hedwig heyl`s völkisches milieu

Im Juni letzten Jahre wurde hier über einen Antrag der »Linkspartei« zur Um­be­nen­nung der Hed­wig-​Heyl-​Stra­ße berichteten, da »sie die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ideo­lo­gie be­wun­dert habe und ras­sis­ti­sche sowie an­ti­se­mi­ti­sche Äu­ße­run­gen von ihr be­legt seien«. Der Stadtrat lehnte diesen begründeten Vorschlag jedoch leider ab. Nun hat sich der Oldenburger Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Geert Naber mit einem »Offenen Brief zur Debatte um die Hedwig-Heyl-Straße« an OB Schwandner zu Wort gemeldet und fordert eine Revision des Ratsbeschlusses. Hier nun sein Text: »Im Herbst des vergangenen Jahres wurde im Oldenburger Stadtrat über Hedwig Heyl diskutiert. Der Vorschlag, die nach dieser Person benannte Straße umzubenennen, stieß bei der Ratsmehrheit und bei der Stadtverwaltung auf Ablehnung. Ich hoffe trotzdem, dass Hedwig Heyl ein kommunalpolitisches Thema bleibt und die hiesige Hedwig-Heyl-Straße doch noch einen anderen Namen erhält. Die Heyl’sche Biographie zeugt von einem politischen und pädagogischen Wirken, dem nicht öffentliche Anerkennung, sondern Kritik und Zurückweisung gebührt.

Als in den 1950er und 60er Jahren zahlreiche Bildungseinrichtungen und Straßen nach Hedwig Heyl benannt wurden, galt die Geehrte als eine bildungsbürgerliche Vorkämpferin für sozial- und frauenpolitische Belange im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Dass diese Einschätzung oberflächlich und schönfärberisch war, dokumentieren neuere geschichtswissenschaftliche Untersuchungen. Sie zeigen, dass es sich bei Hedwig Heyl um eine „Frauenrechtlerin“ handelte, die sich von den liberal-demokratischen Strömungen der bürgerlichen Frauenbewegung distanzierte und keine wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter anstrebte. Im Gegenteil: Hedwig Heyl war eine Anhängerin strikt hierarchischer und elitärer Gesellschaftsordnungen. Und eine eifrige Propagandistin rassistischer und kolonialistischer Weltanschauungen. Die langjährige Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft verherrlichte das „Deutschtum“ und betrieb eine
Frauen- und Sozialpolitik, die „weibliche Tugenden“ zur Herrschaftsstabilisierung in den deutschen Kolonien nutzen wollte. Wenn es um die Charakterisierung der Kolonisierten ging, bediente sich die vermeintliche Philanthropin oft einer Untermenschen-Terminologie.
Bei Hedwig Heyl paarte sich kolonialistisches Denken mit ausgeprägten Ressentiments gegen Liberalismus und Moderne. Sie agierte in einem deutschvölkischen Milieu, das kosmopolitische Vorstellungen bekämpfte und unentwegt von der Überlegenheit „deutscher Kultur“ über die „westliche Zivilisation“ fabulierte. Mit fatalen Konsequenzen: Die völkische Ideologie trug in der Weimarer Republik maßgeblich zur Ausbreitung des Antisemitismus und zum Aufstieg der NS-Bewegung bei. Dass Hedwig Heyl nicht gegen Hitler opponierte, sondern seine Machtergreifung mit pathetischen Worten begrüßte, kann deshalb kaum verwundern.
Die Stadt Oldenburg muss dem Beispiel anderer Kommunen folgen und die Hedwig-Heyl-Straße umbenennen. Ich möchte Sie darum bitten, mein Anliegen zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen
Geert Naber


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