Archiv für Januar 2010

heer 4 u

освобождение!

alle reden vom wetter…

Deinem bzw. deiner Gegenüber mal wieder nichts zu sagen? Eine kleine Handreichung zur Gestaltung fundierterer Wettergespräche liefert Jörg Grützmann, Autor des Buches »Die Winter in Oldenburg von 1899-1999« in einem Interview in der heutigen NWZ: (mehr…)

ol crime, part 17

NordWest-Zeitung vom 26.01.2010:
»OLDENBURG: Eine abenteuerliche Verfolgungsfahrt lieferten sich am frühen Abend drei unbekannte Männer mit der Polizei: Einer Zivilstreife war gegen 19.20 Uhr im Georg-Sello-Weg ein als gestohlen gemeldetes Cloppenburger Kennzeichen an einem dunkelblauen Opel Omega aufgefallen. Der Fahrer bemerkte die Streife und beschleunigte, dennoch gelang es den Polizisten, den Wagen anzuhalten. Verhindert wurde die Überprüfung dann aber von einem weiteren Polizeiwagen, den die Beamten angefordert hatten: Der Wagen rutschte aufgrund der Glätte in die Beifahrertür der Zivilstreife, ein Polizist wurde dabei leicht verletzt. Die Verfolgten entkamen und ließen den beschädigten Opel Omega stehen. «


☞ Mehr »Kriminalität« gibt es hier.

subklub: »kontrollverluste«

»Kontrollverluste – Interventionen gegen Überwachung«, so der Titel des Sammelbandes, den Peter Ullrich (Leipziger Kamera) und Andrej Holm (Stadtsoziologe) am Dienstag, dem 26. Januar um 20.30 Uhr im Rahmen des Subklub im Alhambra vorstellen werden.

»Das Buch Kontrollverluste versammelt Beiträge zu Fragen einer emanzipatorischen und praktischen Kritik an der aktuellen Überwachungsgesellschaft. Es führt sehr unterschiedliche Strategien und Perspektiven der linken Überwachungskritik zusammen. Kritische WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und Initiativen stellen theoretische, aber vor allem strategische und aktionsorientierte Überlegungen an, reflektieren ihre Handlungserfahrungen und beleuchten Probleme und Potenziale von Bewegung(en) gegen immer mehr Überwachung und Kontrolle.«

mythen knacken – no pasaran!

Am 1. Februar 2010 gibt`s um 19.30 Uhr im Alhambra eine Info-Veranstaltung gegen den Naziaufmarsch in Dresden. »Am 13. Februar vor 65 Jahren bombardierten die Alliierten die Stadt Dresden und zerstörten 4,2 km² des berühmten historischen Kerns. Innerhalb von zwei Tagen existierte das Elbflorenz, die barocke Perle Sachsens, nicht mehr. 25 Tausend Menschen kamen bei den Angriffen ums Leben. Eine Folge des von den Nazis angezettelten II.Weltkriegs. Schon in den ersten Verlautbarungen aus dem Propagandaministerium des Dr. Goebbels wurde deutlich, was die Nazis aus diesen, ihre Herrschaft vernichtenden Angriffen propagandistisch produzieren würden: den Mythos der Opferstadt Dresden. (mehr…)

dresden calling

Nach bzw. parallel zu der Repressionswelle der Dresdener Staatsanwaltschaft [Info] gegen das Bündnis »Nazifrei – Dresden stellt sich quer« gab und gibt es unzählige Solidarisierungserklärungen und einen ordentlichen Mobilisierungsschub für die geplanten antifaschistischen Aktionen am 13. Februar. Jetzt findet sich auch ein kleines, neues Video, in welchem Commander Shree Stardust, der Autor des »Taktik-Kassiber über Militanz und Organisation, Ort, Zeit und Bedingungen« aus der »Jungen Welt« und der Sänger Konstantin Wecker (man kann von ihm halten was man will) sehr vernünftigen Stuff ablassen. Ab in die Busse – no pasaran!

Ergänzung: Seit dem 24.1. ist die offizielle Seite des Bündnis »Nazifrei – Dresden stellt sich quer« auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Dresden stillgelegt [Info]. Glücklicherweise gibt es aber schon folgende Ausweichseite: ☞ »http://www.dresden-nazifrei.com«

»arbeitsamt«

Auf Telepolis findet sich heute die nette Kurzgeschichte »Arbeitsamt« von Bettina »Twister« Winsemann über ihren ersten Kontakt mit dem WOA!:
» Die irritierten Blicke der anderen Wartenden ignorierte ich, als ich mich zum Card-Distribution-Panel begab und mein Service-Ticket zog. Ach, ich liebte diese neuen Arbeitsämter. Nicht nur, dass es die Tickets mit der Aufrufsnummer jetzt in dem, in einem patriotisch schwarz-rot-gold lackierten, Card-Distribution-Panel gab, nein, sobald man sein Ticktet erhielt, ertönte auch noch ein motivierendes „nice to help you“. Ich setzte mich und sah auf einen Jugendlichen vor mir, auf dessen Jackenrücken die Worte „Back to the Mediereview Age“ zu lesen waren, ohne Zweifel also ein Yahoo-User, wie auch seine folgenden Worte, die er in sein Handy sprach, bewiesen: „Hey, das ist doch voll xlink, wie die mich behandeln.“ Während die Hintergrundmusik zu einem Remix eines Faith-No-More-Songs wechselte (Remix bedeutete in diesem Fall, dass der Song bis auf den Refrain „It is a dirty job but someone`s gotta do it“ verfremdet worden war), suchte ich meine Unterlagen zusammen und bereitete mich mental auf die unvermeidliche Konfrontation mit dem WOA! vor. (mehr…)

sicherheitsfanaten

Nachdem es jetzt ab Februar versuchsweise eine freiwillige Sperrzeit zwischen 5 und 7 Uhr morgens im gesamten Stadtgebiet geben soll, um damit der angeblich explodierenden Jugendgewalt (ganze 29 Fälle in 2009) in der City zu begegnen, wittern die SicherheitsfanatikerInnen wieder Morgenluft. So zum Beispiel Gustav Wehen, der Oldenburger Vorsitzende des ArbeitgeberInnenverband des Gastgewerbes DEHOGA. Während er richtig feststellte, dass mit der Sperrstunde noch nicht einmal nach der Logik ihrer BefürworterInnen die 29 Körperverletzungen hätten vermieden werden können (sie würden alle in der Zeit zwischen 24 Uhr und 5 Uhr früh begangen), zeigt er gegenüber der NWZ im Weiteren den geballten Law-and-Order-Unverstand. »Bei der Bekämpfung der Gewalt in der Innenstadt hat der DEHOGA klare Vorstellungen: Der Einsatz von Videokameras und ein Glasflaschen-Verbot nach dem Hamburger Beispiel auf St. Pauli können nach Meinung des Oldenburger Dehoga-Vorsitzenden Gustav Wehen dazu beitragen, dass die Innenstadt wieder sicherer wird. Zudem fordert er mehr Polizeipräsenz. Die Polizei müsse auch härter durchgreifen und mehr Platzverbote aussprechen«.

Solche Positionen können sich natürlich auch der Unterstützung des CDU-Kreisvorsitzende Olaf Klaukien sicher sein. »Die meisten Forderungen sind nachvollziehbar und sollten am Runden Tisch bei Oberbürgermeister Gerd Schwandner ernsthaft geprüft werden«, so Klaukien. Daneben fordert er selbstverständlich ein härteres Durchgreifen der Polizei gegen Gewalttäter und eine noch stärkere Unterstützung der Bullen durch die Bevölkerung (»Für ihren Einsatz gebühre den Beamten Anerkennung und Respekt«).
Ausführungen darüber, dass das von der DEHOGA geforderte generelle Flaschenverbot in keinen Zusammenhang zu den 29 Körperverletzungen zu bringen ist und wohl eher für zusätzliche Einnahmen der Gastronomie und eine Vertreibung der nicht zahlungskräftigen OldenburgerInnen aus der City sorgen soll, sowie darüber, dass Videoüberwachung und Platzverbote gesellschaftliche Probleme lediglich in andere Gegenden der Stadt verschieben, ohne sie zu lösen oder auch über die geforderte Anerkennung und den Respekt für schikanierende Bullen sparen wir uns an dieser Stelle. Stattdessen lassen wir nochmal die Lin­kspartei-​Rats­frau Chris­ti­ne Arndt zu Wort kommen: »Die beste Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on ist nur eine gute So­zi­al­po­li­tik«. Recht hat sie – und wir alle haben ein Recht auf unsere Stadt.

☞ »Dehoga fordert Kameras und Flaschenverbot« NWZ, 22. Ja­nu­ar 2010
☞ »CDU: Polizei soll härter durchgreifen« NWZ, 23. Ja­nu­ar 2010

exit through the gift shop

http://www.banksyfilm.com/

hungerlohn bei »danish crown«

Ausbeutung, Lohndumping und Verarsche der ArbeiterInnen sind Normalität im Kapitalismus. Ein aktueller Fall bei einem Betrieb des dänischen Fleisch- und Wurstkonzerns »Danish Crown« im Oldenburger Gewerbegebiet Tweelbäke ging dann aber selbst der Justiz zu weit. 32 der 220 Arbeiter, welche in der Nachtschicht bei »Danish Crown« Schweinehälften zerlegten, bekamen nur ein Bruchteil des in ihrem Werkvertrag vereinbarten Lohnes. »Für 152 Arbeitsstunden hätte man mir bei einem zugesagten Stundenlohn von 7,50 Euro einen Lohn von 1140 Euro zahlen müssen. Tatsächlich erhielt ich nur 467,69 Euro. Das entspricht einem Stundenlohn von drei Euro«, so einer der Betroffenen gegenüber der NWZ. Zehn seiner Kollegen warteten sogar noch auf diese Kohle für den Monat Dezember. Nach einer Protestaktion der Arbeiter ermittelt nun die Staatsanwalt.

☞ »Fleischzerleger warten auf Lohn« NWZ, 19. Ja­nu­ar 2010
☞ »Justiz ermittelt im Fleischer-Skandal« NWZ, 23. Ja­nu­ar 2010

no pasaran!

Eine kleine Zusammenfassung über die heiße Phase der Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch am 13. Februar in Dresden gibt es hier.

Auch sehr geil: ☞ »Schlachtplan der linken Chaoten« Bild, 21. Ja­nu­ar 2010

toto und harry

Am Dienstag, dem 2. März, lesen die Oberkommissare »Toto und Harry« im Theater Laboratorium aus ihrem Buch »Bin ich jetzt schuld? Die größten Irrtümer und Missverständnisse mit der Polizei«. Sie sind die »zwei netten Streifenpolizisten« aus der Sat.1-TV-Doku im Fernsehen, die» lustigen Aushängeschilder der Bochumer Polizei«, die »verständnisvolle Ordnungshüter«: Torsten Heim und Thomas Weinkauf alias »Toto und Harry«. Dass die beiden »officer friendly« dann wohl doch nicht sooo beliebt sind, mussten sie z.B. am 14. Januar an der Ruhr-Universität Bochum mal wieder erfahren – während sie dort einen Vortrag hielten, zerschlugen auf dem Parkplatz der Universität Unbekannte mit Steinen die Heckscheibe und ein Seitenfenster ihres Streifenwagens und warfen mit Lackfarbe gefüllte Marmeladengläser ins Innere. »Die haben nicht alle Latten am Zaun«, stellte Streifenpolizist »Toto« analytisch genau fest. Andere Zungen behaupten jedoch, dass der »miese Anschlag« (Bild) eventuell auch mit den ständigen Schikanen durch die Bullerei zu tun haben könnte; vielleicht sogar mit der Hörsaalräumung im Zuge der Bildungsproteste durch die Polizei im Dezember an der Uni Bochum, welche für »Toto und Harry« natürlich durchaus in Ordnung ging (Hausrecht und so). Der AStA-Vorsitzende der Ruhr-Uni will nicht ausschließen, dass es sich bei TäterInnen um Studierende handelt: »Polizisten auf dem Campus sind nicht akzeptabel (…) Die Kritik am Besuch von Toto und Harry ist berechtigt«.
Man kann gespannt sein, ob die beiden in Oldenburg auf viele Freunde treffen werden.

☞ »Mieser Anschlag auf Toto und Harry« Bild, 15. Ja­nu­ar 2010
☞ »Eins, zwei Polizei« Spiegel, 15. Ja­nu­ar 2010
☞ »Farbanschlag auf Toto und Harry« Indymeda, 16. Ja­nu­ar 2010
☞ »Totalschaden: Toto und Harry entsetzt« Der Westen, 16.​01.​2010

ein dutzend braunes

Am 13. Januar gab es vor dem Amtsgericht Wideshausen einen Prozess gegen den Harpstedter Neonazi Mario Müller, welcher sich wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung verantworten sollte. Seine KameradInnen meldeten am Tag vorher eine »Mahnwache« an und versammelten sich mit etwas mehr als einem Dutzend arischer Deppen aus Delmenhorst, Bremen und Tostedt und zwei Transis vor dem Gericht. Antifas aus der Region bekamen Wind von der Geschichte und mobilisierten über Nacht ebenfalls zu Ort des Geschehens. Knapp 50 Antifa machten sich auf den Weg, kämen jedoch auf Grund der großen Dichte von Dorfsheriffs nicht wirklich zum Zuge. Bitter war neben der gerichtlichen Entscheidung, das Verfahren gegen eine Auflage von 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit einzustellen, vorallem die anschließende Bewertung der Ereignisse durch den Kreis-Rechtsdezernenten des Landkreises Oldenburg Christian Wolf, welcher verkündete: »Diese Art der Auseinandersetzung war für uns ein Stück weit Neuland (…) Das ist aus unserer Sicht gut gelaufen«. Eine fast ungestörte (wenn auch äußerst armselige) Nazi-Mahnwache sieht man in Wildeshausen also als »gut gelaufen« an?

☞ »Kreis mit Ablauf der ,Mahnwache’ zufrieden« NWZ, 15.01.2010
☞ »Ihr gegen uns ist wie Alf gegen Hulk« Antifa DEL, 14.01.2010
☞ »Kein öffentliches Interesse« Recherche Nord, 13.01.2010
☞ »Fotogalerie« Recherche Nord, 13.01.2010

stadt der superlative

Ein weiterer Durchbruch im Streben Oldenburgs Richtung »Übermorgenstadt« und Kulturmetropole. Oldenburg erreichte nach Würzburg und Fürth den dritten Platz im bundesweiten Videothekenranking des »Zeit-Magazins«. Ganze 6,86 Videotheken pro 100.000 EinwohnerInnen zählt die »Zeit« und bietet gleichzeitig eine schlüssige Interpretation: »Wer böse sein will, interpretiert diese Karte (…) als eine Landkarte der Langeweile. Ganz vorne liegen Städte, die popkulturell eher unauffällig sind.«

☞ »Wo gibt es die meisten Videotheken?« Zeit-Magazin, Januar 2010