Archiv für November 2009

schlecker xl – löhne xs

Gestern gab es in Bremen-Gröpelingen einen Flashmob von rund 100 Leuten im dortigen »Schlecker XL«-Markt. Der Protest richtete sich u.a. gegen die neue Unternehmensstrategie von Schlecker. Unter der Bezeichnung »Schlecker XL« werden neue und größere Filialen eröffnet, die kleineren dafür geschlossen. Einher geht dies mit der Kündigung vieler langjähriger MitarbeiterInnen der alten Filialen und dem Ausstieg aus der Tarifbindung. In den neuen Märkten soll neues, junges Personal eingestellt werden, welches, vielfach nur auf 400 Euro-Basis, zu Hungerlöhnen ab 6,50 Euro arbeiten soll.

Auch in Edewecht gab es am Morgen des 27. November um 8.00 Uhr eine Aktion anlässlich einer »Schlecker XL«-Neueröffnung. Hier protestierten in einer gemeinsamen Aktion GewerkschafterInnen von ver.di und Mitglieder der Unabhängigen Wählergemeinschaft Edewecht mit »Roten Karten« gegen die beschissenen Arbeitsbedingungen bei »Schlecker XL«.

☞ Hier nun noch eine kleine ARD Panorama-Reportage zum Fall »Schlecker XL«: (mehr…)

»die arbeitnehmer von morgen«

Bildungsstreik als Wettbewerbsfaktor? Eine Einschätzung zu den Oldenburger Studi-Proteste aus dem Blickwinkel von Onur Yamac, dem Herausgeber von »weser-ems.business-on.de – das regionale Wirtschaftportal« liefert der Artikel »Potenzial für „Stadt der Chancengleichheit“«:
» Als sich am vergangenen Donnerstagnachmittag vor dem Oldenburger Hauptbahnhof ein Demonstrationszug von Studenten in Bewegung setzte, war in „Deutschlands Stadt der Wissenschaft“ etwas anders als bei ähnlichen Demonstrationen: Studenten mit Fahrrädern statt schwarzer Block am Kopf des Zuges, freundlichere Musik, Teilnehmer mit bunten Luftballons und – ganz nach Carl von Ossietzky, dem Namenspaten der Universität – hatten viele eine Friedenstaube am Revers. Selbst die Milchbauern hatten eine kleine Delegation entsandt. Nur eins wird sich scheinbar nie ändern: die Lautsprecherdurchsagen. (mehr…)

polzeisportverein vs. VfB-supporter

Beim Heimspiel des VfB Oldenburg gegen Kickers Emden am 22. November 2009 haben die Bullerei, oder genauer gesagt das Oldenburger BFE, und die Sicherheitsbeauftragten des VfB mal wieder ihre ganz eigene Demokratie-Definition zum Besten gegeben…

☞ Hier zwei Stellungnahmen aus der Oldenburger Fanszene: (mehr…)

oldenburg brennt, part 4

Heute Nachmittag haben rund 1700 Leute gegen die neoliberale Bildungspolitik demonstriert. Vom Bahnhof aus ging es über den Pferdemarkt zum besetzten Audimax (A14) an der C.v.O.-Universität. Auf der rund zweistündigen Demo meldeten sich Studierende, MitarbeiterInnen der Uni, FachhochschülerInnen und SchülerInnen zu Wort und machten so vorallem Eines deutlich: nur zusammen läßt sich was wuppen…
Oldenburg brennt!

wohnraum gesucht

Wie bereits mehrfach berichtet [1] [2], wird in Oldenburg bezahlbarer Wohnraum knapp. Dies wußte am 25.11.2009 auch mal wieder die NWZ zu berichten. Demnach hat es allein bei der Wohnungsbaugesellschaft »GSG« eine Nachfragesteigerung um 15 % gegeben, welche nicht zeitnah bedient werden kann. Aus dem »Immobilienmarktbericht Herbst 2009« der Maklerfirma »Wübbenhorst« geht zudem hervor, dass neue MieterInnen in der Regel mit höheren Mieten rechnen müssen als die vorherigen BewohnerInnen der Wohnung. Im ständig wachsenden Oldenburg wird zwar ein Yuppie-Wohnobjekt nach den anderen hochgezogen, der Bau von akzeptablen, günstigen Wohnraum liegt aber seit Jahren auf Eis – er sei nicht wirtschaftlich genug. GSG-Chef Könner dazu: »Wir müssen kreative Lösungen suchen, obwohl ich im Moment auch nicht weiß, wie die aussehen könnten«. Andere Leute hatten da vor Kurzem schon eine »kreative Lösung« gefunden. Vielleicht macht die ja Schule.

oldenburg brennt, part 3

Seit letztem Donnerstag, dem 19.11.09, 14.00 Uhr ist das Hörsaalzentrum A14 der Uni Oldenburg nun aus Protest gegen die Bildungspolitik besetzt. Und die Motivation und Anzahl der BesetzerInnen scheint eher zu als ab zu nehmen. Tägliche Großplena und offene Infoveranstaltungen, gemeinsame Essensversorgung, Transis malen, Flyer entwerfen, Aktionen planen, Bündnisse schmieden und seit einigen Tage auch noch tägliche Veranstaltungen der »alternativen Uni«. Das kann sich nun wirklich sehen lassen. Und am nächsten Donnerstag, dem 26.11. geht`s auch mal wieder im größeren Maßstab auf die Straße. Um 14.00 Ühr ist eine Demonstration ab dem Hauptbahnhof geplant… Oldenburg brennt!


Bild von: http://weser-ems.business-on.de

»graffiti-kritischer Teil«

Die Debatte um »Legale Graffitiflächen« in Oldenburg geht weiter – allerdings nun mit geänderten Vorzeichen. Wurden über Jahre hinweg aus SprayerInnen Schwerkriminelle konstruiert und die Graumacher vom »Oldenburger Präventionsrat« zu Helden in schillernden Rüstungen stilisiert, bettelt nun der Vorsitzende des Präventionsrats, Gerd Koop darum, beim Thema Graffiti überhaupt noch gefragt zu werden (»Wir würden uns gerne daran beteiligen, legale Graffitiflächen zu suchen. (…) Ich glaube, dass sich eine gemeinsame Position finden lässt, auch mit dem Arbeitskreis Graffitikultur.« – hört, hört!). Denn inzwischen gibt es in Oldenburg eine große Lobby für`s Bunte – und mit dem »Arbeitskreis Grafittikultur in Oldenburg (AKGO)« auch so etwas wie eine Interessenvertretung der SprayerInnen.

Und während z.B. SPD-Ratsherr Christoph Sahm nun die »Erfahrung und Kompetenz des Präventionsrats nutzen (will), auch um den Graffiti-kritischen Teil der Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen« [NWZ], vertritt z.B. Christine Arndt (Die Linke) die wohl einzig vernünftige Position – sie lehnt eine Zusammenarbeit mit dem »Präventionsrat« ab und sagte: »Wir wollen, dass den lange Jahre vernachlässigten Sprayern Freiraum gegeben wird«. Wurde auch wirklich Zeit.

nazibengel wollen »rock ’n’ roll«

Die Oldenburger NPD und einige virtuelle Nazis rufen dazu auf, eine Veranstaltung mit An­drea Röpke über die Rolle von Frau­en in der Na­zi­sze­ne [Info], welche am Mittwoch, dem 2. Dezember 2009 um 20 Uhr im Stadt­mu­se­um Ol­den­burg (Am Stadt­mu­se­um 4-8) stattfinden wird, zu stören. Die virtuellen Nazis empfehlen ihren imaginären KameradInnen von »auserhalb«, »in kleineren Gruppen dort auf zu tauchen, da mit größeren Polizei aufwand gerechnet wird«. Sie versprechen »Rock ’n’ Roll« im Oldenburger Stadtmuseum – fragt sich nur, nach wessen Melodie.


Die Sturmabteilung der Oldenburger Naziszene (Abb. ähnlich)

ewe kassiert ab

Die rund eine Million StromkundInnen des Energiedienstleisters EWE sollen mal wieder deutlich mehr blechen. Ab dem 1. Januar 2010 sollen die Kosten für eine Kilowattstunde Strom in der Grundversorgung brutto 23,09 Cent statt bisher 20,47 Cent kosten, der monatliche Grundpreis steigt von 4,58 Euro auf 5,95 Euro. Für einen Durchschnitts-Haushalt bedeutet dies eine Erhöhung um etwa 14 Prozent (~ 9 Euro pro Monat).

Kleine Ergänzung: Der Netto-Gewinn der EWE lag im ersten Halbjahr 2009 übrigens bei 257 Millionen Euro – eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von 102 Prozent.

oldenburg brennt, part 2

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oldenburg brennt, part 1

Nachdem noch am Mittwoch in der NWZ berichtet wurde, dass die Bildungsproteste an Oldenburg komplett vorbei gehen und selbst ein AStA-Sprecher die Sinnhaftigkeit des Streiks in Frage stellte (»Wir befürworten zwar den bundesweiten Streik, doch wird sich dadurch nichts an der Gesamtsituation ändern«), scheinen die Studierenden endlich aufgewacht zu sein. Mit rund einwöchiger Verspätung startet am Donnerstag der Bildungsstreik auch in Oldenburg durch.

Und das konnte sich durchaus sehen lassen: Nach einer von einigen Studierenden initierten Versammlung im zentralen Hörsaalgebäude (A 14, Audimax) mit mehreren hundert Leuten wurde beschlossen, das Audimax auf längere Dauer zu besetzen. Und während die Einen begannen, Pläne für die nächsten Tage zu schmieden, besetzten um die 400 Leute die Verkehrskreuzung am Uhlhornsweg. Anschließend gab es eine nette Demo mit inzwischen etwa 650 Leuten in die City und zurück. Am Abend dann das nächste Grossplenum, einen Orchesterauftritt, lecker VoKü und eine kleine Party im Audimax. Auch über Nacht würde das Gebäude besetzt gehalten und am heutigen Morgen ging‘ s dann gleich weiter… Für Samstag, den 21.11.2009 ist um 11.00 Uhr am Lefferseck ein Sitz-Flashmob geplant, ansonsten soll auch das ganze Wochenende über das Audimax besetzt bleiben. Da geht so einiges! Heiße News gibt`s bei: www.oldenburg-brennt.de


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braune kameradinnen

Am Mittwoch, dem 2. Dezember referiert die Politologin, freie Journalistin und Buchautorin Andrea Röpke über die Rolle von Frauen in der Naziszene [Flyer]. Die Veranstaltung vom »Frauenbüro der Stadt Oldenburg« in Kooperation mit der »Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen« beginnt um 20 Uhr im Stadtmuseum Oldenburg (Am Stadtmuseum 4-8). Hier nun der Ankündigungstext: »„Ohne Frauen funktioniert gar nichts mehr in der Szene“ : so fasst es eine Aussteigerin zusammen. Rechtsextreme Frauen und Mädchen wirken nicht nur im Hintergrund und ziehen politisch die Fäden. Sie sind überall dabei, bei öffentlichen Auftritten, sie gestalten NPD-Infostände oder sorgen privat für national gesinnten Nachwuchs. Sie sind ebenso ausländerfeindlich und fanatisch wie die Männer, agieren allerdings zurückhaltender in der Öffentlichkeit. Trotzdem ist die Neonazi-Szene eine Männerbastion, in der das Geschlecht über Rolle und Position entscheidet. (mehr…)

leben wagen – wagenleben

Im Zuge der geplanten Yuppiesierungsmaßnahmen für das Areal des alten Stadthafens, wo nach den Träumen des scheidenden Stadtbaurats Frank-Egon Pantel eine »Wasserstadt« für das zahlungsfähige Klientel entstehen soll, soll auch die dort beheimatete Wagenburg ihre derzeitige Bleibe verlieren. Vor über zehn Jahren wurde die Wagenburg am Stau durch hartnäckige Kämpfe gegen Statverwaltung und Bullerei erstritten und hat sich seit dem zu einem der schönsten (Wohn-)Orte der Stadt entwickelt. Seit Februar 2008 laufen (bisher wenig ergiebige) Diskussionen zwischen der Stadtverwaltung und den BewohnerInnen der Wagenburg über ein eventuelles zentrales Ersatzgelände. Auf der nächsten Bauausschusssitzung soll nun auf Antrag der um den Erhalt besorgten SPD-Fraktion des Stadtrats über die Zukunft der Wagenburg geredet werden. Im Gespräch sollen die Areale »Altes Klärwerk« und »Weser-Ems-Halle/Maastrichter Straße« sein.

ALSO goes wissenschaft – third strike

Bereits zum dritten Mal lädt die »Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg – ALSO« zum wissenschaftlich-politischen Symposium an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ein. Unter dem Titel »Krisen-Konzepte« werden am 5. Dezember ab 12 Uhr im BIS-Saal u.a. Prof. Dr. Elmar Altvater, Prof. Dr. Adelheid Biesecker, Dr. Mario Candeias und Dr. rer. pol. Ulrich Schachtschneider über verschieden Facetten des Neoliberalismus und das Krisenmanagement in der aktuellen Wirtschaftskrise referieren. Den Ankündigungs-Flyer findet ihr hier als pdf.-Datei.

zwergWERK #9


Vom 26. bis 29. November gibt`s zum neunten mal was Kürzes für die Augen, was desöfteren um so länger im Hirn bleibt. Es ist wieder zwergWERK-Zeit. Die Oldenburger Kurzfilmtage zwergWERK sind ein jährlich im November stattfindendes Festival, das sich dem Kurzfilm in all seinen Facetten – Kurzspielfilm, Doku, Experimentalfilm, Musikvideo, Trash – widmet. Die Seite des Festivals findet ihr hier.