oldenburg glimmt wieder…

… und die NWZ hat ausnahmsweise mal einen guten Artikel dazu veröffentlicht – aber lest selbst: »Demonstriert worden ist am Mittwochmittag in Oldenburg für eine andere Bildungspolitik. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich zum Auftakt 120, später über 250 Schüler und Studenten an der als „Bildungsstreik 2010“ ausgerufenen bundesweiten Aktion. Sie wurde vor Ort von der Arbeitsgemeinschaft Bildungsforum Oldenburg, einer universitären Gruppe, organisiert. Parallel dazu findet ein einwöchiges Streikcamp an der Universität statt. Marie (15), die das Gymnasium Eversten besucht, hat eine klare Botschaft an die Bildungspolitiker in Hannover: „Mir ist es wichtig, dass die Schülerzahl in den Klassen kleiner wird. Dafür müssen mehr Lehrer eingestellt werden.“ Talea (16), die ebenfalls das GEO besucht, sagte: „Von der sozialen Gerechtigkeit betrachtet, müsste das IGS-System ausgebaut werden. Insgesamt müsste mehr für die Chancen von Hauptschul-empfohlenen Kindern getan werden.“ Marie Charlotte (17) und Niko (16) sind vom Lothar-Meyer-Gymnasium aus Varel nach Oldenburg gekommen. Die 17-Jährige sagt: „Wir sind weiterhin gegen das Turbo-Abi. Die Belastung ist extrem.“ Außerdem gebe es keine klare Abstimmung. Einige Unterrichtsinhalte seien wegen der verringerten Zeit zusammengestaucht worden, die im Abi aber weiter geprüft würden. Das Studieren sei vielen Schülern heute außerdem zu teuer. Niko: „Aus unserem Jahrgang wollen viele aus Kostengründen nicht studieren. Sie gehen ab und machen eine Ausbildung, nicht wenige wechseln nach der zehnten Klasse auf eine BBS.“ Ein Lehramts-Student sagt: „Uns geht es vor allem um mehr Chancengleichheit, um die Abschaffung der Studiengebühren und um eine Veränderung des Bachelor- und Master-Systems, das noch nicht ausgegoren ist. Man müsste die Universität in seinem Studiengang zum Beispiel leichter deutschlandweit wechseln können.“ Neben dem Ende des Turbo-Abis wurde u.a. „längeres gemeinsames Lernen“ und die „Abschaffung aller Bildungsgebühren“ gefordert. Die Tatsache, dass der Bund nun im Sozialen aber weniger in der Bildung sparen wolle, dürfe nicht dazu führen, „dass wir uns gegeneinander ausspielen lassen“, so ein Sprecher der Arbeitslosenselbsthilfe Also. Beide Bereiche gehörten zusammen.«

☞ »Schüler protestieren auf Straße« NWZ, 10. Juni 2010
☞ »Oldenburg brennt!« Bildungsstreik in Oldenburg


10 Antworten auf “oldenburg glimmt wieder…”


  1. 1 r4f 10. Juni 2010 um 17:58 Uhr

    Und es fehlt immernoch die Kapitalismuskritik… Soziale Veränderung und Chancengleichheit in der Selektions- und Verwertungsgesellschaft zu fordern sind doch Utopie.

    Es geht ums Ganze. Für die soziale Revolution!

    http://www.youtube.com/watch?v=I855JTtgKRc&feature=player_embedded

  2. 2 Anonymous 10. Juni 2010 um 22:39 Uhr

    Ich denke man kann in Sachen Bildung von zwei seiten argumentieren.
    Einerseits von einer antikapitalistischen Seite (der ich auch nicht abgeneigt bin) und von einer bildungsutopischen/chancengleichheits Seite (auch wenn hier nich schön ausgedrückt ist^^)
    Natürlich ist des bestehende bildungssystem durch kapitalistische zwänge bestimmt, aber ich finds nicht immer richtig dagegen nur antikapitalistisch zu argumentieren. Es ist wichtiger Möglichkeiten anderer Bildungskonzepte darzustellen. Und die konkreten Folgen des bestehenden Bildungssystem zu benennen.
    Ich seh die Bildung und den Kapitalismus nicht als Haupt- und Nebenwiderspruch, sondern durch die veränderung des bildungssystems ist es möglich die Gesellschaft in bestimmten Teilen zu verändern. Es ist nötig auch für die Bildung Utopien zu entwerfen und für diese zu kämpfen ohne nur auf einer antikapitlistischen Schiene zu bleiben.

  3. 3 Freies Bildungsbündnis Ammerland 11. Juni 2010 um 2:26 Uhr

    Auch in Westerstede fand ein von Schülern organisierter Bildungsstreik statt. Hierzu die NWZ vom 10.6.2010

    Westerstede – „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“ Rund 150 Schülerinnen und Schüler stehen am Mittwochvormittag auf dem Albert-Post-Platz und demonstrieren mit diesem Schlachtruf für bessere Bildung.

    „Wir sind für die Abschaffung jeglicher Kosten, die Neustrukturierung der Oberstufe und eine bessere, praxisbezogene Ausbildung der Lehrer“, ruft Malte (19) den jungen Leuten einige der Forderungen zu.

    Sie haben Plakate bemalt, T-Shirts beschriftet und sich mit Trillerpfeifen ausgerüstet. „Bildung für alle und zwar umsonst“ oder „Bildungsblockade einreißen“ steht auf den Transparenten. „Für Solidarität und freie Bildung“ hat Vincent (17) mit einer Schablone auf weiße T-Shirts gesprüht.

    Die Teilnehmer besuchen größtenteils das Gymnasium Westerstede. Nach Angaben der Organisatoren kommen einige auch von der Robert-Dannemann-Schule und vom Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht.

    Unter die Demonstranten haben sich auch zwei Versuchskaninchen gemischt. „Wir fühlen uns als Versuchskaninchen und demonstrieren gegen das Turbo-Abi und den Leistungsdruck“, sagen Kira und Hong Anh (beide 16).

    Auch einige Fünftklässler schließen sich dem Protestzug an: „Die Leute sollen wissen, dass wir Bildung brauchen“, sagen Janina (10) und Lena (10) und zeigen auf ihr Plakat, das sie bewusst mit Fehlern versehen haben: „12 Jare mitt unz niecht!“

    Mit den Schülern solidarisieren sich ferner einige Eltern: „Wenn wir uns damit nicht identifizieren würden, würden wir nicht mitlaufen“, sagt Barbara Adrian.

  4. 4 Antifa 11. Juni 2010 um 10:17 Uhr

    „Und es fehlt immernoch die Kapitalismuskritik“

    Deswegen gibt es ja einen Jubelbericht der rechtskonservativen „NordWestZeitung“ (NWZ) und der kann dann einfach von „Regentied“ genutzt werden.

  5. 5 rr 12. Juni 2010 um 11:27 Uhr

    nee, is klar, erst muß der kapitalismus wech und dann können wir uns um den ganzen rest kümmern.
    und das der verschwindet ist sowieso naturgesetzlich vorherbestimmt und jede noch so kleine verbesserung für die unter ihn gezwungenen menschen tragen nur zu seiner stabilisierung bei und sind deshalb konterrevolutionär.
    dann ist es ja gut, dass alles immer beschissener wird.

    gehts noch?

  6. 6 r4f 13. Juni 2010 um 13:05 Uhr

    Naja erwarte aber keine Solidarität von Arbeiterklasse, Arbeitslosen, Rentnern und sonstigen unterdrückten und ausgebeuteten Gruppen, damit unsere zukünftige gutverdienende Elite bitte umsonst und mit allen Annehmlichkeiten studieren und lernen kann.

    Natürlich muss Bildung allen frei zugänglich sein und logischerweise auch kostenfrei. Nur widerspricht das dem Grundgedanken des kapitalistischen Verwertungssystems.
    Also ist das Problem der Kapitalismus und das Problem muss aus der Welt geschafft werden.

    Und das Oldenburgs linke „Szene“ sehr schläfrig ist mittlerweile ist wohl auch kein Geheimnis mehr. Hier muss sich auch wieder einiges ändern!

    Raus auf die Straße, die Zeit ist gekommen

  7. 7 hrhrhr Arbeiterklasse 13. Juni 2010 um 23:49 Uhr

    Das Bildung frei und kostenlos sein soll, ist sehr wohl mit dem kapitalistischen System vereinbar
    kapitalistische Argumentation (nicht meine):
    Im kapitalismus soll der jenige viel geld verdienen der besonders viel/gut arbeitet und die richtigen Ideen hat. Also soll Leistung belohnt werden. Bildung ist dabei der faktor der allen die Möglichkeit gebe soll um viel Leistung zu bringen. Bildung ist also aus kapitalistischer Sichtweise die maßeinheit mit der Einkommen definiert und seine eignene soziale Schicht bestimmt wird.

    Ist natürlich total schrott, da dies natürlich nicht funzt.
    Ob sich andere solidarisch zeigen, ist aber kein kriterium für eigene Positionen.
    Leute vom Bildungsstreik zeigten sich bsw beim 1. mai soldidarisch(auch mit anwesenheit) mit anderen unterdrückten gruppen

  8. 8 Anonymous 14. Juni 2010 um 10:33 Uhr

    stellt sich die frage, ob in einer bildungslandschaft, die allen menschen lernen und wissen ermöglicht, der begriff der elite dann noch angebracht ist…
    und natürlich erwarte ich von „Arbeiterklasse, Arbeitslosen, Rentnern und sonstigen unterdrückten und ausgebeuteten Gruppen“, dass sie sich mit schüler_innen und student_innen solidarisiert, wenn die auf die strasse gehen, um dieser beschissenen bildungspolitik den kampf anzusagen. zumindest von denjenigen, die selber kinder oder enkel oder wenigstens noch einen rest von solidarität haben.
    (zitat von http://www.oldenburg-brennt.de/wordpress/ :
    „Das mehrgliedrige Schulsystem und die Hochschulen fördern die soziale Diskriminierung der Unterschicht, sowie Menschen mit Migrationshintergrund. So wurde erst in diesem Frühjahr in einer Studie herausgefunden, dass sogar bei gleichen Noten ein Kind aus der Ober- oder Mittelschicht die dreifache Chance auf eine gymnasial Empfehlung haben, verglichen mit anderen Schülern ohne diesen Hintergrund. So wird schon in einem frühen Alter die spätere Berufsaussicht und damit die soziale Schicht vorbestimmt. Denn durch die Trennung in drei Schulformen wird die Durchlässigkeit stark beschnitten.“

    und ja, der kapitalismus muß aus der welt geschafft werden, aber ein wenig erinnert mich das ganze an die diskussion, bzw an das mantra: erst erreichen wir den sozialismus und dann klären wir die frauenfrage.
    wir sehen uns auf der strasse

  9. 9 r4f 14. Juni 2010 um 16:44 Uhr

    Benutze ich einfach mal ein praktisches Beispiel an meiner eigenen Person: Ich, als, nennen wir es mal „Arbeiter“, war zum besagten Tag des Bildungsstreiks beruflich in der Innenstadt tätig. Somit bot sich für mich die theoretische Möglichkeit der praktischen Solidarisierung mit den Protesten. Welche Folgen diese Solidarisierung während meiner „Arbeitszeit“ gehabt hätte, kann sich sicherlich jeder denken. Diese Folgen wäre ich aber bereit gewesen auf mich zu nehmen. Ich durfte dann durch einen glücklichen Umstand einen der Redebeiträge hören. Nachdem ich dann noch die Transparente begutachten durfte war ich im Nachhinein froh dem Ärger mit dem Arbeitgeber und Kunden aus dem Weg gegangen zu sein. Vielleicht kann das jemand der sich in einem prekären Arbeitsverhältnis befindet ja nachvollziehen.

    Natürlich bin ich trotzdem froh, wenn Leute auf die Straße gehen um sich für bessere Bildung aussprechen. Die Frage die sich mir nur stellt ob „bessere Bildung“ im Rahmen des kapitalistischen Systems nicht einfach nur egoistischer Selbstzweck ist. Sprich, bessere Verdientsmöglichkeiten, Reichtum blablabla. Im Endeffekt wird durch den Besuch von staatlichen Schulen und Universitäten eine ganz klare Lebensweise vorgegeben. Wer aus diesem Schema ausbricht, ist nicht verwertbar genug und muss sich damit abfinden. Vielleicht bin ich da auch etwas zu hart, das mag sein.

    Mir fehlt der wirkliche Wille des Klassenkampfes bei den Protesten, weil der Kampf Klasse gegen Klasse ein unausweichlicher Punkt in der Zukunft sein wird. Diesen Kampf kann aber kein(e) Einzelne(r) führen sondern nur wir alle als Gemeinschaft. Es soll nicht mehr um Veränderung für einige wenige gehen. Es muss um Veränderung für alle gehen. Ums ganze!

  1. 1 Oldenburg (Oldenburg) - Blog - 10 Jun 2010 Pingback am 11. Juni 2010 um 10:20 Uhr

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