polzeisportverein vs. VfB-supporter

Beim Heimspiel des VfB Oldenburg gegen Kickers Emden am 22. November 2009 haben die Bullerei, oder genauer gesagt das Oldenburger BFE, und die Sicherheitsbeauftragten des VfB mal wieder ihre ganz eigene Demokratie-Definition zum Besten gegeben…

☞ Hier zwei Stellungnahmen aus der Oldenburger Fanszene:

»Commando Donnerschwee«, 22. November 2009:
Heute Nachmittag sollte ein Spiel unseres VfB gegen den Rivalen aus Emden statt finden. Geil, ein echter Grund, alles zu geben! Aber trotzdem keine Stimmung im Fanblock!? Was war da denn los?
Um 12 Uhr haben sich dann einige Leute im und am FP versammelt, um gemeinsam den Weg zum Stadion anzutreten. Es erschienen die Damen und Herren der berühmt-berüchtigten Oldenburger BFE. Man musste feststellen, dass diese ihrem Ruf gerecht werden wollten, denn diese versammelten sich plötzliche vor dem FP. Dies geschah zu dem Zweck, nun willkürlich irgendwelche Leute heraus zu suchen und deren Personalien aufzunehmen. Unter den kontrollierten Personen waren keine Gewalttäter, sondern durchweg friedfertige Leute, besonders ältere wunderten sich, dass sie plötzlich an die Wand gedrückt wurden.
Die Emder kamen per Zug und wie man im Stadion sehen sollte, war es ein recht überschaubares Grüppchen (der emder Supportkern um die GE boykottierte wegen SV). Und dafür dieser ganze Aufwand…
Am Stadion sollten dann einige Fanutensilien (z.B. die Trommel) aus einem Auto in einer Seitenstraße in das Stadion transportiert werden. Etwa 10 Personen gingen zum Auto. Es folgte eine Schlange von mehreren Polizeiwagen hinter uns, der räumlich nächste kündigte sich durch die Megaphonansage „aus dem Weg“ an. Kurze Zeit später wurde die Personengruppe angehalten und es gab eine Ansprache sowie zwei Personalienaufnahmen, weil man rechtswidrig auf der Straße gelaufen sei. Fragt sich nur, wo man sonst laufen sollte, gab es doch keinen Bürgersteig an der Seitenstraße. Dies empfanden viele als sehr seltsam, genauso aber auch der Inhalt der Ansprache, wenn man sich nochmals rechtswidrig verhalte gäbe es Festnahmen. Besonders zu erwähnen wäre auch der Kommentar: „Na, sonntags mal wieder schön die Fresse aufmachen?“, eines Polizisten. Unfassbar. Natürlich gab es noch weitere Gefährderansprachen und man hatte so dass Gefühl, als Fan wird man besonders als gesellschaftlicher Rand dargestellt. Dann ist es doch auch kein Wunder, wenn Straftäter rückfällig werden.
Kurze Zeit später standen wir mit Zaunfahnen und den weiteren Fanutensilien am Eingang. Einige Schikanen gab es auch hier zu spüren. Fans mussten sich vieler Kleidungsstücke entledigen (Schuhe und Socken ausziehen bei nassem Boden ist nicht so angenehm), teilweise mussten sämtliche Geldscheine aus der Geldbörse komplett entrollt werden, um nachzusehen, ob sich ein Knallkörper darin befindet.
Nicht zu vergessen, das alles lief im „heimischen“ Stadion ab. – Aber davon nicht genug. Es folgte der Hinweis: „Die Zaunfahnen bleiben heute im Rucksack, Risikospiel“. Dieser Geniestreich brachte das Fass bei uns endgültig zum Überlaufen. Die Reaktionen waren unterschiedlich, aber allesamt schockiert. Letztendlich entschieden wir uns dazu, ins Stadion zu gehen und uns dort auf die Stehränge zu setzen.
Vielen Dank an alle, die sich mit uns solidarisiert haben!
Vereinzelt waren trotzdem Gesänge anderer Oldenburger Fans zu vernehmen. Möglicherweise hängt das aber damit zusammen, dass wir nicht direkt jedem Einzelnen unsere Beweggründe erklären konnten.
Von den ca. 100 Emdern wurde noch einer oben drauf gesetzt. Erst zeigte man Spruchbänder gegen den modernen Fußball, dann wurde unser Supportboykott mit „Warum seid ihr Fotzen so leise?“, kommentiert. Gruß nach Emden, dann muss man sich doch gar nicht wundern, wenn die Kickers von keiner Fanszene ernst genommen werden. Besonders, wenn man in Betracht zieht, dass wir noch durch Spruchbänder allgemeine Solidarität gegen Stadionverbote auf Verdacht (-wäre es nicht so traurig, hätten wir gelacht!), bekundet haben.
Viele von uns entschlossen sich dann, früher aus dem Stadion zu gehen, um sich zu den
Stadionverbotlern zu gesellen. Dies erwies sich als der richtige Schritt, immerhin hatte man zusammen doch noch ein bisschen Spaß bei der Rückreise, außerdem ging das langweilige Spiel nur 0:0 aus, wir haben also nicht viel verpasst.
Der heutige Tag ist schwer zu verarbeiten, es hat sich wieder mal ein neues Maß an Repression offenbart, an der nicht nur die Polizei, sondern auch der Verein schuldig ist. Wenn selbst alteingesessene Fans am Ende des Tages traurig mit uns an einem Tisch sitzen und sagen: „Scheiße, dass habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt“, ist das ein Anzeichen dafür, dass hier gerade einiges verkehrt läuft.
Wenn wir nun weiter machen wie bisher, ändert sich nichts und beim nächsten Spiel ist wieder ein Sichtschlitz unter den Fahnen erforderlich, beim nächsten Derby dürfen wieder keine Fahnen vor dem Block hängen. So weiter zu machen, als wäre nichts gewesen, ist nicht unsere Art, denn heute haben wir gemerkt wie wenig Spaß es doch manchmal machen kann und wie wenig Akzeptanz wir vom Verein bekommen. Für uns ist ein gewisses Maß überschritten worden, ab dem die Unterstützung des Vereins tatsächlich nur noch an zweiter Stelle steht. Bedingungsloser Support steht nicht über Wohlsein der Kurve.
So wie wir uns für den Verein abmühen, alles was wir haben für ihn opfern, immer dabei sind, können wir als logischen Schritt nur die Forderung stellen, dass wir unsere Fankultur frei und ohne derlei Einschränkungen ausleben können.
Solange uns der Verein nicht dieses Minimum an Respekt zugesteht, kann die Folge also nur sein:
-wir werden ab nun bei allen Heimspielen den Support boykottieren, bei denen es Einschränkungen der Fankultur gibt, auswärts geben wir wie gewohnt Vollgas
-wir stellen unseren Mitgliedern frei, ob sie die Spiele unter Supportboykott im Stadion verfolgen wollen oder nicht
-es wird eine spezielle Stellungnahme für den Verein geben, wir werden außerdem das Gespräch mit dem Verein suchen
-die Spieler werden benachrichtigt, dass sich nichts davon gegen sie richtet, im Gegenteil: Sportlich läuft es unserer Meinung nach bestens
Wir bitten (zwingen werden wir niemandem) alle Einzelpersonen und Fangruppierungen im Fanblock darum, es uns nach zu tun, denn wenn wir als geschlossene, gemeinsam starke Fanszene auftreten, erreichen wir auf kurz oder lang unsere Ziele! Wir müssen zeigen, dass wir eben nicht alles hinnehmen, was uns vorgesetzt wird, das macht eine starke Fanszene aus.
Du bist gefragt. Überlege für dich, ob diese Verhältnisse wirklich tragbar sind und versetze dich in die Lage der Personen, die ihre Freizeit und ihr Geld opfern, damit es im Stadion eben nicht so kahl, kalt und grau aussieht. Wir wollen nicht spalten, im Gegenteil, wir wollen verbessern!
In diesem Sinne, ES REICHT!

»Oldenburger FanInitiative«, November 2009:
Wir, die Oldenburger FanInitiative (kurz OFI) protestieren aufs Schärfste gegen das Verhalten der Polizei vor und nach dem Heimspiel des VfB Oldenburg gegen Kickers Emden am 22. November 2009. Vor Heimspielen findet in den Räumlichkeiten des Fanprojektes in der Bahnhofsstraße/Ecke Gottorpstraße regelmäßig ein Zusammentreffen verschiedener VfB-Fans statt, um letzte Vorbereitungen für das Spiel zu treffen, sich auszutauschen oder einfach nur gemütlich etwas zu trinken. Im Rahmen dieses Treffens kam es bisher noch nie zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Gegen 12.30 fuhren plötzlich mehrere Mannschaftsbullys der BFE (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit), eine Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei, vor und kesselten Fußballfans ein, die vor dem Fanprojekt herumstanden. Personalien wurden aufgenommen und die gerade Festgenommenen mussten sich mit gespreizten Beinen und den Händen an der Häuserwand wie Verbrecher durchsuchen lassen. Obwohl diese Einheit, deren Hauptaufgabe das Beweissichern und Festnehmen ist, in Oldenburg stationiert ist, hat sie offensichtlich keine Ahnung von der Oldenburger Fanszene und der Funktion der Oldenburger FanInitiative und des Fanprojektes.

Fußballfans, die die Räumlichkeiten verlassen wollten, wurde die Festnahme angedroht. Anderen Personen, die sich nach Sinn und Zweck dieser Maßnahme erkundigten, wurden beschimpft und zurückgeschickt. Eine kurze Info, wie: „Die Emder Fans sind gerade auf dem Weg zum Stadion und wir wollen nicht, dass ihr jetzt mit denen zusammentrefft“, hätte uns diesbezüglich gereicht. Stattdessen gingen die Polizisten während ihres Einsatzes äußerst aggressiv und bedrohlich vor, verweigerten die Angabe ihrer Dienstnummer und ließen die 30 Besucher innerhalb des Fanprojektes im Unklaren.

Vor dem Stadion gingen die Repressalien weiter. Junge Fußballfans fragten einen Polizisten, ob sie ihre Supportmaterialien (Zaunfahnen, Fahnen, Doppelhalter) aus dem Auto holen könnten. Nachdem ihnen dieses genehmigt und dieses auch per Funk durchgesagt wurde, wurden die jungen Fußballfans plötzlich von vier Einsatzwagen und mehreren BFE-Polizisten verfolgt und festgehalten. Da die BFE eine eigene Einsatzleitung hat, ist sie auch nicht an die Worte ihrer Kollegen gebunden. Den jungen Fans wurde nun ein Verkehrsdelikt vorgeworfen. Sie liefen in dieser Stichstraße vom Marschweg, die mal gerade Platz für anderthalb Autobreiten und entsprechend keinen Bürgersteig hat, auf der Straße. Ordnungsgemäß wäre es gewesen, wenn sie wie am Schnürchen hintereinander am Fahrbahnrand gelaufen wären. Diese Regelwidrigkeit kostete die „Jungverbrecher“ eine Durchsuchung und eine Personalienaufnahme.

Beim Einlass ins Stadion wurde schikanös kontrolliert. Fußballfans mussten ihre Schuhe und ihre Socken ausziehen und standen barfuß auf dem nassgeregneten Pflaster. Wieder kam es zu Kontrollen, bei denen junge Leute mit erhobenen Händen und gespreizten Beinen an einer Mauer stehen mussten. Wir wollen lediglich ein Fußballspiel sehen und es kann nicht im Sinne des VfB Oldenburg sein, dass Fans und Zuschauer auf diese Art und Weise behandelt werden.

Das Aufhängen von Zaunfahnen vor dem Block wurde uns aus sicherheitstechnischen Gründen verboten. Es würde angeblich die freie Sicht in den Fanblock behindern. Hintergrund ist, dass wir von der Haupttribüne aus von der Polizei gefilmt werden. Uns ist durchaus bewusst, dass VfB-Fans seit den Ausschreitungen nach dem Goslarspiel unter besonderer Beobachtung stehen. Trotzdem halten wir diese Maßnahme für grundlegend falsch. Es trifft die Leute, die kreativ und mit ihrer Stimme den VfB Oldenburg unterstützen wollen. Hooligans verstecken sich nicht hinter unseren Zaunfahnen. Nichts, an das wir uns erinnern könnten, wäre mit abgehängten Zaunfahnen verhindert worden. Aufgrund eines von uns ausgehenden Verzichtes auf das Abbrennen von Pyrotechnik wurde im Marschwegstadion seit vielen Jahren nicht mehr „gezündelt“. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die getroffenen restriktiven Maßnahmen entstanden aus purem Aktionismus und sind nicht nur unwirksam, sondern kontraproduktiv, weil sie die Falschen treffen.

Vor dem Anpfiff wurde ein Brief des Vorstandes des TSV Havelse von unserem Stadionsprecher öffentlich verlesen, in dem das vorbildliche und friedliche Verhalten der VfB-Fans am vorhergehenden Wochenende lobend erwähnt wurde. Als Dank dafür, bekommen wir härtere Auflagen und Schikanen und wir werden wie Gewaltverbrecher behandelt. Das Spiel gegen Kickers Emden wurde als Risikospiel eingestuft. Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung ging aber an diesem Sonntag weder von den VfB-Fans noch von den Kickers-Fans aus, die sich beide tadellos verhalten haben. Die Gefahr ging diesmal von der Polizei aus, bei denen die eine Hand nicht wusste, was die andere macht und die planlos und unverhältnismäßig auf Fußballfans losging, weil sie es nicht anders gelernt hat.

Politiker und Verbandsfunktionäre reden über die Unterstützung und Initiierung von Fanprojekten als gewaltpräventive Maßnahme. Die Oldenburger FanInitiative betreibt das Oldenburger Fanprojekt bereits seit über 11 Jahren aus eigenen Mitteln und bietet damit jungen Leuten eine Alternative für ihre Freizeit. In unseren Räumen wird gebastelt, gezeichnet und gemalt. Fangruppen treffen sich dort und denken sich neue Choreografien oder neue Gesänge für das Stadion aus. Politiker oder Verbandsfunktionäre haben sich bisher noch nicht sehen lassen. Eine finanzielle Förderung von der Stadt können wir aufgrund der leeren Haushaltskassen ohnehin nicht erwarten, aber es wäre vorteilhaft, wenn uns nicht auch noch von Seiten der Polizei und der Stadt Knüppel zwischen die Beine geworfen werden.


1 Antwort auf “polzeisportverein vs. VfB-supporter”


  1. 1 /\\\\ 02. Dezember 2009 um 15:25 Uhr

    Zu den Top ausgebarbeiteten Texten kann man nur hinzufügen, das wir als 8er Gruppe in der nähe des FP’s zwischen bahnhof und FP eingekesselt wurden, um aufgeschrieben zu werden, soweit so gut.

    Allerdings verlor der eine Polizist, der wohl ganz nen dicken hatte, den ausweis eines freundes.

    Ich fügte wohlwollen hinzu, ‚‘das der ausweis wohl nicht verloren gegangen ist, sondern bloß zwischen die sitze gerutscht ist.'‘

    Da dieses jedoch von einem dunkelhaarigen, und schon mehrfach auffällig aggressiv aufgefallenen BFE-Beamten mit ‚‘Halt deine Fresse , du klappspaten'‘ kommentiert wurde, ging ich davon aus, das die beamten schon wissen was sie tuen. als der besagte perso dann nun zwischen den sitzen der beiden fahrzeugführer aufgefunden wurde, war das gelächter groß:)

    später wurde , als wir das stadion verließen, um dezent zu protestieren, den emdenern ausserhalb des stadions zu zeigen, das wir (…) leise sind (…), weil wir die bedingungen nicht aktzeptieren und um mit den stadionverbotlern zu reden, spuckte ein angetrunkener fan in meinem beisein einem rechts außen laufenden Bfe polizisten aus einer 4er-patroullie ans bein. sie waren gerade auf dem rückweg von der besagten ‚‘dürfen wir unsere fahnen aus dem auto holen'‘-aktion.

    Das anrotzen nicht grade menschlich ist, ist schwer zu verkennen. allerdings wurde der besagte, sonst mir als firedlich bekannte fan gepackt, angebrüllt, (mit sehr feuchter aussprache) und dann hinter ein auto gezerrt. dort wurde einwandfreie selbstjustiz betrieben in dem erst sein kopf, dann die köpfe der polizisten hinter autos verschwanden, um in richtig, richtig einzuschenken. die besagte person wurde, ohne gegenwehr geleistet zu haben traktiert und mehrere polizisten setzten sich auf drauf.

    als er dann wie ein schwerverbrecher total verkrümmt und verbogen und mit augenscheinlichen gelenküberdehnungen durch ach so ungefährliche polizeigriffe abgeführt wurde, wurde unser protest natürlich laut. ein beamter griff sofort an sein ohr und holte sich 30 mann dazu, um uns 10 minuten festzuhalten.

    der besagte fan bekam wohl nur eine verwahrnung, das ist wohl darauf zurückzuführen, das er in einem verfahren hätte amtlich unter eid erzählen können, was ihm so alles angetan wurde.

    BFE 81, wenn ihr meint, die sache sei vergessen habt ihr euch geschnitten. (…)
    grrrr♥

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