oldenburg brennt, part 1

Nachdem noch am Mittwoch in der NWZ berichtet wurde, dass die Bildungsproteste an Oldenburg komplett vorbei gehen und selbst ein AStA-Sprecher die Sinnhaftigkeit des Streiks in Frage stellte (»Wir befürworten zwar den bundesweiten Streik, doch wird sich dadurch nichts an der Gesamtsituation ändern«), scheinen die Studierenden endlich aufgewacht zu sein. Mit rund einwöchiger Verspätung startet am Donnerstag der Bildungsstreik auch in Oldenburg durch.

Und das konnte sich durchaus sehen lassen: Nach einer von einigen Studierenden initierten Versammlung im zentralen Hörsaalgebäude (A 14, Audimax) mit mehreren hundert Leuten wurde beschlossen, das Audimax auf längere Dauer zu besetzen. Und während die Einen begannen, Pläne für die nächsten Tage zu schmieden, besetzten um die 400 Leute die Verkehrskreuzung am Uhlhornsweg. Anschließend gab es eine nette Demo mit inzwischen etwa 650 Leuten in die City und zurück. Am Abend dann das nächste Grossplenum, einen Orchesterauftritt, lecker VoKü und eine kleine Party im Audimax. Auch über Nacht würde das Gebäude besetzt gehalten und am heutigen Morgen ging‘ s dann gleich weiter… Für Samstag, den 21.11.2009 ist um 11.00 Uhr am Lefferseck ein Sitz-Flashmob geplant, ansonsten soll auch das ganze Wochenende über das Audimax besetzt bleiben. Da geht so einiges! Heiße News gibt`s bei: www.oldenburg-brennt.de



Sehr, sehr schön, und mal wieder ein Beleg dafür, dass nur ein Protest der von der Basis kommt das Potential zum Widerstand hat.


7 Antworten auf “oldenburg brennt, part 1”


  1. 1 Administrator 20. November 2009 um 19:18 Uhr

    NWZ, 20.11.09:

    Oldenburger Studenten platzt der Kragen
    PROTESTE Spontane Demonstration durch die Innenstadt – In Wilhelmshaven Hörsaal der FH besetzt

    RUND 600 DEMONSTRANTEN GINGEN AUF DIE STRAßE. DAS UNI-PRÄSIDIUM ZEIGT VERSTÄNDNIS FÜR DIE AKTION.

    VON ASCAN DIEFFENBACHUND THOMAS HELLMOLD

    OLDENBURG/WILHELMSHAVEN – Der bundesweite Studentenprotest gegen schlechte Studienbedingungen ist – leicht verspätet – nun auch im Oldenburger Land angekommen. Am Donnerstag weitete sich eine zunächst im Hörsaalzentrum der Universität anberaumte Protestveranstaltung zu einem Marsch mit rund 600 Demonstranten durch die Oldenburger Innenstadt aus.

    An der Fachhochschule in Wilhelmshaven besetzten rund 150 Studenten den großen Hörsaal. Das dortige Präsidium stellte sich den Fragen der Studenten.

    Die Oldenburger Polizei lobte das disziplinierte Verhalten der Demonstranten. „Es gab keine Zwischenfälle“, sagte Einsatzleiter Reinhard Paluch.

    Der Protest richtet sich gegen die nach Ansicht der Studierenden unzumutbaren Bedingungen seit der Umstellung auf das Bachelor-/Mastersystem. „Wir wollen die gleichwertige Anerkennung der Abschlüsse an allen Studienorten im In- und Ausland“, sagt Birgit Oelbermann (Oldenburg). Zugleich fordern die Demonstranten die Abschaffung der Studiengebühren.

    Spontan entwickelte sich die Idee, die Kreuzung an der Uni zu besetzen. Als einzelne Lehrveranstaltungen aus Solidarität abgebrochen wurden und Studenten in die Pause gingen, bildete sich ein Demonstrationszug. Die Polizei spricht von 500 Teilnehmern, der Oldenburger AStA geht von 650 Demonstranten aus.

    An diesem Sonnabend um 11 Uhr soll am Lefferseck in Oldenburg ein Sitzstreik stattfinden. Zudem wollen die Studierenden einen „offenen Brief“ an die Landesregierung schreiben und weiterhin das Hörsaalzentrum besetzen.

    Die Universitätsleitung zeigte Verständnis für die Aktion. „Wir haben den Eindruck, dass unsere Studierenden sehr konstruktiv an die Sache herangehen“, sagte der Vizepräsident für Lehre, Prof. Dr. Mathias Wickleder, der NWZ. Er hatte das Gespräch mit den Demonstranten gesucht und den Studenten deutlich gemacht, dass auch das Universitätspräsidium Defizite bei den Bachelor-Studiengängen ausgemacht habe und entsprechende Korrekturen an der Uni Oldenburg vorbereite.

  2. 2 Administrator 20. November 2009 um 19:19 Uhr

    Die Linke, 20.11.09:

    Linke unterstützt Bildungsstreik in Oldenburg Soziales und demokratisches Bildungssystem statt Bologna!

    Die Linke.Oldenburg begrüßt es, dass sich der Bildungsstreik nun verstärkt auch in Oldenburg zeigt.
    Die Linke unterstützt die Ziele der streikenden Studierenden voll und ganz und freut sich, dass die
    Forderungen nun auch von einer breiteren Mehrheit unterstützt werden. Die verheerenden Folgen
    des Bologna-Prozesses für die Hochschullandschaft müssen revidiert werden!

    Wir lehnen einen Bildungsbegriff ab, der sich nur nach den Interessen der ökonomischen
    Machteliten richtet. Wir wollen ein Hochschulsystem, dass die Freiheit der Wissenschaft achtet und
    den Studierenden ermöglicht, durch ein selbstbestimmtes Lernen ihre Persönlichkeit weiter zu
    entwickeln, anstatt sie nur für die Wirtschaft abzurichten.

    Wir fordern daher die Abschaffung jeglicher Form der Studiengebühren, die Umstellung des
    Bachelor- und Master-Abschlusssystems auf ein Modell, das wissenschaftlichen Kriterien genügt
    und den unerträglich starren Zeitrahmen mit seinem Leistungs- und Konkurrenzdruck überwindet.
    Wir wollen ein demokratisches Bildungssystem, also die Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung
    der Lernenden in allen Bildungseinrichtungen. Wir wollen ein ausschließlich öffentlich finanziertes
    Bildungssystem, das nicht vom Sponsoring abhängt. Großkonzerne und Militär dürfen auf Schulen
    und Hochschulen keinen Einfluss haben.

    Die Linke fordert alle fortschrittlichen Kräfte in dieser Gesellschaft auf, die Streikenden zu
    unterstützen,damit der Druck auf die politisch Verantwortlichen steigt, Bologna zu revidieren und ein
    Bildungssystem zu schaffen, das demokratischen, sozialen und wissenschaftlichen Kriterien
    genügt.

    Jonas Christopher Höpken
    Pressesprecher Die Linke.Oldenburg

  3. 3 Administrator 20. November 2009 um 19:20 Uhr

    Positionierung des AStA zum Bildungsstreik

    (…) Der AStA hatte bereits zur Einführung der neuen Studiengänge Bachelor und Master umfangreiche Protestaktionen organisiert, die bei der damaligen Unileitung leider größtenteils auf taube Ohren gestoßen sind.

    Aus diesen und früheren Protesten haben wir gelernt, dass sich ein von oben verordneter Protest nicht langfristig selbst trägt, weil einfach nicht genug engagierte Aktive gefunden werden, die die Protestbewegung am Leben erhalten. Das hat auch damit zu tun, dass es viele Gruppen an der Uni gibt, die grundsätzlich nicht an AStA-Aktionen teilnehmen wollen.

    Dazu kommt, dass sich im engen Kontakt mit den Fachschaften und studentischen Gremienmitgliedern eher schlechte Beteiligung an Protestaktionen abgezeichnet hat: die FachschaftsvertreterInnen haben häufig von mangelnder Aktionsbereitschaft ihrer KommilitonInnen berichtet.

    Deshalb ist es wichtig, dass sich der aktuelle Protest direkt aus der Basis der Studierendenschaft gegründet hat. Nur so, wenn alle Beteiligten gleichberechtigt an der Ausgestaltung des Protests mitarbeiten, können wir gemeinsam an einem Strang ziehen und studentische Forderungen gezielt durchsetzen.

  4. 4 Alter Sack 22. November 2009 um 0:52 Uhr

    Auch wenn Berichte der NWZ grundsätzlich mit Vorsicht zu geniessen sind und sich die obige Erklärung des Asta ja schön liest, so waren doch die im NWZ-Bericht zitierten Äusserungen eines Asta-Sprechers arg anpasserisch. Beispielzitat: „Die derzeitigen Studienbedingungen sind nicht schlecht, sie sollten genutzt werden“ Nach allem, was ich aus meinem näheren Umfeld über Bachelor-Studiengänge mitbekomme, sind solche Aussagen doch der blanke Hohn.

  5. 5 Anonymous 24. November 2009 um 9:43 Uhr

    Oldenburg scheint doch noch Feuer zu haben.

    Wenn sich keiner bewegt, bewegt sich auch nichts!

  1. 1 Oldenburg brennt » Blog Archive » Medienspiegel Pingback am 23. November 2009 um 19:01 Uhr
  2. 2 Hörsalbesetzungen nun auch in Bremen « end of road Pingback am 25. November 2009 um 21:30 Uhr

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