»graffiti-kritischer Teil«

Die Debatte um »Legale Graffitiflächen« in Oldenburg geht weiter – allerdings nun mit geänderten Vorzeichen. Wurden über Jahre hinweg aus SprayerInnen Schwerkriminelle konstruiert und die Graumacher vom »Oldenburger Präventionsrat« zu Helden in schillernden Rüstungen stilisiert, bettelt nun der Vorsitzende des Präventionsrats, Gerd Koop darum, beim Thema Graffiti überhaupt noch gefragt zu werden (»Wir würden uns gerne daran beteiligen, legale Graffitiflächen zu suchen. (…) Ich glaube, dass sich eine gemeinsame Position finden lässt, auch mit dem Arbeitskreis Graffitikultur.« – hört, hört!). Denn inzwischen gibt es in Oldenburg eine große Lobby für`s Bunte – und mit dem »Arbeitskreis Grafittikultur in Oldenburg (AKGO)« auch so etwas wie eine Interessenvertretung der SprayerInnen.

Und während z.B. SPD-Ratsherr Christoph Sahm nun die »Erfahrung und Kompetenz des Präventionsrats nutzen (will), auch um den Graffiti-kritischen Teil der Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen« [NWZ], vertritt z.B. Christine Arndt (Die Linke) die wohl einzig vernünftige Position – sie lehnt eine Zusammenarbeit mit dem »Präventionsrat« ab und sagte: »Wir wollen, dass den lange Jahre vernachlässigten Sprayern Freiraum gegeben wird«. Wurde auch wirklich Zeit.


5 Antworten auf “»graffiti-kritischer Teil«”


  1. 1 Administrator 24. November 2009 um 21:52 Uhr

    NWZ, 24.11.2009:

    SPD will Präventionsrat jetzt doch als Partner
    GRAFFITIDEBATTE Möglichst breites Bündnis angestrebt – Verantwortung für Flächen soll aber bei Sprayern liegen

    DIE ABLEHNENDE HALTUNG DES JUGENDHILFEAUSSCHUSSES WEICHT AUF. KONTROLLE DÜRFE ABER NICHT SEIN.

    VON THORSTEN KUCHTA

    OLDENBURG – Das Projekt „Legale Graffitiflächen“ soll ohne Mitwirkung des Präventionsrats laufen – so wollte es die Mehrheit im Jugendhilfeausschuss (NWZ berichtete). Dabei wird es offenbar nicht bleiben: „Wir haben Gespräche mit dem Präventionsrat geführt, und auch die Sprayer haben direkt nach der Sitzung mit dessen Vertretern gesprochen“, sagte SPD-Ratsherr Christoph Sahm.

    Seiner Meinung nach sollte man Erfahrung und Kompetenz des Präventionsrats nutzen, auch um den Graffiti-kritischen Teil der Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen: „Dafür ist der Präventionsrat einer der wichtigsten Partner.“ Dass der Ausschuss das nicht wollte, führt Sahm als einer der Initiatoren des Projekts auf „Formulierungsprobleme in der emotionalen Debatte“ zurück. Sahm präzisiert: „Wir wollen, dass Sprayer die Wände eigenverantwortlich betreuen – mit allen Rechten und Pflichten. Wir wollen nicht, dass der Präventionsrat allen Vorhaben zustimmen muss.“ Er solle Partnerfunktionen übernehmen.

    Christine Arndt (Linke), die gefordert hatte, dass der Satz von Krister-Benjamin Schramm (Grüne) „in Abstimmung mit dem Präventionsrat“ aus dem Antrag flog, lehnt eine Zusammenarbeit weiter ab. „Wir wollen, dass den lange Jahre vernachlässigten Sprayern Freiraum gegeben wird“. Der Arbeitskreis Graffiti in Oldenburg (AKGO) im Stadtjugendring solle alleinverantwortlich agieren.

    Der Vorsitzende des Präventionsrats, Gerd Koop, sagte der NWZ: „Das Thema ist viel zu wichtig, als dass es zwei Gruppierungen mit unterschiedlichem Ansatz geben dürfte.“ Der Präventionsrat sei froh und dankbar, dass sich Möglichkeiten eröffneten, an einem Strang zu ziehen. „Wir würden uns gerne daran beteiligen, legale Graffitiflächen zu suchen.“ Man wolle keine Kontrolle ausüben, sondern Erfahrungen aus sieben Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Thema einbringen, die auch Überlegungen zu Flächen beinhalteten. Koop: „Ich glaube, dass sich eine gemeinsame Position finden lässt, auch mit dem Arbeitskreis Graffitikultur.“

    Ordnungsamtsleiter Ralph Wilken, der die in der Diskussion stehenden Sporthallen als Sprayer-Flächen besorgte, ist federführend im Arbeitskreis Graffiti des Präventionsrats. Er hofft, „dass wir etwas schaffen, das auf breiter Basis Verständnis findet“.

    Oldenburgs CDU-Vorsitzender Olaf Klaukien hatte im Vorfeld der Entwicklung am Montag den Beschluss des Ausschusses heftig kritisiert.

  2. 2 hk 24. November 2009 um 22:43 Uhr

    Pressemitteilung Stadtjugendring Oldenburg e.V., 16.11.2009:

    Stadtverschönerung durch Graffitikunst

    Prävention bedeutet alternative Wege gehenDer Stadtjugendring macht sich dafür stark, dass aus grauen(vollen) Autobahnbrücken und Bausünden farbenfrohe Stadtgebäude werden. Wir fordern, dass die Stadt Oldenburg zentrale und legale Arbeitsflächen für die GraffitikünstlerInnen zur Verfügung stellt.

    Der Stadtjugendring nimmt die Position des Präventionsrates und der Bürgervereinen zum Thema Graffiti mit Befremden zur Kenntnis und wundert sich darüber, dass der Präventionsrat seine Arbeit nur durch Aussprechen von Verboten umsetzt. Aus unserer Sicht bedeutet Prävention, dass für bestimmte Handlungsweisen auch und gerade alternative Lösungen angeboten werden. Hier wird deutlich, dass der Präventionsrat sich stärker und vor allem objektiver mit dem Thema Jugend und Jugendkultur auseinander setzen muss.

    Der Präventionsrat hat in der Vergangenheit mit den Spenden und den Fördermitteln der Stadt Oldenburg eine einseitige und wenig sinnvolle Aktion “Frischer Anstrich für Oldenburg” durchgeführt. Damals hat der Stadtjugendring kritisiert, dass Beseitigung von Sprayerflächen als Zielsetzung keineswegs über einen präventiven Ansatz verfügt. Aus der Sicht des Stadtjugendringes hat sich der Präventionsrat fälschlicherweise von kurzfristigen Erfolgen/Zielen leiten lassen. Aus unserer Sicht verspricht ein Informations- und Präventionsansatz mehr Erfolgschancen, wenn berücksichtigt wird, dass die GraffitianfängerInnen & -künstlerInnen gern legale Flächen bevorzugen, wenn ihnen solche geboten werden. Zudem hat der Präventionsrat bisher mit dem Stadtjugendring und der Graffitiszene keine Zusammenarbeit angestrebt. Weiterhin trägt das Klischeedenken sowohl der Bürgervereine und des Präventionsrates nicht dazu bei, dass Vorurteile gegenüber Graffitikunst entkräftet und die Toleranzgrenze in der Öffentlichkeit erweitert wird.

    In seinem Aktionskreis Graffitikultur Oldenburg (AkGO) befasste sich der Stadtjugendring im Juni dieses Jahres auf einem im OT-Bloherfelde organisierten Symposium “Graffiti- Jugendkultur zwischen Knast und Galerie” mit dem Thema Graffiti. Auf dem Symposium waren sich alle Akteure einig, dass Kompensationsflächen – legal angemeldete Flächen – das illegale Sprühen in Oldenburg vermindern würden.

    Der Stadtjugendring lädt alle Akteure der Graffitikultur ein, dem Jugendhilfeausschuss ihre Haltung zum Thema Graffiti mitzuteilen. Der Stadtjugendring wird alle ihm zugegangenen auch anonymen Stellungnahmen dem JHA übergeben und so zu einer fundierten Diskussion beitragen.

    Eine Übermorgenstadt kann nicht mit ewiggestrigen Argumenten ihren Jugendlichen eine kreative Form der persönlichen Entfaltung verwehren, sie muss Ihnen alternative Lösungen anbieten. Ferner unterscheidet der Stadtjugendring zwischen einer Prävention, was legale Flächen anbieten und über Konsequenzen illegaler Graffiti informieren bedeutet und der Postvention, was Graumalen als Nachsorge bzw. “Entsorgung” eines angeblich als “hässlich” bezeichneten oder “nicht verstandenen” Bildes oder Schriftzuges bedeutet.

  3. 3 Jan 25. November 2009 um 8:05 Uhr

    Waren Hacker am Werk oder warum ist die Startseite von http://www.praeventionsrat-oldenburg.de komplett auf Latein geschrieben? Kann das mal jemand übersetzen?

  4. 4 Jan 26. November 2009 um 15:53 Uhr

    Die Seite ist wieder normal. Waren wohl wirklich Hacker. :)

  5. 5 Administrator 29. November 2009 um 15:59 Uhr

    NWZ, 28.11.09:

    Viele Standpunkte – eine Blickrichtung
    GRAFFITI-DISKUSSION Jugendliche sollen durch offizielle Flächen von illegalem Sprayen abgehalten werden

    FARBSCHMIEREREIEN SIND NACH WIE VOR VERBOTEN. DER AKTIONSKREIS SUCHT NACH POTENZIELLEN WÄNDEN.

    VON JANTJE ZIEGELER

    OLDENBURG – Man blickt von verschiedenen Standpunkten aus in die gleiche Richtung und möchte in Sachen „Legale Graffitiflächen“ (NWZ berichtete) gemeinsam etwas auf den Weg bringen: Dies ist Fazit der öffentlichen Diskussion, zu der SPD-Ratsherr Christoph Sahm am Donnerstagabend eingeladen hatte.

    „Wenn es keine Flächen für Graffiti gibt, wir aber überzeugt sind, dass dies Teil der aktuellen Jugendkultur ist, können die Jugendlichen nur in die Illegalität abrutschen“, so Klaus Vogt vom Förderkreis Gemeinwesenarbeit Nordwest. Lukas Krieg (Jugendfreizeitstätte Offene Tür), der am Vortag zum Sprecher des Aktionskreises Graffitikultur in Oldenburg (AKGO) gewählt worden war, berichtete von Minderjährigen in Oldenburg, die sich über die Wiedergutmachungkosten für die durch ihr „Hobby“ entstandenen Sachschäden bereits mit bis zu 100 000 Euro verschuldet hätten – „wie sollen diese Jugendlichen denn ihr Leben starten?“

    „Es wird trotz freigegebener Flächen immer noch jene geben, die illegal sprayen. Dies wird nach wie vor nicht toleriert und mit staatlichen Mitteln verfolgt“, betonte Ordnungsamtsleiter Ralph Wilken. Gerd Koop, Vorsitzender des Präventionsrates, sagte: „Sollte sich herausstellen, dass das mit den legalen Flächen funktioniert, wird sich der Präventionsrat hinter das Bündnis stellen. Ich möchte aber die Jugendlichen aus der Szene bitten, mit Verantwortung zu diesem Projekt zu stehen. Dann trennen sich auch illegale Farbschmierer und legale Graffiti-Sprayer.“

    „Einen gewissen Prozentsatz an Leuten wird man mit diesem Projekt nicht erreichen“, räumte Jan Greve (AKGO) ein, „aber wichtig ist das Signal: ,Es wird etwas für Jugendliche getan.‘“ Dass man mit Anwohnern vor der Freigabe öffentlicher Flächen sprechen sollte, merkte Harald Götting (Stadtoldenburger Bürgervereine) an.

    Darauf, dass sich an den freigegebenen Flächen auch junge Sprayer ausprobieren dürfen müssen und nicht nur die Profi-Sprayer, wies Sahm hin. Mit dem TuS Bloherfelde stehe noch ein Gespräch im Dezember an, bevor dort eine Wand freigegeben werden könne. „Wir wollen Verantwortung erreichen bei jungen Leuten. Vielleicht durch Patenschaften, durch die dafür gesorgt wird, dass zum Beispiel kein Hakenkreuz an die Wand kommt. Dies könnte man sogar mit politischer Bildung verbinden“, merkte Krieg an.
    Von seiner spontanen Idee eines „Graffiti-Gartens“, in dem Wände zur freien Verfügung aufgestellt werden könnten, schwärmte Koop zwischenzeitlich. „Das ist gar nicht nötig“, erwiderte Krieg, „der AKGO hat bereits eine Sichtung freier Flächen gemacht. Viele Jugendliche wollen zudem einfach nur einmal sprühen und merken dann, ob das etwas für sie ist oder nicht.“ „Die Idee hört sich gut an“, fügte Greve hinzu, „aber die Realisierung würde wieder viel Zeit beanspruchen. Es muss aber jetzt etwas getan werden, wir brauchen sofort ein paar Wände gewisser Größe.“ Wer eine Fläche zur Verfügung stellen möchte für legales Graffiti, kann sich an den AKGO wenden: Tel. 999 37 80.

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