grillfest auf der lzo

Dass die Forderung nach einem »Recht auf Stadt für alle!« und lecker essen eine harmonische Symbiose eingehen können, demonstrierten am gestrigen Sonntag etwa dreizig Leute auf und neben der alten LzO-Filiale an der Donnerschweer Straße. In einer Presserklärung heißt es dazu: »Ein Teil der Grillliebhaber_innen machte es sich auf dem Dach bequem, während sich etwa 30 Leute auf der davor liegenden Privatwiese amüsierten, indem sie ebenfalls delikate Tofu-Gemüsespieße grillten, sich angetan unterhielten sowie Frisbee spielten. Als Gründe für die Aktion an dem seit über einem Jahr leer stehenden Gebäude wurde in einem Flugblatt angeführt: „Erstens, weil wir gerne Grillen und es einfach lecker und nett ist. Und zweitens, weil wir damit unserer Unzufriedenheit symbolisch Ausdruck verleihen wollen. Unzufrieden sind wir nicht zuletzt damit, dass es in Oldenburg z.B. über 100 Menschen unter 25 Jahren gibt, die auf der Straße leben, während Häuser leer stehen, weil irgendwer damit noch Gewinn machen will. Unzufrieden sind wir auch mit der Nutzung des öffentlichen Raums. Auch unabhängig von polizeilicher Kameraüberwachung findet eine Vertreibung, Normierung und Disziplinierung statt.“ Die Grillliebhaber_innen sprachen sich mit ihrer Aktion auch gegen steigende Mieten und die Kommerzialisierung öffentlicher Räume aus. Die Grillmeisterin Anna fand darauf die treffende Erklärung: „Was ist eigentlich das Grillen auf einer Bank gegen die Gründung einer Bank?“«.

Die NWZ hingegen berichtete unter dem Titel »Ein-Stunden-Demo« eher etwas trocken: »28 jüngere Demonstranten haben am Sonntag kurz nach 17 Uhr die frühere LzO-Filiale Donnerschweer Straße 109 symbolisch besetzt. Vier kletterten aufs Dach, die anderen grillten davor. In Gesprächen erreichte die Polizei, dass der Protest gegen die Stadtentwicklung nach einer Stunde friedlich beendet wurde«.

Den Text des vor Ort verteilten Flugblattes gibt es übrigens hier:

»Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?«
(Bert Brecht, Dreigroschenoper)

Wir laden heute auf dem Gebäude der Oldenburger Sparkasse an der Donnerschweer Straße 108 zum Grillen ein. Das Gebäude steht seit über einem Jahr leer. Das tun wir aus zwei Gründen: Erstens, weil wir gerne Grillen und es einfach lecker und nett ist. Und zweitens, weil wir damit unserer Unzufriedenheit symbolisch Ausdruck verleihen wollen. Unzufrieden sind wir nicht zuletzt damit, dass es in Oldenburg z.B. über 100 Menschen unter 25 Jahren gibt, die auf der Straße leben, während Häuser leer stehen, weil irgendwer damit noch Gewinn machen will. Unzufrieden sind wir auch mit der Nutzung des öffentlichen Raums. Auch unabhängig von polizeilicher Kameraüberwachung findet eine Vertreibung, Normierung und Disziplinierung statt.
Und die Stadtumstrukturierung? Wer bestimmt denn, was wo gebaut und genutzt wird? Die Mehrheit der Oldenburger_innen ist nicht für das ECE-Center … äh die Schlosshöfe. Und das „klein Manhattan“ der größten Oldenburger Bank am Bahnhof ist gleich mit ihrer Adresse (Berliner Platz) umgezogen. Der Platzname ist uns natürlich egal, aber an diesem Symbol wird klar, wer hier über welche Macht verfügt…
…Und damit wollen wir uns nicht abfinden. Wir wollen hier auf dem Sparkassendach ein Stück Stadt zurückerobern, zumindest für eine kurze Zeit. Wir wollen jenseits von Kommerz und Shopping zusammenkommen gegen Ausgrenzung von Menschen, die in dieser Gesellschaft angeblich keinen Wert haben, gegen steigende Mieten und Stadtaufwertung für Reiche, für ein Recht auf Stadt für alle.
Und was ist eigentlich das Grillen auf einer Bank gegen die Gründung einer Bank?
Die Häuser denen, die sie brauchen!
Gegen steigende Mieten!
Für unkommerzielle Räume!


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