»unpopuläre wege«

»Während anderswo Kameras schon lange Brennpunkte überwachen, gilt dies vielen Oldenburgern noch als Tabu. Doch im Sinne unserer aller Sicherheit muss man bisweilen auch unpopuläre Wege gehen«, verkündete (mal wieder) Jasper Rittner, der Leiter der NWZ-Lokalredaktion. Der momentane Vorwand: 29 Fälle von »gefährlicher Körperverletzung« im Jahr 2009 nach dem nächtlichen Konsum von Cheeseburgern.
Wie schon desöfteren berichtet [1] [2] [3] sollen (nun angeblich Anfang kommenden Jahres) zwei Videokameras den Lappan und die Lange Straße zwischen Lefferseck und Heiligengeistwall überwachen. »Die Installation der Videosysteme läuft bereits«, behauptet Polizei-Chef Johann Kühme gegenüber der NWZ. Soweit also der derzeitige Stand des von Polizei, Innenminsteriums und NWZ vor etwa 5 Jah­ren be­gon­nen Kreuzzugs für die Vi­deo­über­wa­chung des of­fent­li­chen Raums in Ol­den­burg. Freilich änderten sich die Argumentations-Koordinaten der BigBrother-ProtagonistInnen – mal waren es DrogendealerInnen, pöbelnde Punks oder aktuell gewaltbereite FastFood-Fans, die die Kameras scheinbar unvermeidlich machten; mal war der Stau, der Lappan oder aktuell eben das Lefferseck der Kriminalitätsschwerpunkt. Ins Grübeln gerieten dadurch jedoch die Wenigsten. Auch das selbst der niedersächsische In­nen­mi­nis­ter Schü­ne­mann eingestehen musste, dass Videoüberwachung wohl kaum in der Lage ist »Verbrechen« zu verhindern, wurde ebenso ignoriert, wie polizeieigene Statistiken zur Jugendgewalt [Info]. Also schnell ein paar Kameras installieren – die passenden Argumente kann man dann immer noch zurechtkonstruieren.
Parallel dazu soll ab dem 1. Februar auch eine freiwillige Sperrstunde [1] [2] [3] zwischen 5 und 7 Uhr morgens in Kraft treten. Zwar weiß noch nicht mal die NWZ so wirklich, was das bringen soll (»Zwar sind Schlägereien in der Regel vor 5 Uhr nachts zu beobachten. Die Idee ist aber, dass die Feiernden nicht mehr so spät und daher mit weniger Alkohol intus in die Innenstadt ziehen.« [NWZ, 29.12.09] – Logisch???), aber trotzdem sollen da natürlich alle mitmachen. Kleine Anekdote am Rande: Die Stadt hat alle Gastronomiebertiebe angeschrieben, sich bis zum 15. Januar zur freiwilligen Sperrstunde zu äußern. Melden sich die Betriebe nicht, wird ihr Schweigen als Zustimmung gewertet – so läuft das halt in einer Demokratie. Sicher ist halt sicher…

… In Oldenburg ist sowas zum Glück aber noch immer »unpopulär«. Hier wollen viele ihre ohnehin schon kargen Freiheiten nicht einfach so aufgeben. Und so wird sich zeigen, ob die OldenburgerInnen den KontrollfanatikerInnen vom Typ Kühme und Co. ihre Stadt wirklich einfach so überlassen.

☞ »Immer mehr Gewalt in der Innenstadt«, NWZ vom 29.​12.​09
☞ »Polizei unterstützen«, NWZ vom 29.​12.​09


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