Archiv für November 2009

l@s estudiantes no somos terroristas

Passend zu den Bildungsprotesten, die seit Donnerstag auch Oldenburg errreicht haben, präsentiert der Infoladen »Roter Strumpf« eine Infoveranstaltung zur Studierendenbewegung in Kolumbien. Am Montag, dem 23. November werden im Alhambra ab 20.30 Uhr AktivistInnen aus Kolumbien über die aktuelle Lage der Hochschulen und der Studierendenbewegung berichten. Hier nun der Ankündigungs-Text: »Das Leben in Kolumbien ist von großen Gegensätzen geprägt. Ein großer Teil des Landes gehört einer kleinen Elite, während die Mehrheit der Bevölkerung stark benachteiligt und mit Gewalt unterdrückt wird. Die Notlage Kolumbiens ist in jedem Bereich des Lebens spürbar. Die Universität stellt keine Ausnahme dar. Sie wird als Ort des sozialen und politischen Austauschs privatisiert und die Studierendenbewegung brutal bekämpft. Hochschulpolitik und die politische Situation des Landes sind nicht zu trennen. In der Veranstaltung wird über die aktuelle Lage der Hochschule und der Studierendenbewegung berichtet.«

brennnpunkt berlin

n.icht w.irklich z.uverlässig

Nachdem sich unsere Provinzpresse NWZ am 26. Oktober 2009 mal wieder zum informellen Zentralorgan von Polizeichef Johann Kühme machte und verkündete, »dass jetzt sogar Straf­tä­ter, die eine Frau über­fal­len haben, von Be­su­chern des Al­ham­bra un­ter­stützt wer­den« [Info], dürfte nun Katerstimmung in der NWZ-Lokalredaktion eingekehrt sein. Denn in der heutigen Ausgabe erschien an zenralem Ort eine Gegendarstellung vom »Vorstand des Vereins zur Förderung eines Aktions- und Kommunikationszentrums in Oldenburg e.V.«, die die betreffenden Geschehnisse ein wenig anders beleuchtet. Der Abdruck erfolgte freilich nicht freiwillig, sondern aufgrund von § 11 des Niedersächsischen Landespressegesetzes. Sehr amüsant. Zur Ehrenrettung ihrer ach so objektiven Berichterstattung betonte die NWZ jedoch abschließend, dass Kühme noch einmal seine Darstellung bestätigte. Ob er wohl auch noch Schiffbruch erleiden wird? Naja – wie dem auch sei – hier nun die Gegendarstellung: (mehr…)

nichts ist vergessen! niemand ist vergessen!

Am gestrigen »Erinnerungsgang« zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome von 1938 beteiligten sich an die 700 Leute. Der Gang führte von der ehemaligen Polizeikaserne am Pferdemarkt zum Gerichtsgefängnis. Auf dem selben Weg wurden am 10. November 1938 die etwa 40 verhafteten jüdischen Oldenburger in Gefängnis getrieben, von wo aus sie anschließend in das KZ Sachsenhausen deportiert wurden.

wer seid das ihr?

Seit mehreren Monaten sind am Lappan und am Julius-Mosen-Platz neue (auf den Straßenverkehr ausgerichtete) Kameras zu sehen, die bei Vielen die Frage aufkommen ließ, ob dies die Vorboten der schon lang angekündigten polizeilichen Video-Überwachung der Innenstadt sind. Vorallem, da es sich bei diesen Kameras um Modelle der Firma »Mobotix« handelt und diese damit wirbt, dass die Kameras »ereignisgesteuert aufzeichnen und Video mit Ton langfristig digital speichern« können.

Um Licht ins Dunkel zu bringen hat die »Oldenburger Rechtshilfe« eine Anfrage an das Amt für Verkehr und Straßenbau gestellt, dessen Antwort nun vorliegt. Demnach »zeichnen (die Kameras) keine Videobilder auf und die Auflösung ermöglicht keine Erkennung von Personen oder Kennzeichen. Die Kameras sollen der Verkehrsbeobachtung bzw. Betriebsüberwachung und Anschlusssicherung der VWG dienen, aber nicht der Verkehrsüberwachung. (…) Eine akustische Überwachung wird vom Hersteller für diese Kameras standartmäßig angeboten. Für den Einsatz in Oldenburg wurde diese Elektronik aber bereits im Werk dauerhaft außer Funktion gesetzt, so dass keine akustische Überwachung möglich ist«.
So weit, so gut.

»das hat’s bei uns nicht gegeben!«

Vom 17.11. – 13.12.09 gibt`s im Verwaltungszentrum der GSG (Straßburger Str. 8, Oldenburg) die Ausstellung »Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ Antisemitismus in der DDR« [pdf.-Datei]. Präsentiert wird die Ausstellung der »Amadeu-Antonio-Stiftung« vom »Förderverein Internationales Fluchtmuseum Oldenburg« und der »Rosa Luxemburg Stiftung«. (mehr…)

ol crime, part 15

Pressemeldung der Polizei Oldenburg vom 08.11.2009 | 14:51 Uhr:
»POL-OL: Am Sonntag, 08.11.09, gegen 01.35 Uhr, wurde durch einen Zeugen mitgeteilt, dass drei Jugendliche das beleuchtete Schild der Polizeistation Bloherfelde, in der Kennedystraße, beschädigen. Bei Eintreffen der Funkstreifenwagen flüchten drei Personen, welche aber in einem Gebüsch in Tatortnähe gestellt werden konnten. Da nicht nur das Schild vollkommen zertrümmert, sondern auch der gemauerte Sockel eingerissen wurde, wird der Schaden auf ca. 1000,- Euro geschätzt. Die 17 und 19 Jahre alten Oldenburger bestreiten, etwas mit der Tat zu tun zu haben.«


☞ Mehr »Kriminalität« gibt es hier.

wahre worte #4

Äußerst gelungenes Zeitdokument vom Abriss der Landessparkasse am Schlossplatz in diesem Sommer. Gefunden bei [oldenblicke].

aus mit grau?

Schock, schwere Not! SPD und Grüne wollen Autobahnbrücken, Bahnunterführungen und die Wand am Bundesbahnweg als freie nutzbare Flächen zum Sprayen zur Verfügung stellen. Präventionsrat und Bürgervereine sind entsetzt, waren sie es doch, die in den vergangenen Jahren viel Kohle, Zeit und Mühe investiert, um bunte Graffitis auf diesen Flächen mit einem lebensbejahenden grau zu verschönern [Info]. »Die Brücken sollte man nicht für legale Graffiti freigeben«, sagt Harald Götting, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Stadtoldenburger Bürgervereine. Sein Vorstandskollege Hans-Günther Zemke ergänzt: »Es war schließlich eine mühevolle Arbeit, diese Flächen sauber zu halten«. Olaf Klaukien, Vorsitzender der CDU Oldenburg, legt da natürlich auch nochmal nach: »Der Vorschlag von SPD und Grünen führt zur Verschandelung des Stadtbildes«. SPD und Grüne würden sich zu Lobbyisten von Straftätern machen, denn »Wer fremdes Eigentum beschädigt, muss zunächst bestraft werden«.

SPD und Grüne kontern bisher ziemlich souverän: Zwischen »Schmierereien« und »Kunst« eine trennscharfe Linie zu ziehen, »kann selbstverständlich schwierig sein, und hat viel mit dem persönlichen Geschmack und der kulturellen Aufgeschlossenheit des Betrachters zu tun«, so Christoph Sahm und Krister-Benjamin Schramm. Respekt.

erinnerungsgang 2009

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten überall in Deutschland die Synagogen. Jüdische Geschäfte wurden zerstört und jüdische Männer verhaftet. Auch in Oldenburg ereignete sich diese »Katastrophe vor der Katastrophe« vor den Augen der EinwohnerInnen: Die Synagoge an der Peterstraße ging in Flammen auf. Am Morgen des 10. November mussten die verhafteten Oldenburger Juden von der Polizeikaserne am Pferdemarkt durch die Innenstadt zum Landesgerichtsgefängnis gehen. Am nächsten Tag wurden sie in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Seit 1981 wird mit einem Schweigemarsch den jüdischen OldenburgerInnen gedacht, welche dem deutschen Rassenwahn zum Opfer fielen. Der diesjährige Erinnerungsgang [Info] zum 71. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 findet am Dienstag, dem 10. November 2009, um 15.00 Uhr statt. Der Sammelpunkt ist der Innenhof der Landesbibliothek am Pferdemarkt. (mehr…)

»wir müssen bleiben – nicht opel«

Der Arbeitskampf der Opel-ArbeiterInnen in Deutschland verliert sich zunehmens in dumpfen Standortnationalismus, verkürzter Kapitalismuskritik und freiwilligem Lohnverzicht. Dazu (und zu kleinen Hoffungsschimmern) nun hier der Artikel »Stunde der Populisten« von Peter Nowak, erschienen am 04.11.2009 bei »Telepolis«: » Gewerkschaften und Politiker, die eben noch zum Lohnverzicht für die Rettung unter Magna aufgerufen haben, empören sich darüber, dass GM weiter im Geschäft bleiben will. (mehr…)

abortion democracy

»Laut WHO stirbt alle sieben Minuten auf der Welt eine Frau an den Folgen eines medizinisch nicht korrekt durchgeführten Schwangerschaftsabbruchs. Das verdeutlicht, dass Frauen gesellschaftlichen Konstellationen ausgesetzt sind, die sie dazu bringen, für die Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Der Slogan »Mein Bauch gehört mir«, mit welchem die Frauenbewegung für das weibliche Recht auf Selbstbestimmung in allen die Reproduktion betreffenden Fragen eintrat, ist für die allermeisten Frauen weltweit noch ein fernes Ziel. Dennoch gibt es international nur sehr wenige Bestrebungen, diesem Problem konsequent entgegenzutreten, während gleichzeitig illegale Abtreibungen weltweit zu einem lukrativen Geschäft geworden sind.«

Das »Autonome Feministische Referat« der Carl-von-Ossietzky-Universität hat Sarah Diehl eingeladen, welche Ausschnitte aus ihrem neuen Film »Abortion Democracy: Poland and South Africa« vorzustellen wird. Das Ganze findet im Rahmen es »Subklub« in der Alhambra-Kneipe statt und zwar am nächsten Dienstag, dem 10. November um 21.00 Uhr.

»was tun, wo es brennt«

Am nächsten Freitag, dem 13. November gibt es mal wieder eine spannende Veranstaltung im Infoladen Bremen (St. Pauli-Str. 10-12). Unter dem Titel »Was tun, wo es brennt. Eine kleine Geschichte des autonomen Antifaschismus« findet dort von 19.00-21.30 Uhr eine Diskussionsveranstaltung mit Daniel Schlüter (Hamburg) statt. Hier nun der Ankündigungstext: »Lange Zeit hatten Antifas in der Linken einen Ruf, wie der Torwart eines Fußballteams. Zwar sagt es keiner laut, aber alle glauben zu wissen: er hat eine Macke. (mehr…)

freiheitlich-demokratische grundordnung

neue alhambra-zeitung

Die November/Dezember-Ausgabe der »Alhambra-Zeitung« ist jetzt online. Passend zur herbstlichen Melancholie überschrieben mit »Bonjour tristesse!« erwarten euch u. a. Texte zu Feminismus und Patriarchatskritik, den Black Panther, den wilden Streiks im September 1969, linken Bewegung und sozialen Kämpfen, zum Iran, Honduras und 30 Jahren Soli-Bewegung mit Nicaragua, sowie ein Text von Loic Wacquant über Prekarität, Rassismus und Gefängnis in den USA. Die gelungene Ausgabe gibt es hier als pdf.-Datei (2,4 MB) … adieu tristesse!