerium. Dieses Spiel fand nun vor 622 Zuschauern und einem zu keiner Zeit zu rechtfertigenden Polizeiaufgebot statt.
Aufgrund der zuschauerunfreundlichen Ansetzung des Spiels an einem Mittwochabend um 18.00 Uhr war diese geringe Zuschauerzahl zu erwarten. Ebenso war zu erwarten, dass aus diesem Grunde keine organisierten Goslarer Fans den Weg nach Oldenburg antreten werden. Goslar trägt seine Heimspiele gerade vor 250 Zuschauern aus. Das war alles bereits im Vorfeld bekannt und so kam es auch, dass der Fußballabend ohne Vorkommnisse friedlich endete und sich wohl auch so mancher Polizist gefragt hat, welchen Zweck dieser Einsatz hatte.
Als Grund für die Einstufung als Risikospiel wurden uns die Vorkommnisse vom letzten Spiel gegen Goslar im Juni 2009 genannt. Wer so argumentiert, zeigt aus unserer Sicht, dass er aus den damaligen Ausschreitungen nichts gelernt hat und die falschen Schlüsse zieht. Die Voraussetzungen waren so grundverschieden, wie sie nicht verschiedener hätten sein können. Ohne die gewalttätigen Ausschreitungen im letzten Jahr verharmlosen zu wollen, lagen deren Gründe nicht in einer Erzrivalität zum Goslarer SC (die gab es nie), sondern waren Ergebnis einer sich entladenden Frustration und Enttäuschung über einen schon sicher geglaubten Aufstieg. Ein NFV-Pokal-Viertelfinale gegen Goslar ist deshalb nicht mehr oder weniger risikobeladen als ein NFV-Pokal-Viertelfinale gegen Osterholz-Scharmbeck oder gegen einen anderen beliebigen Verein. Die Oldenburger Polizei postiert am Jahrestag eines Banküberfalls auch nicht vermehrt Einsatzkräfte vor der Bank, um eine Wiederholung des Überfalls zu verhindern. Dieser Vergleich drängt sich deshalb auf, da auch in diesem Fall nicht hinterfragt wurde, warum etwas geschah, sondern reflexartig mit blindem Aktionismus auf den Gegner “Goslar” reagiert wurde.

Seit dem besagten Krawallspiel hat es im Marschwegstadion keine nennenswerte Vorfälle gegeben. Die Leute, die an den Ausschreitungen beteiligt waren, sind mit mehrjährigen Stadionverboten belegt worden. Im eigenen Stadion hat sich die Oldenburger Fanszene schon seit Jahren einen Verzicht auf Pyro-Materialien auferlegt. Wir haben noch im Januar diesen Jahres an einer Veranstaltung zum Thema “Abbau von Feindbildern” teilgenommen. Dieser Workshop wurde von ihrem Ministerium initiiert und finanziert. Aus dieser Veranstaltung wurde in Oldenburg ein “runder Tisch” ins Leben gerufen, an dem Vertreter der Fanszene mit den entsprechenden Verantwortlichen für die Sicherheit zusammensitzen.
Die Einstufung dieses vollkommen harmlosen Pokalspiels als Risikospiel und der daraus resultierende Polizeieinsatz und die zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen waren nicht nur eine riesengroße Verschwendung von Steuergeldern, sondern auch eine beispiellose vertrauenszerstörende Maßnahme ihrerseits. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Leute, die sich um mehr Kooperation mit den Behörden bemühen.
Mit freundlichen Grüßen, Oldenburger FanInitiative
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1 Antwort auf “»risikospiel«”


  1. 1 anon 14. September 2010 um 10:36 Uhr

    „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Leute, die sich um mehr Kooperation mit den Behörden bemühen.“
    und das ist auch gut so – wann merkt ihr endlich, dass eure sog. „sicherheitspartnerschaft“ nur soweit geht, wie münch zählen kann?

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